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  • #1

Geht es um Personen oder geht es um Zustände ?

Hier im Forum kann man immer wieder über die große Trauer, Sehnsucht o.ä. in Bezug auf Menschen und Beziehungen lesen.
Ich frage mich dann manchmal (fafner hat das auch irgendwo in einem Thread geäußert) - worum geht es dabei genau ? Geht es wirklich um eine Person, die man ersehnt oder der man hinterhertrauert oder ist es eher ein "Zustand" - ein Teil eines Paars sein zu wollen, weil man sich dann vollständiger fühlt, den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht, einiges im Alltag einfacher ist ?

Der Unterschied mag in einiger Hinsicht egal sein - wenn zwei zusammen und zufrieden sind, erfüllen sie ja auf jeden Fall einen bestimmten "Zweck" für den anderen - ist dann vielleicht egal, worauf das zurückgeht.... Oder ist das fühlbar, wenn man dem anderen eigentlich nur einen "Zustand" ermöglicht und die eigene Person ein bisschen beliebig austauschbar bleibt ?

In dem Moment, wo man leidet, ist es vielleicht wichtiger, bei sich selber rauszukriegen, ob es einem wirklich um die Person geht oder eher um die Tatsache, fest verbandelt zu sein... Ich könnte mir vorstellen, dass es dann eigentlich zu sehr unterschiedlichen Konsequenzen kommen müsste, wenn man sich darüber bewusst wird.

Was meint ihr ? Wer hat Lust mitzudenken ? Wie ist es bei euch ? Tendiert ihr zu einer der Möglichkeiten oder ist das von Fall zu Fall verschieden ?
Bitte einigermaßen beim Thema bleiben.
 
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  • #2
Ich denke nicht, dass diese Person austauschbar, im Sinne von beliebig ist. Und selbstverständlich erfüllt es einen Zweck. Ich kenne niemanden, der grundlos mit jemanden zusammen ist.
 
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  • #3
Nö, natürlich nicht grundlos. Aber Bequemlichkeit und die Unfähigkeit, nein zu sagen, vor allem bei Männern, das haben wir hier oft gelesen, gelten offenbar als hinreichende Gründe.
 
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  • #4
Ich kann hier im Forum aber auch nicht erkennen, daß die, welche es gern unbequem haben und Nein sagen "können", als die Glücklicheren dastehen. Oder, Brett, hab ich da was übersehen...? :)
 
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  • #5
Bist Du sicher, fafnir, dass genug da sind, die Gelegenheiten zum Nein sagen haben? Aber egal, Du hast natürlich recht. Glücklicher wird man vom Nein sagen auch nicht. Aber man hat mehr Abwechslung.
 
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  • #6
Zitat von Schreiberin:
Geht es wirklich um eine Person, die man ersehnt oder der man hinterhertrauert oder ist es eher ein "Zustand" - ein Teil eines Paars sein zu wollen, weil man sich dann vollständiger fühlt, den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht, einiges im Alltag einfacher ist ?
Ich hatte in meiner Sprechblase so was wie "viele Dinge im Leben gehen zu zweit leichter oder machen einfach mehr Spaß". Und in den 10+ Zeilen Selbstbeschreibung u.a. "Vielleicht müssen wir von dem einen oder anderen Ideal Abschied nehmen und Kompromisse eingehen. Aber ist es das nicht wert, im Tausch gegen eine Partnerschaft?" :)
 
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  • #7
Du musst auch nichts vermissen. Aber die Ausgangsfrage hast Du elegant ausgespart. Was ist denn nun bei Dir -- Kompromisse eingehen, um nicht allein zu sein, oder mit jemandem bestimmten zusammen sein und dafür Kompromisse eingehen? Okönomisch ist das wahrscheinlich Jacke wie Hose, aber für Kopf, Bauch und Herz nicht.
 
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  • #8
Ich denke, dass beide Sehnsüchte (sowohl die nach der Situation / dem Zustand als auch die nach der anderen Person) ihre Berechtigung haben, sonst hätten wir diese nicht. Es ist schön zu zweit zu sein, aber mit manchen Leuten sind wir es lieber als mit anderen.
Welches mehr im Vordergrund steht, ist bei mir von Person zu Person verschieden und auch davon abhängig, in welcher Phase ich persönlich grad bin.
Manchmal lerne ich jemanden kennen und ich finde ihn sehr nett und außerdem finde ich es schön, mal wieder mit jemandem zusammen zu sein, also eine Mischung aus beidem (Situation und Person). Dann lerne ich ihn gerne besser kennen. Und manchmal finde ich jemanden so toll, da mache ich mir gar keine Gedanken darüber, ob ich grad lieber alleine oder mit jemandem zusammen sein will. Ich finde ihn einfach so uneingeschränkt toll, dass ich wahrlich sagen kann: da steht definitiv die Person im Vordergrund.
 
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  • #9
Zitat von Pit Brett:
Okönomisch ist das wahrscheinlich Jacke wie Hose, aber für Kopf, Bauch und Herz nicht.
Doch. :)

Es wird Dir nicht gelingen, mich auf ein "entweder oder" zu zwingen. Es ist einfach ein fortlaufender Prozess. Anfangs steht der Wunsch nach Zweisamkeit im Vordergrund; mit der Zeit wird der um die Bindung zu diesem einen Menschen ergänzt.
 
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  • #10
Ich glaube für mich ist es 50/50. Ich hatte erst eine Beziehung und das ist 11 Jahre her und es waren auch nur 3 Wochen (weil sie mit ihren Eltern nach Kanada ausgewandert ist). Ja ich würde gerne wieder den Zustand haben aber auch mit DER EINEN die zu mir passt ;) Viele Menschen aus meinem Umfeld sind der Meinung das ich nach 11 Jahren Einsamkeit und sexueller Abstinenz soweit bin das ich jede nehmen würde aber dem ist nicht so. Ich habe Ansprüche (nichts wildes) an die Person mit der ich einen Teil meines Lebens verbringen möchte (auch wenn viele der Meinung sind das ich mir sowas gar nicht leisten kann :D ). Menschen die für eine Beziehung in frage kommen sind meiner Meinung nach nicht mit der breiten Masse austauschbar (es sei den mein Verständnis einer Beziehung weicht von dem ab was andere denken) und wenn man so verfährt sieht man ja immer wieder wo sowas hinführt. Ich bleibe Lieber alleine als mit der falschen Person etwas zu erleben was im Endeffekt mehr schadet als nützt. Ich bin mir bewusst das diese Einstellung nicht das beste ist für jemanden in meiner Position aber an irgendwas muss man ja im Leben festhalten und wenn es nur selbst bestimmte Prinzipien sind :)

Aber sollte der Zustand eintreten wäre mir die Person wichtiger als der Zustand selbst. Würde ich bemerken das die Person nicht glücklich ist und ich der Primäre Grund dafür bin (warum auch immer) würde ich versuchen diesen Grund zu beseitigen auch wenn es bedeuten würde den Zustand zu beenden.
 
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  • #11
Bei mir steht in der Regel die Person im Vordergrund. Ich kann ohne Partner sein und auch alleine einiges unternehmen oder mit Freunden Zeit teilen.
Wenn ich alleine etwas unternehme und das Gefühl bekomme, dass ich diese Situation gerne teilen würde, fällt mir sofort eine passende Person ein.
Ich war noch nie ausschließlich auf einen meiner Partner fixiert. Ich finde auch nicht, dass ein Partner alle Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen an das Leben abdecken muss.
Mir ging es, so ich es erinnere, in einer Liebesbeziehung noch nie um den Zustand einen Partner zu haben oder als Paar aufzutreten und ich habe mich noch nie unvollständig gefühlt, wenn ich ohne Beziehung war.
Mir fällt gerade eine Ausnahme ein. Ist es eine, weiß nicht so genau?? Als ich mich vom Vater meines Sohnes getrennt habe, war die Erwartung an ihn, dass er seine Vaterrolle ernst nimmt, sehr groß.( Er war der beste Vater auf dieser Welt:))
Auch habe ich erwartet, dass er mich in meiner Rolle als Mutter seines Kindes wertschätzt, so wie ich ihn in seinem Vatersein geschätzt und geliebt habe.
 
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  • #12
Danke für eure Gedanken. Ich habe mich erstmal zurückgehalten, weil ich da selber noch im Prozess stecke und erstmal hören wollte, was ihr da bei mir anregt.
Billig hat es für mich ganz gut auf den Punkt gebracht - beides ist da, teilweise situations- und lebensphasen-abhängig. Aber ich pendle auch wie Mohnblume eher zu der Person-ist-entscheidend-Seite. Und zwar beidseitig : es gilt auch für mich, dass es mir lieber ist, jemandem geht es EINDEUTIG um mich und nicht tendenziell mehr darum, eine potenzielle Lücke zu füllen. Damit schwimme ich sicherlich mit der gesellschaftlichen Welle des Individualismus - gesehen zu werden, Bedeutung zu haben. Aber es hat bei mir auch lebensgeschichtliche Ursachen (die gehören hier aber nicht in der Breite hin).
Ich glaube, mir fällt es auch schwer es zu respektieren, wenn es jemandem sehr sehr wichtig ist, in Beziehung zu sein. Das kommt mir ein bisschen arm vor (die Wertung sollte ich mir vielleicht mal sparen...).
In Bezug auf Parship hatte ich nur einmal eine klare "Zustandsorientierte" Phase - nach einer sehr langen Beziehung und mühseliger Trennung - das Suchen und Flirten danach war ein göttlicher Zustand - da war das Objekt der Begierde eindeutig weniger wichtig... :))) Musste ich auch erstmal merken.....
 
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  • #13
Zitat von t.b.d.:
So etwa in der Art schaut mein aktuelles Dilemma aus. Der Liebe wegen bleiben oder des Zustandes wegen gehen?

Das heißt, es ist noch Liebe da, obwohl die Beziehung suboptimal läuft ? Das tut mir leid. Aber es imponiert mir, dass du anscheinend relativ gelassen damit umgehst und kein Schnellhinschmeißer bist.
 
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  • #14
Eine Partnerschaft ist für mich persönlich keine Zweckgemeinschaft und der Zweck wäre für mich auch kein Grund, eine Partnerschaft einzugehen. Ich verliebe mich auch nicht leichtfertig - aber wenn, dann richtig. Deshalb steht bei mir auch die Person im Vordergrund und nicht der Zweck. Und für diesen Menschen bin ich bereit zu kämpfen und nicht aufzugeben und eben nicht auszutauschen. Wäre es zu ende mit diesem Menschen, dann beginne nich nichts halbherziges Neues, nur damit ich sagen könnte ich bin in einer Partnerschaft.

Es gibt Menschen, durch die fühlt man sich ganz/voll oder ergänzt. Wenn dieser Mensch das dann ebenso fühlt, dann ist das optimal. Das bedeutet aber nicht, dass man nur durch den anderen existiert. Man existiert mit dem anderen. Inwiefern das jetzt mit Deiner Frage zusammen passt weiss ich nicht, aber ich fand es noch wichtig zu erwähnen.
 
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  • #15
Zitat von Schreiberin:
Das heißt, es ist noch Liebe da, obwohl die Beziehung suboptimal läuft ? Das tut mir leid. Aber es imponiert mir, dass du anscheinend relativ gelassen damit umgehst und kein Schnellhinschmeißer bist.
Die Gefahr dabei ist, daß ein Teil oder auch beide nicht von dem Partner / der Partnerin loskommt, obwohl die Beziehung trotz aller auch langjährigen Anstrengungen von beiden - Liebe hin oder her - sich nicht so entwickelt, wie es sich womöglich sogar beide gleich vorstellen.

Im Radio läuft der Song seit einiger Zeit rauf und runter, und er beschreibt's eigentlich ganz treffend :

Zitat on:
"Und immer wenn es Zeit wird zu gehn,
vergess ich, was mal war, und bleibe stehn.
Das Herz sagt bleib,
der Kopf schreit geh -
Herz über Kopf,
Herz über Kopf."
Zitat off

Das Herz macht es einem oft sehr schwer, das zu tun, was "vernünftig" wäre ! Aber wer liebt, nimmt oft unvorstellbare "Kompromisse" in Kauf. Die Frage ist : Wie weit soll/darf man gehen ? Wo ist die Grenze ? Wo fängt die Selbstaufgabe an ? Und bekommt man das überhaupt noch mit ... ?

Um zur Ausgangsfrage zurück zu kommen : Ich denke, man vermißt beides, Person und Zustand. Mit der Person ergibt sich der Zustand früher oder später von alleine, ist bloße Folge. Aber der Zustand wird mit einer anderen Person niemals identisch sein. Vielleicht genauso gut, vielleicht sogar - früher oder später (IMVHO eher später) - "besser", aber immer anders, ebenso, wie jeder Mensch andere Vorlieben und Stärken und Schwächen hat.
 
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  • #16
Zitat von Traumichnich:
Die Gefahr dabei ist, daß ein Teil oder auch beide nicht von dem Partner / der Partnerin loskommt, obwohl die Beziehung trotz aller auch langjährigen Anstrengungen von beiden - Liebe hin oder her - sich nicht so entwickelt, wie es sich womöglich sogar beide gleich vorstellen.

Wenn nach langjähriger Beziehung die Anstrengungen um dieselbe nur einseitig sind, wenn der Partner sich nicht 'bewegt' und auch nicht kommuniziert, wird es schwierig. Da verändert sich der Zustand, unmerklich. Erst schleicht sich nur so ein diffuses Gefühl ein...

Zitat von Traumichnich:
Das Herz macht es einem oft sehr schwer, das zu tun, was "vernünftig" wäre ! Aber wer liebt, nimmt oft unvorstellbare "Kompromisse" in Kauf. Die Frage ist : Wie weit soll/darf man gehen ? Wo ist die Grenze ? Wo fängt die Selbstaufgabe an ? Und bekommt man das überhaupt noch mit ... ?.

... und dann tut das Aufwachen umso mehr weh.

Oft bleibt die Liebe sehr lang erhalten. Leider geht auch sie irgendwann. Man trauert, um die Person und um den Zustand.

Man sollte definitiv kein Schnellhinschmeißer sein, doch auf ewig in einer solchen Konstellation zu verharren, kann auch fatal sein.
 
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  • #17
Zitat von t.b.d.:
J
Mir liegt seit einiger Zeit die Frage auf der Zunge, was es denn sein mag, das jemanden so besonders und einzigartig macht dass man außer ihm niemand anders meinen kann und das jenem praktisch auf die Stirn geschrieben steht, aber nur für den richtigen sichtbar.
Es beschleicht mich das Gefühl dass jene das selbst nicht konkret benennen könnten wenn man sie fragte: Was macht dich auf einzigartige Weise liebenswert? Was unterscheidet dich von allen andern Menschen dieser Welt oder nur von denen die dir so ähnlich sind, dass man euch schon recht gut kennen muss um die Unterschiede festzustellen? Was soll in dir gesehen werden? Wofür willst du geliebt werden? Weshalb hat jemand der alleine "wunschlos glücklich" ist schließlich doch das Bedürfnis genau mit oder wegen dir diesen Zustand zu ändern?" Was sind legitime persönliche Gründe aus denen jemand sich in dich verlieben darf, ohne dass der Verdacht der Beliebigkeit das Gift des Zweifels sähte?

Hm, sicher dass es der richtige Weg ist diese Person zu fragen und nicht den Partner, der in dieser Person die eine Person sieht? Ich finde nicht, dass man sich selbst so präzise einschätzen kann, warum und was an mir wäre, was mich einzigartig liebenswert macht? Selbsteinschätzung ist immer subjektiv und Du willst doch objektive Gesichtspunkte? Wenn Du mich das fragen würdest wäre meine Antwort: Ich möchte für die geliebt werden, die ich bin. Für mein Wesen, für mein Ich. Würdest Du dann fragen: Ja wer bist du denn? (Diese Frage wäre eine logische Konsequenz auf meine Antwort und berechtigt) Wäre meine Antwort: Kennst Du mich so wenig und kannst mich so wenig einschätzen? (Vorraussetzung wir würden uns halt kennen :) ) und dann würde ich dir Beispiele nennen (was ich jetzt nicht mache, da ich hier Vizee bin, und vor dem Schirm in der Realität halt ich - mein realer Name bleibt auch real). Im Gesamten finde ich Deine Gedanken aber sehr interessant und auch die Fragen, die Du Dir stellst. Denn auch ich habe schon öfters bemerkt, dass die Menschen sich dann halt fragen, wieso sie nicht geliebt werden, wo sie doch sooo unglaublich liebenswert wären. Was macht sie liebenswert? Die Subjektivität doch nur...aber was ist mit objektiver Sichtweise. Und wäre der Partner überhaupt objektiv, da er doch subjektiv beteiligt ist...
 
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  • #18
Zitat von Vizee:
Eine Partnerschaft ist für mich persönlich keine Zweckgemeinschaft und der Zweck wäre für mich auch kein Grund, eine Partnerschaft einzugehen.

Eine Partnerschaft ist eine Zweckgemeinschaft. Ihr Zweck ist die Partnerschaft. Was sonst sollte denn ihr Zweck sein?
 
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  • #19
Man kann doch einen Menschen, wenn man täglich mit ihm zu tun hat, einschätzen oder? Das kann ich nicht nur bei meinem Partner, das kann ich auch bei meinen Kollegen im Büro. Es geht doch um den Charakter, oder verstehe ich das alles falsch? Das Wesen eines Menschen ist der Charakter. Zitat t.b.d: "Wenn dir jemand sagt: 'Ich liebe dich für die die du bist, für dein Wesen.' Würdest du das so abnehmen oder hättest du es gern konkreter/objektiver? " Mein Partner sagt die magischen Worte ja auch zu mir und ich wollte einfach mal genauer wissen, am Anfang, was es ist was er liebt. Da kam als Antwort: Das Gesamtpaket. Und diese Antwort war für mich ok und ich habe nicht gebohrt. Letztlich kam mir die Frage dann genauso vor wie: Was denkst du gerade. Es hat mir tatsächlich genügt diese Antwort erhalten zu haben.
 
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  • #20
Zitat von Schreiberin:
Geht es wirklich um eine Person, die man ersehnt oder der man hinterhertrauert oder ist es eher ein "Zustand" - ein Teil eines Paars sein zu wollen, weil man sich dann vollständiger fühlt, den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht, einiges im Alltag einfacher ist?

Für mich ist es nicht eine Frage des entweder oder. Sich verlieben zu *können* setzt bei mir einen bestimmten Zustand voraus. Mit mir selbst zufrieden zu sein so wie ich bin. Die Welt um mich herum zu lieben in einem naiven Sinn, sprich den Regen zu geniessen der auf’s Dach prasselt wenn man unter der Decke am lesen ist, in einer Wolke nicht nur gebundenes Wassersehen sondern in ihr ein Fabelwesen zu entdecken. Offen sein.

In dem Moment strebe ich per se gar keine Zustandsänderung an, weil ich gar nicht danach suche.

Doch diese Offenheit erlaubt es mir, eine Frau zu sehen. Dann geht es nur noch um die Liebe zu diesem Menschen, nicht um den Zustand.

Zitat von t.b.d.:
Oder andersherum gefragt: Was bzw. welche Eigenschaften an einer jemandem noch wenig bekannte Person, dürfen diesen dazu bewegen aus dem Zustand des Allein-mit-sich-glücklichseins herauszutreten und sich in eben jene Person zu verlieben ohne das der Verdacht der Beliebigkeit oder des bloß-einen-bestimmten-Zustand-herbeiwünschens im Raum steht?

Dieser Mensch muss etwas haben, dass mich überrascht und fasziniert. Sich unangestrengt anfühlen. Und natürlich muss diese Person dies reflektieren.

Besitzen jene soviel Selbsterkenntnis dass ihnen dies bewusst ist oder sitzen sie einer nachträglichen Rationalisierung ihres Handelns auf?
Wenn ich tatsächlich in einem Zustand des Allein-mit-sich-glücklichseins bin, sehe ich diese Gefahr weniger. Aber wer schummelt schon nicht ab und zu, gerade wenn es um die eigene Verpeiltheit geht? Kommt dazu, dass man letztendlich Gefühle möglichst rational beurteilen will, was ich nicht gut kann. Letztendlich muss sich bei mir ein Gefühl entwickeln können. Dazu braucht es Zeit, bei mir sicher mehr als ein paar Dates. Vielleicht stellt es sich die Liebe nicht ein, und man hat einfach einen sehr spanennden Menschen kennengelernt. Doch wenn dieses Gefühl dann da ist, ist das wunderbar, einzigartig und weder beliebig noch austauschbar.
 
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  • #21
Zitat von t.b.d.:
Mir liegt seit einiger Zeit die Frage auf der Zunge, was es denn sein mag, das jemanden so besonders und einzigartig macht dass man außer ihm niemand anders meinen kann und das jenem praktisch auf die Stirn geschrieben steht, aber nur für den richtigen sichtbar.
Zunächst mal, daß er halt einfach da ist. Er muß sich signifikant unterscheiden nur von denen, die ähnlich da sind, bekannt sind, reale Möglichkeiten darstellen, und nicht von allen, die einem nicht bekannt sind. Das Gemeintsein sondert einen aus im Vergleich mit relevanten Alternativen, nicht zu allem Denkbaren, das es irgendwo geben mag.

Und ersehnen kann man sich was Individuelles nur, sofern man es schon kennt, und zwar so gut kennt, daß das Individuelle auch einigermaßen eine Rolle spielen konnte. Unterschiede gibts sicherlich darin, ob man eher ein Casting für eine fest vorgegebene Rolle veranstaltet, oder diese Rolle weniger fest profiliert ist und viel Luft läßt dafür, von der Person ausgestaltet zu werden, oder man es gar nicht so sehr mit einem Casting für eine bestimmte Rolle namens Partner zu tun hat, sondern man recht offen für ganz unterschiedliche Arten von Beziehungen ist.
Unterschiede gibts auch darin, wieweit man individuellen Besonderheiten des Partners Rechnung trägt, sich auf sie einläßt, auch Spaß daran hat, sie eine Rolle spielen zu lassen, insbesondere auch sofern sie gerade nicht das darstellen, was man sich schon immer gewünscht hat.

Ob man auch allein (was in diesen Zusammenhängen offenbar meint = ohne Partner) einigermaßen klar kommt, scheint mir recht unabhängig von dieser Frage zu sein, ob man eher auf einen Zustand schielt oder andere Personen, sofern dieser Gegensatz nicht ohnehin schief ist.
 
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  • #22
Das Fabelwesen entdecken. Mag sein, dass das dazu gehört. Mir genügt es, ihr Haar zu riechen, ihre Hand zu spüren im Hier und Jetzt, sozusagen. In ihr Lächeln zu versinken. So ganz alleine und doch eins with me, myself and her.
 
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  • #23
Zitat von t.b.d.:
Jetzt hab ich glatt den Thraed gehijackt. Sorry dafür, aber dann kann ich ebensogut noch einen Schritt weitergehen.
Womöglich schließt sich der Kreis ja und wir stehen danach wieder im Thema oder am Anfang.

Ach was, ist schon okay...

Zitat von t.b.d.:
Bei dieser Sache mit dem sich-persönlich-gemeint/gesehen-fühlen sehe ich anscheinend etwas falsch. Mir liegt seit einiger Zeit die Frage auf der Zunge, was es denn sein mag, das jemanden so besonders und einzigartig macht dass man außer ihm niemand anders meinen kann und das jenem praktisch auf die Stirn geschrieben steht, aber nur für den richtigen sichtbar.
Es beschleicht mich das Gefühl dass jene das selbst nicht konkret benennen könnten wenn man sie fragte: Was macht dich auf einzigartige Weise liebenswert?......

Butte hat es schon erläutert - es geht nicht um so überhöhte Einzigartigkeiten. Und du hast recht - zu definieren, was der Auslöser ist, kann völlig unterschiedlich sein : mal eine Eigenschaft, die ich wirklich habe und schätze, mal aber vielleicht auch nur so eine kleine Nebenaustrahlung, die ich selber gar nicht wichtig finde - der andere findet sie aber entscheidend. Und natürlich auch die Fälle wo projeziert wird bis zum Abwinken und einer oder beide sich heftig was vormachen...
Sicher ist es oft eine wilde Mischung aus Personenwertschätzung und Zustandssehnsucht. Ausprägungen sieht man vielleicht am ehsten in konkreten speziellen Situationen : den Zustand so belassen, obwohl man die Person nicht mehr liebt - weil man nicht allein sein will oder man es peinlich findet, sich schon wieder zu trennen oder zu bequem ist...
Oder : Sich auf eine Person einlassen, obwohl die äußeren Umstände eher dagegensprechen und man gar nicht auf der Suche ist. Weil es die Person ist, der man nah sein will.
(OT : Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt !!! ;-))) )
 
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  • #24
Zitat von chiller7:
Eine Partnerschaft ist eine Zweckgemeinschaft. Ihr Zweck ist die Partnerschaft. Was sonst sollte denn ihr Zweck sein?
Interessant. Die Juristen sehen das anders, soweit ich weiß. Die Ehe ist -- obwohl alle Voraussetzungen vorliegen -- keine Gesellschaft im Rechtssinn, denn: Die Ehe hat keinen Zweck.

Während ich das so tippe, frage ich mich, was hinter dieser Überlegung steckt, wenn sie denn zutrifft. Das muss ja mal jemand begründet haben. Kennt sich wer aus?
 
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  • #25
Zitat von Butte:
Unterschiede gibts sicherlich darin, ob man eher ein Casting für eine fest vorgegebene Rolle veranstaltet, oder diese Rolle weniger fest profiliert ist und viel Luft läßt dafür, von der Person ausgestaltet zu werden, oder man es gar nicht so sehr mit einem Casting für eine bestimmte Rolle namens Partner zu tun hat, sondern man recht offen für ganz unterschiedliche Arten von Beziehungen ist.
Unterschiede gibts auch darin, wieweit man individuellen Besonderheiten des Partners Rechnung trägt, sich auf sie einläßt, auch Spaß daran hat, sie eine Rolle spielen zu lassen, insbesondere auch sofern sie gerade nicht das darstellen, was man sich schon immer gewünscht hat.

Hach, das hast du schön gesagt....
 
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  • #26
Zitat von Traumichnich:
Das Herz macht es einem oft sehr schwer, das zu tun, was "vernünftig" wäre ! Aber wer liebt, nimmt oft unvorstellbare "Kompromisse" in Kauf. Die Frage ist : Wie weit soll/darf man gehen ? Wo ist die Grenze ? Wo fängt die Selbstaufgabe an ? Und bekommt man das überhaupt noch mit ... ?

Ja, das ist ganz schwierig.. und nicht "beratbar"... Jeder hat andere Geduld- und Leidensgrenzen - wer will schon für einen anderen entscheiden, wann er nur noch ein totes Pferd sattelt ?
Mag sein, dass der eine mal einen Tag erwischt, wo das Reflektieren gut läuft und dann eine sehr traurige Endbilanz entsteht - viele Jahre, viele Enttäuschungen, viel verlorene Lebenszeit... Gelingt dann der Absprung ? Ich kann mir da nur eine Radikallösung vorstellen - alle Brücken abbrechen und sich dazu zwingen, nur noch nach vorn zu schauen, bis der Blick über die Schulter wieder einigermaßen schmerzfrei ist.

Aber es gibt ja mittlerweile auch viele Dauerreflektierer - so bewandert und perfekt im Psycho-Parlieren, dass das Selbstbelügen immer klappt.

Mir hat das eine oder andere Mal "der ganz besondere Moment" geholfen - meist in einem Gespräch mit anderen, wo plötzlich eine hingeworfene Idee den Auslöser gab, dass mir die Schuppen kiloweise von den Augen fielen. Der Rest war nur noch Umsetzung.
 
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  • #27
Zitat von Pit Brett:
Interessant. Die Juristen sehen das anders, soweit ich weiß. Die Ehe ist -- obwohl alle Voraussetzungen vorliegen -- keine Gesellschaft im Rechtssinn, denn: Die Ehe hat keinen Zweck.

Während ich das so tippe, frage ich mich, was hinter dieser Überlegung steckt, wenn sie denn zutrifft. Das muss ja mal jemand begründet haben. Kennt sich wer aus?

Diese Juristen! Da stellt die GbR doch, sollte man meinen, geringere Anforderungen als eine Ehe und trotzdem haben Eheleute eine GbR nur, wenn sie noch mehr bezwecken als nur die Ehe und Ehetypisches, wohingegen aus einer Ehe, wenn die Liebe sich verabschiedet hat und nur mehr eine sogenannte Zweckehe übrig bleibt, noch längst keine GbR geworden ist.
 
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  • #28
Umgekehrt ist es offenbar leichter : Es scheint einfacher möglich zu sagen, daß etwas fehlt - der "Zauber", der "Kick" - das Kind hat viele Namen, aber beschreiben kannst Du es nicht, geschweige denn rationalen Maßstäben zugänglich machen oder gar definieren.

Das ist IMVHO auch zugleich das Problem, wenn der eine Teil die Partnerschaft beenden möchte bzw. beendet - und der andere Teil einfach nicht weiß, wie ihm geschieht und/oder es nicht wahrhaben will.
 
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  • #29
Zitat von t.b.d.:
Gut, aber selbst wenn man sich bei der Auswahl auf verfügbare Personen beschränken würde, die man gut genug kennt ohne dass man sich in eine schon verliebt hätte. (Wie das gehen kann weiß ich grad nicht, ich hab mich immer schon beim kennenlernen verliebt oder eben nie.)

Wenn man das objektiv und rational betreiben wollte, so wie man vielleicht auch beim Kauf eines Fahrzeuges vorginge, wie würde man das anfangen?
Man stellt womöglich eine Tabelle zusammen in die alle Eigenschaften eingetragen werden die man wertschätzt sowie alle Ausschlusskriterien, alle Must haves, nice to haves und Nogos, denen nach einem Prioritätssystem Punkte zugewiesen werden.
Dann füllt man aus wieviele Punkte wer für welche Eigenschaft erhält oder abgezogen bekommt.
????
Ich glaub nicht, dass jemand erst die Punkte zusammenzählt und sich alsdann folgerichtig in die Person mit der höchsten Punktzahl verliebt. Am Ende hat man sich höchstens verzettelt, aber doch nicht verliebt. Falls doch würde ich erst recht zweifeln ob es tatsächlich mehr um die Person als um den angestrebten Zustand geht.




Es mag solche und solche geben.
Letztendlich wird´s von allem etwas sein nur in individuell verschiedenen Mischungsverhältnissen. So ein paar Vorstellungen von einem künftigen Partner und einer künftigen Partnerschaft hat man doch ohnehin, wenn auch vlt. sogar unbewusst als Beuteschema oder als Nogo bei dem man sich sagt 'Lass mal, da bleib ich doch lieber noch länger allein.'
Man kann ja letztlich auch nur beim kennenlernen herausfinden, ob die vorgesehen Rolle als Partner festgeschrieben oder frei interpretierbar oder irgendwas dazwischen ist und ob das Gegenüber zur vorgesehen Rolle passen könnte. Aber was wenn die Rolle passt und es funkt trotzdem nicht?
Ich selbst würde mich mehr auf´s Gefühl verlassen als auf die Ratio. Auch auf die Gefahr, das ich nicht so genau benennen kann warum das Gefühl so ist wie es ist. Ich würd nur nicht jeder Regung blind folgen wollen.

Ich lese, daß du die Frage nach individuellem Gemeintsein und bevorzugtem allgemeinen Zustand zusammenbringen möchtest mit der Frage, ob man beim Kennenlernen mehr auf Verstand im Sinne von Listenführen oder Gefühl setzen sollte. Das ist mir eine eher fremde Matrix oder Inszenierung. Man könnte auch sagen: eine große Verzettelei. Individuelels Gemeintsein hat für mich nichts zu tun mit einem Kennenlernen über Listen.
 
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  • #30
Zitat von t.b.d.:
Ja, das Kennenlernen war ein Beispiel. Im Grunde geht es ja ums Rationalisieren gefühlsbedingter Entscheidungen oder Zustände. Die Frage 'Bleiben oder Gehen' kann sicherlich individuell untersucht und entschieden werden, wobei man je nachdem ob man der Ratio oder der Emotio den Vorzug gäbe tatsächlich zu unterschiedlichem Ergebnis käme. Dabei kann die Frage nach Person oder Zustand schon auch eine Rolle spielen. Es gab schreckliche Tragödien weil Leute aus Angst vor einer Scheidung und dem damit verbundenen befürchteten wasauchimmer durchgedreht sind. Da ging es dann vordergründig wohl doch um den Erhalt eines unhaltbaren Zustandes. Manchmal geht es ganz profan um Geld. Ich kenne eine Mutter von vier Kindern. Sie Hausfrau er Fernfahrer. Das Einkommen reicht für ein bescheidenes Auskommen, aber im Fall einer Scheidung und damit verbundener Aufteilung des Haushaltes in zwei Haushalte werden die Kosten die Möglichkeiten übersteigen. Falls man entsprechenden öffentlichen Verlautbahrungen glauben darf ist Trennung/Scheidung der häufigste Grund für Überschuldung und Privatinsolvenz. Das Thema hat also durchaus eine rationale Seite die der emotionalen Seite diametral entgegenstehen kann.
Hier kann man sich eine mögliche Antwort noch gut vorstellen. Im Fall 'Herz über Kopf' fällt es schon schwerer aus der Situation heraus die richtige Antwort zu finden. Eine Möglichkeit bestünde darin, sich von der Emotion leiten zu lassen und zu warten bis die negativen Emotionen die positiven so weit überlagert haben dass die Entscheidung zu gehen leicht fällt.

Bin etwas verwirrt, also im Thread wie auch in deinem Post, das ich kommentiert habe, geht und ging es um die Unterscheidung von Person und Zustand, nicht um die Frage der Rationalisierung gefühlsbedingter Entscheidungen. Die diskutierte Frage war, ob sich Emotionen/Einstellungen wie Sehnen oder Betrauern eher auf ein bestimmtes Individuum oder eher auf die Zustände richten. In beiden Fällen sind Emotionen da. Nur ihr Gegenstand ist unterschiedlich. Weswegen sprichst du nun statt von der Unterscheidung von Person und Zustand von der von Gefühl und Ratio, also gibt es da für dich eine Zuordnung oder von welcher Relevanz ist das für für die Threadfrage?