A

*Andrea*

  • #1

Einander verstehen - persönliche Geschichten hinter unseren Werten

Liebe Foristinnen und Foristen
Ich beobachte im Forum immer wieder Diskussionen über unterschiedliche Werte (und bin manchmal auch Teil davon). Da geht es zum Beispiel ums Thema "Betrug verurteilen vs. Verständnis für die Ursachen", darum, wie "(politisch) korrekt man sein soll vs. den Vorwurf des Gutmenschentums", um "Anstand und Höflichkeit vs. Ehrlichkeit und Authentizität", oder auch um gesellschaftliche und politische Themen, z.B. "Sozialstaat vs. Eigenverantwortung", "Offenheit gegenüber MigrantInnen und Flüchtlingen/fremden Kulturen vs. Schutz unseres Wohlstands/Angst vor gesellschaftlichen Verschlechterungen", um "Lebensfreude/sich etwas gönnen/die Welt erkunden" vs. "Umweltschutz/Sorge um unseren Planeten, um die Zukunft der Menschheit, um die Würde von allen Lebewesen". Es gibt sicher noch viel mehr solcher Beispiele.

Leider - so finde ich - kommen wir in diesen Diskussionen nur selten wirklich weiter. Es ist oft eher im Gegenteil so, dass sich die Fronten verhärten und sogar andernorts, wo eigentlich verstehen leichter möglich wäre, denjenigen mit der gegenteiligen Meinung gar nicht mehr erst richtig zugehört wird.

Mich lässt das oft etwas enttäuscht und hilflos zurück. Ich denke nämlich in ehrlicher Absicht, meine Meinung wäre die bessere ;), aber ich schaffe es doch nicht, jemanden dafür zu gewinnen oder auch nur ein klein Bisschen für das, was mir wichtig ist, zu sensibilisieren...

Mir gelingt es dagegen oft viel besser, andere Menschen, ihre Muster und Werte zu verstehen und mich auf sie einzulassen, wenn ich einen Blick auf ihr Sogewordensein erhasche. Geht das euch nicht auch so? Manchmal verstehe ich dann auch plötzlich ihre Sichtweise in einer Diskussion. In solchen Momenten geschieht etwas: man bewegt sich aufeinander zu, die Fronten werden aufgeweicht, und im besten Fall lernen beide Seiten etwas dazu.

Dieser Thread ist ein Experiment, um dies zu ermöglichen.

Ich wünsche mir, dass hier nach den persönlichen Entstehungsgeschichten unserer Werte, Einstellungen und Haltungen gefragt wird und einander erzählt wird, wie es in unserem Leben dazu gekommen ist, dass man sich besonders für bestimmte Werte wehrt, dass man sich mit Herzblut für Entwicklungen einsetzt, die man sich wünscht, oder dass man auch ganz allein gegen etwas kämpft, das einem Angst macht.

Dieser Thread soll ein Thread sein, wo wir einander aus unseren Biographien heraus verstehen lernen, wo wir einander verstehen wollen und nachfragen, wo es uns unklar ist.

Es sollen hier aber nicht die Diskussionen weitergeführt werden.


Ich weiss nicht, ob dies möglich ist, es ist einfach ein Experiment. Allen, die dabei mitmachen, die hier nach den Geschichten ihrer Diskussionskontrahenten fragen oder erzählen, wie es dazu kommt, dass ihnen ein bestimmter Wert derart wichtig ist, möchte ich im Voraus ganz herzlich danken!
 
A

*Andrea*

  • #2
@IMHO: Ich würde gerne verstehen, weshalb du dich so stark für andere Männer einsetzt (obwohl diese etwas doch recht Negatives getan haben, nämlich ihre Frauen betrogen), weshalb es dir so wichtig ist, sie nicht zu verurteilen, sondern zu verstehen, was da schon vorher schief lief. Hattest du in deinem Leben schon mal das schlimme Gefühl, dass man dir etwas vorwarf, was du selbst als logische Folge von eigenem schmerzhaftem Erleben empfandest und fühltest dich darin nicht gehört? Hast du eine Geschichte zu geschlechtsspezifischen Vorwürfen? Wurdest du selbst schon - auf prägende Weise - in einen Topf geworfen mit "den bösen Männern"?

Ausserdem nähme mich von dir wunder, weshalb du so grosse Sorge hast vor Einwanderung, dem Verlust unserer Kultur und dem Verlust von Arbeitsplätzen der Einheimischen. Liegen dir Werte unserer Gesellschaft sehr am Herzen? Welche und warum? Welche Geschichte verbindest du mit diesen Werten? Hast du schon selbst einen grossen materiellen Verlust erlebt oder hat jemand in deinem engen Umfeld den Job verloren, sodass es prägende Auswirkungen auf dich hatte?
 
A

*Andrea*

  • #3
@Tone: Was ist deine ganz persönliche Geschichte dahinter, dass du so grossen Wert auf Korrektheit legst? Hast du irgenwann sehr darunter gelitten, dass Dinge falsch benannt wurden? Oder musstest du immer sehr büssen, wenn dir selbst mal ein Fehler unterlaufen ist? Welcher Art ist diese Korrektheit, die dir wichtig ist und warum? Hat es vielleicht etwas mit einer Freude an präzisem sprachlichem Ausdruck zu tun? Wenn ja, wie hat sich in deiner Geschichte dieser Wert entwickelt? Hast du persönliche, vielleicht sehr schmerzhafte Erfahrungen damit gemacht, dass mit unterschiedlichen Ellen gemessen wurde? Warst du mal irgendwo fremd?
 
A

*Andrea*

  • #4
@t.b.d.: Ich glaube, du magst es nicht, wenn jemand zu sensibel auf etwas reagiert, wenn jemand zu schnell Angst hat (z.B. eine Frau vor einem Mann). Stimmt das? Und wenn ja, woher kommt das? Hast du solche für dich schwierigen Erfahrungen gemacht? Dir ist - glaube ich - ausserdem sehr wichtig, dass die Fakten stimmen. Woher kommen dieses Interesse und das gute Gedächtnis für vertieftes Wissen in ganz unterschiedlichen Gebieten? Was gibt dir das? Was für schwierige Erfahrungen hast du eventuell gemacht mit Leuten, die da nicht so ernsthaft oder weniger gebildet sind?
 
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  • #5
Mir gelingt es dagegen oft viel besser, andere Menschen, ihre Muster und Werte zu verstehen und mich auf sie einzulassen, wenn ich einen Blick auf ihr Sogewordensein erhasche. Geht das euch nicht auch so? Manchmal verstehe ich dann auch plötzlich ihre Sichtweise in einer Diskussion. In solchen Momenten geschieht etwas: man bewegt sich aufeinander zu, die Fronten werden aufgeweicht, und im besten Fall lernen beide Seiten etwas dazu.
Bei Christian Thiel heißt das Die Erbschaft kennenlernen. Und zwar sowohl die eigene als auch die des Partners. Man soll den Partner nämlich nicht ändern wollen, sondern verstehen. Verständnis ist in der Tat der Schlüssel. Und Akzeptanz.
 
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  • #6
Im Traum bin ich gefangen
von Sehnsucht die mich führt
meine Zweifel sind vergangen
denn du hast mich berührt

in Anbetracht dieser Krone
gilt mein Streben goldenen Wogen
ich gönn dich mir zum Lohne
7 Minuten lang gezogen

du erfrischst meine Gedanken
und beruhigst doch meine Glieder
ich möchte dir heut danken
darum knie ich vor dir nieder

den Gipfel der Hopfenvergärung
gibt’s auf der Welt nur hier
ich heb mein Glas zur Verehrung
mein geliebtes deutsches Bier.
 
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Deleted member 21128

  • #7
@*Andrea* Ich habe da eine völlig andere Wahrnehmung, da mich die Diskussionen durchaus weiterbringen. Ich finde es sehr interessant, einen anderen Blick auf Dinge zu bekommen. Und ich stelle durchaus auch eine Weiterentwicklung oder manchmal auch ein Umdenken fest.
Machst du den Erfolg einer Diskussion daran fest, wie gut jemand überzeugt werden konnte? Oder spielt Harmonie dabei eine große Rolle?
Für mich ist es übrigens gar nicht relevant, warum jemand so geworden ist und welche Erfahrungen ihn geprägt haben, schon deshalb nicht, weil auch gleiche Erfahrungen zu unterschiedlichen Entwicklungen führen.
Du brauchst wohl Verstehen für Verständnis....?
 
A

*Andrea*

  • #8
@WolkeVier: Es geht mir hier um diejenigen Werte, die einem sehr auffallend am Herzen liegen, die einen mehr nerven als die meisten anderen, oder vor denen man ziemliche Angst hat. Bei solchen Dingen wird man die eigene Meinung meines Erachtens kaum ändern oder den anderen verstehen, wenn er einem eine Menge Fakten aufzählt oder auch genervt reagiert. Es geht mir eher um die Grundhaltungen in Diskussionen als um Details.
 
D

Deleted member 21128

  • #9
@*Andrea* Was ist die persönliche Geschichte hinter deinen Werten?
 
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*Andrea*

  • #10
@*Andrea* Was ist die persönliche Geschichte hinter deinen Werten?
Welche meiner Werte scheinen dir fremd und möchtest du gerne verstehen?
Wo hast du dich in einer Diskussion mit mir genervt und dabei den Eindruck bekommen, man könne sich nicht verstehen?

Nach meiner letzten Auseinandersetzung hier im Forum, hatte ich ja schon zu erklären versucht, weshalb mir das wichtig ist. Vielleicht erinnerst du dich ja.

Es soll hier nicht grundsätzlich um alle Werte gehen, sondern es war meine Idee, dass dann, wenn einem etwas unverständlich schien und man sich in der Diskussion nicht verständlich machen konnte, hier die Möglichkeit wäre nach der Geschichte dahinter zu fragen.
 
A

*Andrea*

  • #11
Im Traum bin ich gefangen
von Sehnsucht die mich führt
meine Zweifel sind vergangen
denn du hast mich berührt

in Anbetracht dieser Krone
gilt mein Streben goldenen Wogen
ich gönn dich mir zum Lohne
7 Minuten lang gezogen

du erfrischst meine Gedanken
und beruhigst doch meine Glieder
ich möchte dir heut danken
darum knie ich vor dir nieder

den Gipfel der Hopfenvergärung
gibt’s auf der Welt nur hier
ich heb mein Glas zur Verehrung
mein geliebtes deutsches Bier.
Danke, dass du mich erinnerst, entropie! Ja, das wäre der mir unverständliche Wert bei dir.
Magst du erzählen, wie es dazu kam?
Hast du selbst gedichtet?
 
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*Andrea*

  • #12
@entropie: Oder erzählt das Gedicht schon die Geschichte?
Dann wäre es eine super Antwort auf meine Frage nach dem Hintergrund der Werte.
Aber eine umso traurigere Geschichte. :(o_O
 
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  • #13
Mir gelingt es dagegen oft viel besser, andere Menschen, ihre Muster und Werte zu verstehen und mich auf sie einzulassen, wenn ich einen Blick auf ihr Sogewordensein erhasche. Geht das euch nicht auch so? Manchmal verstehe ich dann auch plötzlich ihre Sichtweise in einer Diskussion.
Das ist eine schöne Fähigkeit, achte und kultiviere sie, es gibt nicht viele Menschen die das können oder können wollen. Du hast dir hier viel Mühe gegeben, deshalb möchte ich deine Fragen ehrlich und offen beanworten.
@Tone: Was ist deine ganz persönliche Geschichte dahinter, dass du so grossen Wert auf Korrektheit legst?
Hm, da muss ich nachdenken. An der Uni hat mich ein Professor für Ethik beeindruckt und sicher auch positiv in meiner Entwicklung geprägt; seiner Ansicht formt die Sprache das Denken und in Folge unser Handeln im sozialen Milieu. Die korrekte Verwendung von Begriffen und sprachlich vermittelten Assoziationen in der politischen Auseinandersetzung ist mit Werten, also dem moralischen Fundament einer Gemeinschaft eng verknüpft. Mit politischer Unkorrektheit lassen sich manche Menschen leicht manipulieren. Damals interessierte ich mich sehr für den 'Wiener Kreis des Logischen Empirismus' (1924 - 1936).
Welcher Art ist diese Korrektheit, die dir wichtig ist und warum?
Das ist schwer mit wenigen Worten zu benennen. Mich regt selbstverschuldete Unmündikeit ziemlich auf, schon immer. Ein Gespräch von Rüdiger Safranski mit dem österreichischen Philosoph Paul Feyerabend lässt dich vielleicht erkennen was mir Freude bereitet und wichtig ist. Vorsicht, 44 Minuten können sehr lange sein ... ^^

https://www.youtube.com/watch?v=sE1mkIb1nmU
"Etwas ganz anderes, ich weiss nicht ob ich das erwähnt habe, was mir da etwas aufgehen hat lassen. Vor langer Zeit ist mir einmal passiert, ich bin ohne es zu wissen zugegangen auf einen Spiegel. Ich habe gedacht was ist das für ein herabgekommenes Indivduum, ein sehr unsympathischer Mensch. Dann habe ich entdeckt, dass das ich bin und das Bild hat sich sofort geändert. Ich dachte, lieber Himmel! Was ist ein Mensch?" Paul K. Feyerabend - Interview in Rom (1993)
 
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  • #14
Das ist bedauerlich, aber für dich kein Problem, ist doch schön
:)
Einzig "Persönliches": Es gab in grauer Vergangenheit einen Ethik-Professor, der dich beeindruckte und dich positiv (?) In deiner Entwicklung beeinflusste.
Du denkst er hat mich negativ beeinflusst weil du mich nicht kennst, wird im Interview übrigens auch angesprochen
 
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  • #15
Nein. Ich stelle nur deine Bewertung in Frage.
Obwohl du mich nicht kennst o_O
Was ich sehe, ist, dass du großspurig etwas ankündigst und dich dann klammheimlich aus der Affäre ziehst und vielleicht hoffst, dass es niemand rafft.
@Synergie, ein argumentativer Dialog lebt davon wenn von der Wahrheit von Behauptungen gesprochen wird, nicht haltlosen Vorwürfen, das ist zuwenig und offen gesagt langweilig. Wo ziehe ich mich denn deiner Ansicht aus der 'Affäre'.