Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #468
Also, wir haben das Lied 1971 auf einer Nachtwanderung mit dem katholischen Jugendpfarrer im schönen Westerwald, wo der Wind so kalt pfeift, gesungen. Da wir hier auch alle beziehungsmäßig im Dunkeln tappen und an den omnipotenten, alleinseligmachenden Lebenspartner glauben, bin ich davon ausgegangen, das das Lied ins Forum passt.
 
Beiträge
3.758
Likes
3.713
  • #470
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Da biste baff, gell :D
Zu meiner Grundschulzeit waren es noch die Glocke oder die Lorelei ;)
 
Beiträge
792
Likes
1.091
  • #472
Ein Rabe sass auf einem Meilenstein
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein...

Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.

Vorüber zottelte das Zapfenschwein,
der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.

"Er ist besessen!" - kam man überein.
"Man führe ihn hinweg von diesem Stein!"

Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs.
Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.

Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein
Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein...
 
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #473
Die Glocke
von Friedrich Schiller
Kurzform (für Schüler mit 12 Jahresabitur)

Loch in Erde, Bronze rin
Glocke fertig, bim bim bim
 
Beiträge
792
Likes
1.091
  • #474
Wenn einer,
der mit Mühe nur
einen Baum erklommen.
Schon glaubt,
dass er ein Vogel wär.
So irrt sich der.
 
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #475
noch mehr Wilhelm Busch

Es ist ein Brauch von Alters her
wer Sorgen hat, hat auch Likör
 
Beiträge
958
Likes
2.599
  • #476
IN EIGENER SACHE

Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.
Im Wald zum Beispiel! Zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.
Allein, inmitten jener Wesen,
die schreiben können und auch lesen,
die lieben könnten, doch nur hassen,
fällt mir nichts ein, da muss ich passen!


Aus dem Buch " Satierliches "

von meinem Lieblings "Dichter " Heinz Erhardt
 
Beiträge
958
Likes
2.599
  • #477
Wieso ich Dichter wurde

Als ich das Gaslicht der Welt erblickte, war ich noch verhältnismäßig jung. Meine Eltern waren zwei Stück, und mein Vater war sehr reich:
Er hatte zwei Villen, einen guten und einen bösen. Und eines Tages - es war sehr kalt, und ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, sondern auch der Ofen war ausgegangen - teilte sich plötzlich die Wand, und eine wunderschöne Fee erschien! Sie hatte ein faltenreiches Gewand und ein ebensolches Gesicht. Sie schritt auf meine Lagerstatt zu und sprach also:"Na, mein Junge, was willst Du denn einmal werden?"
Ich antwortete - im Hinblick auf meine ziemlich feuchten Windeln:"Ach, gute Tante, vor allem möchte ich gerne ’dichter’ werden!" Das hat die Fee mißverstanden...


Heinz Erhhardt
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #478
Des Abends, wenn ich früh aufsteh
Des Abends, wenn ich früh aufsteh,
Des Morgens, wenn ich zu Bette geh,
Dann krähen die Hühner, dann gackelt der Hahn,
Dann fängt das Korn zu dreschen an.
Die Magd, die steckt den Ofen ins Feuer,
Die Frau, die schlägt drei Suppen in die Eier,
Der Knecht, der kehrt mit der Stube den Besen,
Da sitzen die Erbsen, die Kinder zu lesen.
O weh, wie sind mir die Stiefel geschwollen,
Dass sie nicht in die Beine nein wollen!
Nimm drei Pfund Stiefel und schmiere das Fett,
Dann stelle mir vor die Stiefel das Bett.

Verfasser unbekannt
 
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #479
Dunkel war's...
Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm 'ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.

Volksmund
Dieses Gedicht gibt es in unzähligen Variationen
 
F

Flip ~ Flop

  • #480
Liebe
Liebe hört auf keine Lehre,
weiß im Leben nicht ein noch aus.
Wenn's nicht eben die Liebe wäre,
sie sperrten sie ins Irrenhaus.

Friedrich Halm