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  • #286
Der Puschkin hatte es drauf.

Ein Geständnis

Vor Wut möcht ich und Scham vergehn,
Daß ich von Liebe zu dir spreche -
Doch meine Thorheit, meine Schwäche
Muß ich zu Füßen dir gestehn.
Das paßt recht schlecht zu meinen Jahren!
Zeit wär's, vernünftiger zu sein!
Doch in der Liebe wohlerfahren,
Kenn ich auch ihrer Krankheit Pein:
Dir fern – muß ich voll Sehnsucht klagen,
Dir nah – muß schweigend dulden ich,
Und mächtig drängt's mich, dir zu sagen:
Ich liebe, holder Engel dich!
 
G

Gast

  • #287
"Ein jeder Engel ist schrecklich."

Rilke
 
G

Gast

  • #288
Zitat von t.b.d.:
Der Puschkin hatte es drauf.

Ein Geständnis

Vor Wut möcht ich und Scham vergehn,
Daß ich von Liebe zu dir spreche -
Doch meine Thorheit, meine Schwäche
Muß ich zu Füßen dir gestehn.
Das paßt recht schlecht zu meinen Jahren!
Zeit wär's, vernünftiger zu sein!
Doch in der Liebe wohlerfahren,
Kenn ich auch ihrer Krankheit Pein:
Dir fern – muß ich voll Sehnsucht klagen,
Dir nah – muß schweigend dulden ich,
Und mächtig drängt's mich, dir zu sagen:
Ich liebe, holder Engel dich!

ja, hatte er :)
 
P

Philippa

  • #289
Da draussen, jenseits der Vorstellung von falsch und richtig,
gibt es eine Welt.

Dort treffe ich dich.

Wenn sich die Seele dort im Gras niederlässt,
ist die Welt zu erfüllt, um über sie zu sprechen.

Vorstellungen, Sprache, selbst der Ausdruck "die Anderen"
machen keinen Sinn.

Rumi
 
F

Flip- Flop

  • #290
Mondnacht:

Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff
 
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  • #291
Auja, von Eichendorff!

Glück

Mir ist, als müßt ich singen
So recht aus tiefster Lust,
Von wunderbaren Dingen,
Was niemand sonst bewußt.

O könnt ich alles sagen!
O wär ich recht geschickt!
So muß ich still ertragen,
Was mich so hoch beglückt.
 
F

Flip- Flop

  • #292
@t.b.d.

Das Gedicht „Mondnacht“ hat mich in meinen Kindertagen getröstet.
Ich hatte unendliches Heimweh nach meiner Familie und aus dem letzten Abschnitt des Gedichtes schöpfte ich Trost.
 
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  • #293
Heimweh ist wahrlich bitter. Gut dass du Trost gefunden hast.
 
F

Flip- Flop

  • #294
Sterne und Träume

Weißt Du noch,
wie ich Dir die Sterne vom Himmel
holen wollte,
um uns einen Traum zu erfüllen?
Aber
Du meintest,
sie hingen viel zu hoch ...!
Gestern
streckte ich mich zufällig
dem Himmel entgegen,
und ein Stern fiel
in meine Hand hinein.
Er war noch warm
und zeigte mir,
daß Träume vielleicht nicht sofort
in Erfüllung gehen;
aber irgendwann ...?!

Markus Bomhard
 
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  • #295
Nochmal Puschkin

An ***

Nein, nein, ich gebe mich, ich kann und darf es nicht,
der Liebe nicht mehr hin, ich muß ihr widerstehen;
mein Herz verlangt nach Ruh, verlangt nach Gleichgewicht,
es soll hinfort nicht mehr entflammen und vergehen;
genug hab ich geliebt; doch warum wird mir leicht,
warum will sich mein Geist in flücht´gen Träumen lösen,
wenn es geschieht, daß stumm an mir vorüberstreicht
ein junges, himmlisches, unschuldig reines Wesen,
und naht und sich verliert?... Ist's meinem Blick verwehrt,
in traurig-süßer Lust dem Mädchen zu begegnen,
ihr leise nachzugehn und, still in mich gekehrt,
mit Freude und mit Glück das Leben ihr zu segnen
und für sie zu erflehn das Wohl der ganzen Welt,
der Seele heitere Ruh, ein schattenloses Leben,
ach, auch das Glück des Manns, dem sie so wohlgefällt,
daß er gewillt ist, ihr den Namen Frau zu geben.
 
F

Flip- Flop

  • #296
@t.b.d
Richtungswechsel ist doof, dennoch würde ich mir wünschen, dass dir dieses Vorweihnachtliche Gedicht gefällt.



Weihnachtsbäume

Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie Ihre Waldesträume
wieder beim Laternenschein?

Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns erst alles erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.

Da steh'n sie nun an den Straßen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht trauen,
es muss doch was im Werke sein!

Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn.

Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt;

Gustav Falke
 
F

fleurdelis

  • #297
Ein Weihnachtsgedicht

Wenn es in der Welt dezembert
und der Mond wie ein Kamembert
gelblich rund, mit etwas Schimmel
angetan, am Weihnachtshimmel
heimwärts zu den Seinen irrt
und der Tag stets kürzer wird -
sozusagen wird zum Kurztag -
hat das Christkindlein Geburtstag!

Ach, wie ist man dann vergnügt,
wenn man einen Urlaubt kriegt.
Andrerseits, wie ist man traurig,
wenn es heißt: "Nein, da bedaur ich!"

Also greift man dann entweder
zu dem Blei oder der Feder
und schreibt schleunigst auf Papier
ein Gedicht, wie dieses hier:

Die Berge, die Meere, den Geist und das Leben
hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben,
das hat er nicht fertiggebracht!

Wir tasten und irren, vergehen und werden,
wir kämpfen mal so und mal so ...
Vielleicht gibt's doch richtigen Frieden auf Erden?
Vielleicht gerade jetzt? - - Aber wo? ...

Heinz Erhardt
 
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  • #298
Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorläufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Bein, Kopf und Gekröse
ruht sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?

Oder ist es doch zu kalt ihr?
Man siehts an der Gänsehaut.
Nun, sie wird bestimmt nicht alt hier:
Morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde
durch die ganze Wohnung dann.
Macht, dass gut der Braten werde ,
morgen kommt der Weihnachtsmann.

Heinz Erhardt
 
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  • #299
Einsamkeit

Als ich dich zum ersten mal sah,
war es mir alles sofort klar.
Ein Wunder war geschehen,
einen Engel wie dich zu sehen.

Ich sah in wunderschöne Augen,
und konnte es dann kaum glauben.
Das ich mich habe in dich verliebt,
weil es dich kein zweites mal gibt.

Ich sollte es eigentlich lieber lassen,
du lässt dich nicht in Worte fassen.
Deine Aura so schön und rein,
und mit dir immer zusammen sein.

Doch das wird alles niemals passieren,
somit werde ich immer weiter fantasieren.
Das Gefühl das mich dabei durchdrang,
schliesslich nur in Einsamkeit erklang.

Alexander Peters
 
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Philippa

  • #300
Das Lied der Liebe

Ohne die Liebe
ist jede Musik - nur ein Geräusch
kann das Brot den Menschen nicht ernähren
und jeder Tanz ist nicht leicht

Du fragst nach der Rose - lauf vor ihren Dornen nicht davon
Du fragst nach der Liebe - lauf vor dem Feuer nicht davon

Die Liebe ist der Morgen
- und ich der nahende Tag
Die Liebe ist der Regen
- und ich die Blume, die ihn trinken darf

Die Liebe ist die Krankheit
- und ihre Arznei
Die Liebe ist das Wasser
- in dem mein Salz zergehen kann

Denk ich an den Geliebten
wird die Laute in meiner Hand zum Klang
wird ihre Saite zum grünen Zweig
auf dem die Liebe spielen kann

Die Blume tanzt, wenn er sie wiegt und trägt.

Nur Gott weiss, ich nicht, warum mein Herz lacht
und singt

(aus verschiedenen Gedichten von Rumi, zusammengestellt von Dieter Halbach)