Mentalista

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  • #61
@MonDieu: Die Ironie des Schicksals war: Die e-mail hat zunächst dazu geführt, dass der Kontakt total zusammenbrach. ich dachte: "Na super, das war jetzt viel zu viel Druck." Ich hab dann monatelang kämpfen müssen, bis wir wieder einen halbwegs regelmäßigen und vertrauensvollen Austausch hatten. Eine Beziehung ist aber nicht wieder zustande gekommen, obwohl wir es uns eigentlich beide wünschten. Und die Gründe dafür waren letzendlich in der mail aufgelistet, als Ultimatum oder eine Art Katalog der Minimalanforderungen, was sich alles ändern müsste...
Typischer Fall von "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Ich hätte aber auch heute keine Idee, wie man es anders zu einer bessern Lösung hätte bringen können. Er hat eine (vom einer Fachfrau eindeutig diagnostizierte) narzisstische Persönlichkeitsstörung (jaja, sag jetzt nichts, das böse, beziehungsvereitelnde N-Wort...;-)) und zwar die depressive Variante. Die geht dann so: Wenn er sich Beziehungs-sabotierend verhält, z.B. sich wochenlang nicht meldet oder zu einem Treffen nicht Stunden, sondern Tage zu spät erscheint, und ich versuche, das zu thematisieren (inzwischen behandele ich ihn dabei schon wie ein rohes Ei, bleibe bei Ich-Botschaften, versuche jeden Vorwurf oder Ärger in der Stimme zu vermeiden, weil ich ja will, dass er nicht gleich wierder mit Rückzug reagiert), dann läuft es immer auf "Oh nein, ich habe Dich schon wieder enttäuscht. ich enttäusche Dich immer. Ich bin so ein Loser. Leider muss ich jetzt weg, weil ich darüber so traurig bin und mich so schäme." hinaus - gefolgt von dem nächsten Kontaktabbruch für x Wochen. Wenn´s nicht so traurig wäre, wäre es Slapstick.

Warum tut Frau sich so was an:eek:?
 

Claudi

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  • #63
@Mentalista und @MonDieu:
Beautiful Freak
https://youtu.be/QM6SNrmH0r8;
Manche Menschen sind ja mehr als "der gescheiterte Beziehungsversuch" oder "schon wieder ein Narzisst". Dieser ist jemand sehr Besonderes. Neben den Dingen, vor denen ich letztendlich mit meinem Beziehungswunsch kapitulieren musste, gibt es viele die uns verbinden und für die ich dankbar bin.
@MonDieu: gemein war er gar nicht, glaube ich. Außer bei narzisstischer Kränkung: was dann kam, war schon oft gezielt unter die Gürtellinie...Aber dem zu sagen "Jetzt hör doch mal auf, immer aus dem Kontakt zu gehen" wäre so als ob Du jemandem mit einem motorischen Tic sagst "Jetzt hör doch mal auf, so mit dem Auge zu zucken." Kam mir jedenfalls so vor.
Deswegen - und wegen der expodierenden Teenies zu Hause - ist ja die Frage "Wie spricht man Dinge, die einem in einer Beziehung nicht gefallen, richtig an?" so ein Thema für mich.
 
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fleurdelis*

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  • #64
"Wie spricht man Dinge, die einem in einer Beziehung nicht gefallen, richtig an?" so ein Thema für mich.

Wenn du aus der Vergangenheit ein Muster deines Ex kennst, welches er aufgrund seiner Psychologie an den Tag gelegt hat, wäre es doch sinnvoll, hier zu differenzieren. In dem Moment war dir eine "normale", offene Kommunikation nicht möglich. Wenn du mit anderen in Kontakt bist, kannst du ein wenig beobachten, wie derjenige reagiert und dich bedingt anpassen. Jedoch ohne dich selbst völlig zu übergehen. Wenn du den Anteil dessen, wie Dinge besprochen werden nur bei dir suchst, wirst du ja irre .... Sorry, auch der andere darf sich dem anpassen, was du denkst und fühlst.
 
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Claudi

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  • #65
Darum war mein Rat eine Paarberatung zu versuchen.
Manchmal kommt es mir so vor, als ob man es sich mit dem Ratschlag "Mach doch mal eine Therapie." oder "Geht doch mal zur Paarberatung." ein bisschen einfach macht. Da gibt man das ganze Drama und die Verantwortung in professionelle Hände und muss sich selbst nicht mehr damit belasten. Früher war nicht nur mehr Lametta, früher gab es für sowas die beste Freundin, den Trauzeugen, die Schwester, den Beichtvater...
Mir fällt nur auf, dass gerade wenn hier schwierige Themen aufkommen, schnell darauf verwiesen wird, dass "normale Menschen" hier nicht mehr weiterhelfen können, sondern dass da jetzt mal geschulte Therapeuten ran müssen. Dabei geht es so wie hier oft erstmal nur um Reden, Zuhören und evtl. Erfahrungs- und Meinungsaustausch. In diesem Rahmen ist jeder ein Beziehungsexperte. Jeder hat doch unterschiedliche Beziehungserfahrungen und -strategien und ich finde, es lohnt sich, darüber zu reden. Therapie (Paar, Einzel, Gruppe) ist gut, aber nicht das Allheilmittel. "Geh mal zur Therapie und lass das wegmachen." funktioniert eben nur bedingt bei Einsamkeit, unsicherer Bindung und mangelndem (Selbst)Vertrauen.
 
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fleurdelis*

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  • #66
Liebe @Claudi .... ich glaube ich beginne so langsam zu verstehen. Wenn nicht, dann berichtige mich .... Du hast in der Vergangenheit versucht, einen Vulkan am ausbrechen zu hindern, weil du dich angepasst hast, weil du seine Reaktion, dass er sich zurückzieht verhindern wolltest. Das Problem: du konntest tun was du wolltest, der Rückzug kam ..... Hier passiert folgendes: du wirst dadurch völlig destabilisiert. Unsicher, unglücklich und versuchst noch mehr dich selbst zu kontrollieren. Wer destabilisiert ist, kann das nicht, und das verstärkt die Situation noch mehr. Wer destabilisiert ist, hat kein Vertrauen mehr, weiß nicht mehr was richtig und falsch ist.

Hat dir denn noch niemand gesagt, dass es gar nicht an dir lag? Das du hättest alles tun können, es nichts gebracht hätte? Suchst du heute noch die Schuld bei dir? Oder hast du dich "endlich" aus der Verantwortung genommen? Du trägst keine Schuld, du hast deine Gefühle und dich selbst soweit zurück genommen, dass ich dich fragen könnte: wo warst du? .... Das was du erlebt hast, ist Horror. Um ihn geht es hier gar nicht, es geht um dich: Wo sind deine Gefühle die du für ihn hattest, als du verletzt und wütend warst? Was hast du mit ihnen gemacht, sie unterdrückt? .... Durften sie denn mal hoch kommen? Ich glaube, du hast dich vor langer Zeit verloren .... und du kannst dich wiederfinden, wenn du dir erlaubst selbst zu sein, deine Gefühle zu spüren, auch wenn da immens Traurigkeit da ist. Die Traurigkeit tut dir nichts, die Situation die zur Traurigkeit geführt hat, die hatte dir etwas getan .... kann es sein, dass du vergessen hast, dass DU wichtig bist? ....... Ich hoffe, ich bin dir jetzt nicht zu nahe gekommen .... :)
 
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  • #67
Das ist echt traurig, wenn Menschen so ignorant sind, zu glauben, sie hätten ihre Persönlichkeitsentfaltung abgeschlossen und jegliche Selbstreflexion wäre Zeitverschwendung. :(
Weil, selbst wenn die Paartherapie scheitert, so lernt man sich doch selbst besser kennen und erfährt etwas Neues über sich. Ist also immer eine Art Gewinn.
Eigentlich mische ich mich in solche Diskussionen nicht ein. Das hier ist aber so offensichtlich falsch, dass ich hier mein Veto einlegen möchte.
Nein, nicht jede Paartherapie ist sinnvoll. Und Nein, es ist nicht immer ein Gewinn, "etwas Neues über sich selbst zu erfahren".
Es kann für einen Menschen sehr gut funktionieren, eben Nicht ständig Nabelschau und Selbstreflexion zu betreiben.
Es gibt Menschen, denen geht es sehr gut mit was-auch-immer-für-Störungen. Wie es der Umwelt damit geht ist eine andere Frage.
Versucht doch bitte nicht ständig, den anderen für therapiebedürftig zu erklären, nur weil der eure Erwartungen nicht erfüllt. Geht oder ertragt es. Oder ändert Euch.

Edit: Das war jetzt nicht auf den Austausch von Claudi und fleurdelis bezogen.
 
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  • #68
früher gab es für sowas die beste Freundin, den Trauzeugen, die Schwester, den Beichtvater...
Schon, aber früher war oft auch die Intension eine andere. Da war häufig das Ziel, "es weiterhin auszuhalten", da kann eine gute Freundin oder ein Beichtvater schon hilfreich sein.
Mit der Paartherapie zielt man ja eher darauf ab, das Beziehungsverhalten zu verbessern. Oder genau genommen zielen wahrscheinlich die meisten darauf ab, das Beziehungsverhalten des anderen zu verbessern.:rolleyes: Ich räume diesem Ansinnen, welches oft erst dann verfolgt wird, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt, nur geringe Erfolgschancen ein. Vielleicht sollte man das Beziehungsverhalten vorher verbessern, durchaus auch mit Coaching.
 
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  • #69
M.E.ist ja gar nicht klar, ob bzw. wie oft der Mann im Swingerclub war/ist. Nach Aussage der TE weiß sie nicht, was er tut, mit ihm zusammen ist sie nicht hingegangen. Er könnte es auch nur erwähnt haben, weil er weiß, dass er sie damit treffen kann etc. pp
Dann hat der aber genauso einen Knall.
"Wie spricht man Dinge, die einem in einer Beziehung nicht gefallen, richtig an?"
Mit welchem Ziel denn? Daß das Gegenüber sich in Deinem Sinne "verbessert"? Dann vergiß es. Das führt nur zu Widerstand und Verdruß. Die einzige Möglichkeit ist es, das, was Dir gefällt, vorzuleben und zwar so, daß Dein Gegenüber Gefallen daran findet und Dich als Vorbild nimmt. :rolleyes:
 

t.b.d.

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  • #70
Manchmal kommt es mir so vor, als ob man es sich mit dem Ratschlag "Mach doch mal eine Therapie." oder "Geht doch mal zur Paarberatung." ein bisschen einfach macht. Da gibt man das ganze Drama und die Verantwortung in professionelle Hände und muss sich selbst nicht mehr damit belasten. Früher war nicht nur mehr Lametta, früher gab es für sowas die beste Freundin, den Trauzeugen, die Schwester, den Beichtvater...


Vor vielen Jahren bin ich mal an einem havarierten PKW angehalten. Bundesstraße, kein Nottelefon weit und breit.
Eine junge Mutter mit ihren Kindern war mit dem Wagen ihres Vaters liegengeblieben. Siebener BMW, älteres Baujahr. Der Schlauchanschluss am Kühler war defekt. Das Material hatte die Konsistenz von Fensterkitt angenommen und war am zerbröseln. Da hilft weder reden noch zuhören noch Panzertape, da muss ein neuer Kühler her. Natürlich hatte ich keinen und hätte den auch nicht einbauen können um ihr zu helfen. Wir hatten beide kein Mobeiltelefon dabei. Also habe ich ihr angeboten zur nächsten Tanke zu fahren und den ADAC anzurufen. Tja, so haben wir es dann auch gemacht. Manchmal muss einfach ein Profi ran.

Weißt du. Wenn ich jemandes Sorge sehe und nicht wirklich helfen kann, dann fühl ich mich einfach hilflos und überfordert. Ich möchte mich aber auch nicht einfach abwenden und so tun als hätt ich´s nicht bemerkt oder ein heißes Getränk anbieten. Das beste was ich in so einem Moment raten kann ist einen Profi zu konsultieren. Und ja, bei persönlichen Bekannten, Verwandten oder Freunden höre ich auch gern vorher noch stundenlang zu und versuche Trost zu spenden.
 
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Claudi

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  • #71
@fleurdelis: Ich danke Dir sehr für Deine Analyse, mit der Du mir sehr nahe gekommen bist, aber das war völlig ok und gut so. Es stimmt sehr vieles davon. Insbesondere, dass ich mit den Gefühlen von Verletztheit, Wut und Hilflosigkeit nicht angemessen umgehen kann. Ich unterdrücke sie oder behaupte auch gerne, es sei schon ok, obwohl es alles andere als das ist. Wegen der Verhinderung des Vulkanausbruchs, der in meinen Augen alles kaputt machen würde (obwohl da nichts mehr zum Kaputtmachen ist. Der andere hat durch passiv destruktives Verhalten und "Aus der Beziehung Gehen" ja schon für uns beide entschieden, dass es nicht mehr weitergehen soll...).
"So tun als ob nichts wehtut" ist meine Strategie, dysfuntionale Beziehungen aufrechtzuerhalten. Viel zum Nachdenken in Deinem Post.
 
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MonDieu

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Hier passiert folgendes: du wirst dadurch völlig destabilisiert. Unsicher, unglücklich und versuchst noch mehr dich selbst zu kontrollieren. Wer destabilisiert ist, kann das nicht, und das verstärkt die Situation noch mehr. Wer destabilisiert ist, hat kein Vertrauen mehr, weiß nicht mehr was richtig und falsch ist.
wie wird man so destabilitiert wieder stabliler?