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Gast

  • #241
(...)

Gering ist, was ich dir geben kann -
eine Blume vielleicht, vielleicht einen Gesang.

(Rabindranath Tagore)
 
G

Gast

  • #242
“I cried and then you held me just as you must
and of course we’re not married, we are a pair of scissors
who come together to cut, without towels saying His. Hers.”

Anne Sexton
 
P

Philippa

  • #243
Beinsteller, Fragensteller, umringen mich, Menschen, die mir begegnen,
Der Einfluss meines früheren Lebens auf mich, des Viertels, der Stadt,
wo ich lebe, oder meine Nation,
Tagesereignisse, Entdeckungen, Erfindungen, Gesellschaften,
Autoren alt und neu,
Mein Essen, Kleidung, Aussehen, Umgang, Höflichkeiten, Verpflichtungen,
Die wirkliche oder vermeintliche Gleichgültigkeit eines Mannes oder einer Frau, die ich liebe,
Die Erkrankung von Angehörigen oder mir selbst, Misserfolg, Verlust oder
Mangel an Geld, Niedergeschlagenheit oder Überschwang,
Schlachten, die Gräuel des Bruderkriegs, das Fieber schwankender Nachrichten,
launische Zufälle;
Diese alle kommen zu mir bei Tag und Nacht und gehen wieder hinweg
Von mir, aber sie sind nicht das Ich selbst.
Abseits von dem Ziehen und Zerren steht, was ich bin,
Steht belustigt, beschaulich, teilnehmend, müssig, einig mit sich selbst.
Blickt nieder, aufrecht, oder stützt einen Arm auf einen unsichtbaren festen Halt,
Blickt seitlich geneigten Hauptes, neugierig, was nun kommt,
Spielt mit und doch nicht mit, beobachtet und wundert sich.

Aus "Grashalme" von Walt Whitman, 1897
 
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Philippa

  • #244
Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht -
Auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüsse und bewirte sie alle!

Dschalal ad-Din ar-Rumi (Sufi-Dichter, 13. Jahrhundert)
 
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  • #245
Ewigkeit

Das Feuer knistert und der Funke fliegt,
die Grenze zwischen Stern und Funke verwischt,
bis der Funke voll und ganz erlischt,
und als Asche am Boden liegt.

Von mir geschrieben, 2007
Eines der wenigen Sachen von mir, die ich nach all der Zeit noch für brauchbar halte.
 
P

Philippa

  • #246
@Icebear: Mir gefallen deine Zeilen, ich kann mir lebhaft vorstellen, was du damit meinst. Ich wünsche dir, dass du es irgendwann erlebst, dass ein Funke, statt zu Asche zu verglühen, immer mehr zu einem echten Fixstern in deinem Leben wird!
 
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  • #247
@Philippa: Dankeschön, das wünsche ich dir auch :).

Jetzt hast du es geschafft, dass ich nach 10 Jahren in meinem eigenen Gedicht noch neue Aspekte entdecke :). Für mich ging das damals eher in eine metaphysische Richtung.

Was damals in mir abging beschreibt das hier ganz gut:


Die Straße


Nur noch 10 Kilometer, bis ich daheim bin.
Ich beginne im Morgengrauen zu laufen
entlang der einsamen, staubigen Straße.

Nur noch 20 Kilometer, bis ich daheim bin.
Ich strecke meinen Daumen in die Luft,
aber das Auto fährt vorbei.

Nur noch 50 Kilometer, bis ich daheim bin.
Die Sonne verbrennt meine Haut,
aber ich muss weiter laufen.

Nur noch 100 Kilometer, bis ich daheim bin.
Als die Sonne untergeht,
laufe ich immer noch heimwärts.
 
P

Philippa

  • #248
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  • #249
Wie funkelnd' Sterne,
Ewig scheint es,
Vergangen.
 
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  • #250
@Philippa: Seit Mitte des letzten Jahres bin ich zuhause angekommen. Ob die Geschichte für mich passend ist, kann ich nicht ganz genau sagen. Ich glaube ich bin eher durch und durch Europäer, weil ich tatsächlich nur durch viele Tränen und harte Arbeit an mir zuhause angekommen bin. Das mit der Wäsche stellt sich für mich auch eher so dar: Es ist so, als ob ich die Wäsche mit der Hand wasche. Da muss ich nicht alle 5 Minuten nachschauen, ich sehe wenn die Wäsche sauber ist, aber Handwäsche ist halt anstrengend und ab und zu sollte die Wäsche auch wieder neu gewaschen werden, sonst hab ich irgendwann wieder einen Berg schmutziger Wäsche vor mir.
 
M

Marlene

  • #251
WAS GESCHAH? Der Stein trat aus dem Berge.
Wer erwachte? Du und ich.
Sprache, Sprache. Mit-Stern. Neben-Erde.
Ärmer. Offen. Heimatlich.

Wohin gings? Gen Unverklungen.
Mit dem Stein gings, mit uns zwein.
Herz und Herz. Zu schwer befunden.
Schwerer werden. Leichter sein.

Paul Celan
 
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  • #252
Ich bin müde, will ins Bett.
Hänge fest an der Bedeutung "nett".
Die große Schwester fürchte ich.
Doch die kleine nehm ich gern für mich.
Aber was darüber diskutiert,
wer mit "nett" bisher schon sanktioniert...
Darüber dreht mein Kopf nur Karussell
und überhaupt nicht nett, nur viel zu schnell.

Vielleicht schimpfen über "nett" nur große Schwestern,
die vor lauter Neid nur zu gern lästern.
Da bleib ich lieber nett und klein,
denn "schei.ße" möcht ich echt nicht sein.
 
M

Marlene

  • #253
Hast Du jetzt trotzdem schlafen können, billig? Am Besten, man geht im Bewußtsein einer "Schwesternlosigkeit" durch die Welt. Unter Schwestern kann man ganz schön leiden, was die alles so sagen.....
 
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  • #254
Etwas Großartiges ging verloren.
Hilft Antonius?
Oder Schubert? Wagner?
Johanniskraut? Baldrian? Bachblüten gar?
Trauer, Verzweiflung, Wut, Angst. Das volle Programm. Zum Nulltarif.
Energie schwindet.
Irgendwann Leere.
 
M

Marlene

  • #255
"Dicherliebe" hilft.
Heinrich Heine:
"Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht...."
In der Vertonung von Schumann, der das "Nicht-Grollen" als "Doch-Grollen" wiedergibt.
So, wie es Heine auch gemeint hat.
 
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