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  • #541
Ein Leben nach dem Tode

Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort

Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldenen Stühlen
Sitzend
Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur

Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend

Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen ...
Wortfetzen
Komm du komm

Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner

So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein

Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort

Mehr also, fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antwortete
Weniger nicht.

Marie Luise Kaschniz
 
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Deleted member 23883

  • #542
"Du bist so weich, Du gibst von etwas Kunde,
Von einem Glück aus Sinken und Gefahr.
In einer blauen, dunkelblauen Stunde
Und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war."

Gottfried Benn
 
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Deleted member 23883

  • #543
Stille Nacht

In stiller Nacht, doch heilig nicht,
(zur blauen Stunde schlägt die Uhr)
Die Wehmut sich am Wahnsinn bricht
Und kennt kein Amen, keinen Schwur.

Wie delikat im Diwan rauscht
Das Ohr vornüber in den Bogen,
Hat Saiten in den Ton gelogen,
Der jetzt im Schwindel stille lauscht.

In lauter Nacht, das Heil ist groß,
Doch Wehmut bricht sich gnadenlos
Noch immer an dem gleichen Wahn,
Dass Ton und Nacht sich hören kann.

Von mir, Lou Salome...
 
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  • #544
@Lou Salome
Du bist
Tiefe
weiter Horizont
Verständnis und Verletzlichkeit
immer fragend
wer bin ich
wo bin ich
was bin ich
suchend nach Wärme
allein im kalten Wind
nie vertrauend
voller Einsamkeit
inmitten der Menschen
immer fragend
ohne feste Antwort
voller Schmerz
den keiner teilt
unverstanden von
der Flachheit der
Mitmenschen
voller Zweifel
unverstanden
sensibel
 

ICQ

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  • #546
@Lou Salome
Du bist
Tiefe
weiter Horizont
Verständnis und Verletzlichkeit
immer fragend
wer bin ich
wo bin ich
was bin ich
suchend nach Wärme
allein im kalten Wind
nie vertrauend
voller Einsamkeit
inmitten der Menschen
immer fragend
ohne feste Antwort
voller Schmerz
den keiner teilt
unverstanden von
der Flachheit der
Mitmenschen
voller Zweifel
unverstanden
sensibel
Trefflich. Trefflich.
Aber so ganz unverstanden ist sie ja nun auch wieder nicht. ;)
 
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Deleted member 23883

  • #548
Lieder ohne Worte

Der Gang im Kopf neigt sich zur Seite
Und zeigt ihm, auch wenn Wille spricht,
Niemals den Weg hinaus ins Weite,
Wo Gefühl mit Ton Gedanken bricht.

Das Wort gebiert sich schwer auf dieser Zunge,
Hängt vorher sich an seinen Lippen auf.
Geschluckt, hinauf, hinunter voll im Schwunge,
Ereilt der Tod den Ton in vollem Lauf.

Es schweigt der Mund und blickt hinunter
Auf mein erwartungsvolles Ohr.
Blickt stumm bis zu den Händen runter
Und singt mit ihnen seine Lieder vor.


Von mir, Lou Salome
 
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  • #549
Eine Grabinschrift
Hier liegt der Förster Rupert Huß,
er starb an einem Büchsenschuß,
der auf der Jagd von ongefähr
ihn hat getroffen folgenschwer.
Zum Glück konnt man ihn noch versehn.
Gott laß ihn fröhlich auferstehn.
Ich nannt ihn oben Rupert Huß,
um hinzuweisen auf den Schuß,
doch hieß er in der Tat Franz Leim,
das aber passte nicht zum Reim.
Was hätt ich mit dem Leim gemacht?
Wie hätt den Schuß ich angebracht?
An dem er doch verschieden ist,
als Jägersmann und guter Christ.

und noch eine
Oh liebe Rosina!
wie so manche Nacht
Haben wir mitsammen zugebracht
bis der liebe Heiland kam
und dich wieder zu sich nahm.
Hier liegt die tugendsame Jungfrau
Rosina Baumgartner

noch mehr Tugend
Hier ruht
die ehr- und tugendsame Jungfrau
Genovefa Roggenhuberin
betrauert von ihrem einzigen Sohne.

Diese Inschrift passt gut ins Forum
und enthält eine tiefe Wahrheit

Hier ruht mein teures Weib
in dieser Grabeshöhle
wir waren oft ein Leib
doch niemals eine Seele.

 
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Deleted member 23883

  • #550
Für @HrMahlzahn

Es ist ganz still um sie herum,
Ihr Sehnen kein Versprechen.
Der Tod schaut sich nun um,
Die Blume hier zu brechen.

Die Blüte schreit im Traume auf-
Noch sich in Schönheit wähnend,
Da nimmt sie schon der Zeiten Lauf
Zu sich- im Geiste gähnend....

"Was ist nur die Vergänglichkeit,
Dass alle sie so hassen?
Wer will schon tiefe Ewigkeit?"
Seufzt müde er gelassen..

"Lieber will ich ich Dies und Jetzt
Als alles Jen und Seits",
Ruft die Blume unterdess
Im Fallen ihrer Herrlichkeit.

Von mir für dich
Lou
 
D

Deleted member 23883

  • #551
And here I come up the hill
I'm pushing my own wheel of love
I got love in my tummy and a tiny little pain
And a ten ton catastrophe on a 60 pound chain
And I'm pushing my wheel of love on Jubilee Streets
I look at them now

the problem was
She had a little black book
And my name was written on every page
Well a girl's gotta make ends meet
Even down on Jubilee Street

I was out of place and time
And over the hill
And out of my mind
On Jubilee Street
I ought to ṗractice what I preach
These days I go downtown in my tie and tails
I got a fetus on a leash

I am alone now
I am beyond recriminations
Curtains are shut
The furniture is gone
I'm transforming
I'm vibrating
I'm glowing
I'm flying
Look at me now
I'm flying
Look at me now

Nick Cave " Jubilee Street" ;)
 
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  • #552
Die Sonne scheint, die Menschen eint,
Gedanken an Erfrischung.
Der eine denkt dabei an Swimming-Pool,
der andere an 'ne "Mischung".
 
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  • #553
Das Gras ist hoch, die Mücken zwicken,
der Schweiß rinsalt entlang den Rücken,
die Picknickdecke beult sich,
es juckt bereits der erste Stich.

Ameisen in der Kolonne,
wählen den Weg zur Biotonne,
in der von gestern liegt die Mahd
und auf dem Rasen neue Saat.

Nach Wasser dürstet es fast allen
sogar den Venusfliegenfallen.
Jeder der irgendwie noch kann,
sich Schatten sucht und bald sodann
die Hitze innerlich verflucht,
nach der er jahrelang gesucht.

Doch ist's zuviel, meistens am Tag,
hartgesotten ist, wer das noch mag
denn erst am Abend wird's genehm,
man macht's im Garten sich bequem.

Mann gönnt sich ob des Tages Glut,
ob Bier, ob Wein - Mann, tut das gut.
Um dann im Schlaf schwitzend zu wühlen,
per kalter Dusche sich zu kühlen.

Am nächsten Tag nimmt man sich vor,
zu kaufen 'nen Ventilator,
doch bringt's auch der nicht einmal vage,
die Lösung ist: Klimaanlage.

Doch Vorsicht ist hier angemessen,
bloß nicht zu kalt - und nicht vergessen,
den Luftstrom nie direkt genießen,
sonst folgt ganz schnell Erkältungsniesen.
 
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Solutréen

  • #554
Für @HrMahlzahn

Es ist ganz still um sie herum,
Ihr Sehnen kein Versprechen.
Der Tod schaut sich nun um,
Die Blume hier zu brechen.

Die Blüte schreit im Traume auf-
Noch sich in Schönheit wähnend,
Da nimmt sie schon der Zeiten Lauf
Zu sich- im Geiste gähnend....

"Was ist nur die Vergänglichkeit,
Dass alle sie so hassen?
Wer will schon tiefe Ewigkeit?"
Seufzt müde er gelassen..

"Lieber will ich ich Dies und Jetzt
Als alles Jen und Seits",
Ruft die Blume unterdess
Im Fallen ihrer Herrlichkeit.

Von mir für dich
Lou
Sehr verehrte Lou,
ein wunderbares Gedicht. Im wahrsten Sinne des Wortes zu Sterben schön!
Eigenartigerweise kam weder Antwort noch sonst eine Reaktion. Ob der Adressat tatsächlich tot im materiellen oder digitalem Sinne tot ist? Vielleicht wurde er tödlich im Kampf der Geschlechter verwundet, der er ist, ebenso sensibel wie du, am Bösen, Falschen und Hinterhältigem der Welt verzagt.
Auch sonst keine Likes, keine Reaktion. Für die meisten ist der Tod nicht in der Welt, bis es sie selbst trifft, Sie flüchten vor ihm, als könnten sie ihm entkommen. Du weißt wie die armen Menschlein reagieren, wenn sie auf ihn treffen. Du erlebst es täglich. Wunderbar, dass du dir trotzdem deine Sensibilität bewahrt hast.
Mir ist fast, als hättest du dieses Gedicht für mich geschrieben. Es ist ein lyrischer Geniestreich.
 
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Deleted member 23883

  • #555
@Solutréen .

Danke für deine Worte. Es freut mich, dass dir mein Gedicht gefällt.
Allerdings schreibst du, als würdest du mich kennen, ich gebe zu, das irritiert mich.

LG Lou