Heike

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  • #121
AW: Geborgenheit

Zitat von faraway:
Eine "Brut" im Nest und unter den Fittichen schenkt auch der Henne ein Gefühl der Geborgenheit.
Das ist eine sehr innige Erinnerung.
Ja, für das Gefühl, daß Geborgenheit besteht und man daran teilnimmt, ist eben manchmal gar nicht unbedingt entscheidend, ob man sie primär spendet oder erhält. Geborgenheit ist auch da, wenn man sie schenkt und nicht nur, wenn man sie empfängt. Wie beim Schenken. Wenn man jemanden beschenkt, der sich sehr freut darüber, dann ist man gewissermaßen auch beschenkt. Allerdings nicht so durch das eigene Geschenk, sondern durch seine Freude. Und ich würde es auch nicht so formulieren, daß man sich in dem Fall ja selbst beschenkt hat.

Als ob man es sich immer aussuchen könnte, was einem das Leben so spielt.. .. und was man nicht alles lernen darf.
Wenn ich mein Schicksal annehme, heisst das ja nicht, dass ich keine wehmütige Sehnsucht nach dieser besonderen Geborgenheit der Zweisamkeit hätte...wie nach einem Traum eben, aber mein Leben ist geworden wie es ist:; mir fehlt die Erinnerung an die Geborgenheit in der Zweisamkeit; also vermisse ich sie nicht. Gesucht habe ich, aber aus mir nicht ganz klaren Gründen hatten meine Zweisamkeitserfahrungen mit Geborgenheit wesentlich weniger gemein als letztlich meine Einsamkeitserfahrung.

Nein, man kann es sich nicht immer in befriedigendem Umfang aussuchen. Aber die Benennung. Es ging doch darum, was Geborgenheit ausmacht. Und das kann man ja auch erstmal unabhängig von der Frage, in welchem Umfang man diese Geborgenheit erlebt. Anstatt sie einfach wegzudefinieren.

Wenn du einfach vergißt, was du vermißt, scheint mir das hingegen eine gelungene Strategie zu sein. Also wenn das wirklich bis in alle Tiefenschichten klappt. :)


Zitat von Gulliver:
"Seine Definition umfasst die Begriffe Sicherheit, Wohlgefühl, Vertrauen, Zufriedenheit, Akzeptanz und Liebe durch andere."

Für mich ist es missverständlich, weil ich nicht erkennen kann, worauf sich das "durch andere" bezieht. Würde es sich auf alle Begriffe beziehen, dann täte es für mich bedeuten:

Ich fühle mich geborgen, wenn andere sich bei mir sicher fühlen, sich bei mir wohl fühlen, mir vertrauen, zufrieden sind mit mir, mich akzeptieren und mich lieben.

Kann das so gemeint sein?

Na, vermutlich ist es doch so gemeint, daß man sich geborgen fühlt, wenn man erfährt, daß andere einem Sicherheit, ein Wohlgefühl, Liebe usw. bescheren.
 

Elli

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  • #122
AW: Geborgenheit

Zitat von Satjamira:
Elli,
Das grösste Problem sehe ich darin, dass sich fast keiner traut so zu sein wie er ist.
Ich habe vor 20 Jahren entschieden, dass ich genau so leben und lieben werde wie ich es will. Automatisch stösst man vielerorts auf Widerstände. Ich war jedoch auch bereit meine eigenen Widerstände anzuschauen und habe dadurch auch viel über mich gelernt und verändert. Wenn man gelernt hat mit Widerständen umzugehen, dann wird man sich überall erlauben so zu sein wie man ist, vorher passt Mensch sich lieber an, einige mehr, einige weniger.

Hallo Satjamira!
Mit Interesse habe ich Deinen Nickname-Beitrag gelesen - der entsprach genau dem Bild, das ich von "dir" hatte :)

Deine Worte klingen kraftvoll - nach Selbstbestimmung und Selbstbewußtsein - das finde ich sehr schön.

Für mich hat sich die Ahnung einer Lösung des scheinbaren Gegensatzes Anpassung/mirerlaubensozuseinwieichbin in dem Moment ergeben, als mir fühlbar wurde, daß es sich um ein sowohl-als-auch handelt - um zwei Pole, die sich wechselseitig bedingen, befruchten, ausgleichen und brauchen, um jeweils sichtbar, lebbar und für mich konstruktiv nutzbar zu werden.

Ich denke, des Menschen erste und tiefste und existentiellste Erfahrung ist die der Ohnmacht - diese lässt sich im besten Falle durch die Einfühlung der Bezugspersonen mildern (dahinter ruhen die Erinnerungen an die himmlisch-paradiesische vor-Geburts- Geborgenheit) :)
Der kleine Mensch lernt ja sehr schnell, daß durch Anpassung seinerseits ein Prozess befördert wird, der ihm die benötigte Zuwendung sichert und er wird sich, im besten Falle, zunehmend als selbstwirksam erleben - in dem Sinne, daß er sich (auch) durch Anpassung, das verschaffen kann, was er braucht, sich selbst aber nicht geben kann.

Warum sollte man aus diesem funktionierenden System - quasi willentlich aussteigen?

Ich glaube auch nicht, daß es (für mich) sinnvoll oder notwendig ist - denn als Mensch darf ich ja innerhalb dieses Menschen-Systems gedeihen. Es entspricht mir. Ich entspreche ihm.

Dir auch einen schönen Tag :)
 
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faraway

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  • #123
AW: Geborgenheit

Na, vermutlich ist es doch so gemeint, daß man sich geborgen fühlt, wenn man erfährt, daß andere einem Sicherheit, ein Wohlgefühl, Liebe usw. bescheren.

Aber sicher! und ich würde sogar dazufügen, dass sie mir auch gestatten, selbiges zu bringen und sich darüber zu freuen.

OT - ich bin grad emsig um die hiesige Geborgenheit bemüht :) draussen werkt der plummer rum, gestern ging nämlich der Wassertank über und zwei Kochgasflaschen konnte ich heute endlich auch schon anschleppen, und wir werden sicher auch noch den neuen Dachschaden bereinigen. Die Tücken der Regenzeit.
Wenn dann der alte Hund heut abend friedlich neben mir schnarcht, ist die Welt wieder heil und geborgen...

aber darum geht es ja nicht und mit so Zeugs komm ich schon jahrelang allein zurecht.
Damit kam ich auch schon allein zurecht als ich noch nicht allein war... und ich glaub, das hat auch ein bisschen etwas mit meiner "erlernten" Einstellung zu tun.
ich find es viel schlimmer allein zuständig zu sein, wenn ich nicht allein bin. Denn da kommt dann bei mir des Abends kein Gefühl der Geborgenheit hoch.... nicht einmal bei solchen Trivialitäten...da kommen dann ganz andere traurige Gefühle ins Spiel.

Dieses Thema beschäftigt mich echt... ist wohl ein richtig wunder Punkt...abgesehen von und besonders auch in Kombination mit "nur" emotionellen Aspekten...
 

Andre

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  • #124
AW: Geborgenheit

Zitat von Elli:
Nein, nach Selbstmitleid hörte sich das für meine Ohren nicht an - sondern nach alten, schlecht verheilten Wunden, die immer noch schmerzen.
Achso, verstanden. Nee, offene Wunden sind es nicht mehr, außerdem meinte ich auch Sachen, die ich von anderen weiß. Es ist nur Ärger – ganz allgemein – über Gedankenlosigkeit und Rechthaberei.
 

t.b.d.

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  • #125
AW: Geborgenheit

Das ist ein interessantes Thema. Besonders tina*s und Heikes Ansichten brachten mich mal wieder ins Grübeln. Ich fragte mich: Was ist Geborgenheit? Wann fühlte ich mich zuletzt geborgen und wie fühlt sich das an? Wie wichtig ist mir Geborgenheit?
Geborgenheit ist ein unübersetzbares Wort aus dem westgermanischen, d.h. es existiert in keinem anderen Sprachraum eine Entsprechung. Genau wie für Gemütlichkeit.
Geborgenheit ist verwandt mit den Begriffen Bergung und Burg.

"Du gibst soviel Geborgenheit."
"Ich fühle mich bei dir geborgen."

Ich habe solche Sätze einige Male gehört. Ihr Kopf auf meinem Brustkorb, mein Arm um ihrer Schulter. Meist bei bestem Wetter, in tiefstem Frieden, rechtssicherer Lage, fernab von Feuersbrunst, Flut, marodierenden Banden und reißenden Bestien. Es gab also kein Außen, vor dem es galt, in die Geborgenheit eines Innen zu fliehen.
Das zu hören gab mir dennoch immer ein gutes Gefühl. Obwohl ich dabei einfach nur so auf dem Rücken lag und nichts weiter tat als Sie im Arm zu halten.
Wer weiß, ob ich imstande wäre zuverlässig jedweden Angreifer mit Schild und Schwert von den Burgmauern zu fegen - ich hatte beides noch nie in der Hand. Ich bin auch kein Rettungsschwimmer oder Feuerwehrmann. Gut möglich, dass ich beim Versuch zu retten selbst mit unterginge. Andererseits würde ichs dennoch versuchen wenn´s drauf ankäme.
Ob es das ist was sie spürte, ahnte, fühlte, meinte?

Wie fühlt man Geborgenheit?
Wann fühlt man Geborgenheit?

Nachdem man geborgen wurde oder bereits wenn man sich vor aktuellen, potentiellen oder vermeintlichen Gefahren, Verfolgung, Übergriffen oder überhöhten Ansprüchen verborgen wähnt?
Im letzteren Fall könnte das Gefühl trügerisch sein.
 
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  • #126
AW: Geborgenheit

Schön geschrieben, tbd.
Hilft mir sehr bei der Sortierung des gedanklichen Kuddelmuddels zum Thema.
 

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  • #127
AW: Geborgenheit

Zitat von Nettmann:
So,
ich nun als Mann... Geborgenheit.... Vielleicht würde ich es so nicht nennen, aber was mir persönlich in meiner Ehe gefehlt hat, war Wärme, Empathie, das auch einmal als Mann in den Arm genommen zu werden. Klingt jetzt vielleicht total bescheuert, ...
Ist mir aber egal. Auch als Mann hat man manchmal das Bedürfnis nach Nähe, nach dem Gefühl, es ist jemand da, der einen akzeptiert, einen versteht, der fühlt, dass man gerade Trost braucht.

Nettmann

Klingt überhaupt nicht bescheuert. Ich finde es eher erschreckend, dass einige Frauen diesen Wunsch so vehement von sich weisen. Wahrscheinlich mal wieder, um zu beweisen, WIE selbstständig sie sind, WIE wenig sie auf Unterstüzung und Hilfe angewiesen sind und dass sie ALLES alleine und vor allem viel besser können. Ich halte das ohnehin für ein gesellschaftliches Phänomen, dass jeder versucht, ALLEINE zurechtzukommen, sich durchzusetzen, möglichst keine Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dabei fühlen sich doch die meisten Menschen sehr gut, wenn sie um Hilfe gebeten werden und diese auch noch leisten können. Man fühlt sich gebraucht, als nützliches Mitglied der Gesellschaft. Es gibt doch vielen Menschen ein gutes Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Um Geborgenheit empfinden zu können, muss man sich allerdings erstmal "fallen lassen" und öffnen können. Und dazu sind, meiner Meinung nach, heutzutage immer weniger Menschen willens oder in der Lage.

Vielleicht weil sie häufig enttäuscht (sprich: nicht aufgefangen wurden). Vielleicht weil sie zu stolz sind, um vermeintlich "schwache" Momente in ihrem Leben überhaupt zuzulassen.

Ich denke, dass gerade dieses Fallenlassen ein sehr großer und intensiver Beweis eines Partners für bedingungsloses Vertrauens sein kann.

Dem "auffangenden" Partner wiederum kann dieses grenzenlose Vertrauen ein sehr schönes Gefühl des "Gebrauchtwerdens" signalisieren. Wenn dieses (im Optimalfall) gegenseitig geschieht, kann das zu einer tieferen und intensiveren Bindung zwischen den Partnern führen.
 

t.b.d.

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  • #128
AW: Geborgenheit

Apropos gebraucht werden - ist es wirklich so erstrebenswert, dass eine Partnerschaft/Liebesbeziehung auf der emotionalen Unentbehrlichkeit basiert? Wenn ja, wie verträgt sich das mit der Augenhöhe, wenn immer einer fallen muss, damit der andere fangen kann? Warum soll/muss immer ein Partner dafür verantwortlich sein, wie der andere Partner sich fühlt? Wo ist da die Eigenverantwortung?

Ich habe nichts gegen ein wenig Fremdbestätigung ab und an. Das tut zuweilen ja auch gut. Aber ich darf nicht darauf angewiesen sein, sodass mein Selbstwertgefühl zusammenbricht, wenn die Fremdbestätigung ausbleibt oder ich stattdessen Kritik ernte. Weil in dem Falle droht, dass ich zum meinungslosen, willenlosen angepassten Irgendwas a la Muttis Liebling werde.
 

Heike

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  • #129
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Apropos gebraucht werden - ist es wirklich so erstrebenswert, dass eine Partnerschaft/Liebesbeziehung auf der emotionalen Unentbehrlichkeit basiert? Wenn ja, wie verträgt sich das mit der Augenhöhe, wenn immer einer fallen muss, damit der andere fangen kann? Warum soll/muss immer ein Partner dafür verantwortlich sein, wie der andere Partner sich fühlt? Wo ist da die Eigenverantwortung?

Ich habe nichts gegen ein wenig Fremdbestätigung ab und an. Das tut zuweilen ja auch gut. Aber ich darf nicht darauf angewiesen sein, sodass mein Selbstwertgefühl zusammenbricht, wenn die Fremdbestätigung ausbleibt oder ich stattdessen Kritik ernte. Weil in dem Falle droht, dass ich zum meinungslosen, willenlosen angepassten Irgendwas a la Muttis Liebling werde.

Ich denk ja, daß es viele verschiedene Konstellationen zwischen Himmel und Erde gibt und die Liebesbeziehung sich auch an der Verfassung der Beteiligten orientieren sollte. Je nach Persönlichkeit steht mal mehr die Eigenständigkeit der Beteiligten, mal eine gewisse Kaumentbehrlichkeit im Vordergrund.

Sofern es darüberhinaus um eine gewisse Allgemeindiagnose geht, würd ich sowohl einen Hang zu einem Zuviel von Eigenverantwortung als auch ein Zuwenig feststellen. Ich find ganz gut, was Elli oben geschrieben hat. Und ich glaub nicht, daß man eigene Verantwortung primär durch die Abwesenheit anderer, also nach so einem Robinsonmodell auffassen muß. Ja, wenn man "allein" ist, dann ist es wünschenswert, daß man auch selbständig "funktioniert". Aber darauf folgt nicht unbedingt, daß man auch, wenn man nicht "allein" ist, primär so "funktionieren" müßte, als wäre man allein.
 

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  • #130
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Apropos gebraucht werden - ist es wirklich so erstrebenswert, dass eine Partnerschaft/Liebesbeziehung auf der emotionalen Unentbehrlichkeit basiert? Wenn ja, wie verträgt sich das mit der Augenhöhe, wenn immer einer fallen muss, damit der andere fangen kann? Warum soll/muss immer ein Partner dafür verantwortlich sein, wie der andere Partner sich fühlt? Wo ist da die Eigenverantwortung?

So übertrieben sollte es selbstverständlich nicht sein. Es kann nicht sein, dass ein Partner sein gesamtes Selbstbewusstsein und seine Selbstbestätigung aus dem Fallenlassen bzw. einer, übertrieben gesagt, Hilflosigkeit des Partners schöpft.
 

Heike

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  • #131
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Wie fühlt man Geborgenheit?
Wann fühlt man Geborgenheit?

Nachdem man geborgen wurde oder bereits wenn man sich vor aktuellen, potentiellen oder vermeintlichen Gefahren, Verfolgung, Übergriffen oder überhöhten Ansprüchen verborgen wähnt?
Im letzteren Fall könnte das Gefühl trügerisch sein.
 

Andre

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  • #132
AW: Geborgenheit

Zitat von Nettmann:
...das auch einmal als Mann in den Arm genommen zu werden.

Zitat von Benutzer:
Ich finde es eher erschreckend, dass einige Frauen diesen Wunsch so vehement von sich weisen. Wahrscheinlich mal wieder, um zu beweisen, WIE selbstständig sie sind, WIE wenig sie auf Unterstüzung und Hilfe angewiesen sind und dass sie ALLES alleine und vor allem viel besser können.

Hm, nee, nach meiner Erfahrung lag es oft an einer passiven Grundhaltung (der Frau), also der klassischen Rollenhaltung: der Mann muss machen und dazu gehört nicht nur, der Frau Beschützer und Tröster zu sein, sondern auch sich selbst. Bei einem Rollentausch – und nicht nur in diesem Bereich – fehlte wohl oft einfach die Übung/Erfahrung.
 

t.b.d.

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  • #133
AW: Geborgenheit

Zitat von Heike:
Ich denk ja, daß es viele verschiedene Konstellationen zwischen Himmel und Erde gibt und die Liebesbeziehung sich auch an der Verfassung der Beteiligten orientieren sollte. Je nach Persönlichkeit steht mal mehr die Eigenständigkeit der Beteiligten, mal eine gewisse Kaumentbehrlichkeit im Vordergrund.

Sofern es darüberhinaus um eine gewisse Allgemeindiagnose geht, würd ich sowohl einen Hang zu einem Zuviel von Eigenverantwortung als auch ein Zuwenig feststellen. Ich find ganz gut, was Elli oben geschrieben hat. Und ich glaub nicht, daß man eigene Verantwortung primär durch die Abwesenheit anderer, also nach so einem Robinsonmodell auffassen muß. Ja, wenn man "allein" ist, dann ist es wünschenswert, daß man auch selbständig "funktioniert". Aber darauf folgt nicht unbedingt, daß man auch, wenn man nicht "allein" ist, primär so "funktionieren" müßte, als wäre man allein.

Das Robinsonmodell liegt mir genauso wenig wie das Modell der anhängigkeitsbedingten Anpassung.
Ich fange selbst ganz gerne auf, wäre aber nicht so gern ständig in der Pflicht auffangen zu müssen, weil ohne mich alles zusammenbricht. Insofern schätze ich es, wenn beim Gegenüber tatsächlich Eigenverantwortung erkennbar ist. Damit ist meine Partnerin ebenfalls des Anpassungsdruckes enthoben und kann sich in ihrem Sinne entwickeln bzw. gibt auch mir mir die Möglichkeit dies zu tun.
Zu wissen, dass man sich frei entfalten kann - in dieser Gewissheit lässt sich ja auch Geborgenheit finden, oder?
 

Heike

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  • #134
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Das Robinsonmodell liegt mir genauso wenig wie das Modell der anhängigkeitsbedingten Anpassung.
Ich fange selbst ganz gerne auf, wäre aber nicht so gern ständig in der Pflicht auffangen zu müssen, weil ohne mich alles zusammenbricht. Insofern schätze ich es, wenn beim Gegenüber tatsächlich Eigenverantwortung erkennbar ist. Damit ist meine Partnerin ebenfalls des Anpassungsdruckes enthoben und kann sich in ihrem Sinne entwickeln bzw. gibt auch mir mir die Möglichkeit dies zu tun.

In welchen Situationen käme es denn dann zu dem Gefühl, nicht ständig in der Pflicht aufzufangen sein zu wollen?
Wenn man miteinander verzahnt ist und etwas gemeinsam aufgebaut hat, dann würde zwar viel zusammenbrechen, wenn einer sich verabsentiert. Aber das tut er ja, solange er mit dem anderen zusammen ist, nicht. WEswegen dann den aktuellen Zustand so sehr von einem kontrafaktsichen her verstehen?
Also ich verstehe gut, wenn man eine so drastische Asymmetrie nicht möchte. Aber in meinem Bild besteht die ja nichtmal. Es würde viel zusammenbrechen, wenn einer ausscherte, ganz egal welcher von beiden.

Zu wissen, dass man sich frei entfalten kann - in dieser Gewissheit lässt sich ja auch Geborgenheit finden, oder?
Ja, wenn eine Rolle spielt, daß man dabei dennoch irgendwie geborgen ist. Sonst kann auch freie Entfaltung eine tolle Sache sein, ohne daß sie mit Geborgenheit in Zusammenhang gebracht werden müßte. Geborgenheit ist ja auch nicht das einzige, wonach man so strebt.
 

Satjamira

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  • #135
AW: Geborgenheit

Zitat von Elli:
Hallo Satjamira!
Mit Interesse habe ich Deinen Nickname-Beitrag gelesen - der entsprach genau dem Bild, das ich von "dir" hatte :)

Deine Worte klingen kraftvoll - nach Selbstbestimmung und Selbstbewußtsein - das finde ich sehr schön.


Warum sollte man aus diesem funktionierenden System - quasi willentlich aussteigen?

Ich glaube auch nicht, daß es (für mich) sinnvoll oder notwendig ist - denn als Mensch darf ich ja innerhalb dieses Menschen-Systems gedeihen. Es entspricht mir. Ich entspreche ihm.

Dir auch einen schönen Tag :)

Liebe Elli, hab Dank für deine Zeilen an mich und deine Wahrnehmung.

Du hast recht, ich steige auch nicht aus einem funktionierenden System aus, solange es mir entspricht, doch ich habe noch Zeiten erlebt wo mir als Ehefrau nicht mal zugestanden wurde eine eigene VISA-Abrechnung zu erhalten, obwohl ich verdienend und Selbstzahlerin war.
Ich finde es ja auch richtig meine Steuern ordnungsgemäss zu bezahlen und in einer Ehe einen gewissen Part zu übernehmen.
Ich erinnere mich an Zeiten wo meinem Mann beruflich Steine in den Weg gelegt wurden, wo er gesundheitlich sehr zu knabbern hatte und wohl froh, dass zu Hause jemand Trost gespendet hat und ihm vermittelte, dass damit noch lange kein Versagen seinerseits einhergeht.
Ich weiss nicht ob er das als Geborgenheit empfand, jedoch dass da jemand ist, der jederzeit zu ihm steht, egal wie es ihm geht.

Lieber Nettmann,
nein das klingt auch in meinen Ohren gar nicht bescheuert. Es gibt Phasen, da bräuchte man Empathie dringend.
Ich habe kein Problem damit einen Mann in die Arme zu nehmen, wenn er gerade einen sehr traurigen Moment erlebt oder es schwer hat. - Ich muss da wohl nochmals zurückgreifen darauf, dass in diesem Moment mütterliche oder väterlich wohltuende Eigenschaften ins Spiel kommen, die Akzeptanz, Annahme und Verständnis vermitteln.
Wer das jedoch selbst nie genossen hat, kann es wohl auch nicht geben und erst recht nicht mehr annehmen in späteren Jahren. Es ist zu ungewohnt.

Liebe faraway,
alleine zuständig zu sein obwohl da noch jemand wäre, erlebt man nur allzuhäufig als Mutter von Kindern, man erlebt es, wenn die Aufgaben so klar aufgeteilt sind.
Genau darum wünsche und erhoffe ich mir, dass es mehr Gemeinschaftliches gibt in Partnerschaften. Nicht mehr diese strenge Unterteilung.
Ja, auch ich habe es geschafft alleine mit all den häuslichen Problemen klar zu kommen, weil ich es musste und nach der Scheidung noch mit vielem mehr.

Wenn ich jetzt an meinem Mac in einem schön warmen Haus sitze, meine Katze friedlich neben mir, alle Rechnungen bezahlt sind, gesundheitlich auf der Höhe bin, meine Tochter mit Engel lach sollte Enkel heissen (die ich heute gesehen habe) gesund und munter wissend. Empfinde ich Geborgenheit im Leben selbst .... bis die nächsten Erschütterungen kommen und wir dafür auch Lösungen finden gemeinsam oder ich eben alleine. Dann nenne ich Geborgenheit wohl lapidar klingend "Vertrauen in das Leben haben".

Herzlich grüssend Sajamira
 
C

Clementine_geloescht

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  • #136
AW: Geborgenheit

Zitat von Andre:
Hm, nee, nach meiner Erfahrung lag es oft an einer passiven Grundhaltung (der Frau), also der klassischen Rollenhaltung: der Mann muss machen und dazu gehört nicht nur, der Frau Beschützer und Tröster zu sein, sondern auch sich selbst. Bei einem Rollentausch – und nicht nur in diesem Bereich – fehlte wohl oft einfach die Übung/Erfahrung.

Es gibt sowohl Männer als Frauen, die grundsätzlich 'nehmen' und nicht 'geben'. Ihnen fehlt m.E. weder die Übung noch die Erfahrung, sie wollen schlicht gar nicht, geschlechtsunabhängig. Wenn man als 'Gebender' oft enttäuscht wurde (bzw. in entscheidenden Momenten nichts zurück kam), kann es auch vorkommen, dass man bei einer nächsten Person gar nicht weiss wie 'nehmen' oder 'empfangen' funktioniert. Oder das Gefühl hat, nach dem Nehmen nicht mehr wertgeschätzt oder ernstgenommen zu werden.?.
 
G

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  • #138
AW: Geborgenheit

@t.b.d.
Zu deinem ersten Beitrag ist mir aufgefallen, dass ich einen Unterschied mache zwischen einem „körperlichen“ Geborgenheitsgefühl und einem „Tröst“geborgenheitsgefühl.
Wenn ein Mann größer ist als ich (nicht soo häufig) und/oder eine „Beschützerstatur“ hat (also nicht so Kategorie „Spargeltarzan“) finde ich das auch Geborgenheitsgefühlauslösend. Das ist wahrscheinlich das Steinzeiterbe ;)) Das wäre aber eher so unterschwellig angenehm.

Ich stelle gerade fest, mein Bild von Geborgenheit (weshalb ich sie auch nicht zu den Top5 in einer Partnerschaft zählen würde) umfasst auch irgendwie, dass sie kontraproduktiv zum Bügelspaß :)) wäre (so irgendwie Kuscheln vs. Leidenschaft ;))


Zitat von t.b.d.:
Denn wenn Geborgenheit als zentralen Lebensgefühl die Begriffe Sicherheit, Wohlgefühl, Vertrauen, Zufriedenheit, Akzeptanz und Liebe durch andere umfasst, dann wäre das Gegenteil davon ein zentrales Gefühl von Unsicherheit, Unwohlsein, Misstrauen, Unzufriedenheit, Ablehnung und Hass durch andere.

So in etwa stelle ich mir die Gefühlslage von Menschen vor, die daraufhin ihre Heimat verlassen um in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen auch auf die Gefahr hin, dabei ums Leben zu kommen.

Müsste das Gefühl der Geborgenheit nicht so intensiv gut sein, wie das Gegenteil davon schlimm ist?
Diese Folgerung finde ich ziemlich „steil“. Menschen, die unter Lebensgefahr aus ihrem Land flüchten, wegen Krieg, Verfolgung, Hungersnot usw. werden „Geborgenheit“ als Luxusgut ansehen. Da geht’s ja eher um die „basics“.

Wg. „Genderaspekt“
So weit ich das gelesen habe, siehst du dich auch eher in der Rolle des Gebenden? Grundsätzlich in deiner Rolle als Mann oder aufgrund deiner Partnerinnenauswahl?

@Elli
Zitat von elli:
Ich erlebe unterschiedliche Menschen unterschiedlich - ja. Und geborgen fühle ich mich beileibe nicht bei jedem.
Kommt mir dieses Wort in den Sinn? Erstmal fühle ich mich - ungeborgen. Das Wort kommt mir (erst) beim Nachdenken über mein Empfinden in den Sinn.
Ich hab da auch noch mal drüber nachgedacht. Klar erlebe ich auch unterschiedliche Menschen unterschiedlich. Ich fühle mich aber nicht ungeborgen. Ich fühle mich mit vielen Menschen wohl, mit einigen sehr wohl, viele sind neutral, ein paar gehen mir auf den Keks. Ich hätte da im „Standardfall“ -. also wenn nicht „Not an der Frau“ ist .- keine Assoziation zu Geborgenheit.

Interessanter Thread ;)
 

t.b.d.

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  • #139
AW: Geborgenheit

Zitat von Heike:
In welchen Situationen käme es denn dann zu dem Gefühl, nicht ständig in der Pflicht aufzufangen sein zu wollen?


Das kommt daher, dass ich immer versuche, eine These an ihre Grenzen zu bringen und zu schauen, was dann passieren würde. Da finde ich Abhängigkeitsverhältnisse bei denen ein Partner dem anderen gegenüber das Gefühl hat, "Ich kann ohne dich nicht leben" bzw. "Du allein bist für mein Wohlergehen verantwortlich."grundsätzlich problematisch. Das heißt nicht, dass ich mich grundsätzlich vor Verantwortung oder langfristigen Vereinbarungen drücken wollte, sondern, dass ich der Tatsache, dass sich auf Dauer Zeiten und Umstände ändern können, eine gewisse Flexibilität gegenüber gestellt wissen möchte.




Zitat von Heike:
Wenn man miteinander verzahnt ist und etwas gemeinsam aufgebaut hat, dann würde zwar viel zusammenbrechen, wenn einer sich verabsentiert. Aber das tut er ja, solange er mit dem anderen zusammen ist, nicht. WEswegen dann den aktuellen Zustand so sehr von einem kontrafaktsichen her verstehen?
Also ich verstehe gut, wenn man eine so drastische Asymmetrie nicht möchte. Aber in meinem Bild besteht die ja nichtmal. Es würde viel zusammenbrechen, wenn einer ausscherte, ganz egal welcher von beiden.


Seh ich genau so.
 

t.b.d.

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  • #140
AW: Geborgenheit

Zitat von tina*:
@t.b.d.
Zu deinem ersten Beitrag ist mir aufgefallen, dass ich einen Unterschied mache zwischen einem „körperlichen“ Geborgenheitsgefühl und einem „Tröst“geborgenheitsgefühl.
Wenn ein Mann größer ist als ich (nicht soo häufig) und/oder eine „Beschützerstatur“ hat (also nicht so Kategorie „Spargeltarzan“) finde ich das auch Geborgenheitsgefühlauslösend. Das ist wahrscheinlich das Steinzeiterbe ;)) Das wäre aber eher so unterschwellig angenehm.

Ich stelle gerade fest, mein Bild von Geborgenheit (weshalb ich sie auch nicht zu den Top5 in einer Partnerschaft zählen würde) umfasst auch irgendwie, dass sie kontraproduktiv zum Bügelspaß :)) wäre (so irgendwie Kuscheln vs. Leidenschaft ;))

Den gleichen Gedanken hatte ich bei deinem Weichteilkuschelbild auch.
Ich hab daran noch etwas weiter sinniert und mir gedacht, "Aber nach dem Bügelspaß könnte sich dann womöglich doch ein Geborgenheitsgefühl einstellen."
Apropos. Sofern die Umstände es zulassen spricht ja nichts dagegen, dass sich Kuscheln und Leidenschaft wiederholt abwechseln.

Zitat von tina*:
Diese Folgerung finde ich ziemlich „steil“. Menschen, die unter Lebensgefahr aus ihrem Land flüchten, wegen Krieg, Verfolgung, Hungersnot usw. werden „Geborgenheit“ als Luxusgut ansehen. Da geht’s ja eher um die „basics“.

Schon, aber sieht ein Wüstenbewohner, der täglich stundenlang um einen Eimer schutziges Wasser laufen muss, frisches Wasser in Hülle und Fülle, so wie es bei uns selbstverständlich ist, nicht ebenfalls als Luxus an?

Zitat von tina*:
Wg. „Genderaspekt“
So weit ich das gelesen habe, siehst du dich auch eher in der Rolle des Gebenden? Grundsätzlich in deiner Rolle als Mann oder aufgrund deiner Partnerinnenauswahl?

Ich hab nochmal ganz tief gegraben und eine alte Erinnerung an eine Tante gefunden, bei der ich mich als kleiner Junge einst geborgen fühlte, wenn ich auf ihrem Schoße saß und mich an sie kuscheln konnte, während sie mich hielt. Mei, ich tät mich sicher schon ganz gern auch mal wieder so geborgen fühlen, aber ich vermisse das nicht.
Andererseits sind mir Sicherheit, Wohlgefühl, Vertrauen, Zufriedenheit im Allgemeinen sowie Akzeptanz und Liebe durch meine Partnerin schon wichtig.
Ansonsten ist es durchaus schmeichelhaft, wenn ich meiner Partnerin dieses Gefühl der Geborgenheit vermitteln kann. Letzteres wäre mir im Zweifelsfalle wichtiger. Also seh ich mich schon eher in der Gebenden Rolle.

Wenn ich mir Heikes Bild vom zur liebenden Fau ins traute Heim zurückkehrenden Krieger vorstelle, dann hat das was einleuchtendes.
Sicherheit, Vertrauen: Entspann dich, hier will dir niemand ans Leder!
Wohlgefühl: heimeliges Heim, liebende Frau
Zufriedenheit, Akzeptanz: sie weiß um meine Gemütsverfassung und hat womöglich schon eine gute Mahlzeit vorbereitet
Liebe: sie empfängt mich mit offenen Armen und einem strahlenden Lächeln

Doch, ja, das funktioniert auch nach einem harten Arbeitstag, obwohl es sich anders anfühlt als damals auf dem Schoß der Tante. Aber ein erwachsener Mann ist ja auch kein kleiner Junge. Von daher macht es Sinn, dass es anders ist und doch - in der Summe ist es Geborgenheit.

Neue Lage: Ich vermittle nicht nur gern Geborgenheit, ich kenne sie auch und empfinde sie gern.

tina*, Heike,
ich habe mit eurer Hilfe mal wieder an Erkenntnis gewonnen.
Ich hoffe, ich kann mich irgendwann mal revanchieren.
 

Nettmann

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  • #141
AW: Geborgenheit

Zitat von Andre:
Hm, nee, nach meiner Erfahrung lag es oft an einer passiven Grundhaltung (der Frau), also der klassischen Rollenhaltung: der Mann muss machen und dazu gehört nicht nur, der Frau Beschützer und Tröster zu sein, sondern auch sich selbst. Bei einem Rollentausch – und nicht nur in diesem Bereich – fehlte wohl oft einfach die Übung/Erfahrung.

Kann aber auch daran liegen, dass Frau einfach der wenig emotionale Typ ist, grundsätzlich nicht so dazu neigt, "Wärme" zu geben, auszustrahlen.

Nettmann
 

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  • #142
AW: Geborgenheit

Zitat von Nettmann:
Kann aber auch daran liegen, dass Frau einfach der wenig emotionale Typ ist, grundsätzlich nicht so dazu neigt, "Wärme" zu geben, auszustrahlen.

Nettmann
Ich denke, dass es einfach daran liegt, dass Männer und Frauen sich in den letzten 30 Jahren ganz schön voneinander entfernt haben und sich jetzt, nachdem sie erkennen, was ihnen zwischenmenschlich alles dabei verloren ging einfach wieder neu zueinander orientieren müssen, ohne die Früchte der letzten Jahrzehnte vernichten zu müssen. Es war früher auch nicht leichter als heute. Da war halt alle paar Jahre Aufstand und Krieg.
 
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  • #143
AW: Geborgenheit

Zitat von Gulliver:
Ich denke, dass es einfach daran liegt, dass Männer und Frauen sich in den letzten 30 Jahren ganz schön voneinander entfernt haben und sich jetzt, nachdem sie erkennen, was ihnen zwischenmenschlich alles dabei verloren ging einfach wieder neu zueinander orientieren müssen, ohne die Früchte der letzten Jahrzehnte vernichten zu müssen. Es war früher auch nicht leichter als heute. Da war halt alle paar Jahre Aufstand und Krieg.

Ich stelle in Frage, dass sich Mann und Frau (bis) vor 30 Jahren "näher" waren als jetzt. Bloß das Trennen war schwieriger. U.a., weil die Frauen oft nur eine geringe berufliche Qualifikation hatten und nach der Eheschließung dann häufig 'Nur-Hausfrauen' gewesen sind, was (bis zur Reform des Scheidungsrechts) eine ziemliche ökonomische Abhängigkeit bedeutete.
 

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  • #144
AW: Geborgenheit

Zitat von Clementine:
Wenn man als 'Gebender' oft enttäuscht wurde (bzw. in entscheidenden Momenten nichts zurück kam), kann es auch vorkommen, dass man bei einer nächsten Person gar nicht weiss wie 'nehmen' oder 'empfangen' funktioniert.

Wie wird man denn als Gebender enttäuscht? In dem ich nicht in ähnlicher Form etwas zurückerhalte? Das ist doch nicht der Sinn des Gebens.

Ich gebe doch OHNE etwas zurückzuerwarten. Und nicht, weil sich alles einmal irgendwie ausgleichen muss/sollte.
 

koelner

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  • #145
AW: Geborgenheit

Zitat von Benutzer:
Wie wird man denn als Gebender enttäuscht? In dem ich nicht in ähnlicher Form etwas zurückerhalte? Das ist doch nicht der Sinn des Gebens.

Ich gebe doch OHNE etwas zurückzuerwarten. Und nicht, weil sich alles einmal irgendwie ausgleichen muss/sollte.

Ich halte dies für einen Trugschluss - In dem Moment, wo ich etwas gebe, mache ich das selbstverständlich gerne und freiwillig und freue mich "am nehmen" durch den anderen (muss man auch können, ich kann es nicht immer)

ABER

langfristig bzw. über die Zeit erwartet man Ähnliches; eben auch, das einem etwas gegeben wird. Das kann ein "Dankeschön" und positives feedback sein genauso wie wenn sich der andere ein tolles "Geben" einfallen läßt...

Ohne diese Wechselwirkung in der Liebe wird es meines Erachtens nicht funktionieren... und auch in den anderen Formen der Geborgenheit, wie die Mutter dem Kinde sie gibt, bekommt sie hoffentlich später etwas zurück, z.B. durch ein Kind, das gut aufgewachsen ist und dankbar durchs Leben geht...

gruß
koelner
 
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  • #146
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Apropos. Sofern die Umstände es zulassen spricht ja nichts dagegen, dass sich Kuscheln und Leidenschaft wiederholt abwechseln.
Yep.
Also abwechseln finde ich gut. Ich hoffe, wiederholt abwechseln ist jetzt nicht so ein Geheimtrick ;)

Zitat von koelner:
Ohne diese Wechselwirkung in der Liebe wird es meines Erachtens nicht funktionieren... und auch in den anderen Formen der Geborgenheit, wie die Mutter dem Kinde sie gibt, bekommt sie hoffentlich später etwas zurück, z.B. durch ein Kind, das gut aufgewachsen ist und dankbar durchs Leben geht...
Danke für diese Formulierung. Im allgemeinen ist altruistisches Handeln ja selten zweckfrei.
Dabei wird mir gerade bewusst, dass mein Begriff „Geborgenheit“ völlig von dem Begriff „Funktionieren“ abgekoppelt ist und auch wirklich frei von irgendwelchen „Gegen“erwartungen. Genau das macht ja die Geborgenheit aus (mein Opfertrigger knurrt schon leise…)
 

Mentalista

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  • #147
AW: Geborgenheit

Mir fällt spontan zum Thema Geborgenheit ein, nur wer sich selber in sich geborgen fühlt, kann Geborgenheit annehmen und kann Geborgenheit geben.
 

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  • #148
AW: Geborgenheit

Zitat von koelner:
Ohne diese Wechselwirkung in der Liebe wird es meines Erachtens nicht funktionieren... und auch in den anderen Formen der Geborgenheit, wie die Mutter dem Kinde sie gibt, bekommt sie hoffentlich später etwas zurück, z.B. durch ein Kind, das gut aufgewachsen ist und dankbar durchs Leben geht...

Das ist doch aber kein aktives "Zurückgeben", sondern ein Erfreuen der Mutter am Wohlgeraten Ihres Kindes. Sie "zieht" sich praktisch selber aktiv eine Art der Zufriedenheit aus diesem Umstand.
 

t.b.d.

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  • #149
AW: Geborgenheit

Zitat von Mentalista:
Mir fällt spontan zum Thema Geborgenheit ein, nur wer sich selber in sich geborgen fühlt, kann Geborgenheit annehmen und kann Geborgenheit geben.

Bitte nicht als Kritik auffassen und falls es für dich respektlos klingt, sei versichert dass es nicht respektlos gemeint ist, aber dieser Satz wirft in mir Fragen auf.
Wenn man sich bereits geborgen fühlte (in sich, durch sich selbst) wie würde man merken, ob einem von anderer Seite Geborgenheit gegeben würde? Wäre nicht gerade der Übertritt vom ungeborgenen in den geborgen Zustand das was den spürbaren Unterschied macht? Ich denke da z.B. an Dorfbewohner die vor herannahenden Feinden in die schützende Burg fliehen oder an Kinder, die frierend oder traurig heim kommen.

Also wenn man jetzt sagen würde: "Nur wer selber schon nass ist, kann von anderen nass gemacht werden oder andere nass machen." Dann würde ich auch fragen, "Kann man noch nasser werden, wenn man bereits nass ist oder ist nicht gerade trocken sein eine Voraussetzung dafür, dass man nass werden kann?"
 

Nettmann

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  • #150
AW: Geborgenheit

Zitat von t.b.d.:
Bitte nicht als Kritik auffassen und falls es für dich respektlos klingt, sei versichert dass es nicht respektlos gemeint ist, aber dieser Satz wirft in mir Fragen auf.
Wenn man sich bereits geborgen fühlte (in sich, durch sich selbst) wie würde man merken, ob einem von anderer Seite Geborgenheit gegeben würde? Wäre nicht gerade der Übertritt vom ungeborgenen in den geborgen Zustand das was den spürbaren Unterschied macht? Ich denke da z.B. an Dorfbewohner die vor herannahenden Feinden in die schützende Burg fliehen oder an Kinder, die frierend oder traurig heim kommen.

Also wenn man jetzt sagen würde: "Nur wer selber schon nass ist, kann von anderen nass gemacht werden oder andere nass machen." Dann würde ich auch fragen, "Kann man noch nasser werden, wenn man bereits nass ist oder ist nicht gerade trocken sein eine Voraussetzung dafür, dass man nass werden kann?"

Jetzt mal aus Tauchersicht:
Wen zwei naß und kalt aus dem Wasser kommen, sich ziemlich ungut fühlen, frieren, so kann trotzdem durch das nahe zusammenstehen ein Gefühl der Wärme, Geborgenheit aufkommen, da man zusammen nach außen weniger "Angriffsfläche" bietet, sich gegenseitig wämt.

Nettmann
 
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