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  • #31
AW: Einsamkeit

Zitat von Lilly29:
..................................................auch wenn hin und wieder die Empathie fehlt. .............
Eben, die fehlt immer mal wieder!
Und ohne ein gewisses Maß an Empathie und reflektierter Eigenwahrnehmung können Fragen und Ratschläge schnell grenzverletzend werden.
 
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  • #32
AW: Einsamkeit

Liebe nucha,
erst einmal, ich empfinde Dich als selbstreflektiert, offen und zugänglich.

Was mir in Deinem Eingangspost auffällt, ist der Aspekt, Beziehungen zu Menschen zu suchen, die nicht erreichbar sind. Du nennst es „Schwärmerei“. Unbewusst erahnen wir ja, ob ein Mensch bereit ist, sich einzulassen.
Erlaube mir die Frage, was der Gedanke in dir auslöst, wenn ein Mann Dich als Bezugsperson will, also für Dich erreichbar wäre?
Manchmal ist der Zugang zu den Gefühlen, die bei einer solchen Frage auftreten eine erste, ganz minimalistische Antwort darauf, warum man sich Menschen sucht, die unerreichbar sind.
Innerhalb unseres eigenen Systems verhalten wir uns i.d.R. sinnvoll. Das anzuerkennen, wäre der erste Schritt. Die Frage, warum wir mit den Ergebnissen unseres Verhaltens nicht so recht glücklich sind, mag sich daran anschließen. Es ist der langwierige, anstrengende Teil der Selbstreflexion.
 
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  • #33
AW: Einsamkeit

Zitat von Lilly29:
Wer in so einem Forum Fragen stellt, läuft immer Gefahr, unangenehme Fragen gestellt zu bekommen. Und man muss ja nicht alles annehmen, was geschrieben wird. Insofern sind die Fragen von Mentalista doch durchaus legitim, auch wenn hin und wieder die Empathie fehlt.
Das sehe ich ebenfalls so.

Es war von mir nicht beabsichtigt mit Seitenhiebe auf die Fragestellerin zu reagieren. Sollte das bei ihr persönlich so angekommen sein, bedaure ich das sehr.

Ich finde es schade, dass die Fragestellerin bisher nichts weiter zu all den bisher geschrieben emphatischen Gedanken , auch denen, sich an eine Fachkraft zu wenden, nicht schon längst getan hat. Aus eigener Erfahrung und erfolgreicher Arbeit mit ähnlichem Klientel weis ich, dass durch solche direkten "unempahtischen" Fragen einiges ganz tief aufgerüttelt werden kann, was langfristig positiv wirkt.

Leider haben ich aber auch Menschen erlebt, die mit solchen Fragen nicht zurecht kamen, die den Inhalt und die Botschaft nicht verstanden haben und heute immer noch keine prof. Hilfe in Anspruch genommen haben und immer wieder die gleichen alten Fragen stellen, sich somit im Kreis drehen und ihr Problem und deren Ursachen nicht gelöst haben.

Ich wünsche dir, Nucha, dass es dir nicht so ergeht.
 
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vhe

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  • #34
AW: Einsamkeit

Zitat von nucha:
Denn obwohl ich mir eine Beziehung wünsche, wird mir unwohl, sobald eine solche konkret zu werden droht.
Das kenn ich...

Zitat von nucha:
Ich habe keine Freunde; meine Eltern sind meine einzigen Bezugspersonen.
Das gottseidank nicht.

Zitat von nucha:
Meine Horrorvorstellung ist, mit 42 alleinerziehende Mutter zu werden. Davon gibt es zwei Beispiele in meiner Familie, denen ich auf keinen Fall folgen möchte. Es waren beides hoch unselbständige Frauen, die ihre Kinder dazu "missbraucht" haben, um ihre eigene Einsamkeit zu überwinden.
Was ist mein Problem? Wie soll ich mein Leben gestalten?
Hab jetzt nicht den gesamten Thread durchgelesen, aber das mit den nur-eltern-und-keine-Bekannte dürfte Dein Hauptproblem sein. Du marinierst im wesentlichen im eigenen Saft und Dir fehlen Impulse, wie sie nur andere Leute geben können.

Bis Anfang 20 war ich auch mal so und hatte das Problem durch wegziehen gelöst. Studium eben NICHT in der Nachbarstadt, wo ich mich dafür hätte rechtfertigen müssen, wenn ich mal ein WE nicht "heim" zu den Eltern fahre.

Insofern kann ich Dir nur einen gründlichen Luftwechsel empfehlen. Geh irgendwohin, ans andere Ende von Deutschland, oder zu den Ösis oder in die Schweiz.

Und dann suchst Du Dir irgendein Hobby mit Leuten. Federball, Minigolf, Skaten oder sonstwas. Das wird bei ersten Mal schiefgehen. Wenn man lange allein ist, wird man schräg, ging mir auch so. Aber - da musst Du durch und Du wirst lernen.

Menschen sind nunmal soziale Tiere und brauchen den ständigen Abgleich mit dem Umfeld. Und da musst Du Dir erstmal eins organisieren. Was Du dann an Denkanstößen und Ideen bekommen wirst - keine Ahnung, aber das ist ja gerade die Idee. Dinge, auf die man nicht selbst kommt, Ansichten, die man noch nie so gehört oder begründet bekommen hat, und so weiter.

Um mal wieder meinen Lieblingsauthor zu zitieren (Terry Pratchett, "Helle Barden"):
"Später wurde gesagt, er sei in dieser Phase seines Lebens schlechten Einflüssen ausgesetzt gewesen, aber das Geheimnis der Geschichte von Edward d’Eath bestand darin, dass überhaupt keine Einflüsse von außerhalb zu ihm vorgedrungen waren, [...]. Edward geriet einfach unter seinen eigenen schlechten Einfluss.

An diesem Punkt bringen die Leute gerne etwas durcheinander. Individuen sind nun mal nicht von Natur aus vollwertige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, außer rein biologisch gesehen. Sie müssen von der Brown’schen Bewegung der Gesellschaft hin und her geschubst werden, einem Mechanismus, mithilfe dessen sich menschliche Wesen ständig gegenseitig daran erinnern, dass sie … eben menschliche Wesen sind. D’Eath befand sich sozusagen auf einer abschüssigen Spirale nach innen, was bei solchen Fällen nicht ungewöhnlich ist."

Kurz - werde sozial. Lerne Kochen. Wenn man was leckeres mitbringen kann, ist man auf Parties immer gern gesehen. Oder betreibe die Sportart "Umzugshelfer", anstelle Geld für Fitness auszugeben. Ich hab ein paar Bekannte mit Häusen und bin immer froh, wenn es was zu buddeln gibt oder sonstwas.
 
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  • #35
AW: Einsamkeit

Liebe Sarah

Danke für deine hilfreichen Fragen.
Ich vermag darauf leider keine Antwort zu geben, ausser dass ich mich schnell belästigt und verfolgt fühle, wenn jemand Anstalten macht, sich mir zu nähern. Ein ungezwungenes Gefühl im Zusammensein mit Anderen kenne ich nicht. Jetzt bei diesem letzten Mal, wo ich mich verliebt habe, war es ähnlich. Der Mann wollte nur freundlich sein, ab und zu mit mir was trinken gehen, und das war für mich der blanke Horror. Ich habe ihn gefragt, was er denn wolle. Und er meinte: Nichts. Ab und zu, nach der Arbeit, einen trinken; das ist alles. Aber ich habe "es" daraufhin vermasselt, bis er den Kontakt vor einigen Monaten beendet hat. Ich kam einfach nicht mit dieser potentiellen Nahe zurecht. Als er sich verabschiedet hat, bin ich zusammengebrochen, weil ich gemerkt habe, einmal mehr hat es nicht funktioniert - nicht die Liebesbeziehung, meine ich damit, sondern mein eigenes Gefühl, mich in einer Beziehung, und sei diese auch freundschaftlicher Art, wohl zu fühlen. Das ist ein Muster, das mein Leben durchzieht. Zunächst dachte ich, die Eltern hinderten mich daran, zu anderen Menschen Nähe zu empfinden. Doch mittlerweile distanziere ich mich auch zu ihnen und meine emotionale Einsamkeit vergrössert sich.
Herzliche Grüsse
n.
 
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  • #36
AW: Einsamkeit

Hallo vhe

Danke vielmals für das Zitat und die hilfreichen Impulse.
Ist es dir denn gut gelungen, dich zu integrieren? Was war das Einfachste, was das Schwierigste?
Ich muss schon sagen, dass es mich abschreckt, einem Wanderclub - oder was auch immer - beizutreten. Aber vielleicht sollte ich es einfach mal probieren. Das mit dem Brown'schen Gesetz der Gesellschaft ist ein sehr interessanter Gedanke - bin nicht sicher, ob ich ihn verstehe.

Herzliche Grüsse
n.
 

vhe

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  • #37
AW: Einsamkeit

Zitat von nucha:
Ich habe keine Freunde; meine Eltern sind meine einzigen Bezugspersonen.
Noch zusätzlich, nur um den Startpunkt für Deine Aktion "Lebensgestaltung 2.0" zu kennen.
Fährst Du ohne Deine Eltern in den Urlaub?

Wenn nicht, wäre das für Dich ein vielleicht durchführbar erster Schritt in die - mittlerweile doch etwas überfällige - Abnabelung, die am Anfang Deiner Weiterentwicklung stehen sollte.
 

vhe

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  • #38
AW: Einsamkeit

Zitat von nucha:
Der Mann wollte nur freundlich sein, ab und zu mit mir was trinken gehen, und das war für mich der blanke Horror. Ich habe ihn gefragt, was er denn wolle. Und er meinte: Nichts. Ab und zu, nach der Arbeit, einen trinken; das ist alles. Aber ich habe "es" daraufhin vermasselt, bis er den Kontakt vor einigen Monaten beendet hat.
Nur so, aber welche Antwort hättest Du Dir denn gewünscht? Also, bei welcher Antwort hättest Du es nicht "vermasselt"?
 

vhe

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  • #39
AW: Einsamkeit

Hallo nucha!

Tut mir leid für die späte Antwort, hatte Deine Antwort erst übersehen. :-(

Zitat von nucha:
Ist es dir denn gut gelungen, dich zu integrieren?
Mittelmäßig. Ja, ich hab jetzt einen Bekanntenkreis, aber das ist im wesentlichen der Verdienst von 2 Frauen, denen ich gar nicht dankbar genug sein kann. So ein Glück hat nicht jeder.

Zitat von nucha:
Was war das Einfachste, was das Schwierigste?
Das schwierigste für mich ist immer noch Smalltalk. Selbst hier, bei einem Date, schlag ich eigentlich immer erstmal Kino vor, weil man da nicht soviel reden muss und hinterher automatisch ein Thema hat.

Bisher hab ich mich erst einmal getraut, eine Frau für das erste Date in ein Cafe einzuladen. Hatte ganz gut funktioniert, auch wenn sie dann doch nicht mein Typ war.

Ansonsten war für mich das Hauptproblem, dass, wenn man ständig über irgendwelche Sachen nachgrübelt, aber keinerlei Feedback von anderen bekommt, Ansichten irgendwie schräg werden. Extrem oder sich nur auf irgendeinen Teilaspekt konzentrieren oder sonstwas. Ich merk das mittlerweile bei anderen, es fällt beim reden einfach auf, ob das Denken eher in die Tiefe oder in die Breite ging. Solche Leute verkrampfen dann auch oft, bestehen auf ihrer Meinung, einfach weil sie zuviel Zeit in eine bestimmte Meinung investiert haben und ein anderer Standpunkt ihre ganz wichtigen, durch viel einsames Denken herausgebildeten und vor allem liebgewordenen Standpunkte ziemlich durcheinanderbringen kann. Und sie haben Angst, zu reden, weil sie oft genug wissen, wie die Reaktion sein wird.

Was mir leicht fiel? Gar nichts. Ich könnte mich heut noch an den Kopf greifen, wenn ich daran denke, wie ich mich bei meienr ersten Freundin angestellt hatte. :-/
Doch - kochen! Das mach ich gern, grad die Schnipselei, die sonst keiner machen will. Also bin ich bei Partyvorbereitungen oft dabei und muss dann nicht den brillianten Unterhalter geben, weil ich mir ja grad das Recht erarbeitet hab, ein bisschen müde zu sein... :)

Was mir mittlerweile leicht(er) fällt? Wenn ich mal ein Problem hab, erzähl ich es einfach jemandem. Dann ist es nur noch halb so schlimm. Ist als Mann vermutlich eher ungewöhnlich, aber ich hab oft genug erlebt, dass es hilft. Andere Leute haben einfach andere Ideen oder können von ihren Erfahrungen erzählen.

Zitat von nucha:
Ich muss schon sagen, dass es mich abschreckt, einem Wanderclub - oder was auch immer - beizutreten. Aber vielleicht sollte ich es einfach mal probieren.
Dann machst Du vielleicht einen Abendkurs bei der vhs? Und lernst dort chinesisch kochen? Da musst Du nicht viel reden, ausser "reich mal die Sojasauce rüber" oder "Aua, hab mich geschnitten!".

Zitat von nucha:
Das mit dem Brown'schen Gesetz der Gesellschaft ist ein sehr interessanter Gedanke - bin nicht sicher, ob ich ihn verstehe.
(Falls es Dich interessiert, hier der Rest der Leseprobe: http://www.randomhouse.de/leseprobe/Helle-Barden-Ein-Scheibenwelt-Roman/leseprobe_9783442547197.pdf . Ich find ihn ganz lustig, aber Terry Pratchett ist nicht jedermanns Sache.)

Aber eigentlich ist es einfach. Der Mensch ist zuallererst mal ein soziales Tier. Das "sich gegenseitig daran erinnern, dass man Mensch ist", ist vielleicht von Terry ein bisschen unglücklich formuliert, aber ich erlebe es grad dann, wenn es um Ansichten und Meinungen geht. Ohne die ständigen kleinen Interaktionen, die kleine Standpunktunterschiede aneinander ausrichten und einen Konsens bilden, verstärken sich diese Unterschiede und führen zu Isolation, weil man nicht mehr mit Leuten reden kann, ohne sich zu streiten, frustriert zu sein oder vielleicht gar als verrückt betrachtet oder ausgelacht zu werden.

Ein bisschen kann jeder die Erfahrung machen, wenn er seine "Gruppe" wechselt. Da sticht man auch erstmal raus und eckt an. Mir ging es so, als ich 1996 aus dem Osten nach Bayern bin. Mittlerweile ist es genau andersherum, ich bin in Augsburg zuhause und fühl mich "daheim", also im Osten fremd und muss drauf achten, was ich wie sage.

Hoffe, das hilft Dir weiter.

Allerbeste Grüße!
Volker
 
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