Beiträge
958
Likes
2.599
  • #451
Eduard Mörike

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon.
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton !
Frühling, ja, du bist´s!
Dich hab ich vernommen !
 
Beiträge
629
Likes
377
  • #452
kein Gedicht

kein Gedicht, aber trotzdem wunderschön. Es gibt viele Fassungen davon im Netz, doch diese ist die schönste:

Die Liebe und der Wahnsinn

Es wird erzählt, dass alle Gefühle und Qualitäten des Menschen einmal ein Treffen hatten.
Als die Langeweile zum dritten Mal gähnte, schlug der Wahnsinn vor: "Lasst uns Verstecken spielen."
Die Intrige hob die Augenbraue und die Neugierde fragte: "Verstecken, was ist denn das?"
"Das ist ein Spiel." sagte der Wahnsinn. "Ich schließe meine Augen und zähle von 1 bis 1.000. Inzwischen versteckt Ihr Euch. Wenn ich das Zählen beendet habe, wird der Letzte, den ich finde, meinen Platz einnehmen, um das Spiel fortzusetzen."
Die Begeisterung und die Euphorie tanzten vor Freude. Die Freude machte so viele Sprünge, dass sie den letzten Schritt tat, um den Zweifel zu überzeugen und sogar die Gleichgültigkeit, die sonst an nichts Interesse zeigte, machte mit.
Aber nicht alle wollten mitmachen: Die Wahrheit bevorzugte es sich nicht zu verstecken, wozu auch? Zum Schluss würde man sie immer entdecken und der Stolz meinte, dass es ein dummes Spiel wäre (im Grunde ärgerte er sich nur, dass die Idee nicht von ihm kam) und die Feigheit zog es vor, nichts zu riskieren.
"Eins, zwei, drei,...", der Wahnsinn begann zu zählen.
Als Erstes versteckte sich die Trägheit, die sich hinter den ersten Stein fallen ließ. Der Glaube stieg zum Himmel empor und die Eifersucht versteckte sich im Schatten des Triumphes, der es aus eigener Kraft geschafft hatte, bis zur höchsten Baumkrone zu gelangen.
Die Großzügigkeit schaffte es kaum, sich selber zu verstecken, da sie bei allen Verstecken, die sie fand glaubte, ein wunderbares Versteck für einen ihrer Freunde gefunden zu haben: Ein kristallklarer See war ein wunderbares Versteck für die Schönheit. Eine dunkle Höhle, das war ein perfektes Versteck für die Angst. Der Flug eines Schmetterlings das beste Versteck für die Wollust. Ein Windstoß war großartig für die Freiheit. So versteckte sie sich letztlich selbst auf einem Sonnenstrahl.
Der Egoismus dagegen fand von Anfang an einen sehr guten Ort, luftig und gemütlich, aber nur für ihn. Die Lüge versteckte sich auf dem Meeresgrund (stimmt nicht, in Wirklichkeit versteckte sie sich hinter dem Regenbogen). Die Leidenschaft und das Verlangen im Zentrum der Vulkane. Die Vergesslichkeit..., ich habe vergessen, wo sie sich versteckte, aber das ist auch nicht so wichtig.
Als der Wahnsinn "999" zählte, hatte die Liebe noch kein Versteck gefunden. Alle Plätze schienen besetzt zu sein, bis sie den Rosenstrauch entdeckte und gerührt beschloss sich in der Blüte zu verstecken.
"1000", zählte der Wahnsinn und begann zu suchen.
Die Erste, die entdeckt wurde, war die Trägheit, nur drei Schritte vom ersten Stein entfernt. Danach hörte man den Glauben, der im Himmel mit Gott über Theologie diskutierte. Das Verlangen und die Leidenschaft hörte man im Vulkan vibrieren. In einem unachtsamen Moment fand der Wahnsinn die Eifersucht und so natürlich auch den Triumph. Den Egoismus brauchte er gar nicht zu suchen, ganz allein kam er aus seinem Versteck heraus, das sich als Bienennest entpuppt hatte.
Vom vielen Laufen bekam der Wahnsinn Durst und als er sich dem See näherte, entdeckte er die Schönheit. Mit dem Zweifel war es noch einfacher, ihn entdeckte er auf einem Zaun sitzend, weil er sich nicht entscheiden konnte, auf welcher Seite er sich verstecken sollte. So fand er einen nach dem anderen, das Talent im frischen Gras und die Angst in einer dunklen Höhle.
Nur die Liebe tauchte nirgendwo auf.
Der Wahnsinn suchte sie überall. Auf jedem Baum, in jedem Bach dieses Planeten, auf jedem Berg und als er schon aufgeben wollte, erblickte er die Rosen.
Mit einem Stöckchen fing er an, die Zweige zu bewegen, bis ein Schrei ertönte. Die Dornen hatten der Liebe die Augen ausgestochen.
Der Wahnsinn war hilflos und wusste nicht, wie er seine Tat wieder gutmachen konnte. Er weinte und entschuldigte sich und er versprach ihr, für immer ihr Blindenführer zu sein.
Seit dieser Zeit, seit zum ersten Mal auf Erden Verstecken gespielt wurde, ist die Liebe blind und der Wahnsinn immer ihr Begleiter.
der Wahnsinn!!!
danke
 
Beiträge
629
Likes
377
  • #453
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
792
Likes
1.091
  • #455
Ein Mensch bemerkt mit stillem Zorn,
dass keine Rose ohen Dorn.
Doch muss ihn noch viel mehr erbosen,
dass sehr viel Dornen ohne Rosen.
 
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #456
Wir latschen durchs Getreide
wir latschen durch die Saat
wir sind total verblödet
für uns bezahlt der Staat
Tschuh tschuh Lagerbuggie
ist unser buggie wuggie
Tschuh tschuh tschuh
die Zeit vergeht im Nu.

Kampflied der Jungen Apokalypse für Deutschland
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #457
An der Straße stehen Bäume
dazwischen sind die Zwischenräume
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

Joachim Ringelnatz



Ein Stinktier lag auf einer Bank
und stank, und stank.
Es hatte keine Eile
es stank vor Langeweile

auch ein Ringelnatz


Hier ne Pappel
dort ne Pappel
in der Mitt ein Perdeappel
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

weder Ringel noch Natz
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
3.758
Likes
3.713
  • #458
An der Straße stehen Bäume
dazwischen sind die Zwischenräume
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

Joachim Ringelnatz



Ein Stinktier lag auf einer Bank
und stank, und stank.
Es hatte keine Eile
es stank vor Langeweile

auch ein Ringelnatz


Hier ne Pappel
dort ne Pappel
in der Mitt ein Perdeappel
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

weder Ringel noch Natz
:p Ringelnatz Gedichte hat jedes meiner Kinder in der Grundschule lernen dürfen ;)
 
Beiträge
7.820
Likes
6.591
  • #459
:p Ringelnatz Gedichte hat jedes meiner Kinder in der Grundschule lernen dürfen ;)
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
 
Beiträge
629
Likes
377
  • #461
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
herzlichen Dank für das Zitieren!:)
ich liebe Kästner!
und wenige wissen: er konnte/durfte/ musste persönlich (natürlich in cognito) zuschauen, wie seine Bücher brannten und trotzdem ist er lebend davon gekommen... zum Glück für alle Kästner-LiebhaberInnen, siehe z.B. "Die Konferenz der Tiere":rolleyes::rolleyes::rolleyes:

übrigens Goethe ist auch nicht zu verachten, mit (und auch sonst) "Kennst du das das Land wo die Zitronen blühen ..." als Referenz für Kästner...
nach seiner ihn so glücklich machenden Italienreise geschrieben :)
in einer Zeit ohne Städteflüge und sonstigen Quatsch, als Reisen zwar noch ein Privileg aber auch ein Erlebnis sondergleichen war, das auch bildete, usw. usf. und auch ein Tempo hatte (mit Schiff, Postkutsche, Pferd, zu Fuss was auch immer), das uns zu menschlichen Wesen ja erwiesenermassen mehr passt, u.a. da Inputs besser (oder überhaupt) verarbeitet werden können, poetischer ausgedrückt, was man ja auch immer wieder hört und liest, wenn es u.a. ums sog. Langsamverkehr geht:
die Seele reiste noch mit....;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Beiträge
792
Likes
1.091
  • #462
Und wenn wir mal nix haben
und wissen keinen Rat
Hurra, wir verblöden
für uns bezahlt der Staat!