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Fazit (long read)

Der letzte Monat meiner Mitgliedschaft ist angebrochen.
Ich habe gerade so ein bisschen meinen obligatorischen Jahresendblues, da neige ich zum Resümieren.
Vielleicht ist es ja für irgendwen interessant zu lesen und ganz vielleicht findet es jemand, der gerade startet, hilfreich oder findet sich ein wenig wieder.
Vielleicht schreibe ich es auch nur für mich.

Rückblickend gesehen bin ich geradezu grandios unbedarft an das Online Dating herangegangen. Ich wünschte mir wieder eine Beziehung und fand, das Parship doch eine prima Jagdreviererweiterung wäre, um einfach mit Menschen, in meinem Fall Männern, in Kontakt zu kommen, deren Lebensräume sich von meinen in einem Maße unterscheiden, dass man sich in freier Wildbahn wahrscheinlich nie über den Weg liefe.

Die erste Zeit war hart. Ich hatte keine Ahnung, dass man so überrollt wird. Ich habe mich tatsächlich tagelang nicht getraut, mich einzuloggen, weil ich mit der schieren Menge komplett und vollständig überfordert war. Das das völlig normal ist, so lange man mit einem blauen Fläggchen garniert angezeigt ist, wusste ich natürlich nicht.
Mit der Zeit habe ich, mehr schlecht, als recht, gelernt, damit umzugehen. Ich habe auch gelernt, zu verabschieden, statt nur in Schockstarre zu verharren.

Mit dem Verabschieden tue ich mich nach wie vor sehr schwer und mache mir viel zu viele Gedanken. Es ist aber mit der Zeit besser geworden.
Bei denen, bei denen mir sofort klar ist, dass es nicht passt, verabschiede ich jetzt zeitnah; die, bei denen ich nicht sofortigen Fluchtreflex entwickle, die mich aber auch nicht umhauen, sind ein Dilemma.
Meist möchte ich mir etwas Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, habe aber ein schlechtes Gewissen, weil ich auch niemanden hängen lassen will. Da habe ich immer noch keinen guten, stimmigen Weg für mich gefunden, das ist dann tagesformabhängig.
Wenn ich verabschiede, dann morgens/vormittags. Ich finde die Vorstellung traurig, dass jemand vor dem Schlafengehen noch eine Absage lesen muss. Das ist aber vielleicht auch nur in meinem Kopf so.

Das ich selbst verabschiedet werde, damit musste ich natürlich auch erst einmal umgehen lernen.
Meine erste Verabschiedung kam mit dem „frisch verliebt“-Zusatz und ich weiß noch, dass ich mich ehrlich richtig gefreut habe, dass da jemand sein Glück gefunden hat.
Im Forum habe ich dann später gelernt, dass das einfach nur der oberste Punkt beim Abschiedsbutton ist. ;) Ich hatte tatsächlich aufs Anschreiben einen Tag lang nicht reagiert, war ihm wohl zu lang.
Ungefähr zwei- oder dreimal wurde ich direkt nach der Fotofreigabe verabschiedet und das fand ich super unproblematisch. Man kann nicht jedem gefallen, ist umgedreht ja auch so, also: vollstes Verständnis!
Schwierig finde ich bis heute, wenn jemand aus einer, nach meinem Dafürhalten, recht vielversprechenden Konversation aussteigt, ohne sich zu verabschieden. Das finde ich einfach seltsam, bereitet mir aber auch keine schlaflosen Nächte mehr. So isses halt.

Mehrmals habe ich mein Profil unsichtbar gestellt, zum Teil für ziemlich lange Zeiträume. Das ist eine wirklich gute Option, wenn man Abstand braucht, aus welchen Gründen auch immer. Mich hat es zwischenzeitlich viel Energie und Kraft gekostet, mich wieder zu erden und auf mich zu besinnen und mich nicht aufzureiben zwischen Wünschen, Zweifeln, Hoffen, Bangen, Abwehr, Zuwendung, die ganze Palette halt.

Parallelschreiben kann ich nicht. Ganz ganz selten mal zwei Kontakte gleichzeitig, auf mehr kann und möchte ich mich nicht einlassen. Ich schreibe auch verhältnismäßig viel und lange. Für mich ist das der richtige Weg ein Gefühl für meinen Gegenpart zu entwickeln. Nicht im Sinne von wissen, eher von erahnen, erspüren.
Damit bin ich persönlich gut gefahren, meine Dates waren angenehm (naja, bei einem habe ich gemerkt, dass ich in Bezug auf Etikette doch konservativer bin, als angenommen: man wirft anderen Leuten nicht einfach seinen Appelgriebsch in die Vorgartenhecke. Nein!), eines war sogar das fast perfekte Date, einen Beziehungsversuch hat es auch gegeben und einmal bin ich wirklich übelst gegen die Wand gelaufen, das hat mich ziemlich ausgeknockt. Naja, wer nicht wagt, der... usw. usf.

Abschließend kann ich sagen, dass Online Dating logischerweise ein gangbarer Weg ist, einen Partner zu finden, klappt ja oft genug, nur momentan für mich eher nicht.
Vielleicht denke ich irgendwann wieder anders darüber, es gibt ja wirklich immer wieder sehr besondere Menschen hier, für den Moment ist mir das Ende der Mitgliedschaft willkommen.
Mir fehlt da schlicht die nötige Distanz, ich bin da immer noch zu unbedarft. Und eigentlich will ich das auch sein. Glaub ich.
Von daher, sollte ich jemals wieder einen Versuch wagen, weiß ich dann, was auf mich zukommt und, wer weiß, einen Monat habe ich ja noch...:)
 
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  • #5
Das ist das Schönste, was ich hier im Forum bisher gelesen habe.
So viel natürliche Empathie berührt und bewegt mich sehr.
o_O
Also wer morgens/vormittags verabschiedet stellt ziemlich gut sicher, dass es abends nach Feierabend gelesen wird.... :rolleyes:
Wer will, dass es morgens (beim Aufstehen) gelesen wird (damit der ganze Tag im Arsch ist), muss dann schon auch zwischen 1 und 3 Uhr nachts abschicken.

Solche Überlegungen sind doch ich-zentrierter Mumpitz, um sich selbst besser zu fühlen - unter Vernachlässigung des Wissens, dass der Andere genau das, was man selbst als so sanft empfindet, als total beschissen beurteilt.
 
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  • #6
*beurteilen könnte
 
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Deleted member 24735

  • #7
Ich plädiere für Selbstverantwortung.

Wer zu einer gewissen Zeit Nachrichten nicht lesen will, soll halt selbst den Briefkasten zulassen.
Die Übergriffigkeit Nachrichten nur dann zuzustellen, wenn man glaubt der unbekannte Gegenüber hätte sie zu diesem Zeitpunkt eventuell gern, finde ich nicht so prickelnd.
 
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  • #9
Mir war als häufig "Verabschiedeter" egal, wann ich eine Absage lesen musste. War unabhängig von der Uhrzeit für mich jedes Mal ein Stich ins Herz...
 
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  • #20
Ein schöner Beitrag. Schade dass der Richtige für dich unter all den Anschreibern nicht dabei war.

Hast du fristgerecht gekündigt, damit dir PS nicht noch ein Jahr ohne Rabatt dranhängt?
Du wirst lachen, das ist, glaube, ich das erste Mal in meinem Leben, dass ich tatsächlich rechtzeitig gekündigt habe (Ich sag nur Fitnessstudios, Zeitschriften-Abos...).
Und manchmal gehe ich einfach so ins Profil, nur um mir den Eintrag "Ihre Mitgliedschaft ist fristgerecht gekündigt." anzusehen. Poesie, schön :)
Im Übrigen, falls Unsicherheiten bestünden, ich krieg jetzt immer diese superduper-50%-Angebote, falls ich meine Meinung ändern sollte. :rolleyes:
 
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  • #21
@Bastille Das ist ein wirklich schöner Beitrag. Ist zwar kein Happy End in Deinem Sinne, aber Du bist nicht verbittert, schimpfst nicht auf alle Männer, hast Humor und Lebensfreude behalten. Das ist ein Erfolg, den nach einem Jahr PS nicht jede/r vorweisen kann. ;)
 
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  • #22
Du wirst lachen, das ist, glaube, ich das erste Mal in meinem Leben, dass ich tatsächlich rechtzeitig gekündigt habe (Ich sag nur Fitnessstudios, Zeitschriften-Abos...).
Und manchmal gehe ich einfach so ins Profil, nur um mir den Eintrag "Ihre Mitgliedschaft ist fristgerecht gekündigt." anzusehen. Poesie, schön :)
Im Übrigen, falls Unsicherheiten bestünden, ich krieg jetzt immer diese superduper-50%-Angebote, falls ich meine Meinung ändern sollte. :rolleyes:
Genauso geht's mir auch! Mein Abo läuft am 16.12. aus o_O
 
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  • #24
Jedenfalls so viele, dass es mir leider schwerfällt, rückblickend auf meine Premium-Mitgliedschaft etwas positives abzugewinnen. Vielleicht, dass ich sagen kann, ich hätte es nicht auch zumindest über diesen Weg wenigstens versucht...
:( ja leider, das hast du schon oft angemerkt. Ein Versuch ist nur ein Versuch. Aber einmal etwas anderes....da du auch schon öfter deinen Beruf erwähnt hast, warum ziehst du nicht einmal eine berufliche Veränderung in Erwägung?
 
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  • #25
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Also wer morgens/vormittags verabschiedet stellt ziemlich gut sicher, dass es abends nach Feierabend gelesen wird.... :rolleyes:
Wer will, dass es morgens (beim Aufstehen) gelesen wird (damit der ganze Tag im Arsch ist), muss dann schon auch zwischen 1 und 3 Uhr nachts abschicken.

Solche Überlegungen sind doch ich-zentrierter Mumpitz, um sich selbst besser zu fühlen - unter Vernachlässigung des Wissens, dass der Andere genau das, was man selbst als so sanft empfindet, als total beschissen beurteilt.
Hm, könnt was dran sein.
Andererseits kennt der Andere ja meine Motivation nicht, kann sie also nicht werten, will sagen, für ihn ändert sich nix.
Bleibt der Ruhekissen-Selbstbetrug für die eigene Absolution. Nachvollziehbar in schwachen Momenten, aber sicher nicht erstrebenswert. Denk ich mal drüber nach. Muss aber erst noch ein bisschen den Heiligenschein polieren, hast Flecke drauf gemacht. ;):D
 
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  • #26
Hm, könnt was dran sein.
Andererseits kennt der Andere ja meine Motivation nicht, kann sie also nicht werten, will sagen, für ihn ändert sich nix.
Bleibt der Ruhekissen-Selbstbetrug für die eigene Absolution. Nachvollziehbar in schwachen Momenten, aber sicher nicht erstrebenswert. Denk ich mal drüber nach. Muss aber erst noch ein bisschen den Heiligenschein polieren, hast Flecke drauf gemacht. ;):D
Ich finde es extrem symphatisch, emphatisch (hab ich noch *phatischs vergessen?) und irgendwie fast schon romantisch, welche Gedanken du dir um alles machst. Letztlich geht es darum, daß du dich mit deiner Art zu parshipen identifizieren kannst. Mir selbst ist ein Verabschiedungszeitpunkt egal. Es zieht mich eh runter oder ist nich schlimm, wenn ich selber schon Zweifel hatte.

Gekündigt hatte ich direkt kurz nach der Anmeldung schon. Ich hatte Angst es zu vergessen, denn passieren tut rund um meinen Account eh kaum was. Die Wahrscheinlichkeit zu verlängern ist somit verschwindend gering.

Also bleib wie du bist, auch ohne Parship. Ich habe sehr gern deine Beiträge hier gelesen und glaube da is ne tolle und interessante Frau, die sicher irgendwo noch ihr Glück findet!
 
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  • #27
:( ja leider, das hast du schon oft angemerkt. Ein Versuch ist nur ein Versuch. Aber einmal etwas anderes....da du auch schon öfter deinen Beruf erwähnt hast, warum ziehst du nicht einmal eine berufliche Veränderung in Erwägung?
Zumindest einen Schritt in Richtung berufliche Veränderung habe ich in diesem Jahr gemacht, indem ich einen Minijob als Nebentätigkeit angenommen habe. An einigen Samstagen und Sonntagen fahre ich für einen befreundeten Bäcker Brötchen aus, der für ein paar Ortschaften am Wochenende einen Lieferservice bis an die Haustür anbietet. Für ihn war es schwer, für diese Tätigkeit genügend Leute zu finden, da wohl viele an den Wochenenden nicht so früh aufstehen möchten. Mir dagegen macht frühes Aufstehen überhaupt nichts aus. Ich bekomme für diese selbstverständlich angemeldete Tätigkeit ein wenig Geld, viel wichtiger ist mir aber fast, dass ich da auch öfters ein ehrlich gemeintes "Danke" zu hören bekomme, was mein Selbstwertgefühl zumindest ein bisschen aufpoliert.

Meine Haupttätigkeit aufgeben ist für mich aus finanzieller Sicht gesehen derzeit nur schwer vorstellbar. Über 50.000€ Bruttogehalt im Jahr, dass muss man erstmal finden. Weshalb ich momentan finanziell, aber auch gesundheitlich (zumindest physisch) überhaupt keine Probleme und Sorgen habe, wofür ich auch sehr dankbar bin. Und für das Geld kann ich mir zumindest Reisen und somit Erlebnisse und Erinnerungen kaufen...

Dennoch werde ich in den kommenden Monaten mal die Augen offen halten, ob es für mich passende Alternativen geben könnte.
 
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Hm, könnt was dran sein.
Andererseits kennt der Andere ja meine Motivation nicht, kann sie also nicht werten, will sagen, für ihn ändert sich nix.
Bleibt der Ruhekissen-Selbstbetrug für die eigene Absolution. Nachvollziehbar in schwachen Momenten, aber sicher nicht erstrebenswert. Denk ich mal drüber nach. Muss aber erst noch ein bisschen den Heiligenschein polieren, hast Flecke drauf gemacht. ;):D
Ich habe zum Thema Verabschiedung eine epikuräische Sichtweise.
Was bekümmert es mich, wenn ich verabschiedet werde?
Wenn sie die Richtige ist wird sie mich nicht verabschieden. Verabschiedet sie mich, ist sie nicht die Richtige für mich. ;)
 
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