lechat

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  • #1

Einstieg in die "normale" Partnersuche nach langer Vergangenheit in stark religiösem Umfeld

Guten Tag,

Ich wuchs in einem sehr religiösen Elternhaus auf und habe den Glauben auch sehr lange aktiv gelebt. Mit 26 Jahren (vor ca einem Jahr) bin ich nun aus verschiedenen persönlichen Gründen und Unstimmigkeiten aus der Kirche ausgetreten, ein nicht ganz einfacher Schritt. Eine nicht-gläubige Partnerin oder Sexualität ausserhalb der Ehe waren für mich während ich an die Kirche gebunden war nicht möglich. Ich bin jetzt also Ende 20, hatte noch nie eine Beziehung mit einer Frau und würde diesbezüglich gerne offen sein meinen bisherigen, nicht immer freiwillig eingeschränkten Lebensstil zu ändern. Das Problem ist, dass ich merke mich für die Tatsache noch nie eine Beziehung gehabt zu haben schäme und stark verunsichert bin wie das wohl auf eine Frau in meinem Alter, die in einem "normaleren" Umfeld aufgewachsen ist wirkt. Ich wäre sehr dankbar zu hören was ihr denken würdet, wenn ihr auf einem Date seid und dann sowas hört. Vom Experten würde ich mich für Ratschläge interessieren, wie ich verhindern kann dass mich dies zu stark hemmt oder dass ich meine Unsicherheit diesbezüglich zu stark ausstrahle.

Vielen Dank und schöns Tägli ;)
 

Markus Ernst

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  • #2
Hallo lechat,
ich finde den Schritt, den Sie gegangen sind, sehr mutig und bewundernswert. Dazu gehört enorme Stärke. Dass Sie jetzt verunsichert, wie Sie bei der Partnersuche und beim Kennenlernen mit Ihrer Vergangenheit umgehen, ist gut verständlich. Ich finde es gut, dass Sie sich mit dieser Frage nach außen wenden und die Meinung anderer einholen wollen.
Übrigens – auch wenn die wenigsten darüber berichten – gibt es eine ganze Menge von Menschen in Ihrer Altersklasse, die auch noch nie eine Beziehung geführt haben – gewollt oder ungewollt. Eventuell erlaubt Ihnen dieser Umstand, Ihre eigene Situation etwas besser akzeptieren zu können.

Mein persönlicher Tipp ist, ganz offen und ehrlich mit Ihrer Vergangenheit umzugehen. Diese gehört zu Ihnen und Sie sind – wahrscheinlich ohne eigene Entscheidungsmöglichkeiten – so aufgewachsen. Nur mit Offenheit kann eine Frau, die Sie kennenlernen, auch richtig verstehen und evtl. bestimmte Verhaltensweisen leichter einordnen.
Dass Sie Ihr Leben und Ihr Liebesglück nun in eigene Hände nehmen wollen, bedarf großen Mutes – eine Eigenschaft, die durchaus attraktiv macht. Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst. Was macht Sie als Mensch aus? Welche Werte sind Ihnen wichtig? Manchmal hilft es auch, Freunde zu fragen, die ehrliches Feedback geben. So können Sie Ihr Selbstwertgefühl – auch für die Partnersuche – steigern und Unsicherheiten ablegen.
Ich bin gespannt auf die Antworten anderer Leser.

Viele Grüße und viel Erfolg,
Markus Ernst
 
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Dancing

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  • #3
Das Problem ist, dass ich merke mich für die Tatsache noch nie eine Beziehung gehabt zu haben schäme und stark verunsichert bin wie das wohl auf eine Frau in meinem Alter, die in einem "normaleren" Umfeld aufgewachsen ist wirkt.
Vergiss das mal, so seltsam es für manche klingen mag, aber das erste Mal ist bei den Jugendlichen heute anscheinend, glaubt man den Medien, auch wieder später. Mit nun wohl 27 bist Du vielleicht nicht mehr unter den Jüngsten, was das angeht, aber alt bis Du auch nicht, ich selbst war damals 21, geschadet hat es mir auch nicht. Mach Dich frei von solchen Gedanken, wenn die Richtige kommt, spielt das ohnehin keine Rolle mehr. ;)
 
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  • #4
Für mich klingt das so als seist Du in einem evangelikalen oder katholisch-fundamentalistischen Umfeld aufgewachsen. Dass Du Dich davon gelöst hast finde ich ebenfalls einen mutigen Schritt. Schade fände ich hingegen wenn Du Dich komplett vom Glauben entfernt hättest. Denn es gibt ja bei weitem nicht nur solche Kreise...
Bei mir ist es (zumindest ein bisschen) andersrum: Mir ist der Glaube wichtig und ich engagiere mich auch ehrenamtlich in der Kirche (von evangelikalen oder fundamentalistischen Ansichten bin ich jedoch weit entfernt). Ich würde mir schon eine Partnerin wünschen die das zumindest akzeptiert. Noch schöner wäre natürlich wenn sie damit selbst auch was anfangen könnte oder zumindest ein gewisses Interesse dafür hätte. Aber so jemanden zu finden ist fast unmöglich in meinem Alter(ich bin 38 und damit bei kirchlichen Veranstaltungen immer der jüngste, wenn man mal von Kindern und KonfirmandInnen absieht). Ich bin mit meiner Einstellung da leider ein absoluter Exot.
 
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Ahnungslos

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  • #5
Hallo lechat,
ich möchte dir meinen Respekt für deinen Mut aussprechen, dich von deinem Umfeld zu trennen. Was das wirklich bedeutet ist für die meisten nicht nachvollziehbar, was verständlich ist. Schließlich wirken dort so viele Faktoren mit. Und gerade das Aufwachsen in einem ich nenne es mal "nicht normalen Umfeld / Elternhaus" ist extrem lebenswegbeeinflussend. Aber - du bist damit nicht allein, wenn auch jeder "erzwungene" Lebensweg anders ist.
Ich habe mich erst mit 40 Jahren von einem solchen Umfeld befreien können, da hatte ich dann 20 Jahre Zwangsehe hinter mir. (Die gibt es auch mit nichtreligiösem Hintergrund. Und auch hier in Deutschland. Ich bin Deutsche). Danach brauchte ich Jahre, um überhaupt nur wieder im Alltag auf die Beine zu kommen, zu verstehen, was mir im Leben geschah. Kann Meine geistigen- und seelischen Bedürfnisse konnte ich herausfinden und habe ein gutes Umfeld aufbauen können. Doch dann meldete sich mein Körper und mein Herz. Es kam der Wunsch nach Nähe und Beziehung. Bis heute weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Bin ich ehrlich, werde ich angesehen, als wenn ich vom Mond komme oder man wirft mir Lügen vor. Sage ich nichts, ich kann ja auch keine "normale Geschichte" erfinden, wirke ich, als ob ich kein Interesse hätte und nur Sex will. Es ist schwer, da einen Rat zu geben. Aber bleib dir bitte, bitte treu. Und schäme dich nicht für deine Vergangenheit, du hast sie dir nicht ausgesucht.
Ich würde niemals einen Menschen auslachen oder niedermachen, nur, weil er/sie in einem bestimmten Alter noch nie Körperlichkeiten ausgetauscht hat. Aber ich weiß auch, dass es leider sehr viele Menschen gibt, die andere gerne niedermachen. Es kann also passieren, dass du eine Frau kennenlernst und dann mit ihr Körperlichkeiten austauschst und sie dich mit fiesen Worten verabschiedet. Ich wünsche dir dann eine gute Stabilität und die Stärke zu erkennen, dass die "normalen" Menschen auch ihre Probleme haben, diese aber auch oft gar nicht erkennen oder an ihnen arbeiten wollen.
Ich wünsche dir vor allem ein offenes Zugehen auf alles, was da kommen mag und ohne Erwartungen mit Spannung und offenem Herzen in jede Begegnung zu gehen, auch wenn das vermutlich ein paarmal Herzschmerzen bedeuten wird.
 
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  • #6
Das ist ist mir dazu eingefallen. Ich finde es sehr gut gemacht.
 
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Celestial

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  • #7
Hallo lechat

Ich finde es traurig dass du eine aufgezwungene Gottesbeziehung haben musstest, und nie selbst die Beziehung mit Gott aufbauen konntest.

Als wiedergeborene Christin verstehe ich deine Bedenken, denn es dreht sich leider immer alles um Sex.
Würde ich mit dir ein Date haben, würde ich dir das Hochrechnen. Ich wäre froh, hätte ich früher verstanden warum meine Mutter immer gesagt hat, ich solle kein Sex vor der Ehe haben.

Ist dir der Grund bewusst, warum Gott es nicht gutheisst? Weil solange du es nicht verstehst, wirst du diesen inneren Kampf haben.

Intimität ist ja etwas besonderes, dass nur mit der wichtigsten Person, also Ehepartner geteilt werden soll.

Du bist ein Exot und das macht dich attraktiv 😉

Ich hoffe du konntest auf die richtige warten. 🙏🏽 be blessed
 

IPv6

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  • #8
😮

Das mit der Wiedergeburt ist eher im Hinduismus verankert.

Und im Forum 😂

 
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