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  • #511
Fragment (1919)

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du`s?
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. - Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ...

(Rilke)
 
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*Andrea*

  • #512
für @Marlene und ihre Freude an Gedichten:

Richtlinien für heute
Sieh mit den Händen
Fühle mit den Augen
Höre mit der Nase
Rieche mit der Zunge
Prüfe mit den Eingeweiden
Lebe mit dem Körper
Wisse mit allem

Constant
 
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*Andrea*

  • #513
Und noch eins:

Nimm dir Zeit
Nimm dir Zeit, um zu arbeiten;
es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit, um nachzudenken;
es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit, um zu spielen;
es ist das Geheimnis der Jugend.
Nimm dir Zeit, um zu lesen;
es ist die Grundlage des Wissens.
Nimm dir Zeit, um freundlich zu sein;
es ist das Tor zum Glücklichsein.
Nimm dir Zeit, um zu träumen;
es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm dir Zeit, um zu lieben;
es ist die wahre Lebensfreude.
Nimm dir Zeit, um froh zu sein;
es ist die Musik der Seele.

Aus Irland
 
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*Andrea*

  • #514
Betrachte den Fluss

Betrachte den Fluss
Deines Lebens
Und erkenne,
wie viele Ströme
in ihm münden,
die dich nähren
und unterstützen.

Thich Nhat Hanh
 
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*Andrea*

  • #515
Obwohl zum Innehalten die Zeit nicht ist,
wird einmal keine Zeit mehr sein,
wenn man jetzt nicht innehält.
Lebst du jetzt, wirklich?
In diesem Augenblick, ganz und gar?
Wann, wenn nicht jetzt?

Christa Wolf
 
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*Andrea*

  • #516
Noch bist du da
Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

Rose Ausländer
 
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*Andrea*

  • #517
Bin gerade über diese coole Website gestoplert:

https://www.lyrikline.org

Für alle, die gerne Gedichte hören oder lesen, und all das erst noch in den verschiedensten Sprachen! Bin gerade voll begeistert! :)
 
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Flip ~ Flop

  • #519
Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen Andern erwählt;
Der Andre liebt eine Andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Heinrich Heine
 
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*Andrea*

  • #520
als ich einen Andern war,
dankten mir die Beinen nicht, die Beinen
meinten: einen Andern tragen? Nein!
Nicht so gern, der habe seine eignen
und diese liefen in der Tat auch weg,
als sie, die andern Beinen, das begriffen
dass nicht ich das war, der da auf ihnen
einen Andern lief, nicht meinen liefen
Beinen, bis ich hörte, in der Tat
gar nicht mehr auf was sie mir versagten
dass ich nicht einen Andern sei, allein
den Einen sehen, gehen, schiefgehn, schiefen

Christian Filips
 
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  • #521
Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? –
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinnste
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich seyn!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns im Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon' uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Mathias Claudius
 
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  • #522
Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried
Toll. Ein Gedicht. Viel Luft und Bla Bla.
Elvis Presley: "A little less conversation, a little more action, please"
Frauen, wenn ihr meint, dass Männer auf sowas stehen, dann täuscht ihr euch. Die stehen nur so lange drauf, bis ihr liegt!
 
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  • #523
Toll. Ein Gedicht. Viel Luft und Bla Bla.
Elvis Presley: "A little less conversation, a little more action, please"
Frauen, wenn ihr meint, dass Männer auf sowas stehen, dann täuscht ihr euch. Die stehen nur so lange drauf, bis ihr liegt!
Luckilucki, du bist ja ein richtiger kleiner Intellektueller. Bei solchen geistigen Ergüssen werden dir die Damen in Massen zu Füšen liegen.:D:rolleyes:
 
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  • #524
In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Mein‘ Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei.
Sie hat die Treu‘ gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht‘ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht‘ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will –
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!
 
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  • #525
In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Mein‘ Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei.
Sie hat die Treu‘ gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht‘ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht‘ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will –
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!
Der Dichter ist
Joseph von Eichendorff
 
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*Andrea*

  • #527
Höchste Zeit
innezuhalten
umzukehren
sich neu zu orientieren
Aufbrüche zu wagen

höchste Zeit
sich nichts vorzumachen
nach vorn zu schauen
Prioritäten zu setzen
mit neuer Kraf zu beginnen
das Leben zu wenden

Pawlitzki
 
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*Andrea*

  • #528
Zusage
Du brauchst nicht
das Unmögliche möglich zu machen
du brauchst nicht
über deine Möglichkeiten leben
du brauchst dich nicht
zu ängstigen
du brauchst nicht
alles zu tun
du brauchst
keine Wunder vollbringen
du brauchst dich nicht
zu schämen
du brauchst nicht
zu genügen
du brauchst Erwartungen an dich
nicht zu entsprechen
du brauchst
keine Rolle spielen
du brauchst nicht immer
kraftvoll sein

und du brauchst nicht
alleine zu gehen.

Andrea Schwarz
 
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*Andrea*

  • #529
Heute war ich mit einer Freundin im Kino und habe mir da eine Zeitschrift über die (bald) aktuellen Filme geschnappt.
Darin ist mir Folgendes (es soll auf einem Wandteppich, den man im Fim "Das Leben, eine Soap" kurz sieht, stehen) aufgefallen:

LEBE
als wäre der Himmel auf Erden
LIEBE
als wärst du nie verletzt worden
LACHE
als würde niemand zuhören
SINGE
als könnte niemand dich hören
TANZE
als würde niemand zuschauen
TRÄUME
als wäre nichts unmöglich
SPIELE
als gäbe es keine Sieger
GEBE
als hättest du viel
SCHMUNZLE
bis du's im Gesicht spürst
SCHÄTZE
deine Familie und Freunde
 
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  • #530
Teilhaben

Mit neuen Gedanken
alt werden

Jung bleiben
an uralten Gedanken

Teilhaben
am unsterblichen Leben
unsterblichen Sterben

Rose Ausländer
 
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  • #531
Im Park

Ein ganz kleines Reh
stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
morgens wieder vorbei.

Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum - gegen den Wind an den Baum
und gab dem Reh einen gab kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

(Joachim Ringelnatz)
 
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*Andrea*

  • #532
Im Park

Ein ganz kleines Reh
stand am ganz kleinen Baum
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
morgens wieder vorbei.

Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum - gegen den Wind an den Baum
und gab dem Reh einen gab kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

(Joachim Ringelnatz)
Kürzlich habe ich in einem Garten so ein Reh aus Gips gesehen... Es war aber, da nicht angemalt, auch aus der Ferne als solches erkennbar.
 
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  • #533
War das auch nachts?
 
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  • #535
Das Schreiben hier im Forum ist,
abhängig davon, wer du bist.
Nimmst du kein Blatte vor den Mund,
sondern tust Emotionen kund,
kann es passieren, dass du schnell,
betrachtet wirst, fast kriminell.

Die Meinung nicht ganz opportun,
lässt and’re Seelen kaum noch ruh’n,
fühl‘n sich getreten auf den „Schlips“,
„dein Beitrag war ja gar kein Witz,
sondern ganz fies und sehr gemein“,
lässt man das Sticheln nicht gern sein.

Setzt man sich also dann zur Wehr,
kommt’s zum Eklat und immer mehr,
schaukeln sich Wortgefechte hoch,
und manch Forist denkt sich grad noch,
jetzt geht das Ganze wieder los,
im Streiten sind hier manche groß.

Woran es liegt, wer weiß das schon,
vielleicht ‚ner schlechten Emotion,
oder versucht man heimlich leise,
‚nen Frustabbau auf diese Weise?

Der Eindruck äußerst schnell entsteht,
dass wer sich wehrt, noch schneller geht,
in eine nicht gewollte Rolle,
gilt dann als „Opfer, nicht als tolle
Person, die eingestuft und typisiert
den „MiMiMi-Charakter“ demonstriert.

Was aber ist der Weisheit Schluss,
ohne zu schaffen ‚nen Verdruss?
Dem nachzugeben, wie der Schlaue,
den Kürz’ren zieh’n samt „Haue“?
Und so ein Bild entstehen lassen,
was für ihn selbst ist kaum zu fassen?

Sich alle Schuld dann aufzuladen,
um bald in Selbstmitleid zu baden?
Die Kommentare and’rer Schreiber,
tun dann ihr Übriges und leider,
kommt dann die übliche Spirale,
des Überlesens der Signale.

Und schon ist es auch für den „Frommen“,
aus mit dem Frieden und beklommen
fragt er den „bösen Nachbarn“ dann,
ob er sich noch erinnern kann,
was wohl des Streites Grunde war,
denn niemand mehr sieht richtig klar,
wer hier denn wohl der „Böse“ ist,
und „Säure“ gießt, als Alchemist.

Und so tappt man schnell in die Falle,
man „kämpft“ allein – und gegen alle,
die sich haben heimlich verschworen
und ihren Schlachtplan ausgegoren.

Auf diese Weise gibt es Fronten,
man rechnet ab, nicht über Konten.
Liest man den Namen des Verfassers,
dre’hn sich die Mühlen dank des Wassers,
der Inhalt ist völlig egal,
man stichelt rum – total banal,
und wird persönlich und gemein,
fängt an zu stänkern und zu schrei’n.

Der Rest des Forums schaut sich an,
und fragt sich still wie es sein kann,
dass so schnell Wort um Wort,
es eskaliert – fast bis zum Mord.
Die alten Wunden aufgerissen,
die inn’re Ruh‘ so schnell verschlissen,
der Kontrahent zückt schnell den Degen,
der andere hält stark dagegen.

So duelliert man sich auf’s Feinste
mit Nicklichkeiten auf’s Gemeinste,
erst wenn der eine ganz erschöpft,
oder der and’re fast geköpft,
jemand zur Ruhe mahnt und schon
zu Hilfe ruft die Redaktion,
kehrt endlich Frieden ein im Thread,
und mancher findet’s hier fast nett.

Doch schwelt die Wut unter der Decke,
und lauert hinter jeder Hecke,
die Erzrivalen suchen schon,
den nächsten etwas falschen Ton
vom Gegner und schon bald wieder
hört man dieselben alten Lieder.

Wenn man den Streit vermeiden will,
schreibt man banal, oder bleibt still,
man sollte mit den Worten geizen,
um andere nicht arg zu reizen.
Stromlinienförmig das ist gut,
und senkt den Anlass für ‚ne Wut,
den and’ren nach dem Munde reden,
um dann auf Wolke 6 zu schweben,
gaukelt sich vor die Sympathie,
und auch scheinbare Empathie.

Doch des Charakters wahren Kern,
den kann man so nicht kennenlern',
auch wenn man Tee herüberreicht
und sanft dann übers Haupthaar streicht,
bleibt vieles einfach unberührt,
was sonst womöglich dazu führt,
dass man den and’ren doch nicht so
gut leiden kann und deshalb froh
ist, wenn der dann von dannen geht
und nicht mehr so im Wege steht.

Wie man’s auch dreht oder auch wendet,
die Sympathie und Freundschaft endet,
oft wenn die Wahrheit unverdrossen
mit harten Worten kommt geschossen,
und ungefiltert, ungeschmeidig
nicht zart gemustert, gar nicht seidig.
Gut, wer dann besitzt die Resilienz,
dies zu verkraften – Quintessenz.
 
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  • #536
mimmi-mimmi-miiiiii



(Ja, das ist Kunst.)
(Nein, das kann nicht weg.)
 
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  • #537
mimmi-mimmi-miiiiii
(Ja, das ist Kunst.)
(Nein, das kann nicht weg.)
Ach, der musste ja jetzt wieder sein. Schön, dass ich dich mit verlässlicher Regelmäßigkeit zu deinen immer wieder gern gelesenen "qualifizierten" Urteilsbekundungen bewegen kann. :rolleyes:
Ich kenne hier niemanden, der so wenig konstruktiv, oder besser destruktiv, kritisiert, wie du.
Meckern und pöbeln fällt meistens leicht, besser machen wäre eine Alternative. Oder schlicht konkretisieren, was dir nicht gefällt (Inhalt, Aussage, Stil, Reimform etc.).
Als ("Kunst"-) Kritikerin leider durchgefallen, setzen, sechs.
 
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  • #538
Kritik zu üben, das fällt leicht,
ich tu mich schwer und mich beschleicht
so langsam das Gefühl des Hasses
und denk bei mir: Besser, ich lass‘ es
hier kund zu tun, was mich bewegt
und welch Gedanke sich grad regt.

Vielleicht erhofft man sich ganz insgeheim,
und postet deswegen derart gemein,
dass man auf diesem Weg erreicht,
dass einer hier die Segel streicht.

Doch wär’s zu einfach, ging zu schnell,
die Aufgabe so generell
und ohne Gegenwehr zu tun,
und so die Finger lassen ruh’n.

Das, was man schreibt und äußert hier,
muss nicht sein jedermanns Plaisir,
doch würd‘ es helfen ungemein,
hätt die Kritik doch Hand und Bein
und würd am Ende schließlich doch
zur Besserung dann führen noch,
zu mehr Verständnis und Ideen
sodass ein Fortschritt ist zu seh’n.

Man sitzt zuhause, anonym,
als Avatar ein Akronym,
ist unsichtbar und unerreicht,
und hofft, der stete Tropfen weicht
auf endlich des and’ren Mauer,
man wartet ab, liegt auf der Lauer,
und ist auf’s Stichwort sodann da
beim schon erwarteten Fauxpas.

Ein Anlass ist sehr schnell gefunden,
man teilt aus, zählt selbst die Runden,
die man vermeintlich hat gesiegt,
Hauptsache Häme überwiegt,
so äußert sich die Kritik-Drohne,
und bleibt in ihrer Komfort-Zone.
 
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  • #539
Das Schreiben hier im Forum ist,
abhängig davon, wer du bist.
Nimmst du kein Blatte vor den Mund,
sondern tust Emotionen kund,
kann es passieren, dass du schnell,
betrachtet wirst, fast kriminell.

Die Meinung nicht ganz opportun,
lässt and’re Seelen kaum noch ruh’n,
fühl‘n sich getreten auf den „Schlips“,
„dein Beitrag war ja gar kein Witz,
sondern ganz fies und sehr gemein“,
lässt man das Sticheln nicht gern sein.

Setzt man sich also dann zur Wehr,
kommt’s zum Eklat und immer mehr,
schaukeln sich Wortgefechte hoch,
und manch Forist denkt sich grad noch,
jetzt geht das Ganze wieder los,
im Streiten sind hier manche groß.

Woran es liegt, wer weiß das schon,
vielleicht ‚ner schlechten Emotion,
oder versucht man heimlich leise,
‚nen Frustabbau auf diese Weise?

Der Eindruck äußerst schnell entsteht,
dass wer sich wehrt, noch schneller geht,
in eine nicht gewollte Rolle,
gilt dann als „Opfer, nicht als tolle
Person, die eingestuft und typisiert
den „MiMiMi-Charakter“ demonstriert.

Was aber ist der Weisheit Schluss,
ohne zu schaffen ‚nen Verdruss?
Dem nachzugeben, wie der Schlaue,
den Kürz’ren zieh’n samt „Haue“?
Und so ein Bild entstehen lassen,
was für ihn selbst ist kaum zu fassen?

Sich alle Schuld dann aufzuladen,
um bald in Selbstmitleid zu baden?
Die Kommentare and’rer Schreiber,
tun dann ihr Übriges und leider,
kommt dann die übliche Spirale,
des Überlesens der Signale.

Und schon ist es auch für den „Frommen“,
aus mit dem Frieden und beklommen
fragt er den „bösen Nachbarn“ dann,
ob er sich noch erinnern kann,
was wohl des Streites Grunde war,
denn niemand mehr sieht richtig klar,
wer hier denn wohl der „Böse“ ist,
und „Säure“ gießt, als Alchemist.

Und so tappt man schnell in die Falle,
man „kämpft“ allein – und gegen alle,
die sich haben heimlich verschworen
und ihren Schlachtplan ausgegoren.

Auf diese Weise gibt es Fronten,
man rechnet ab, nicht über Konten.
Liest man den Namen des Verfassers,
dre’hn sich die Mühlen dank des Wassers,
der Inhalt ist völlig egal,
man stichelt rum – total banal,
und wird persönlich und gemein,
fängt an zu stänkern und zu schrei’n.

Kritik zu üben, das fällt leicht,
ich tu mich schwer und mich beschleicht
so langsam das Gefühl des Hasses
und denk bei mir: Besser, ich lass‘ es
hier kund zu tun, was mich bewegt
und welch Gedanke sich grad regt.

Vielleicht erhofft man sich ganz insgeheim,
und postet deswegen derart gemein,
dass man auf diesem Weg erreicht,
dass einer hier die Segel streicht.

Doch wär’s zu einfach, ging zu schnell,
die Aufgabe so generell
und ohne Gegenwehr zu tun,
und so die Finger lassen ruh’n.

Das, was man schreibt und äußert hier,
muss nicht sein jedermanns Plaisir,
doch würd‘ es helfen ungemein,
hätt die Kritik doch Hand und Bein
und würd am Ende schließlich doch
zur Besserung dann führen noch,
zu mehr Verständnis und Ideen
sodass ein Fortschritt ist zu seh’n.

Man sitzt zuhause, anonym,
als Avatar ein Akronym,
ist unsichtbar und unerreicht,
und hofft, der stete Tropfen weicht
auf endlich des and’ren Mauer,
man wartet ab, liegt auf der Lauer,
und ist auf’s Stichwort sodann da
beim schon erwarteten Fauxpas.

Ein Anlass ist sehr schnell gefunden,
man teilt aus, zählt selbst die Runden,
die man vermeintlich hat gesiegt,
Hauptsache Häme überwiegt,
so äußert sich die Kritik-Drohne,
und bleibt in ihrer Komfort-Zone.
Rest des Forums schaut sich an,
und fragt sich still wie es sein kann,
dass so schnell Wort um Wort,
es eskaliert – fast bis zum Mord.
Die alten Wunden aufgerissen,
die inn’re Ruh‘ so schnell verschlissen,
der Kontrahent zückt schnell den Degen,
der andere hält stark dagegen.

So duelliert man sich auf’s Feinste
mit Nicklichkeiten auf’s Gemeinste,
erst wenn der eine ganz erschöpft,
oder der and’re fast geköpft,
jemand zur Ruhe mahnt und schon
zu Hilfe ruft die Redaktion,
kehrt endlich Frieden ein im Thread,
und mancher findet’s hier fast nett.

Doch schwelt die Wut unter der Decke,
und lauert hinter jeder Hecke,
die Erzrivalen suchen schon,
den nächsten etwas falschen Ton
vom Gegner und schon bald wieder
hört man dieselben alten Lieder.

Wenn man den Streit vermeiden will,
schreibt man banal, oder bleibt still,
man sollte mit den Worten geizen,
um andere nicht arg zu reizen.
Stromlinienförmig das ist gut,
und senkt den Anlass für ‚ne Wut,
den and’ren nach dem Munde reden,
um dann auf Wolke 6 zu schweben,
gaukelt sich vor die Sympathie,
und auch scheinbare Empathie.

Doch des Charakters wahren Kern,
den kann man so nicht kennenlern',
auch wenn man Tee herüberreicht
und sanft dann übers Haupthaar streicht,
bleibt vieles einfach unberührt,
was sonst womöglich dazu führt,
dass man den and’ren doch nicht so
gut leiden kann und deshalb froh
ist, wenn der dann von dannen geht
und nicht mehr so im Wege steht.

Wie man’s auch dreht oder auch wendet,
die Sympathie und Freundschaft endet,
oft wenn die Wahrheit unverdrossen
mit harten Worten kommt geschossen,
und ungefiltert, ungeschmeidig
nicht zart gemustert, gar nicht seidig.
Gut, wer dann besitzt die Resilienz,
dies zu verkraften – Quintessenz.
Meine Hochachtung lieber @IMHO
Das nenne ich kreativ :)
Lohnt sich doch hin und wieder ins Forum zu schauen ;)
Schönes Wochenende für dich!
Herzliche Grüße aus dem Süden
 
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  • #540
Sommerabend

Die große Sonne ist versprüht,
der Sommerabend liegt im Fieber,
und seine heiße Wange glüht.
Jach seufzt er auf: "Ich möchte lieber ..."
Und wieder dann: "Ich bin so müd ..."

Die Büsche beten Litanein,
Glühwürmchen hangt, das regungslose,
dort wie ein ewiges Licht hinein;
und eine kleine weiße Rose
trägt einen roten Heiligenschein.

Rainer Maria Rilke