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  • #451
Eduard Mörike

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon.
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton !
Frühling, ja, du bist´s!
Dich hab ich vernommen !
 
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  • #452
kein Gedicht

kein Gedicht, aber trotzdem wunderschön. Es gibt viele Fassungen davon im Netz, doch diese ist die schönste:

Die Liebe und der Wahnsinn

Es wird erzählt, dass alle Gefühle und Qualitäten des Menschen einmal ein Treffen hatten.
Als die Langeweile zum dritten Mal gähnte, schlug der Wahnsinn vor: "Lasst uns Verstecken spielen."
Die Intrige hob die Augenbraue und die Neugierde fragte: "Verstecken, was ist denn das?"
"Das ist ein Spiel." sagte der Wahnsinn. "Ich schließe meine Augen und zähle von 1 bis 1.000. Inzwischen versteckt Ihr Euch. Wenn ich das Zählen beendet habe, wird der Letzte, den ich finde, meinen Platz einnehmen, um das Spiel fortzusetzen."
Die Begeisterung und die Euphorie tanzten vor Freude. Die Freude machte so viele Sprünge, dass sie den letzten Schritt tat, um den Zweifel zu überzeugen und sogar die Gleichgültigkeit, die sonst an nichts Interesse zeigte, machte mit.
Aber nicht alle wollten mitmachen: Die Wahrheit bevorzugte es sich nicht zu verstecken, wozu auch? Zum Schluss würde man sie immer entdecken und der Stolz meinte, dass es ein dummes Spiel wäre (im Grunde ärgerte er sich nur, dass die Idee nicht von ihm kam) und die Feigheit zog es vor, nichts zu riskieren.
"Eins, zwei, drei,...", der Wahnsinn begann zu zählen.
Als Erstes versteckte sich die Trägheit, die sich hinter den ersten Stein fallen ließ. Der Glaube stieg zum Himmel empor und die Eifersucht versteckte sich im Schatten des Triumphes, der es aus eigener Kraft geschafft hatte, bis zur höchsten Baumkrone zu gelangen.
Die Großzügigkeit schaffte es kaum, sich selber zu verstecken, da sie bei allen Verstecken, die sie fand glaubte, ein wunderbares Versteck für einen ihrer Freunde gefunden zu haben: Ein kristallklarer See war ein wunderbares Versteck für die Schönheit. Eine dunkle Höhle, das war ein perfektes Versteck für die Angst. Der Flug eines Schmetterlings das beste Versteck für die Wollust. Ein Windstoß war großartig für die Freiheit. So versteckte sie sich letztlich selbst auf einem Sonnenstrahl.
Der Egoismus dagegen fand von Anfang an einen sehr guten Ort, luftig und gemütlich, aber nur für ihn. Die Lüge versteckte sich auf dem Meeresgrund (stimmt nicht, in Wirklichkeit versteckte sie sich hinter dem Regenbogen). Die Leidenschaft und das Verlangen im Zentrum der Vulkane. Die Vergesslichkeit..., ich habe vergessen, wo sie sich versteckte, aber das ist auch nicht so wichtig.
Als der Wahnsinn "999" zählte, hatte die Liebe noch kein Versteck gefunden. Alle Plätze schienen besetzt zu sein, bis sie den Rosenstrauch entdeckte und gerührt beschloss sich in der Blüte zu verstecken.
"1000", zählte der Wahnsinn und begann zu suchen.
Die Erste, die entdeckt wurde, war die Trägheit, nur drei Schritte vom ersten Stein entfernt. Danach hörte man den Glauben, der im Himmel mit Gott über Theologie diskutierte. Das Verlangen und die Leidenschaft hörte man im Vulkan vibrieren. In einem unachtsamen Moment fand der Wahnsinn die Eifersucht und so natürlich auch den Triumph. Den Egoismus brauchte er gar nicht zu suchen, ganz allein kam er aus seinem Versteck heraus, das sich als Bienennest entpuppt hatte.
Vom vielen Laufen bekam der Wahnsinn Durst und als er sich dem See näherte, entdeckte er die Schönheit. Mit dem Zweifel war es noch einfacher, ihn entdeckte er auf einem Zaun sitzend, weil er sich nicht entscheiden konnte, auf welcher Seite er sich verstecken sollte. So fand er einen nach dem anderen, das Talent im frischen Gras und die Angst in einer dunklen Höhle.
Nur die Liebe tauchte nirgendwo auf.
Der Wahnsinn suchte sie überall. Auf jedem Baum, in jedem Bach dieses Planeten, auf jedem Berg und als er schon aufgeben wollte, erblickte er die Rosen.
Mit einem Stöckchen fing er an, die Zweige zu bewegen, bis ein Schrei ertönte. Die Dornen hatten der Liebe die Augen ausgestochen.
Der Wahnsinn war hilflos und wusste nicht, wie er seine Tat wieder gutmachen konnte. Er weinte und entschuldigte sich und er versprach ihr, für immer ihr Blindenführer zu sein.
Seit dieser Zeit, seit zum ersten Mal auf Erden Verstecken gespielt wurde, ist die Liebe blind und der Wahnsinn immer ihr Begleiter.
der Wahnsinn!!!
danke
 
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  • #453
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  • #455
Ein Mensch bemerkt mit stillem Zorn,
dass keine Rose ohen Dorn.
Doch muss ihn noch viel mehr erbosen,
dass sehr viel Dornen ohne Rosen.
 
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  • #456
Wir latschen durchs Getreide
wir latschen durch die Saat
wir sind total verblödet
für uns bezahlt der Staat
Tschuh tschuh Lagerbuggie
ist unser buggie wuggie
Tschuh tschuh tschuh
die Zeit vergeht im Nu.

Kampflied der Jungen Apokalypse für Deutschland
 
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  • #457
An der Straße stehen Bäume
dazwischen sind die Zwischenräume
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

Joachim Ringelnatz



Ein Stinktier lag auf einer Bank
und stank, und stank.
Es hatte keine Eile
es stank vor Langeweile

auch ein Ringelnatz


Hier ne Pappel
dort ne Pappel
in der Mitt ein Perdeappel
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

weder Ringel noch Natz
 
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  • #458
An der Straße stehen Bäume
dazwischen sind die Zwischenräume
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

Joachim Ringelnatz



Ein Stinktier lag auf einer Bank
und stank, und stank.
Es hatte keine Eile
es stank vor Langeweile

auch ein Ringelnatz


Hier ne Pappel
dort ne Pappel
in der Mitt ein Perdeappel
und dahinter fließt ein Bach
Ach!

weder Ringel noch Natz
:p Ringelnatz Gedichte hat jedes meiner Kinder in der Grundschule lernen dürfen ;)
 
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  • #459
:p Ringelnatz Gedichte hat jedes meiner Kinder in der Grundschule lernen dürfen ;)
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
 
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  • #461
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
herzlichen Dank für das Zitieren!:)
ich liebe Kästner!
und wenige wissen: er konnte/durfte/ musste persönlich (natürlich in cognito) zuschauen, wie seine Bücher brannten und trotzdem ist er lebend davon gekommen... zum Glück für alle Kästner-LiebhaberInnen, siehe z.B. "Die Konferenz der Tiere":rolleyes::rolleyes::rolleyes:

übrigens Goethe ist auch nicht zu verachten, mit (und auch sonst) "Kennst du das das Land wo die Zitronen blühen ..." als Referenz für Kästner...
nach seiner ihn so glücklich machenden Italienreise geschrieben :)
in einer Zeit ohne Städteflüge und sonstigen Quatsch, als Reisen zwar noch ein Privileg aber auch ein Erlebnis sondergleichen war, das auch bildete, usw. usf. und auch ein Tempo hatte (mit Schiff, Postkutsche, Pferd, zu Fuss was auch immer), das uns zu menschlichen Wesen ja erwiesenermassen mehr passt, u.a. da Inputs besser (oder überhaupt) verarbeitet werden können, poetischer ausgedrückt, was man ja auch immer wieder hört und liest, wenn es u.a. ums sog. Langsamverkehr geht:
die Seele reiste noch mit....;)
 
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  • #462
Und wenn wir mal nix haben
und wissen keinen Rat
Hurra, wir verblöden
für uns bezahlt der Staat!
 
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  • #468
Also, wir haben das Lied 1971 auf einer Nachtwanderung mit dem katholischen Jugendpfarrer im schönen Westerwald, wo der Wind so kalt pfeift, gesungen. Da wir hier auch alle beziehungsmäßig im Dunkeln tappen und an den omnipotenten, alleinseligmachenden Lebenspartner glauben, bin ich davon ausgegangen, das das Lied ins Forum passt.
 
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  • #470
Ich hätte nicht gedacht, daass an bayrischen Bildungseinrichtungen fremdländische Dichtkunst gelehrt wird:D

Hier ist ein Werk von einem anderen fremdländischen Dichter. Er hat es (erstaunlich diese Weitsicht) bereits 1928 geschrieben. Fünf Jahre später fingen seine Werke so richtig Feuer. Immerhin starb Erich Kästner in der "Hauptstadt der Bewegung".


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.


Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.


Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Da biste baff, gell :D
Zu meiner Grundschulzeit waren es noch die Glocke oder die Lorelei ;)
 
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  • #472
Ein Rabe sass auf einem Meilenstein
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein...

Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.

Vorüber zottelte das Zapfenschwein,
der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.

"Er ist besessen!" - kam man überein.
"Man führe ihn hinweg von diesem Stein!"

Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs.
Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.

Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein
Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein...
 
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  • #473
Die Glocke
von Friedrich Schiller
Kurzform (für Schüler mit 12 Jahresabitur)

Loch in Erde, Bronze rin
Glocke fertig, bim bim bim
 
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  • #474
Wenn einer,
der mit Mühe nur
einen Baum erklommen.
Schon glaubt,
dass er ein Vogel wär.
So irrt sich der.
 
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  • #475
noch mehr Wilhelm Busch

Es ist ein Brauch von Alters her
wer Sorgen hat, hat auch Likör
 
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  • #476
IN EIGENER SACHE

Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.
Im Wald zum Beispiel! Zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.
Allein, inmitten jener Wesen,
die schreiben können und auch lesen,
die lieben könnten, doch nur hassen,
fällt mir nichts ein, da muss ich passen!


Aus dem Buch " Satierliches "

von meinem Lieblings "Dichter " Heinz Erhardt
 
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  • #477
Wieso ich Dichter wurde

Als ich das Gaslicht der Welt erblickte, war ich noch verhältnismäßig jung. Meine Eltern waren zwei Stück, und mein Vater war sehr reich:
Er hatte zwei Villen, einen guten und einen bösen. Und eines Tages - es war sehr kalt, und ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, sondern auch der Ofen war ausgegangen - teilte sich plötzlich die Wand, und eine wunderschöne Fee erschien! Sie hatte ein faltenreiches Gewand und ein ebensolches Gesicht. Sie schritt auf meine Lagerstatt zu und sprach also:"Na, mein Junge, was willst Du denn einmal werden?"
Ich antwortete - im Hinblick auf meine ziemlich feuchten Windeln:"Ach, gute Tante, vor allem möchte ich gerne ’dichter’ werden!" Das hat die Fee mißverstanden...


Heinz Erhhardt
 
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  • #478
Des Abends, wenn ich früh aufsteh
Des Abends, wenn ich früh aufsteh,
Des Morgens, wenn ich zu Bette geh,
Dann krähen die Hühner, dann gackelt der Hahn,
Dann fängt das Korn zu dreschen an.
Die Magd, die steckt den Ofen ins Feuer,
Die Frau, die schlägt drei Suppen in die Eier,
Der Knecht, der kehrt mit der Stube den Besen,
Da sitzen die Erbsen, die Kinder zu lesen.
O weh, wie sind mir die Stiefel geschwollen,
Dass sie nicht in die Beine nein wollen!
Nimm drei Pfund Stiefel und schmiere das Fett,
Dann stelle mir vor die Stiefel das Bett.

Verfasser unbekannt
 
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  • #479
Dunkel war's...
Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Auto blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
Rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
Grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
Und mit fürchterlichem Krach
Spielen in des Grases Zweigen
Zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Jüngling
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm 'ne alte Schachtel,
Zählte kaum erst sechzehn Jahr,
Und sie aß ein Butterbrot,
Das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
Hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
Wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und seine Morgenzeitung las.

Volksmund
Dieses Gedicht gibt es in unzähligen Variationen
 
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F

Flip ~ Flop

  • #480
Liebe
Liebe hört auf keine Lehre,
weiß im Leben nicht ein noch aus.
Wenn's nicht eben die Liebe wäre,
sie sperrten sie ins Irrenhaus.

Friedrich Halm
 
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