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  • #1

Einsam

Liebes Forum,

mich interessiert, wie Ihr mit Einsamkeitsgefühlen umgeht. Kennt Ihr das? Was macht Ihr dagegen? Oder akzeptiert Ihr das als Bestandteil des Lebens allein? Mir geht das häufiger so, dass diese Gefühle aufkommen, trotz Freundeskreis. Ich empfinde das als sehr unangenehm, weiß aber den rechten Umgang damit nicht. Manchmal frage ich mich, ob ich einen Partner auch deshalb suche, um diese Gefühle nicht mehr zu haben.
 
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Wasserfee

  • #2
AW: Einsam

Hallo Delfin,

mir fällt dazu ein Kapitel eines Buches ein, das sich dem Thema widmet. Ich habe mir, als ich es vor zwei Jahren las, sehr viele Gedanken darüber gemacht. Denn damals traf ich auf einige Menschen, die ihre Probleme mit der Einsamkeit hatten. Eigentlich ist es eher das Alleinsein, denn einsam bist du nicht, wenn du Freunde und vielleicht Familie hast.

Hier die ersten Sätze aus dem Kapitel:

"Nur wer allein sein kann und gerne mit sich ist, kann auch in Beziehung gehen. Ich glaube, dass nur ein Mensch, der sein Alleinsein akzeptieren und genießen kann, zur Liebe fähig ist. Wer sein Alleinsein erforscht hat, der muss nicht mehr solche Angst vor der Einsamkeit haben. Der braucht die anderen auch nicht mehr so sehr, nur um diese Einsamkeit, dieses innere Loch nicht zu fühlen. Vieles, was wir im Namen der Liebe tun, dient eigentlich dazu, dieses Loch zu stopfen." aus: Liebe dich selbst und freu dich auf die nächste Krise, Fam. Zurhorst

Liebe Grüße, Wasserfee
 
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  • #3
AW: Einsam

Danke Dir, liebe Wasserfee! Genau das ist es, nur sehr schwer zu erreichen, das partnerlose Glücklichsein.
 
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  • #4
AW: Einsam

Zitat von delfin 1988:
Genau das ist es, nur sehr schwer zu erreichen, das partnerlose Glücklichsein.
Um glücklich zu sein brauchen wir doch mit oder ohne Partnerin oder Partner mehr oder weniger die gleichen Dinge, das partnerlose Glücklichsein ist im Grunde das gleiche Glück wie jenes, welches wir in einer Partnerschaft empfinden. Der Unterschied liegt im Wesentlichen nur darin, dass wir partnerlos ganz alleine für unser Glück "verantwortlich" sind, während wir uns in einer guten Partnerschaft zumindest ein wenig darauf verlassen können, dass auch die Partnerin oder der Partner etwas zu unserem Glück besteuert. Partnerlos müssen wir also schlicht ein wenig mehr Acht auf uns selbst geben.
 
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  • #5
AW: Einsam

Zitat von delfin 1988:
Liebes Forum,

mich interessiert, wie Ihr mit Einsamkeitsgefühlen umgeht. Kennt Ihr das? Was macht Ihr dagegen? Oder akzeptiert Ihr das als Bestandteil des Lebens allein? Mir geht das häufiger so, dass diese Gefühle aufkommen, trotz Freundeskreis.
die meißten leute tuen so, als wenn sie Einsamkeit nicht kennen. Sie pflastern jede Minute mit Ablenkungen voll und behaupten dann, daß sie so zufrieden mit sich selbst sind und Einsame etwas verkehrt machen. Auch Familie und Freunde schützen nicht vor Einsamkeit, innerlicher!
 
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Wasserfee

  • #6
AW: Einsam

@Freitag: Ja, nicht einmal eine Beziehung schützt vor dieser Einsamkeit ...
 
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  • #7
AW: Einsam

eine Beziehung stärkt zumeißt das Selbstwertgefühl und man hat jemanden, mit dem man über vieles reden und teilen kann.
 
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  • #8
AW: Einsam

Zitat von Freitag:
die meißten leute tuen so, als wenn sie Einsamkeit nicht kennen. Sie pflastern jede Minute mit Ablenkungen voll und behaupten dann, daß sie so zufrieden mit sich selbst sind [...]
Da ist durchaus etwas dran. Und dabei kann Einsamkeit, Zeit, die man nur mit sich selbst verbringt, eine ganz hervorragende Chance sein sich selbst zu ergründen, sich selbst kennenzulernen und so wie man ist zu akzeptieren. Das wiederum ist fast immer notwendige Voraussetzung dafür eine Partnerin oder einen Partner zu finden, der einen ebenfalls so liebt und akzeptiert wie man nun mal ist, mit allen Stärken und Schwächen. Insofern sind Phasen einer "konstruktiven Einsamkeit" vielleicht sogar nötig, um zu einer dauerhaften Zweisamkeit zu kommen.
 
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  • #9
AW: Einsam

@sine nomine

Wie bekomme ich konstruktive Einsamkeit hin, wenn das Gefühl sich auftut wie ein Abgrund und zumindest vorübergehend übermächtig erscheint?

In einer Partnerschaft kenne ich das nicht, selbst wenn mein Partner nicht da ist. Allein zu wissen, da gibt es jemanden, der liebt dich und du liebst ihn (im besten Fall) reicht schon aus.
 
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  • #10
AW: Einsam

Man ist alleine aber nicht einsam.Dieses Gefühl kommt mir leider sehr bekannt vor.
Ich habe eine tolle Familie und Freunde,aber niemand ersetzt einen Partner!
Allein sein ist einfach nicht schön.Es gibt Meschen,die besser damit umgehen können....sie
bewundere ich schon.......
 
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  • #11
AW: Einsam

Zitat von delfin 1988:
Wie bekomme ich konstruktive Einsamkeit hin, wenn das Gefühl sich auftut wie ein Abgrund und zumindest vorübergehend übermächtig erscheint?
Mir ist der Begriff der ’konstruktiven Einsamkeit’ auch zu abstrakt. Wenn mich Einsamkeitsgefühle überrennen, fühlt es sich an wie Zahnschmerzen, die in der Nacht kommen, ich will nur, dass sie vorbeigehen. Dann bin ich auch nicht in der Lage, konstruktiv zu denken, d.h. einen Sinn darin zu erkennen, dass ich jetzt den Schmerz aushalten muss.
Auch hierin kann ich mich Dir, Freitag und mini nur anschließen, eine Liebespartnerschaft ist so etwas Besonderes, weil zwei Menschen auf so vielen Ebenen miteinander verbunden sind (Interesse aneinander, Gefühle, Gespräche, Anteilnahme in allen Lebenslagen, Körperlichkeit, etc.). Diese Form der vertrauten Verbundenheit kann man leider nicht mit sich selbst entwickeln.
 
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  • #12
AW: Einsam

Zitat von delfin 1988:
Wie bekomme ich konstruktive Einsamkeit hin, [....]?
Hmm, wie Du das hinbekommst weiß ich nicht.
Ich kann nur versuchen zu erklären wie ich "Einsamkeit" empfinde. Ich schätze durchaus die Nähe von Familie, Freunden oder der Partnerin, aber ich brauche sie nicht zwingend um mich wohl zu fühlen, ich bin mir im Zweifel durchaus selbst genug. Für mich ist da kein Abgrund, keine erdrückende oder mich ängstigende Leere, sondern ganz viel freier Raum, den ich in aller Ruhe mit meinen Gedanken füllen kann. Das ist für mich kein Schmerz, sondern die Chance sich konstruktiv mit sich selbst auseinanderzusetzen, mit den eigenen Gefühlen, Erinnerungen, Erahrungen. Und das ist nichts, dessen Ende ich mir krampfhaft herbeiwünsche, sondern etwas, das irgendwann von ganz alleine wieder vergfliegt, mal nach ein paar Minuten, mal nach ein paar Stunden. Und wenn ich darauf mal gerade so gar keine Lust habe, dann kann ich solche Phasen oft auch mit der richtigen Musik "abwürgen".
 
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  • #13
AW: Einsam

@sine nominell
Das hätte ich auch gerne so! Wenn ich einen Partner habe, kann ich auch sehr gut allein sein und es geniessen. Ich bin niemand, der mit Partner auf siamesischen Zwilling machen will. Warum mir allein das Bewusstsein, ohne Partner zu sein, diese unangenehmen Gefühle beschert und vor allem, was ich damit mache, muss ich lernen! Und dafür suche ich hier Tipps.
 
M

marlene_geloescht

  • #14
AW: Einsam

Ich konnte früher auch schlecht allein sein. Fühlte mich einsam ohne Partner. Habe mich abgelenkt, indem ich dauernd Treffen mit Freundinnen ausmachte und ganz viel unterwegs war.

Dann - mittlerweile einige Jahre her - als ich meine erste eigene Wohnung in einer fremden Stadt hatte, meine Freundinnen weit weg wohnten und ich auch keinen Freund hatte, war das Einsamkeitsgefühl manchmal riesig groß (am schlimmsten sonntags - kennt ihr das auch?) und es machte mir viel angst. Ich dachte, nur ein Partner kann dieses negative Gefühl beseitigen. Aber das ist nicht richtig.

Ich hatte begonnen, ganz bewusst ganz alleine was zu unternehmen, was mir Spaß gemacht hat. Mir selbst was Gutes zu tun.
Warum immer warten bis man mit mehreren Leuten was unternehmen kann? Oder wenn keiner Zeit hat, alleine zu Hause rumsitzen? Das wollte ich nicht.
Einen Ausflug, eine Wanderung, in ein Café setzen und Leute beobachten, in eine Ausstellung gehen, ... das kann man auch alleine.
Oder ganz bewusst etwas auskosten, was man sowieso alleine macht, ein schönes Buch lesen zum Beispiel oder ein heißes Bad nehmen.
Ich habe mir immer wieder bewusst gemacht, was mir an der jeweiligen Alleinunternehmung gut gefällt. Auch was mir in dem Moment fehlt, und warum.
Ich lernte mich dadurch selbst viel besser kennen. Und immer öfter wurde mir klar: es fehlt mir kein Partner (jedenfalls nicht, um die Einsamkeit zu besiegen).
Am Abend zu wissen: Ich habe heute ein Date mit einem sehr interessanten Menschen gehabt: Mit mir selbst! Das war eine schöne Erkenntnis.

Es dauerte zwar eine Weile, aber dann war sie ganz plötzlich da: die innere Ruhe, weil ich merkte, dass mir mein Alleinsein nichts mehr ausmacht.
Ich habe gelernt, mein "mit mir selbst sein" zu genießen. Das ist ein sehr befreiendes Gefühl.

Jeder kann das lernen, da bin ich mir sicher. Ich wünsche es euch allen!