Heike

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  • #121
Zitat von Unbewusst:
Soweit d'accord. Den Eindruck der häufigeren Deutung einer Trennung als Heiratsschwindel habe ich nicht. Bedeutet zum Einen nicht viel und zum Anderen erkenne ich für Blackangel nicht den Bezug. Den kann es trotzdem haben..
Ist ein Vorschlag, um überhaupt auf diesen Deutungsraum hinzuweisen. Denn da scheint mir eine Möglichkeit für Blackangel zu bestehen, etwas zu tun. Ihren Deutungs- und Gefühlsraum diesbezüglich kennenzulernen. Gefühle sind ja Deutungen. Und daß ein bestimmtes Ereignis, wie das Fremdgehen, nicht notwendig auf alle Zeit derart mit einem bestimmten stumpfen, kreisdrehenden Gefühl einhergehen muß, sondern da ein Abstand ist, wo es etwas zu verstehen gibt und man auch aktiv deuten kann, war mein Hinweis.
Die negative Erfahrung beim Fremdgehen scheint nicht zu sein: da tut jemand etwas, was einem nicht so schmeckt, zeigt eine Handlungsweise, die nicht so positiv ist in den Augen, sondern so etwas wie: der betrügt! Das ist ja auch ein verbreiteter Ausdruck für Fremdgehen, das Betrügen. Worum wird der Betrogene da betrogen? Das scheint eben nicht so partiell zu sein, sondern was ganz Großes. Alles scheint plötzlich ganz anders zu sein, die ganze gemeinsam verbrachte Zeit. Er war gar nicht das, wofür man ihn die ganze Zeit halten durfte, nämlich ein liebender Partner. Denn dann hätte er niemals... Nur wenn man es so deutet, scheint mir das Ausmaß der Enttäuschung verständlich zu sein. Und die Frage ist, ob man diese Deutung so aufrechterhalten muß.

Ob eine solche Gewohnheit Blackangel weiter bringt, sehe ich nicht. Gerade Autofahren ist eine weitgehend automatisierte Geschichte, die einem Fahranfänger deutlich fehlt. Kein Mensch denkt später noch über's Schalten nach. Obwohl, das Schalten wechselt von einer anfänglich bewusst grüblerischen Phase einer korrekten Gangwahl in eine, nach entsprechender Wiederholung automatisierte, unbewusste Handlung. Insofern gilt Wiederholung(/Gewohnheit) positiver Rückmeldungen aus dem Umfeld auch für das Erreichen einer Stabilität im Wesen.-Wobei ich denke, es hat eher mit dem Annehmen respektive Umsetzen vorhandenen Feedbacks zu tun. Möglicherweise sind es viele kleine Dinge, die der persönlichen Achtsamkeit entgehen. Darauf wollte ich - in diversen verbalen Anläufen ^^ - den Blick mal gelenkt haben.
Das mit der Stabilität kam ja gewissermaßen von außen rein; das war nicht so sehr Blackangels Problemexposition. Es liegt natürlich nahe, wenn jemand ein Problem hat, das auf mangelndes Selbstwertgefühl und ähnliches zu beziehen. Mir wäre das hier etwas zu unspezifisch.
Wobei es sich so kreuzt; gerade die stumpfen Gefühle sind für Blackangel ja offenbar ein Automatismus. Und es kommt diesbezüglich eher drauf an, aus dem Kreisen auszubrechen.
 

Ikeawurm

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  • #122
Frauen haben im allgemeinen die Art sich für alles die Schuld zu geben oder vom Partner diese einreden zu lassen. Männer geben die Schuld erst dann zu wenn die Frau Ihnen endgültig den Laufpass gegeben hat. Letzendlich geht es um die Selbstaufgabe die viele Menschen in einer Beziehung bei sich durchführen. Wer sein Leben in einer Beziehung aufgibt und nur noch auf den Partner fixiert ist wird immer Probleme haben ins normale Leben zurück zu finden. Ich bin mir sicher das ganz viele Menschen Dir sagen das Du ein toller Mensch bist, also hör drauf und arbeite an Deinem Selbswertgefühl.
 
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  • #123
Zitat von Ikeawurm:
Frauen haben im allgemeinen die Art sich für alles die Schuld zu geben oder vom Partner diese einreden zu lassen. Männer geben die Schuld erst dann zu wenn die Frau Ihnen endgültig den Laufpass gegeben hat. Letzendlich geht es um die Selbstaufgabe die viele Menschen in einer Beziehung bei sich durchführen. Wer sein Leben in einer Beziehung aufgibt und nur noch auf den Partner fixiert ist wird immer Probleme haben ins normale Leben zurück zu finden. Ich bin mir sicher das ganz viele Menschen Dir sagen das Du ein toller Mensch bist, also hör drauf und arbeite an Deinem Selbswertgefühl.

Bei mir war es eher die zweite Variante. Mein Ex Mann versuchte (und das tut er heute noch) mir an unserem Scheitern die volle Schuld zu geben. Das macht das Ganze auch um einiges einfacher, für ihn. Es war/ist für ihn eine Rechtfertigung seines Handeln damals. Ich frage mich nur, wie lange so etwas gut gehen kann. Wenn man so viele Schichten aufeinander baut, ist es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis zur Explosion. Oder kann man ein so starkes Selbstwertgefühl besitzen, dass man erblindet und sich nicht mehr wahr nimmt?
 
Zuletzt bearbeitet:

Heike

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  • #124
Zitat von Ikeawurm:
Frauen haben im allgemeinen die Art sich für alles die Schuld zu geben oder vom Partner diese einreden zu lassen.

Ja, denkt und hört man immer so, nicht? Ich finde es ja zuweilen interessant, solche Meinungen mit der Realität in Beziehung zu setzen. Beispielsweise hier, in diesem geteilten kleinen Forumsrahmen. Wenn du ins Forum schaust, hast du dann auch den Eindruck, Frauen gäben sich hier mehr die SChuld als Männer? Ich lese das nicht so. Ich lese nicht so sehr, daß mehr Frauen sich die Schuld geben, sondern daß mehr Frauen behaupten, sich die Schuld zu geben oder besonders, gegeben zu haben, aber faktisch dem Expartner die Schuld geben.
Wie geht das zusammen? Nun, da gibts einige Möglichkeiten.
Eine davon wäre natürlich die der Opfer-Täter-Dynamik. Opfer sind zunächst üblicherweise die Frauen, wie du ja meinst. SEitdem das aber seit Jahrzehnten ein unablässig hingeschriebener GEmeinplatz ist, haben das viele Frauen irgendwann erkannt und versuchen sich nun so aus der Opferrolle zu befreien, daß sie zum Täter werden. Jahrelang haben sie die Schuld auf sich genommen. Und nun erkennen sie, daß sie das ja gar nicht müssen. Sondern daß der Mann schuld war.
Ich glaube, diese Sichtweise ist sehr attraktiv. Die entsprechenden Frauen können sich nun nämlich doppelt als Opfer fühlen. Sie sind nur Opfer des Mannes geworden, der schuld war, sondern sie sind auch noch in dem Sinn Opfer geworden, daß sie sich haben einreden lassen, schuld zu sein. Weil die Opferrolle ihnen aus Gewohnheit Identität vermittelt, können sie sich also doppelt so stark mit sich identisch fühlen. Und weil sie glauben, etwas erkannt zu haben, und gelernt haben, andere schuldig zu sprechen, können sie sich zugleich jenseits der Szenerie als Täter und wirkmächtig fühlen. Und das ganze kostet nicht mal ein Pünktchen Verantwortung. Ich finde das eine großartige Rechnung. Selig, wer einfältig genug ist, ihr auf den Leim zu gehen.
Ich persönlich finde sie ja eher frauenfeindlich. Aber da hat natürlich jeder eine andere Meinung.
 
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  • #125
Zitat von Heike:
Ich würde es nicht so sehen, daß ich mich aus den einzelnen Seiten zusammensetze, sondern die Seiten sind eben Seiten von mir, die ich mehr bin als die Summe meiner Teile. Aber etwas umfassendes, nicht irgendein angenommener Kern, kein innerstes Wesen.
Schon gar keines, daß nur ich selbst kennen würde, sonst niemand. Weder kenne ich alles, was mich ausmacht, noch ist es anderen grundsätzlich verwehrt, mich wahrzunehmen. Es ist nicht so sehr die Frage, ob ich oder ein anderer, sondern wie weit jemand vordringt.

Ich finde generell wenig glaubwürdig, wenn jemand meint, nur weil es sich um ihn handele, könne auch nur er letztlich was darüber wissen und alle anderen nicht, sondern höchstens spekulieren. Oft sind das Leute, bei denen ich den Eindruck habe, daß sie wenig über sich wissen, aber sich umso mehr vormachen. Kannst du auch im Forum beobachten. Schau, wer bei solchen Fragen sachlich und inhaltlich argumentiert, und wer dazu nicht imstande ist.

Und ein liebender Anderer hat zuerst einzelne Seiten von mir gesehen, ja. Ist ja auch nicht mit einem Schlag da, sondern muß sich entwickeln. Und mit der Zeit sammelt er aber nicht nur SEiten an, sondern bringt die zusammen und nimmt die Seiten nicht nur für sich gesondert war, sondern gerade im Zusammenhang, sowohl im Zusammenhang meiner Person als auch im Zusammenhang dessen, was er und ich gemeinsam entwickelt haben.

O.k., habe ich größtenteils verstanden.
Ich habe geahnt, dass du schreiben würdest, dass nicht einmal du selbst dich komplett kennst (kennen kannst).

Hängt mit dieser Thematik nicht auch zusammen, dass manche Leute eine völlig andere Wahrnehmung von sich selbst haben, als Außenstehende sie wahrnehmen? Und dennoch der Überzeugung sind, dass so, wie sie sich sehen, sie auch tatsächlich sind.

Gehört es dann zur Selbstreflexion mal mehr auf die Ansichten anderer Menschen über mich EIN- und IN MICH zu gehen, ob die Sichtweise, die ich von mir und auf mich habe, nicht möglicherweise durch meinen eigenen Blickwinkel verzerrt ist?
 
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  • #126
Zitat von IMHO:
Gehört es dann zur Selbstreflexion mal mehr auf die Ansichten anderer Menschen über mich EIN- und IN MICH zu gehen, ob die Sichtweise, die ich von mir und auf mich habe, nicht möglicherweise durch meinen eigenen Blickwinkel verzerrt ist?
Selbstreflexion ist ja kein Pflichtprogramm. Ich vermute mal, es ist eine Sache des "Leidensdrucks". Wenn ich total happy bin, wie ich bin, muss ich nichts ändern. Anlass zur Veränderung sind oft große Ziele oder großer Schmerz, und in der Komfortzone ist es schön gemütlich. Dann sind einfach immer die andern "schuld".
 

Heike

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  • #127
Zitat von IMHO:
Gehört es dann zur Selbstreflexion mal mehr auf die Ansichten anderer Menschen über mich EIN- und IN MICH zu gehen, ob die Sichtweise, die ich von mir und auf mich habe, nicht möglicherweise durch meinen eigenen Blickwinkel verzerrt ist?

Ja, es gibt keine Pflicht zur Selbstreflexion. Und auch kein Gesetz, das gebieten würde, nur dann zu behaupten, man betreibe dieses Hobby der Selbstreflexion, wenn man es auch wirklich einigermaßen ausübt. Selbstbetrug ist auch nciht verboten. Und je nach Lebensumständen durchaus opportun. Sonst würde er ja nicht so exzessiv betrieben.
Aber mal alles Normative außer acht gelassen: zur Selbstreflexion gehört in der Regel sicherlich, auf Ansichten anderer Menschen über einen selbst einzugehen. Selbst die meisten Mönche haben jemanden, mit dem sie so etwas dialogisch durchführen. Es sei denn, man ist geübt darin, mehrere Personen in sich zu verkörpern. Die Psyche ist ja durchaus lösungsorientiert.

Und natürlich gibts für Richtigkeit keinen Richter. Im Auseinanderfallen von Selbstbild und Fremdbild gibt es keine Instanz, die das letzte wahre Wort hätte in der Frage, welches nun zutreffender ist. Und für die Zugänglichkeit spielt sicherlich nicht nur eine Rolle, was da mitgeteilt wird, sondern auch wie und natürlich auch von wem. Und unterschiedliche "Reifegrade", die bestimmen, was davon bei jemandem ankommt. WEnn jemand versichert, ihm könne nur jemand was sagen, der ihn seit fünfzig Jahren kennt, selbstlos liebt und zuvor tausendmal gepampert und umschmeichelt hat, würde ich dem auf dieser Skala einen eher geringen Reifegrad zusprechen. Wohingegen ich einen höheren Reifegrad dort verorten würde, wo jemand selbst durch Rückmeldungen was lernen kann, die nüchtern von einem Fremden, oder sogar "feindselig" geäußert werden, wenn er für sich was rausnehmen kann, und im besseren Falle sogar gesprächsweise. Dabei kommt es sicherlich auch auf die Einschätzung an, die man selber von demjenigen hat, der einem ein anderes Bild von einem vermittelt als man selbst von sich hat. Für wie verläßlich hält man ihn, welche Klarheit traut man ihm zu, hat er Grund, ehrliche Rückmeldung zu geben, verfolgt er bestimmte eigene Interessen usw.?
 

franklin71

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  • #128
Zitat von tina*:
Selbstreflexion ist ja kein Pflichtprogramm. Ich vermute mal, es ist eine Sache des "Leidensdrucks". Wenn ich total happy bin, wie ich bin, muss ich nichts ändern. Anlass zur Veränderung sind oft große Ziele oder großer Schmerz, und in der Komfortzone ist es schön gemütlich. Dann sind einfach immer die andern "schuld".

Leute die immer den Anderen die Schuld geben werden sich eh nicht damit befassen was sie falsch machen könnten oder gemacht haben.
Es spielt keine Rolle ob Mann oder Frau wenn man oft den Fehler bei sich selbst sucht. Ich habe mich damals auch oft gefragt was mit mir nicht stimmt und was ich falsch gemacht habe warum mich meine große Liebe verlassen hatte. Ihr Grund war das die Gefühle weg sind und es auch eine Fernbeziehung war und ich in falscher Hoffnung weiterhin auf sie gehofft hatte. Das Ergebnis war das ich in einem tiefen Loch war wo ich Hilfe brauchte um wieder heraus zu kommen.
Seitdem sage ich mir auch " Was hast du Dir vorzuwerfen?"
Nichts!
Habe auch meine Fehler wie jeder andere auch aber mit dieser "Leitfrage" fahre ich gut für mich!
 

ENIT

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  • #129
@ franklin 71

Das sehe ich etwas anders. Wenn ich mir an etwas die Schuld gebe, denke ich doch drarüber nach, warum es so ist. Somit befasse ich mich doch damit, was ich selber falsch gemacht habe ... Eine Fernbeziehung hat nix damit zu tun, warum eine Beziehung zerplatzt. Beide gehen sie ja ein, weil sie der Meinung sind, dass das Etwas ist und eine Zukunft hat. Man hat eben nicht zusammengepasst. Die einen sind dafür geschaffen, die anderen nicht.
 

franklin71

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  • #130
Zitat von ENIT:
@ franklin 71

Das sehe ich etwas anders. Wenn ich mir an etwas die Schuld gebe, denke ich doch drarüber nach, warum es so ist. Somit befasse ich mich doch damit, was ich selber falsch gemacht habe ... Eine Fernbeziehung hat nix damit zu tun, warum eine Beziehung zerplatzt. Beide gehen sie ja ein, weil sie der Meinung sind, dass das Etwas ist und eine Zukunft hat. Man hat eben nicht zusammengepasst. Die einen sind dafür geschaffen, die anderen nicht.

Sagte ich doch auch mit: Leute die immer den anderen die Schuld geben werden sich selbst damit nicht befassen!

Solche Fragen oder tiefgründige Gedanken stelle ich mir nicht mehr aus Selbstschutz heraus. Wenn eine Beziehung aus ist dann ist sie aus, ENDE! Habe heute noch Kontakt zu dieser großen Liebe einfach weil sie ein guter Mensch ist.
Dieses tiefe Loch in dem ich war waren Depressionen mit Suizid-Versuch und deswegen werde ich mir nie wieder solche sinnlosen Gedanken stellen denn jeder ist wie er ist, Feierabend und niemand sollte sich wegen einem anderen verstellen oder sich Ändern oder die Fehler bei sich suchen!
C´est la vie.
 

ENIT

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  • #131
@ franlin71

Tut mir leid, wollte keine alten Wunden aufreißen. Ich hoffe, dass ich es auch mal irgendwann lerne, mir keine Gedanken mehr zu machen. Nein, verstellen sollte sich niemand, das sehe ich auch so. Es ist schön, dass du jedenfalls aus diesem tiefen Loch wieder herausgekommen bist.
 

Blackangel

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  • #132
Zitat von t.b.d.:
und hier ist der Haken an der Sache.
Wenn die eigene Stabilität von jemandes Anderen Verhalten erzeugt werden kann, dann kann sie von ebendiesem auch wieder zerstört werden, wenn sich jener widersprüchlich zu dem verhält, wodurch die Stabilität erst entstanden ist, z.B. wenn er/sie fremd geht.
Es muss also gelingen, die besagte Stabilität zu erlangen und weitestgehend selbst zu erhalten.
Alternativ könnte sie durch so viele Pfeiler gestützt werden, dass niemals so viele wegbrechen können, dass die Stabilität gefährdet wird.

Das sehe ich auch so. Auch wenn die hier so beliebt zitierte Stabilität von außen mit etlichen "Pfeilern" gestützt wird, ist ein Fremdgehen/Betrug ein Erdbeben. Wenn es sich um einen einmaliges Beben/Seitensprung handelt, können die Pfeiler vieles noch stützen. Dennoch steht das Gebäude dann sehr wacklig und ist angeschlagen (einsturzgefährdet). Ein erneutes Beben übersteht das gebeutelte Gebilde vielleicht nicht mehr. So bei mir. War allerdings mein Gebilde, wohl auch schon auf Sand gebaut und von daher sehr anfällig.
Habe erkannt, dass Stabilität nur von innen heraus kommen kann und arbeite noch an der Statik.

@ Heike:
Betrug: bewusste Täuschung. Fremdgehen = Betrug = bewusste Täuschung.
Für den Partner (in diesem Fall für mich ) eine "Ent"täuschung. Verstehen werde ich diese nicht. Aber hoffentlich mit bearbeiten - verarbeiten und akzeptieren. Leider bleibt aber auch nur akzeptieren und voraus schauen und vorwärts gehen.

"Ent"täuschung = eine Desillusion, Ernüchterung ... kann nur folgen, wenn ich zu illusioniert bzw. nicht nüchtern, sondern gegenteilig "berauscht" (in Liebe ... Rausch der Gefühle = Hormonausschüttung) lebte.
Dennoch möchte ich die Liebe nicht rein medizinisch, wissenschaftlich betrachten.

Konnte aber aus den vielen Antworten an dieser Stelle so vielen lernen und für mich anwenden, bzw. neu in meine Sichtweise einbauen, dass ich z.B. mein Problem nicht mehr so einseitig betrachte. D.h. nicht nur mich und meine Gefühle zu betrachten, sondern die Ganzheit zu sehen. Auch wenn dies noch schwierig ist, versuche ich dies Stück für Stück zu bearbeiten.

@ Ikeawurm:
"Frauen haben im allgemeinen die Art sich für alles die Schuld zu geben oder vom Partner diese einreden zu lassen. Männer geben die Schuld erst dann zu wenn die Frau Ihnen endgültig den Laufpass gegeben hat. Letzendlich geht es um die Selbstaufgabe die viele Menschen in einer Beziehung bei sich durchführen. Wer sein Leben in einer Beziehung aufgibt und nur noch auf den Partner fixiert ist wird immer Probleme haben ins normale Leben zurück zu finden. Ich bin mir sicher das ganz viele Menschen Dir sagen das Du ein toller Mensch bist, also hör drauf und arbeite an Deinem Selbswertgefühl."

Ich habe mir noch niemals die Schuld an etwas einreden lassen, noch bei mir gesucht. Mein Ex hat die Schuld nicht mal bei sich gesucht, sondern mir einzu"manipulieren" versucht, als ich ihm das Ende der Ehe mitgeteilt habe.
Dennoch hatte ich mein Leben zugunsten der Kinder und für seine Lebensweise in gewisser Hinsicht natürlich aufgegeben. Ich glaubte schließlich an die "Instutition Ehe". Mein Fehler, wie ich gelernt habe. Werde ich so auch nicht wieder tun. Arbeite derweilen wieder am Selbstwertgefühl ... Und das Schreiben hier im Forum ist da sehr hilfreich, zumal jeder versucht, hilfreich zu sein. Danke ;-)
 
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  • #133
Zitat von Blackangel:
Ich hatte es geschrieben. Aber ich kann verstehen, dass man sich bei 7 Seiten nicht mehr die Mühe machen will, alles zu lesen.
Es ging um Fremdgehen ... insbesondere während ich sein 2. Kind in mir hatte ...

Hallo Blackangel
ich weiß nicht, ob du hier noch alle Gedankengänge weiterverfolgst, aber ich klinke mich noch mal ein.
Doch, wenn ich was schreibe, habe ich immer alle Seiten vorher gelesen - Heike hat ja schon klargestellt, dass ich nicht nach der Tat des Kindsvaters gefragt habe, sondern nach dem, was deine Verletzung ausmacht - also eher das, was er mit seinem Verhalten angerührt hat. Hast du das verstanden, wie ich das gemeint habe oder Heike weiter ausgeführt hat ?

Habe gerade gesehen, dass du wieder was geschrieben hast.
Das mit dem zerstörenden Erdbeben kommt mir immer noch sehr wie deine persönliche Deutung vor. Sicher sehen das andere Leute nur als Sturm - unangenehm, aber keine Bedrohung für das ganze Gebäude. Vielleicht eine Säule beschädigt - aber kein existenzielles Problem...
Daher frage ich noch mal in die Richtung :
- Welche große Bedeutung hat Treue für dich und warum ist das so ?
- Wie wirkt sich Treue auf dein allgemeines Lebensgefühl aus und warum ist das so ?
- Was würdest du mit einer Welt assoziieren, in der Treue nicht viel wert ist und alles nur zeitweilig verbindlich ist ?
 
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Blackangel

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  • #134
Zitat von Schreiberin:
Hallo Blackangel
ich weiß nicht, ob du hier noch alle Gedankengänge weiterverfolgst, aber ich klinke mich noch mal ein.
Doch, wenn ich was schreibe, habe ich immer alle Seiten vorher gelesen - Heike hat ja schon klargestellt, dass ich nicht nach der Tat des Kindsvaters gefragt habe, sondern nach dem, was deine Verletzung ausmacht - also eher das, was er mir seinem Verhalten angerührt hat. Hast du das verstanden, wie ich das gemeint habe oder Heike weiter ausgeführt hat ?

Habe gerade gesehen, dass du wieder was geschrieben hast.
Das mit dem zerstörenden Erdbeben kommt mir immer noch sehr wie deine persönliche Deutung vor. Sicher sehen das andere Leute nur als Sturm - unangenehm, aber keine Bedrohung für das ganze Gebäude. Vielleicht eine Säule beschädigt - aber kein existenzielles Problem...
Daher frage ich noch mal in die Richtung :
- Welche große Bedeutung hat Treue für dich und warum ist das so ?
- Wie wirkt sich Treue auf dein allgemeines Lebensgefühl aus und warum ist das so ?
- Was würdest du mit einer Welt assoziieren, in der Treue nicht viel wert ist und alles nur zeitweilig verbindlich ist ?

Ich habe alle Gedankengänge gelesen und finde alle überlegenswert ... überdenkbar ... wichtig.
Klar ist das meine Deutung. Und ich empfinde es als Erdbeben. Ein einmaliger "Ausrutscher" ein Erdbeben, das Erwähnung findet ... eine 1-jährige Affäre allerdings als Katatstrophe ... erschütternd eben.
Für mich war es ein existenzielles Problem, da ich mit Säuglingen nicht einfach Grenzen ziehen konnte, wie ich wollte. Musste dem Übel (für mich) das Ausmaß der Katastrophe die Folgen dem Kindeswohl gegenüber stellen ... selbstverständlich hat das Kindeswohl überwogen. 3 jahre später kam es zum zweiten Erdbeben ... das haben alle Stützen nicht mehr überstanden. Das Tragwerk war schon angeschlagen und träge.

Treue hat für mich nunmal eine sehr große Bedeutung. Ist aber vermutlich mein persönliches Anliegen ...
Bin nunmal sehr loyal und treu ...
Auf mein Leben wirkt sich Treue so aus, dass ich so treu bin, dass ich, wenn ich in einer Beziehung lebe, lieber auf den Boden starre und dadurch auch mal arrogant wirke, als dass ich die "Außenwelt" auch nur zeitweise "wahrnehmen" würde/könnte ...
Bezeichnend ist da auch mein "Verhältnis" zu meiner Chefin, die schon seit Jahren mit einer unheilbaren Krankheit kämpft (mir auch nahegelegt hat, dass ich mir einen anderen Job suchen soll) und ich trotz bzw. erst recht zu ihr halte ...

Meine Einstellung zu Treue und Loyalität ist vermutlich selten, aber ein großer Teil meines Charakters und meiner Lebenseinstellung. Warum? Meine gute Erziehung und inzwischen auch meine Überzeugung!

Was ich mit einer Welt assoziieren würde, in der Treue kaum eine Rolle spielt? .... NIX ! ! ! .....
Zeitweilige Verbindlichkeit? Bedeutet für mich unverbindlich ... und unverbindlich ist für mich oberflächlich, und mit Oberflächlichkeit kann ich nicht viel anfangen ... außer unverbindlich ... und das bin nicht ich ;-)
 

Blackangel

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  • #135
Zitat von Gast:
Bei "Gefühlen, die sich im Kreise drehen" hilft Fehleranalyse nicht. Da hilft nur Tee trinken, aushaaren und Distanz schaffen. Ein Perspektivwechsel muss her und ein neuer Antrieb zum Glücklichsein.

Analyse ist für Analytiker.

Ich hab schon gefühlt alle Teesorten durch ... also kann Teetrinken allein nicht die Lösung des Problems sein. Distanz schaffen hingegen schon teilweise ... , der mit einem Perspektivenwechsel, wie hier oft geraten, gar nicht mehr so schwer fällt, wie gedacht.
Der neue Antrieb zum Glücklichsein? Ja, der wäre von mir schon da. Aber was nützt es, wenn nur ich die Perpektive ändere?
 

Blackangel

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  • #136
Zitat von Heike:
Ja, ist eine Frage der Kombination und des Maßes. Wie so oft, gibt es nichts umsonst. Je mehr ich mich auf etwas einlasse, desto mehr gerate ich auch in Abhängigkeiten. Je mehr ich mich dagegen wappnen will, desto stärker belaste ich das neue.
Mein zusätzlicher Punkt war, daß eine Trennung keinen gänzlichen Verlust von Anerkennung bedeuten muß. Das ist auch eine Frage der Art und Weise und der Deutung.
Wenn ich mich jedoch darausfolgernd nie auf etwas einlasse, kann ich auch nichts "gewinnen" aber auch nicht "verlieren". Wobei ich jetzt keine Gewinn/Verlustrechnung aufstellen möchte. In einer Beziehung gibt es selten bis gar nicht einen Totalverlust. Wenn ich allerdings nur auf Gewinn orientiert bin, kann es schon mal sein, dass Verluste einkalkuliert werden müssen, wobei ich in Sachen Liebe niemals kalkuliert vorgehen möchte. Weder dass ich kalkuliere, noch dass ich als ein kalkulierbares Risiko gelten möchte. Die Bilanz sollte am Ende stimmen.

Zitat von Heike:
Die wenigsten Trennungen dürften den Charakter des Aufdeckens eines Heiratsschwindels haben. Aber, so mein Eindruck, öfter wird es so gedeutet. Meine Empfehlung wäre, sich anzuschauen, ob man es so deuten muß und welchen Gewinn man davon hat, es so zu deuten.
Eher kann eine Trennung auch Anerkennung bedeuten. Eine Anerkennung des Gegenübers und seiner Gefühle und eine Anerkennung des eigenen ... Grenzen überschritten: konsequentes Handeln ... bringt auch wieder Anerkennung der eigenen Sichtweisen. Meistens, wenn objektiv betrachtet ...

Heiratsschwindel? Bedeutet für mich schon vor der Heirat den "Schwindel = Betrug" im Kopf zu haben und das ist in meinen Augen "wenigstens" beim Fremdgehen" nicht der Fall. Obs dadurch leichter ist, bzw. leichter verständlich? Wage ich zu bezweifeln. Möchte beides nicht (oder nicht nochmal) erleben.
Trennungen haben meist mit inkompatiblen Einstellungen zu tun. Computerprogramme tun sich da leichter, dies von vornherein festgestellt zu haben, dass inkompatibel.
Da wir alle keine Computer und deren Programme sind, müssen wir mal mehr - mal weniger leidvoll - feststellen, dass viele Betriebsprogramme nicht kompatibel laufen - - - ... Error vorprogrammiert.

Um bei der Computersprache zu bleiben: Never change a running system! Doch wenns kein "running" mehr gibt. wirst du doch wechseln ... und meist bleibt dabei irgendwas aus der Strecke ... kommt auf die Perspektive an.


Zitat von Heike:
Solche Stellen hören sich für mich sehr fremd an. Ich weiß nicht, was es heißen sollte, sich einen Sachverhalt verstandesmäßig zu erschließen. Wie erschließe ich mir eine Stadt verstandesmäßig? Indem ich mich in den Sessel setze und scharf nachdenke? Also ich gehe raus und schaue sie mir an, manches gezielt, nach Vorwissen, zugleich offen für Überraschung. Und das Herumlaufen tue ich als ganze Person, nicht eine Seite von mir. Da sind die Augen beteiligt, die Ohren, die Nase, die Beine, das Erinnerungsvermögen, das Spüren, das Fühlen usw. So erschließe ich mir eine Stadt. Und so erschließe ich mir Sachverhalte.
Entsprechend auch positive Rückmeldungen des Umfeldes. Diese Erfahrung ist zugleich wahrnehmungsmäßig, gefühlsmäßig, verstandesmäßig, bewußt wie unterschwellig, gezielt wie nebenbei usw. Das ist für mich so selbstverständlich, daß ich deine Erfahrungsberichte, in denen du regelmäßig eine Mehrempfehlung an Gefühl mit einer Wenigerempfehlung an Verstand verknüpfst, als verfehlende Rechnung empfinde. Und ja, Rechnung. Insofern ultrarational. Wie die Rede von Gefühlen oft.
Stabilität entsteht meist aus Gewohnheit. Auch Gewohnheit würde ich nicht filetieren in Rationales oder Emotionales. Sondern ist halt Gewohnheit. Beim Autofahren denkt man in der Regel nicht bewußt an die Lektüre von Ratgebern zum guten Autofahren. Man macht es aber auch eher nicht aus einer Menge an Emotionen heraus. Sondern man weiß in der Regel wie zu fahren ist, weil mans gelernt hat und häufig angewendet. Stabile Fahrpraxis. Und wenn die erschüttert ist, lohnt es sich, hinzuschauen, was los ist.
Ich schau mir eine neue Stadt auch lieber "per pedes" an und bewundere jedes Bauwerk visuell , als dass ich mich nicht direkt mittendrin aufhalte, und mir vom imaginären Besuchern Bauwerke beschreiben ließe, die diese evtl. niemals persönlich gesehen haben ....
 

Blackangel

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  • #137
Vieles davon ist erstmal für jeden selbstverständlich ... doch aus anderer Perspektive betrachtet nicht mehr sooo selbstverständlich.

So wie meine Gefühle für mich selbstverständlich waren, waren diese nicht für alle so primär.
Ich kann mich natürlich auch "zu Tode" ergründen (versuchen). Darum mein Thread.

Und genau darum mein Dank ... nochmals.

Ich habe aufgehört, mich zu ergründen, denn was in mir schlummert weiß ich doch zu gut. ... Am Ende bleibt nur Toleranz oder Akzeptanz. Im besten Fall beides. Leider bin ich ich in diesem Fall noch etwas intolerant ...

Selbst das "Fremdgehen"/Betrug ist für mich zwar fremd und entlegen ... doch für manch anderen nicht so (fremd). Es soll Menschen geben, die sich genau davon nähren ../Sarkasmus on/ .Ich hoffe, diese Menschen sterben nicht irgendwann den Hungertod ... /Sarkasmus off/

Jaaa, ihr könnt rauslesen, dass ich mit der "Lebens"einstellung nicht übereinstimme. Aber ich entwickle einen seichten Sinn dafür. Seicht ... aber nicht mehr sooo fremd. Und das war mein Sinn der Sinnlichkeiten ...
 
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nuit

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  • #138
Zitat von Blackangel:
Ich habe alle Gedankengänge gelesen und finde alle überlegenswert ... überdenkbar ... wichtig.
Klar ist das meine Deutung. Und ich empfinde es als Erdbeben. Ein einmaliger "Ausrutscher" ein Erdbeben, das Erwähnung findet ... eine 1-jährige Affäre allerdings als Katatstrophe ... erschütternd eben.
Für mich war es ein existenzielles Problem, da ich mit Säuglingen nicht einfach Grenzen ziehen konnte, wie ich wollte. Musste dem Übel (für mich) das Ausmaß der Katastrophe die Folgen dem Kindeswohl gegenüber stellen ... selbstverständlich hat das Kindeswohl überwogen. 3 jahre später kam es zum zweiten Erdbeben ... das haben alle Stützen nicht mehr überstanden. Das Tragwerk war schon angeschlagen und träge.

Treue hat für mich nunmal eine sehr große Bedeutung. Ist aber vermutlich mein persönliches Anliegen ...
Bin nunmal sehr loyal und treu ...
Auf mein Leben wirkt sich Treue so aus, dass ich so treu bin, dass ich, wenn ich in einer Beziehung lebe, lieber auf den Boden starre und dadurch auch mal arrogant wirke, als dass ich die "Außenwelt" auch nur zeitweise "wahrnehmen" würde/könnte ...
Bezeichnend ist da auch mein "Verhältnis" zu meiner Chefin, die schon seit Jahren mit einer unheilbaren Krankheit kämpft (mir auch nahegelegt hat, dass ich mir einen anderen Job suchen soll) und ich trotz bzw. erst recht zu ihr halte ...

Meine Einstellung zu Treue und Loyalität ist vermutlich selten, aber ein großer Teil meines Charakters und meiner Lebenseinstellung. Warum? Meine gute Erziehung und inzwischen auch meine Überzeugung!

Was ich mit einer Welt assoziieren würde, in der Treue kaum eine Rolle spielt? .... NIX ! ! ! .....
Zeitweilige Verbindlichkeit? Bedeutet für mich unverbindlich ... und unverbindlich ist für mich oberflächlich, und mit Oberflächlichkeit kann ich nicht viel anfangen ... außer unverbindlich ... und das bin nicht ich ;-)

Hallo Blackangel,
ich klink mich auch mal auf Seite 10 dazu (nachdem ich alle gelesen hab :)) und knüpf mal an den Überlegungen von Schreiberin und Heike an, vor allem an der Anregung, genauer auf den zunächst selbstverständlichen Schmerz hinzusehen und auf das zugrunde liegende Gefühlspotpourri. (Ich assoziiere Schock, Wut, Kränkung, Enttäuschung, Traurigkeit.) Hast du ja auch schon gemacht und der Thread hat eine Wendung von Verletztsein zu Enttäuschung genommen. Deine Formulierung des "Ent-täuscht" seins, gefällt mir gut, weil sie die Täuschung, die drin steckt, sichtbar macht.

Falls Kränkung ("ich war ihm nicht wichtig genug,..") eine Rolle spielt: Verständnis seiner Persönlichkeit, seiner Motive und Bedürftigkeiten hilft, Verhalten nicht allzu persönlich zu nehmen, was nicht bedeutet soll, es gutzuheißen.
Geht Hand in Hand mit schmerzhafter, letztendlich heilsamer Enttäuschung ("das hätte ich nicht von ihm erwartet"..): Beim Lesen deiner letzten Beiträge hatte ich den Eindruck, dass du eine recht idealistische Einstellung Beziehungen bzw. der Welt, aber auch dir selbst gegenüber hochhältst. Dass Andere nicht so ideal sind, wie wir uns das wünschen würden, ist offensichtlich. Diese Enttäuschung, dass andere nicht nur "gut" sind, ist m.E. besser verkraftbar, wenn wir dies von uns selbst auch wissen. Auch über den Weg des Erlebens von sich selbst enttäuscht zu sein, im Sinne von den eigenen Idealansprüchen (in diesem Zusammenhang ist ein "Ich würde nie.." immer ein guter Hinweis) nicht entsprochen haben. In dein Beispiel (u.a. mit deiner Chefin) interpretiere ich was Heldinnenhaftes (Held impliziert die Tragik), im Sinne von die eigenen Bedürfnisse (ev. nach finanzieller Sicherheit) für ein höheres Ideal zurückstellend. Kann man machen, kann möglicherweise gleichzeitig auch dazu führen, dass man mit der Welt unausgesprochen "Verträge" schließt: Dafür, dass ich nicht für meine Bedürfnisse sorge ("wäre egoistisch)" und diese zurückstelle, erwarte ich das Gleiche von Anderen. Diese Haltung könnte einem zudem davor bewahren, Andere vermuteterweise "enttäuschen" bzw. "verletzen" zu müssen, indem man Grenzen zieht bzw. Erwartungen und Wünsche Anderer zurückweist. Also jemand zu werden, der tut, was man doch idealistischerweise ablehnt. Ein solcher "Jemand" zu sein, hätte aber wahrscheinlich den Vorteil, aktiv für die eigenen Bedürfnisse sorgen zu können und nicht-ideale Andere besser verstehen (nochmal: heißt nicht gutheißen) zu können. Eine Frage des Maßes. - Ideale sind wie Sterne: wir orientieren uns an ihnen, können sie aber nie erreichen. (nicht von mir :))
Ergänzend (und nicht weil ich meine, es träfe auf dich zu, Blackangel) sei noch erwähnt, dass sich allerdings auch eigene quasi "egoistische" Bedürfnisse gut im Mantel aus Moral und Ideal einkleiden lassen, um edler daherzukommen.

Ich glaub auch, dass Ent-täuschung mit Traurigkeit Hand in Hand geht; die Täuschung ging verloren.

LG
 
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nuit

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  • #139
Zur Abwechslung zitier ich mich mal selbst ;). Mir ist noch was eingefallen. Gelegentlich ist dies:
Diese Haltung könnte einem zudem davor bewahren, Andere vermuteterweise "enttäuschen" bzw. "verletzen" zu müssen, indem man Grenzen zieht bzw. Erwartungen und Wünsche Anderer zurückweist.
paradoxererweise der Hintergrund des Verheimlichens (u.a. des Fremdgehens) und eine absurde Kompromissbildung zwischen "Nichtverletztenwollen" einerseits und den eigenen Bedürfnissen nachzugehen andererseits.
 

Blackangel

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  • #140
Zitat von nuit:
Beim Lesen deiner letzten Beiträge hatte ich den Eindruck, dass du eine recht idealistische Einstellung Beziehungen bzw. der Welt, aber auch dir selbst gegenüber hochhältst. Dass Andere nicht so ideal sind, wie wir uns das wünschen würden, ist offensichtlich. .

- Ideale sind wie Sterne: wir orientieren uns an ihnen, können sie aber nie erreichen. (nicht von mir :))

Genau das ging mir jetzt beim Durchlesen auch durch den Kopf.
Manchmal ist es hilfreich, selbst Geschriebenes mit Abstand nochmals zu überdenken .... ;-)

Schönes Wochenende wünsch ich allen .......
 

Ninamaus

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  • #141
Liebe Blackangel,
erst Mal Danke für diesen Thread, der sehr schön zu lesen ist.

Kommt superspät, aber dennoch möchte ich Dir gerne noch ein Bild mit auf den Weg geben. Den des Lebensschrankes / -rucksacks, den ein jeder von uns hat (versteckt auf dem Dachboden oder gut sichtbar lässig über die Schulter gehängt). Du entscheidest selber, wie Du damit umgehst: Du kannst ihn fest verschließen und zu lassen. Wenn etwas Neues reingeworfen wird dich sofort wieder umdrehen. Oder ihn auch ab und an auslüften, nur so für dich selber und das ein oder andere darin noch Mal betrachten und in der Hand halten, bevor Du es wieder zurück legst. Du kannst den Inhalt jemand anderem zeigen, die Geschichte dazu erzählen und wer weiß, vielleicht hat der andere etwas sehr ähnliches in seinem Schrank / Rucksack und möchte es dir zeigen. Die Mauer, die man um sich selber und seinen Schrank / Rucksack hochzieht, die baut man selber und lässt sich auch zu einem großen Teil nur selbst in Höhe und Dicke verändern. Ein Anderer kann (oft muss, da man selber dahingehend in Lethargie verharrt) etwas zur Veränderung beitragen, oft reicht ein kleines Loch, das da jemand hinein meißelt um einen Anfang zu machen.

Es wurde an einigen Stellen von Verdrängen und Vergessen geschrieben. Schwierig bis unmöglich. Als weitere Alternative das Annehmen und seinem Leben zugehörig sehen - so wie eine die Hautoberfläche nicht wegoperierbare Narbe auch einem zugehörig ist (da käme das Bild vom Schrank wieder ins Spiel: zeige ich die Narbe oder nicht). Noch wichtiger ist für mich selber aber die Vergebung. Sich selber vergeben („ich genüge nicht“, „ich habe einen Fehler gemacht“ oder ähnliches). Und auch dem Anderen („hat meinem Anspruch nicht genügt“, „ich wurde verletzt“ und ähnliches).

Schönes Wochenende!
 

Blanche

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  • #142
Zitat von Blackangel:
Schönes Wochenende wünsch ich allen .......

Danke - gleichfalls!
Auch für diesen Thread, den ich wirklich gerne mitlese.
Danke auch an alle - die sich daran beteiligen.
Ich ziehe auch für mich gute Gedanken daraus.

Liebe Blackangel,

Ich bin bisher in meinem Leben von meinen beiden langjährigen Partnern betrogen worden.
Das hat sehr weh getan.
Ich habe mittlerweile verstanden, wie es dazu gekommen ist.
Das entschuldigt "dieses Verhalten" nicht - jedoch kann ich es verstehen - und konnte meinen inneren Frieden damit schließen.
Dem einen sogar verzeihen. Beim anderen fällte es mir schwerer, doch es ist zumindest kein Hass übrig.
Das alles hat Zeit gebraucht. Viele Gespräche. Viel Grübeln.
Ich wünsche Dir viel Erfolg beim "Verarbeiten" - ich denke, Du bist auf einem guten Weg.

Und - weißt Du was?
Es ist ein phantastisches Gefühl, wenn man da durch ist!
Das wartet auf Dich - und darauf kannst Du Dich freuen ;-)

LG

Blanche
 
G

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Gast
  • #143
Liebe Blackangel,

auch ich möchte mich von ganzen Herzen bei dir dafür bedanken, dass du diesen Thread eröffnet hast. Er ist ganz toll und ich denke, dass er sehr vielen helfen wird. Ich habe ihn noch nicht ganz zu Ende gelesen, sind ja auch schon mittlerweile zehn Seiten.

Daher mal der erste Teil von mir:

Was mich persönlich angeht, habe ich auch so einiges erlebt.

Dass, was einem passiert ist, kann man - so denke ich zumindest - nicht einfach vergessen, verdrängen und somit ad acta legen. Das funktioniert nicht und ist auch wenig zielführend.

Für mich ist wichtig zu wissen was passiert ist und es als eine Lektion zu betrachten und meine Lehren daraus zu ziehen, aber ohne irgendwelche Schuldzuweisungen. Darüber zu sprechen ist auch sehr hilfreich, da man sich mit sehr guten Freunden darüber austauschen kann und vielleicht die eine oder andere Sichtweise nochmal überdenken zu können. Deine Freunde geben dir Ratschläge, aber du musst letztendlich herausfinden was für DICH am besten ist, denn es ist nicht ein jeder Mensch gleich und das ist auch gut so.

Auch, wenn ein vergangener bitterer Geschmack da ist, versuche ich all meinen Mut zusammen zu nehmen und positiv zu denken und für die Menschen (Männer) offen zu sein, um wieder neue Erfahrungen machen zu können. Jeder Mensch ist anders, von daher sind auch nicht alle Männer gleich.

Nimm dir alle Zeit der Welt, das Erlebte zu verarbeiten und lass dich zu nichts drängen was du nicht willst.

Sich an die schönen Momente in einer zu Ende gegangenen Beziehung zu erinnern ist, so finde ich es, eine sehr schöne Idee. Auch wenn die Beziehung ein unschönes Ende hatte, so hat man sich doch auch irgendwann unsterblich ineinander verliebt...

Wenn du dann wieder auf einen Mann triffst, der dein Herz berührt und dich zum Lächeln bringt, dann hilft es dir bzw. euch auch, wenn du mit ihm über deine Erfahrungen sprichst. So gibst du ihm die Chance, dich zu verstehen und er kann ganz anders mit dir umgehen und dir auch ein Stück weit deine Ängste nehmen.

Alles Liebe.
Sweet*Love
 

Blackangel

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  • #144
Zitat von Ninamaus:
Liebe Blackangel,
erst Mal Danke für diesen Thread, der sehr schön zu lesen ist.

Kommt superspät, aber dennoch möchte ich Dir gerne noch ein Bild mit auf den Weg geben. Den des Lebensschrankes / -rucksacks, den ein jeder von uns hat (versteckt auf dem Dachboden oder gut sichtbar lässig über die Schulter gehängt). Du entscheidest selber, wie Du damit umgehst: Du kannst ihn fest verschließen und zu lassen. Wenn etwas Neues reingeworfen wird dich sofort wieder umdrehen. Oder ihn auch ab und an auslüften, nur so für dich selber und das ein oder andere darin noch Mal betrachten und in der Hand halten, bevor Du es wieder zurück legst. Du kannst den Inhalt jemand anderem zeigen, die Geschichte dazu erzählen und wer weiß, vielleicht hat der andere etwas sehr ähnliches in seinem Schrank / Rucksack und möchte es dir zeigen. Die Mauer, die man um sich selber und seinen Schrank / Rucksack hochzieht, die baut man selber und lässt sich auch zu einem großen Teil nur selbst in Höhe und Dicke verändern. Ein Anderer kann (oft muss, da man selber dahingehend in Lethargie verharrt) etwas zur Veränderung beitragen, oft reicht ein kleines Loch, das da jemand hinein meißelt um einen Anfang zu machen.

Es wurde an einigen Stellen von Verdrängen und Vergessen geschrieben. Schwierig bis unmöglich. Als weitere Alternative das Annehmen und seinem Leben zugehörig sehen - so wie eine die Hautoberfläche nicht wegoperierbare Narbe auch einem zugehörig ist (da käme das Bild vom Schrank wieder ins Spiel: zeige ich die Narbe oder nicht). Noch wichtiger ist für mich selber aber die Vergebung. Sich selber vergeben („ich genüge nicht“, „ich habe einen Fehler gemacht“ oder ähnliches). Und auch dem Anderen („hat meinem Anspruch nicht genügt“, „ich wurde verletzt“ und ähnliches).

Schönes Wochenende!

Vielen Dank für das Bild. Ich nehme da jetzt den Rucksack, denn dazu fällt mir noch ein Vergleich von einem weisen Arzt aus Bad Tölz ein. Stell dir vor jeder Mensch würde sein geschnürtes Päckchen an Lebenserfahrungen in einen Rucksack packen. Und dann werfen alle ihren Rucksack auf einen Haufen ... ein Berg von Rucksäcken ... Nun hast du die Wahl, dir einen davon auszusuchen. Jeder würde wohl seinen eigenen Rucksack wieder nehmen. ...

Mir gefällt der Vergleich. Auch deiner. Denn ich habe hier meinen Rucksack geöffnet und einen Blick reinwerfen lassen.
Freute mich über eure Anteilnahme, Geschichten, Sichtweisen. So gelingt der Perspektivenwechsel und somit das Verarbeiten leichter.
LG
 

Blackangel

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  • #145
Zitat von Blanche:
Ich bin bisher in meinem Leben von meinen beiden langjährigen Partnern betrogen worden.
Das hat sehr weh getan.
Ich habe mittlerweile verstanden, wie es dazu gekommen ist.
Das entschuldigt "dieses Verhalten" nicht - jedoch kann ich es verstehen - und konnte meinen inneren Frieden damit schließen.
Dem einen sogar verzeihen. Beim anderen fällte es mir schwerer, doch es ist zumindest kein Hass übrig.
Das alles hat Zeit gebraucht. Viele Gespräche. Viel Grübeln.
Ich wünsche Dir viel Erfolg beim "Verarbeiten" - ich denke, Du bist auf einem guten Weg.

Und - weißt Du was?
Es ist ein phantastisches Gefühl, wenn man da durch ist!
Das wartet auf Dich - und darauf kannst Du Dich freuen ;-)

Liebe Blanche,
da haben wir wohl sehr Ähnliches durchlebt.
Freut mich für dich, dass du schon weiter bist. Ich denke, ich schaffe das auch noch.
Meine Vorfreude auf des Ziel ist nun doch schon sehr groß. Danke dafür.

LG
 

Blackangel

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  • #146
Zitat von Blackangel:
Genau das ging mir jetzt beim Durchlesen auch durch den Kopf.
Manchmal ist es hilfreich, selbst Geschriebenes mit Abstand nochmals zu überdenken .... ;-)

Möchte hier (und jetzt erst) auf mein selbst Dargestelltes/Geschriebenes eingehen. Habe durch nochmaliges Lesen meiner eigenen Worte und eure "Denkanstösse" feststellen dürfen, dass mein Idealismus der Realität (bis dato meiner Realität) widersprechen, bzw. ich idealisiert habe, was sich in der Realität anders darstellt; und auch ich nicht nur ideal bin. Real, nicht ideal ... nicht optimistisch genug, pessimistisch dahin gegen zur genüge ...
Auch ich habe meine Fehler (auf die ich nicht besonders stolz sein kann), aber eben durch "wirken lassen" meiner eigenen Worte bin ich mir genau darüber erst bewusst geworden. Hätte ich hier an dieser Stelle (inklusive Einblicke in eure Sichtweisen) nicht nochmals revue passieren lassen können, was mich so gefangen hält, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass ich mich selbst gefangen halte.
Ich werde meine Gefühle also aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten können und auch feststellen dürfen, dass diese Gefühle nicht so negativ sind, wie von mir empfunden. Ein Annehmen dieser Gefühle und unter anderem Blickwinkel betrachtet, machen mich diese Gefühle wertvoll und auch liebenswert. Bis vor diesem Thread sah ich das leider anders.
Dank an alle, die sich hier so rege und respektvoll beteiligt haben.

Schönes Rest-Wochenende an alle ... LG
 
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Nettmann

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  • #147
Hallo Blackangel,
das freut mich echt, wenn dir die Beiträge geholfen haben. Wissen um die eigene Position ist immer eine gute Basis um weiter voran zu gehen. Ein Losgehen ohne Wissen um die Ausgangsbasis und das Ziel und mögliche Stolpersteine und eigene Leistungsfähigkeit kann zu einer Überlastung führen. Ich finde es richtig gut, dass du bereit warst, Menschen am Weg, nach möglichen Wegen zu fragen und deine Unsicherheit auch zuzugeben.
Drück dir beide Daumen, dass du deinen(!) Weg gut gehen kannst, irgendwann dein Ziel erreichst, dabei das Schöne am Weg nicht übersiehst, auch mal das Unangenehme riskieren kannst. Natürlich wäre es einfacher und angenehmer, immer nur auf gut ausgebauten Wegen gehen zu können. Aber ein Gebirgspfad mit all seinen Steinen bleibt auch oft im Nachhinein und oft auch beim Gehen in besserer Erinnerung, als eine monotone Autobahn, auf der man die Umgebung kaum registriert und sich irgendwann fragt, schön, ich bin angekommen, aber was war in der Zeit, bis ich ankam? Hab ich etwas mitgenommen auf meinem Weg, das ich zum nächsten Ziel mitnehmen kann?
 

Blackangel

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  • #148
Zitat von Nettmann:
Hallo Blackangel,
das freut mich echt, wenn dir die Beiträge geholfen haben. Wissen um die eigene Position ist immer eine gute Basis um weiter voran zu gehen. Ein Losgehen ohne Wissen um die Ausgangsbasis und das Ziel und mögliche Stolpersteine und eigene Leistungsfähigkeit kann zu einer Überlastung führen. Ich finde es richtig gut, dass du bereit warst, Menschen am Weg, nach möglichen Wegen zu fragen und deine Unsicherheit auch zuzugeben.
Drück dir beide Daumen, dass du deinen(!) Weg gut gehen kannst, irgendwann dein Ziel erreichst, dabei das Schöne am Weg nicht übersiehst, auch mal das Unangenehme riskieren kannst. Natürlich wäre es einfacher und angenehmer, immer nur auf gut ausgebauten Wegen gehen zu können. Aber ein Gebirgspfad mit all seinen Steinen bleibt auch oft im Nachhinein und oft auch beim Gehen in besserer Erinnerung, als eine monotone Autobahn, auf der man die Umgebung kaum registriert und sich irgendwann fragt, schön, ich bin angekommen, aber was war in der Zeit, bis ich ankam? Hab ich etwas mitgenommen auf meinem Weg, das ich zum nächsten Ziel mitnehmen kann?

Hallo Nettmann,
ja, die eigene Position war mir anfänglich nicht klar und daher hab ich mich auch eher im Kreis bewegt, als voran zu kommen. Stolpersteine sind auf dem Weg willkommen, denn auch daraus lässt sich Schönes bauen ;-) um nochmals auszuruhen und zu überdenken, ob der Weg noch richtig ist.
Und ja, manchmal muss man sich öffnen (um nach dem Weg zu fragen). Auch auf die Gefahr hin, dass einem Unverständnis entgegen schlägt. Was hier nicht der Fall war, dafür bin ich sehr dankbar.
Ich finde Gebirgswege sehr schön und erlebenswert ;-)
Schönen Sonntag noch ;-)