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  • #1

Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Bei einer Masse von Forumsbeiträgen muss ich doch immer wieder den Kopf schütteln : vieles klingt biestig, engstirnig, verkniffen....

Wo bleibt die Gelassenheit, positiv und offen auf einen anderen zuzugehen, erst mal zu gucken und das Herz zu öffnen ?
Ist das etwas, was mit Naivität zusammenhängt und über die Jahre und die schlechten Erfahrungen verloren geht ?
Oder ist es ein Charaktermerkmal, das man hat oder eben nicht ?

Ansprüche, No-Gos, sofortiges Wegklicken, turmhohe Altlasten, sofortiges negatives Ruminterpretieren an mehrdeutigen Situationen, Misstrauen, umfangreiche Kriterienkataloge - wo bleibt da die Unvoreingenommenheit, mit Freude einem anderen Menschen zu begegnen ?

Wie ist es bei euch ? Ringt ihr um Gelassenheit oder seht ihr darin nicht viel Gewinn, weil man eben so ist wie man ist und die vielen Jahre Lebenserfahrung nicht wegschieben kann ?

Für mich ist meine Gelassenheit immer mehr mein kostbarster Schatz : optimistisch durch das Leben zu gehen und daran zu glauben, dass sich schon alles finden wird...
 
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  • #2
Ich bin völlig empathielos, das ist eine wunderbare Grundlage für völlige Gelassenheit.
 
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  • #4
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Ich verstehe nicht was Gelassenheit mit "No-Gos" oder Ansprüchen zu tun hat?

Warum sollte ich mich mit einer Frau herum quälen die einfach nicht zu mir passt?
Ich habe mich auch früher nicht einen Gruppenzwang unterworfen und jetzt schon gar nicht. Wenn mir was nicht gefällt, dann sage ich es laut und unternehme auch etwas dagegen.

Es widerspricht meiner inneren Haltung für etwas Geradestehen was ich nicht will.
 
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  • #5
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

@Prinz_im_Kuhstall

Das ist ja lustig!
Zu Deinem ersten Satz >>>Ich verstehe nicht was Gelassenheit mit "No-Gos" oder Ansprüchen zu tun hat?
 
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  • #6
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Wie man mit Misserfolgen, mit Rückschlägen, Trauer umgeht - das lässt sich zwar ein Stückweit "verbessern". Aber ob Du "Alles wird gut" lebst oder eher nervös bist und leicht von Ereignissen durchgeschüttelt wirst, das hast du leider nicht ganz selbst in der Hand, das ist zu einem großen Teil genetisch bedingt. Sei froh, Schreiberin, dass es Dir gegeben ist. Nicht jeder hat das Glück.

Davon abzugrenzen sind die Ansprüche, die jeder Einzelne an eine Partnerschaft hat. Ich kenne sehr gelassene Single-Männer, die einen enorm hohen Anspruch haben, den sie teilweise selbst nicht annähernd erfüllen. ;-)
 
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  • #7
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Prinz_im_Kuhstall:
Ich verstehe nicht was Gelassenheit mit "No-Gos" oder Ansprüchen zu tun hat?

Warum sollte ich mich mit einer Frau herum quälen die einfach nicht zu mir passt?
Ich habe mich auch früher nicht einen Gruppenzwang unterworfen und jetzt schon gar nicht. Wenn mir was nicht gefällt, dann sage ich es laut und unternehme auch etwas dagegen.

Es widerspricht meiner inneren Haltung für etwas Geradestehen was ich nicht will.


Bestimmte Vorstellungen zu haben und danach zu handeln ist natürlich völlig in Ordnung. Ich meinte damit eher das krampfhafte Suchen nach Bewertungsmaßstäben, die dann auf eine engstirnige Art das Handeln bestimmen :
- Jemand lächelt mich an ohne persönliche Nachricht ? Sofort weg damit.
- Ich habe gehört, dass es mit Alleinerziehenden nicht einfach ist ? Erst gar nicht in Kontakt treten.
- Es bahnt sich was an und er ist weiterhin bei parship ? BETRUG !!!!
- Der Beruf sagt mir nicht zu ? Das wird niemals was mit uns !

Wenn ich deinen Beitrag lese, springen mir die Worte "sich herumquälen" und "Gruppenzwang" ins Auge - genau das meinte ich mit fehlender Gelassenheit.
Fehlende Gelassenheit bedeutet nicht fehlende Vorstellungen.
Aber eben einen sehr unentspannten Umgang damit, wenn nicht alles nach meiner Nase läuft.
 
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  • #8
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von delfin 1988:
Wie man mit Misserfolgen, mit Rückschlägen, Trauer umgeht - das lässt sich zwar ein Stückweit "verbessern". Aber ob Du "Alles wird gut" lebst oder eher nervös bist und leicht von Ereignissen durchgeschüttelt wirst, das hast du leider nicht ganz selbst in der Hand, das ist zu einem großen Teil genetisch bedingt. Sei froh, Schreiberin, dass es Dir gegeben ist. Nicht jeder hat das Glück.

Davon abzugrenzen sind die Ansprüche, die jeder Einzelne an eine Partnerschaft hat. Ich kenne sehr gelassene Single-Männer, die einen enorm hohen Anspruch haben, den sie teilweise selbst nicht annähernd erfüllen. ;-)

Ich habe keinen besseren Ausdruck für "Gelassenheit" gefunden und muss es daher wohl näher erklären.

Natürlich hat man seine Narben immer dabei und die Alarmsignale gehen automatisch bei bestimmten Reizen los. Ich halte es aber für wichtig, dass man sich darüber im Klaren ist und damt offensiv umgeht. Also, wenn z.B. etwas "hochkommt", dass man das dann möglichst gleich offen thematisiert und damit deutlich macht, wieso man an bestimmten Stelllen vielleicht empfindlich ist. "Unentspannt" wäre dagegen, sich völlig in die dunklen Befürchtungen fallen zu lassen, nicht darüber zu reden und damit alles ins Negative abtrudeln zu lassen.

Den Single-Mann mit den hohen Ansprüchen würde ich nicht als "gelassen" bezeichnen, jedenfalls nicht so , wie ich es meinte. Extrem hohe Ansprüche führen zu einem Scheuklappenblick, wo nur noch Kriterien abgeprüft werden. Das ist vielleicht äußerlich "cool", aber in keinster Weise eine innere entspannte Gelassenheit. (Sollte ich besser "Offenheit" sagen ?)
 
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  • #9
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Schreiberin:
Wo bleibt die Gelassenheit[...]? Ist das etwas, was mit Naivität zusammenhängt und über die Jahre und die schlechten Erfahrungen verloren geht ?
Oder ist es ein Charaktermerkmal, das man hat oder eben nicht ?

Ich hoffe doch sehr, dass "Gelassenheit" keine euphemistische Umschreibung von Naivität ist, ansonsten gäbe es in meinem Leben ein paar Bereiche, in denen ich reichlich naiv wäre. ;-)

Ich halte "Gelassenheit" daher erstmal für ein recht grundlegendes Charaktermerkmal. Eines, welches viel mit Frustrationstoleranz und -bewältigung zu tun hat und mit den Lebenserfahrungen, die ein Mensch bis dato gemacht hat.
Wer eine hohe Frustrationsschwelle hat, wer "Frust" für sich zumindest in Teilen als positiven Ansporn und Triebfeder nutzen kann, wird mit vielem sicher gelassener umgehen können als jemand, der Frust ausschließlich negativ erlebt und regelmäßig durch Frustration geradezu gelähmt wird.
Wer in seinem bisherigen Leben überwiegend die Erfahrung gemacht hat, dass da so manches Problem auf dem Lebensweg auf einen wartet, dass sich die meisten davon aber früher oder später irgendwie lösen lassen wird den nächsten solchen Problemen sicher gelassener begegnen können als jemand, den solche Probleme schon häufiger so richtig niedergeworfen haben.

Der besondere Witz dabei ist, dass das mitunter ein selbstverstärkender Effekt ist. Je gelassener man an etwas herangeht, desto eher und desto öfter fällt einem oft eine passende Lösung quasi in den Schoß. Und je verbissener und verkrampfter man etwas angeht, desto größer das Risiko die vor einem liegende Lösung eines Problems vor lauter Frust und Ärger glatt zu übersehen.
 
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  • #10
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

also ich bin sowas von gelassen ...
 
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  • #11
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zu gelassen gibt es aber auch, das könnte dann Ausdruck von Gleichgültigkeit sein oder wenigstens so interpretiert werden:)

Grundsätzlich finde ich eine gelassene Haltung gut, es lebt sich einfach besser damit. Sie sollte (für mich ) aber nicht mit einem Mangel an Temperament und Lebendigkeit einhergehen. Also ab und zu mal aufregen, sollte schon drin sein...

Offenheit ist sehr wichtig, auch mal über seinen Tellerrand, seinen Kriterienkatalog schauen zu können, dem Unerwarteten eine Chance geben:)
 
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  • #12
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Tolles Thema.

Wie oft habe ich mir schon gewünscht, gelassener zu sein.

Gelassen sein heißt sicherlich nicht, alles und jeden einfach nur zu akzeptieren, alles klag- und kritiklos hinzunehmen oder nichts verändern zu wollen.

Gelassenheit heißt vieles. Eine andere Meinung, eine andere Vorstellung von Glück oder Erfolg, einen anderen Lebensentwurf gleichberechtigt neben den eigenen Vorstellungen gelten zu lassen. Auch gemeinsam kontrovers zu diskutieren, ja sogar anderer Meinung zu sein. Sich diese ungeschminkt ins Gesicht zu sagen. Dem anderen zuzuhören. (Ha, da bin ich nach gut 10 Jahren Beziehung geübt drin!) Und, und das ist doch das Wichtige, trotzdem zusammen lachen (oder weinen) zu können.

Ja, wie oft habe ich mir schon gewünscht, gelassener zu sein.

Da passt so vieles rein in dieses Wort: offen, tolerant, zugänglich, humorvoll, verständnisvoll. Und wahrscheinlich noch vieles mehr.

(Jetzt hab ich den Beitrag von Sine Nomine gelesen. Hmmm, Frustration & Frustrationstoleranz. Interessant. Muss neu nachdenken ...)
 
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Sid_geloescht

  • #13
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Ich mag Gelassenheit nicht. Ich mag Überlegtheit, ich mag Reflexion, ich mag Nachdenklichkeit. Gelassenheit mag ich nicht. Einen Beigeschmack von Unberührbarkeit. Und die kann ich nicht so gut leiden.
 
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  • #14
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Sid:
Ich mag Gelassenheit nicht. Ich mag Überlegtheit, ich mag Reflexion, ich mag Nachdenklichkeit. Gelassenheit mag ich nicht. Einen Beigeschmack von Unberührbarkeit. Und die kann ich nicht so gut leiden.

Interessant, dass du es eher negativ siehst.
Schließt denn für dich bei Gelassenheit aus, dass man überlegt und reflektiert ist ?
Vielleicht gelingt es ja gerade, gelassener zu sein, weil man gut reflektiert ist ?
Gelassenheit und Unberührbarkeit ? So habe ich es nicht gemeint. Nicht im Sinne von Gleichgültigkeit oder mangelnder Empathie...
 
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  • #15
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

gelassenheit hat für mich manchmal den gescmack von gleichgültigkeit. abstand, desinteresse, unverbindlichkeit. ich verstehe schon was Sid meint.
 
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Sid_geloescht

  • #16
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Schreiberin:
Interessant, dass du es eher negativ siehst.
Schließt denn für dich bei Gelassenheit aus, dass man überlegt und reflektiert ist ?
Vielleicht gelingt es ja gerade, gelassener zu sein, weil man gut reflektiert ist ?
Gelassenheit und Unberührbarkeit ? So habe ich es nicht gemeint. Nicht im Sinne von Gleichgültigkeit oder mangelnder Empathie...

Nein, Gelassenheit schließt für mich nicht Reflexion und Überlegung aus.
Und ich denke auch, daß Reflexion Gelassenheit befördern kann.
Wobei für mich das wesentlichste Merkmal von Gelassenheit die Kontrolle der Emotion ist.
Bzw. teilweise sogar die Abwesenheit von Emotion.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, das Agieren der Emotion, im Sinne von Ausbrüchen, ist nicht von mir favorisiert. Emotion zu haben und von derselben berührt zu sein, wohl.
Und wie gesagt, ich verbinde mit Gelassenheit oben Beschriebenes.
Und da ich das miteinander verbinde und zugegebenermassen auch leidvolle Erfahrung mit emotional wenig spürbaren Menschen gemacht habe, die sich die Gelassenheit auf ihre Fahne geschrieben haben, meine eher negative Besetzung dieses Begriffs.
Ganz subjektiv.
Aber immer wieder spannend, wie unterschiedlich Begrifflichkeiten doch gefüllt werden.
 
S

Sid_geloescht

  • #17
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  • #18
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

@ Freitag und Sid

Wirklich spannend. Für mich ist Gelassenheit mit sehr viel Emotion besetzt - positiver, zugewandter Gelassenheit, nicht Gleichgültigkeit...
 
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  • #19
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Schreiberin:
Wo bleibt die Gelassenheit, positiv und offen auf einen anderen zuzugehen, erst mal zu gucken und das Herz zu öffnen ? .
Ist das nicht Offenheit?

Zitat von Schreiberin:
Wie ist es bei euch ? Ringt ihr um Gelassenheit oder seht ihr darin nicht viel Gewinn, weil man eben so ist wie man ist und die vielen Jahre Lebenserfahrung nicht wegschieben kann ?
Gelassenheit entsteht aus Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Sicher auch aus aus dem reichen Schatz der gemachten Lebenserfahrungen. Aus der Überzeugung, dass es immer einen Weg gibt, selbst wenn ich ihn jetzt nicht sehe. Darum ringe ich nicht. Das habe ich bzw. so bin ich. Hört sich borniert an, aber für mich ist das nicht selbstverständlich, sondern ein großes Geschenk, das ich nicht mir selbst verdanke.
 
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  • #20
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von Sid:
Wobei für mich das wesentlichste Merkmal von Gelassenheit die Kontrolle der Emotion ist.

Hmm, das ist durchaus ein interressanter Aspekt. Allerdings klingt mir "Kontrolle" zu sehr nach einer bewussten Selbstmanipulation.
Ich würde es eher den "Umgang mit Emotionen" nennen wollen und darunter sowohl den bewussten als auch den unbewussten Umgang mit Emotionen verstehen.

"Gelassen" ist man nicht, wenn man die eigenen Emotionen bewusst unterdrückt oder "kontrolliert", sondern vielmehr dann, wenn man Wege findet sie einerseits zu akzeptieren und andererseits halbwegs konstruktiv mit ihnen umzugehen. Emotionen haben ja, sie zeigen auch, ja, aber sich eben nicht völlig von ihnen beherrschen zu lassen, sondern halbwegs rational mit ihnen umzugehen.
 
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  • #21
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

@SineNomine
Bestens ! Danke für deine Erklärung ! :)
 
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  • #22
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von SineNomine:
"Gelassen" ist man nicht, wenn man die eigenen Emotionen bewusst unterdrückt oder "kontrolliert", sondern vielmehr dann, wenn man Wege findet sie einerseits zu akzeptieren und andererseits halbwegs konstruktiv mit ihnen umzugehen. Emotionen haben ja, sie zeigen auch, ja, aber sich eben nicht völlig von ihnen beherrschen zu lassen, sondern halbwegs rational mit ihnen umzugehen.

Ich glaube auch, dass es ohne Emotionen zu haben, sie wahrzunehmen, wenn ich auf Dinge, Personen, Ereignisse, die mir begegnen, reagiere, gar nicht zur Gelassenheit kommen kann. Denn das emotionale Berührtsein hilft mir, den "Dingen" adäquat zu begegnen.
 
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  • #23
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Mir ist Gelassenheit sehr wichtig. Ich bin dankbar dafür, dass ich trotz vielfältiger Erfahrungen auf dem zurückliegenden Lebensweg grundsätzlich optimistisch in die Zukunft schauen und sagen kann: "Alles wird gut."

Während ich das sage, kann ich durchaus darauf vorbereitet sein, dass es mal holperig wird. Doch ich versuche, mich auch von unvorhergesehenen Ereignissen, auf die ich wenig Einfluss habe, nicht in den Grundfesten erschüttern zu lassen. Das ist zum Teil so angelegt, zum Teil im Laufe der Zeit gewachsen - früher war ich gewiss impulsiver.

Mit der Partnersuche habe ich's ohnehin nicht so eilig. Insofern wäre es unfair, wenn ich mir das Fehlen strikter No-Gos und strenger Kriterien als Gelassenheit an die Brust heftete.
 
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Sid_geloescht

  • #24
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von SineNomine:
Hmm, das ist durchaus ein interressanter Aspekt. Allerdings klingt mir "Kontrolle" zu sehr nach einer bewussten Selbstmanipulation.
Ich würde es eher den "Umgang mit Emotionen" nennen wollen und darunter sowohl den bewussten als auch den unbewussten Umgang mit Emotionen verstehen.

"Gelassen" ist man nicht, wenn man die eigenen Emotionen bewusst unterdrückt oder "kontrolliert", sondern vielmehr dann, wenn man Wege findet sie einerseits zu akzeptieren und andererseits halbwegs konstruktiv mit ihnen umzugehen. Emotionen haben ja, sie zeigen auch, ja, aber sich eben nicht völlig von ihnen beherrschen zu lassen, sondern halbwegs rational mit ihnen umzugehen.

Nun, ich denke die meiste "Kontrolle" basiert auf unbewussten Mechanismen.
Und da am effektivsten und wirkungsvollsten. Das macht den Begriff für mich ja auch eher bitter.
 
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  • #25
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Ich kann nur all jenen zustimmen, die Gelassenheit mit der Eigenschaft Gleichgültigkeit in Verbindung bringen. Wann bin ich gelassen? Welche Typen sind den gelassen?

Also ich bin immer dann gelassen, wenn es keinen Einsatz gibt! Oder ich eben so souverän bin, dass der Einsatz unter Kontrolle ist, wo ich aber schon wieder ableiten könnte, es geht eben doch um nichts, zumindest um nichts, was dem Gelassenen berührt!

Und da sind wir bei meinem persönlichem Punkt, berührt mich eine Situation oder eine Person, dann kann ich nur mehr "cool" spielen, aber mein Innerstes läuft schon längst amok.

Fahre ich auf eine Frau ab und diese gibt sich mir total gelassen, dann verstärkt das sicher auch meine Anstrengung, dieser Frau Emotionen abzuringen, aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt, dann darf sie gelassen ihren Cocktail alleine weitertrinken ...
 
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  • #26
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von iceage:
Also ich bin immer dann gelassen, wenn es keinen Einsatz gibt! Oder ich eben so souverän bin, dass der Einsatz unter Kontrolle ist, wo ich aber schon wieder ableiten könnte, es geht eben doch um nichts, zumindest um nichts, was dem Gelassenen berührt!

Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen „gestrickt“ sind und ticken.
Ich für meinen Teil bin beispielsweise in Bezug auf meine Arbeit recht gelassen. Gleichzeitig ist mein Beruf für mich eine Art Berufung, ein bezahltes Hobby, etwas bei dem ich aus vielen Gründen sehr viel Spaß habe und an dem ich sehr hänge. Wenn ein Versuch schiefgeht, wenn mal wieder ein Prototyp der schon fast ein halbes Jahr „unterwegs“ und fast fertig ist in einem der letzten Herstellungsschritte zerstört wird, dann ärgert mich das zwar ziemlich, aber es bringt mich innerlich nicht aus dem Gleichgewicht. Nicht, weil es mir egal wäre, sondern weil ich daraus, eher unbewusst als bewusst, den Ansporn ziehe weiterzumachen, mich hinzusetzen und herauszufinden woran es lag, um beim nächsten Mal wieder einen Schritt weiter zu kommen --- im vollen Bewusstsein, dass dann vermutlich der darauffolgende Schritt das Bauteil zerstören wird. ;-)
Gerade /weil/ mich Dinge interessieren reagiere ich bisweilen mit einer gewissen Gelassenheit wenn das Leben mal wieder zuschlägt, weil das, jedenfalls für mich, oftmals die Beste Art des Umgangs damit ist, wenn man am Ende ein gutes Ergebnis haben will.

Die Momente in denen es mir mitunter an Gelassenheit fehlt sind eher die, bei denen ich /keinen/ nachhaltigen Bezug zu den Dingen habe. Da fehlt mir dann sozusagen das Ziel für dessen Erreichen ich meine Emotionen konstruktiv nutzen könnte.
 
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  • #27
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von SineNomine:
Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen „gestrickt“ sind und ticken.

was du in deinen Zeilen schilderst, würde ich als (geschult) souverän Handeln bezeichnen! Du kannst einen Rennwagen nicht gelassen auf der Rennstrecke bewegen, aber sehrwohl souverän.
 
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  • #28
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Ich teile die Ansicht von SineNomine.
Ich verstehe auch, warum Gelassenheit von außen betrachtet als Gleichgültigkeit wahrgenommen werden kann.
Gleichgültigkeit wäre, wenn man in einer Situation die Handeln erfordert, nichts tut.
Gelassenheit hilft mir oft, in Ausnahmesituationen das Richtige oder das Notwendige zu tun.
Ich habe Gelassenheit erst lernen müssen. Ich bin einerseits sehr sensitiv andererseits sehr sinnlich veranlagt. In jungen Jahren war ich sehr impulsiv. Ich konnte starke Emotionen schlecht aushalten und war stets versucht sie auszuagieren. Mein Umfeld reagierte darauf oft irritiert. Ich habe irgendwann gelernt mich dem Toben der Gefühle und Emotionen ein Stück weit zu entziehen und eine Art Beobachterposition einzunehmen aus der heraus ich verstehen lernen kann, welches Ereignis wohin geführt hat und was danach in mir passierte. Was wühlt mich auf? Warum wühlt es mich auf? Hat da jemand unabsichtlich einen Trigger ausgelöst? Was ist der Trigger? Warum reagiere ich so darauf? Ob´s funktioniert? Nicht immer. Aber immer öfter.
 
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  • #29
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Ich kenne niemandem, dem es leichter fiele, in Situationen, die ihn wirklich angehen, "gelassen" zu sein, als in Dingen, die ihn gar nicht so betreffen. Das heißt nicht, daß Gelassenheit Gleichgültigkeit wäre. Aber es gibt da sicherlich Zusammenhänge.
 
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  • #30
AW: Ein Hoch auf die Gelassenheit !

Zitat von iceage:
was du in deinen Zeilen schilderst, würde ich als (geschult) souverän Handeln bezeichnen! Du kannst einen Rennwagen nicht gelassen auf der Rennstrecke bewegen, aber sehrwohl souverän.

Ja, guter Punkt! Ich find schon auch, daß so ein Wort wie "Gelassenheit" eine bestimmte Vorstellung zum Ausdruck bringt, die zu manchen Anforderungssituationen eben besser paßt und zu anderen weniger. Wenn man sie zu allgemein entwerfen will, sodaß sie immer gleich gut paßt, um dann etwa sagen zu können, man könnte auch gelassen einen Rennwagen steuern, verliert die Vorstellung an Farbigkeit.