G

Gast

  • #1

Handicaps - meine Gedanken dazu

Hallo zusammen,
habe gerade den Thread zu "Legasthenie" unter Expertenrat gelesen und mir auch wegen anderer Handicaps oder Krankheiten so meine Gedanken dazu gemacht.

Z. B. habe ich eine Krankheit (nein, ist nicht ansteckend), die man mir gar nicht ansieht, mich aber durchaus in meinem täglichen Leben und auch in der Partnerschaft einschränkt (Muskel- und Konzentrationsschwäche, oft müde, usw.). Und gerade, weil man sie mir nicht ansieht und ich auch niemand bin, der ständig deswegen jammert, die Grenzen oft sogar selbst überschreite, haben viele ein Problem damit, zu verstehen, wenn ich dann doch mal die Reißleine ziehen muss, weil mir gerade irgendwas zu viel wird. Aber wie sollte ich das in meinem PS-Profil be-/umschreiben?!

Obwohl ich sehr offen darüber spreche, nervt es dennoch, jedem "neuen Menschen" in meinem Leben, die ganze Geschichte wieder neu erzählen/erklären zu müssen. Sei es nun ein neuer Arzt, Bekannte/r oder nur Kollege/in oder Chef/in. Manchmal hätte ich am liebsten einen Bar- oder QR-Code eintätowiert, der darüber ausführlichst informiert.

Trotzdem versuche ich, möglichst gleich zu Beginn auf meine Krankheit aufmerksam zu machen, um diese (und eventuell auch mein Gegenüber) damit direkt abhaken zu können. Meistens schaffe ich es, beim Thema Sport oder Alkohol automatisch darauf zu sprechen zu kommen, doch es ist immer wieder schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um sich zu outen. Gerade dann, wenn man sich persönlicheren/intimeren Kontakt zu dieser Person wünscht.

Bei einem Sprachfehler, einer Lähmung oder Amputation scheint die "Behinderung" meist so offensichtlich, dass es entweder vom Anderen einfach so akzeptiert wird, oder erst gar kein weiterer Kontakt entsteht ....

Ich frage mich oft, was schlimmer ist: Direkt abgelehnt zu werden, oder erst aufs Abschiebegleis gestellt zu werden, wenn der Partner dann doch bemerkt, dass man in manchen Dingen einfach nicht mehr so mithalten kann, wie man selbst gerne möchte (z. B. abends noch lange unterwegs sein, jeden Tag eine Fahrradtour oder Wanderung planen oder dauernd gedankenschwere Gespräche oder Diskussionen führen ....)

Da ich selbst betroffen bin, habe ich kein Problem damit, wenn mir jemand direkt von seinem/ihrem Handicap erzählt. Vor allem habe ich gerade dadurch, dass ich so offen damit umgehe erst mal sehen können, wie viel Menschen gleiche/ähnliche "Geheimnisse" haben.

Aber was geht in euch "Gesunden" vor, wenn ihr mit sowas konfrontiert werdet?
Wenn ihr die Wahl hättet: Wäre es euch lieber, dass ihr sofort bescheid wisst, oder würdet ihr denjenigen/diejenige doch erst mal näher kennen lernen wollen, bevor ihr davon erfahrt?
Oder würdet ihr vielleicht sogar vor dem ersten Telefonat/Treffen sowas abfragen?
Lehnt ihr ihn/sie dann sofort ab oder haltet ihr den Kontakt gar aus Mitleid erst mal weiter?
Geht ihr tatsächlich genauso offen damit um, wie wir "Behinderten" untereinander?

Eigentlich möchte ich diesen Thread gar nicht als Diskussion eröffnen, sondern nur als "Gedankenanstoß" nutzen. Jeder muss jeden Tag damit rechnen, mit so einer Situation konfrontiert zu werden. Gerade in der Zeit, in der auch psychische Probleme/Depressionen immer weiter zunehmen. Und vielleicht sollte sich jeder mal Gedanken darüber machen, wie er damit umgehen könnte/sollte oder wie ihm als Betroffener zumute wäre, bevor es dazu kommt.
 
Beiträge
12.065
Likes
10.098
  • #2
Ich würde so etwas gerne relativ früh wissen wollen, denn letztlich ist auch körperliche Unversehrtheit eines der vielen "Kriterien" bei der Partnerwahl. Zumal die "altersbedingten Zipperlein" ja ohnehin bei fast allen vorhanden sind. Derartige Handicaps sind ja in großer Vielfalt und auch in völlig unterschiedlicher Ausprägung vertreten.

Und hier kommt bei mir ein gewisses Kalkül hinzu: Wie sehr schränkt das Handicap der potentiellen Partnerin meinen zukünftigen Lebensentwurf ein, in wie weit bin ich bereit Kompromisse zu machen. Und hier kommt dann die emotionale Zugewandtheit ins Spiel.

Sitzt mir genau DIE Frau gegenüber, nach der ich mich (gefühlt) ein Leben lang gesehnt habe? Dann wäre die Bereitschaft erheblich größer mit das Leben einschränkenden bzw. erschwerenden Umständen umzugehen und diese zu akzeptieren. Und ja, sie kann die Traumfrau sein - auch mit Handicap.

Wäre es aber so, dass der Funke nicht überspringt, man jedoch einer möglichen Beziehung gute Chancen einräumt, sich im Laufe der Zeit zusammen zu finden, wäre ein bereits zu Beginn einer möglicherweise etwas fragilen Partnerschaft vorhandenes, das Zusammenleben stark beeinträchtigendes Handicap für mich suboptimal.
 
Beiträge
8.079
Likes
7.870
  • #3
Zitat von IMHO:
Wie sehr schränkt das Handicap der potentiellen Partnerin meinen zukünftigen Lebensentwurf ein, in wie weit bin ich bereit Kompromisse zu machen. Und hier kommt dann die emotionale Zugewandtheit ins Spiel.
Das ist wohl des Pudels Kern.

Und es braucht ja oft nicht mal ein Handicap - es reicht schon, wenn man nicht segelt, Tennis / Golf spielt, 40 km am Wochenende Rad fährt, Fleischesser oder Vegetarier ist, die falsche Musik hört usw. usf.
 
Beiträge
1.923
Likes
86
  • #4
Zitat von lisalustig:
Das ist wohl des Pudels Kern.

Und es braucht ja oft nicht mal ein Handicap - es reicht schon, wenn man nicht segelt, Tennis / Golf spielt, 40 km am Wochenende Rad fährt, Fleischesser oder Vegetarier ist, die falsche Musik hört usw. usf.
Der Falsche macht eben vieles falsch, der Richtige vieles richtig! Tolle Erkenntnis!
 

vhe

Beiträge
549
Likes
27
  • #5
Zitat von SieAlleine:
Aber was geht in euch "Gesunden" vor, wenn ihr mit sowas konfrontiert werdet?
Hängt davon ab, wie die "Konfrontation" aussieht. Ich hab auch schon Frauen gesehen, die auch im Rollstuhl fantastisch aussahen.

Und wenn der erste Eindruck stimmt :) ... (siehe anderer Thread hier)

Zitat von SieAlleine:
Wenn ihr die Wahl hättet: Wäre es euch lieber, dass ihr sofort bescheid wisst, oder würdet ihr denjenigen/diejenige doch erst mal näher kennen lernen wollen, bevor ihr davon erfahrt?
Und wieder sind wir bei SB-Dating vs RL-Dating.

Ich würde sagen, Du solltest es im Profil ansprechen. Vielleicht nur kurz, mit einem Link, wo man sich schlau machen kann.
 
G

Gast

  • #6
Ach, die TE ist gelöscht. Vielleicht liest sie hier ja trotzdem noch mit.

Zitat von Gast:
Und gerade, weil man sie mir nicht ansieht und ich auch niemand bin, der ständig deswegen jammert, die Grenzen oft sogar selbst überschreite, haben viele ein Problem damit, zu verstehen, wenn ich dann doch mal die Reißleine ziehen muss, weil mir gerade irgendwas zu viel wird. Aber wie sollte ich das in meinem PS-Profil be-/umschreiben?!
Diese Frage hat mich auch mal hier ins Forum getrieben. Und die Antwort "gar nicht" konnte ich mir damals auch nicht gut vorstellen.

Ich frage mich oft, was schlimmer ist: Direkt abgelehnt zu werden, oder erst aufs Abschiebegleis gestellt zu werden, wenn der Partner dann doch bemerkt, dass man in manchen Dingen einfach nicht mehr so mithalten kann, wie man selbst gerne möchte.
Ich glaube eher, das Problem ist das letztere. Selbst zu akzeptieren, dass einfach einige Dinge anders sind. Und dieses anders nicht selbst automatisch als "schlechter" zu bewerten. Und die Hardcoreübung für Fortgeschrittene: evtl. sogar was Positives daran finden.

Da ich selbst betroffen bin, habe ich kein Problem damit, wenn mir jemand direkt von seinem/ihrem Handicap erzählt.
Ich finde das trotzdem immer noch schwierig. Es ist einfach ein "verkorkster" Einstieg. Es gibt ja noch genügend andere Themen.

doch es ist immer wieder schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um sich zu outen. Gerade dann, wenn man sich persönlicheren/intimeren Kontakt zu dieser Person wünscht.
Da hilft nur ausprobieren. Und üben. In mancher Hinsicht hilft es. In anderer gibt es so ein Mauergefühl.

Eigentlich möchte ich diesen Thread gar nicht als Diskussion eröffnen, sondern nur als "Gedankenanstoß" nutzen.
Geschenkt. Moralisieren ist end-öde. Eine Börse ist eine Börse. Da gehört Klappern zum Handwerk.
Entweder die Regeln akzeptieren oder nicht mitspielen. Oder vielleicht den Huckleberry-Finn-Zaunstreich-Trick anwenden ??

Lehnt ihr ihn/sie dann sofort ab oder haltet ihr den Kontakt gar aus Mitleid erst mal weiter?
Diese Angst kenne ich. Da sitzt mein Opfertrigger in der Ecke und lacht sich eins. Meistens, wenn ich selbst nicht gut für mich sorge. Dann können mich schon kleinste "Nebenbeiäußerungen" total runterziehen. Dann merke ich, dass es wieder mal Zeit ist zur Fütterung des Niedergeschmettertsein-Wolfs. Friss, du Hund. Aber nur noch heute ...
Morgen sind wieder die weißen dran.
 
G

Gast

  • #7
Ich würde nichts von Krankheiten, Behinderungen oder Problemen in ein Profil packen. Diese Themen kann man immer noch zu einem späteren Zeitpunkt anschneiden. Falls der Schreibkontakt überhaupt so weit geht, oft ist ja schon bereits nach Bildfreigabe oder mangels fehlender Wellenlänge vorher Ende. Außerdem kann man dann daran auch feststellen, ob der nicht zielführende Kontakt wirklich an dem Handicap gescheitert ist oder aufgrund ganz anderer Faktoren.
 
G

Gast

  • #8
Diese Wolf-Metapher ist Quatsch. Der weiße und der schwarze Wolf. So ein Schmarrn.
 
Beiträge
8.079
Likes
7.870
  • #10
Ich habe mal einen Mann getroffen, der extrem humpelte. Kein Wort stand davon in seinem Profil. Ich war erschrocken und fragte ihn, ob er sich verletzt hätte. Er sagte nein. Da stand nun und fühlte mich mit dieser Frage unwohl.....
 
Beiträge
8.079
Likes
7.870
  • #12
Weil ich so erschrocken war und er so tat, als wäre das extreme Humpeln ganz normal und nicht vorab erwähnenswert. Ich fühlte mich, als säße ich mitten im Fettnapf.....
 
Beiträge
2.393
Likes
1.494
  • #13
Zitat von lisalustig:
Weil ich so erschrocken war und er so tat, als wäre das extreme Humpeln ganz normal und nicht vorab erwähnenswert. Ich fühlte mich, als säße ich mitten im Fettnapf.....
Manchmal hat der Erwachsene auch eine so was von verkorkste Denke. Kinder sind da viel entspannter....
 
G

Gast

  • #15
Zitat von lisalustig:
Weil ich so erschrocken war und er so tat, als wäre das extreme Humpeln ganz normal und nicht vorab erwähnenswert. Ich fühlte mich, als säße ich mitten im Fettnapf.....
Fandest du sein Humpeln schlimm, hat es dich abgeschreckt? Wie fand er sein Humpeln?