P

Philippa

  • #256
Zitat von fafner:
Etwas Großartiges ging verloren.
Hilft Antonius?
Oder Schubert? Wagner?
Johanniskraut? Baldrian? Bachblüten gar?
Trauer, Verzweiflung, Wut, Angst. Das volle Programm. Zum Nulltarif.
Energie schwindet.
Irgendwann Leere.
Ist das von dir?

Wenn eine Liebe zerbrochen ist, dann ist es normal und - ich denke - sogar gut, traurig und wütend zu sein. Die Gefühle dürfen sein. Sie hinunterzuschlucken oder abzuwürgen wäre nicht gesund, das würde später oder zwischendurch auftauchende positive Gefühle unter einem Deckel halten. Dumpfe Gefühle der Leere oder der Gefühllosigkeit entstehen vielleicht daraus, dass man den Schmerz nicht zugelassen hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hilft, richtig heftig zu weinen, es nicht hinunterschlucken zu wollen. Weinen ist heilsam, und ich habe schon mehrmals gestaunt, wie schnell manchmal auf diese Weise die Verzweiflung verschwinden kann. Manchmal braucht es aber auch mehr Zeit, das kann man nicht den Kopf entscheiden lassen. Die Gefühle sind, wie sie sind.

Phasen der Trauer sind eine wichtige Zeit im Leben. Ich glaube, sie ermöglichen Veränderung, inneres Wachstum.
 
P

Philippa

  • #258
Zitat von fafner:
Find ich schön, dass du das mit uns teilst, auch wenn es Zeilen voller Trauer sind.
Es wird wieder, fafner. Ich glaube, ich habe mal im "Wort zum Tag"-Thread etwas von Schams e-Tabrizi zitiert. Es drehte sich darum, dass in den Ruinen gebrochener Herzen Schätze verborgen sind. "Schams" heisst übrigens auf Arabisch "Sonne".
 
P

Philippa

  • #260
questions to a grumpy life

why did i choose a grumpy life
if it could have been just boring

how do i find love
if my father could not distinguish
between me and himself

why does the work of a sledge
provide for a delicate soul

how can i let go
the arrogant dreams
that once saved my life

why can we imagine happy endings
but not a square circle

where will i find
a way out
of pure fantasy

how can I grow
into an authentic world

and change this grumpy life
into my own
beloved reality
 
M

Marlene

  • #261
Von wem ist dieses Gedicht, Philippa?
 
P

Philippa

  • #263
Melancholie für ein Du

diffus mich sehnend
ohne ein Ankommen
wo ich stehe

tief vernarbte Trennung
von der Gewissheit
des Einsseins

das Herbstlaub leuchtet
wo es doch den Frühling
noch nicht gelebt

schwankend
zwischen ernüchterter Hoffnung
und tapferer Zuversicht

wo bleibst du?
 
Zuletzt bearbeitet:
P

Philippa

  • #264
Und noch etwas, an das mich das Wort zum Tag von Schopenhauer, das BellaDonna gepostet hat, erinnert:


Freiheit

Ob das Freiheit ist?
Das seltsame Gefühl,
dass sich niemand um mich sorgt,
dass sich niemand an mich erinnert,
dass niemand etwas von mir will.

Das seltsame Gefühl,
nichts zu tun zu haben,
an nichts denken,
sich um nichts kümmern zu müssen.

Ist das Freiheit?
Kein Ziel zu haben,
bloss einen Weg.
Sich jede Minute neu zu fragen,
will ich bleiben oder gehn?

Ist das Freiheit?
Keine Ängste zu haben,
bloss Zuversicht.
Und dennoch keine andere Sicherheit
als Wunschlosigkeit.

Ist das Freiheit?
Losgelöst zu sein
von allen eingebildeten Zwängen und Verpflichtungen.

Sich als Wurm zu fühlen
im Universum.

Ein heiteres Gefühl von Unbeschwertheit.
Nichts als zu leben.
Freiheit.
 
P

Philippa

  • #265
In dem Sinn dieses Gedichtes möchte ich jedoch nicht frei sein.

Ich verstehe heute Freiheit als das Annehmen der Verantwortung, ein gutes Leben leben zu wollen.
 
P

Philippa

  • #266
Zerbrechlich

mich in einer Nussschale verkriechen
das Fell eines Bären um mich wickeln

die Angst bannen
wie Schmetterlingsflügel im Sturmwind zu zerflattern
wie ein Streichholzpalast im Erdbeben zu Asche zu zerfallen

tief einatmen können
und die Hände in die Hüften stemmen

weiterleben
 
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G

Gast

  • #267
Zitat von Philippa:
Zerbrechlich

mich in einer Nussschale verkriechen
das Fell eines Bären um mich wickeln

die Angst bannen
wie Schmetterlingsflügel im Sturmwind zu zerflattern
wie ein Streichholzpalast im Erdbeben zu Asche zu zerfallen

tief einatmen können
und die Hände in die Hüften stemmen

weiterleben

das ist schön, von wem ist das?
 
P

Philippa

  • #270
Zitat von evelina:
Ja, warum denn nicht? Habe ich heute geschrieben.
Die Gedichte, die ich in den letzten Tagen gepostet habe, sind alle von mir, alle kürzlich entstanden, ausser das über die Freiheit, das ist schon älter, das kam mir nur wieder in den Sinn wegen des Schopenhauer-Zitats.