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  • #331
"...and the milk tip is brimming


and each machine is working


and I will kiss you when


I cut up one dozen new men


and you will die somewhat,


again and again."


Anne Sexton
 
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Flip- Flop

  • #332
Der Falter

Wenn der Falter fliegt,
Denkt er dann,
Sobald das Licht ihn trifft,
An Untergang?
Oder fühlt er nur neuen Lebensmut?
Durchs Licht
Die Liebe
Und stürzt sich freudig in die Glut? Wenn der Falter glüht,
ist er dann
Seinem Traum ganz nah
Oder ist ihm bang?
Verflucht er seine Leidenschaft
Und stemmt die Flügel gegens Licht
mit allerletzter Kraft?

Wenn der Falter stirbt,
Fühlt er dann
Seines Herzens letzten Schlag
Und weißt er dann
Dass dieses Licht ihn mit Undendlichkeit belohnt,

Dass mit dem Licht sich sein ganzes Leben gelohnt?

Isabel Tuengerthal
 
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fleurdelis

  • #333
Sinnenrausch im Maienregen


Dein sünd’ger Mund, ist meine Totengruft,

betäubend ist sein süßer Atemduft.

Denn meine Tugenden entschliefen.

Ich trinke sinnberauscht aus seiner Quelle,

und sinke willenlos in ihre Tiefen,

verklärten Blickes in die Hölle.


Mein heißer Leib erglüht in seinem Hauch,

er zittert, wie ein junger Rosenstrauch,

geküsst vom warmen Maienregen.

Ich folge dir ins wilde Land der Sünde

und pflücke Feuerlilien auf den Wegen,

wenn ich die Heimat auch nicht wiederfinde.


Else Lasker-Schüler
 
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  • #334
Ein Personenzug fuhr vor vielen Jahren von Deutschland nach Österreich.
Auf der Bordtoilette fand sich die Anordnung der Bahn, dass die Zeit zur Benutzung der Toilette auf 5 Minuten begrenzt sei.

Es schloss sich folgender Text an:
Wer hier mal was verrichten will, der möge sich mal sputen,
die Bahnverwaltung gönnt ihm nur, zum Kacken fünf Minuten.

Ein Berliner schreibt darunter:
Wer dieses hier geschrieben hat, das war bestimmt ein Bayer,
die fressen viel und saufen viel und scheißen wie die Reiher.

Ein Bayer schreibt:
Wer dieses hier geschrieben hat, der kommt bestimmt aus Preußen,
denn wer nicht viel zum Fressen hat, hat auch nicht viel zum Scheißen.

Ein Schwabe schreibt:
Sehr hier die deutsche Einigkeit, hier tut's sich nicht beweisen,
dem einen gönnens Fressen nicht, dem andern nicht das Scheißen.

Zu guter Letzt ein Österreicher:
Wer Freud und Eintracht sehen will, der braucht nicht weit zu wandern,
bei uns im schönen Österreich scheißt einer auf den andern.
 
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  • #335
Der Traum
Ich hatte diese Nacht einen seltsamen Traum.
Wieso g’rade ich, das glaubt man doch kaum?
Ich bin ja kein Muslim, kein Jude, kein Christ,
sondern nur ein ungläubiger Atheist.
In meinem Traum, der mich machte betroffen,
habe ich den lieben Gott getroffen.

ER sagte zu mir, was machst du für ein Gesicht?
Ich fragte ihn, ja siehst du denn nicht,
was hier auf der Erde so vor sich geht
und wie der Mensch Nächstenliebe versteht.
Er liebt sicher das, was am nächsten ihm liegt.
Er liebt Geld und liebt Macht. Dafür führt er auch Krieg.

Die Natur wird zerstört. Die Tiere, die leiden.
Uns’re Enkel sind wirklich nicht zu beneiden,
um das, was wir ihnen mal hinterlassen
und im Endeffekt, es ist nicht zu fassen,
sagen diejenigen, die hier alles zerstören,
sie würden auf deine Worte nur hören.
Sag, lieber Gott, ich kann es nicht raffen,
wie konntest du solche Menschen erschaffen?

Ich machte eine Pause. Da sprach Gott zu mir,
hier liegst du falsch, doch ich erkläre es dir.
Was ihr Menschen auch macht, da kann ich nichts dafür.
Ich seh das auch alles. Manchmal graust es auch mir.
Ihr braucht keinen Koran, keine Bibel zu fragen.
Worauf es wirklich ankommt, das will ich dir sagen.
Damit ihr wisst, was ihr wirklich tun sollt im Leben,
habe ich euch dereinst das Gewissen gegeben.

Hätt ich gewollt, dass ihr tut nur, was der großen Sache nützt,
dann hätt ich mir dereinst Marionetten geschnitzt.
Ich hab euch stattdessen den freien Willen gegeben,
mit der Hoffnung, dass ihr etwas macht aus euer’m Leben.

Ich fragte den lieben Gott, was kann ich als Einzelner machen.
Er sagte, da gibt es so viele kleine Sachen.
Du glaubst ja doch nicht an mich, also mußt du mich nicht fragen.
Was du tun sollst, das kann dein Gewissen dir sagen.
Ist es noch nicht ganz verkümmert, dann wird es dir raten
deinem Nächsten zu helfen, anstatt ihm zu schaden.
Warte nicht auf die Ander’n, die mehr als du besitzen.
Nur wenn selbst du etwas tust, wird es der Gesellschaft nützen.
Du bist nur ein Einzelner, das seh ich schon ein,
Doch viele wie du, könnten eine Mehrheit sein.

Ich erwachte am Morgen, vom Traum ganz benommen.
Es wenigstens zu versuchen, hab ich mir vorgenommen.

Dietmar Geister
 
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  • #337
Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff
 
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  • #340
Ich hatte heut halt so den Blues. Bißchen Selbstmitleid, weiter nix. Kommt vor. Immer mal wieder.

Mir haben schon mal Leute empfohlen, man solle seine Gefühle so nehmen, wie sie kommen. Oder so ähnlich. Ich übe halt noch. o_O
 
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Hafensänger

  • #341
fafner, ich helfe dir gerne über die Straße. "ratte", mit der du dich so gut verstehst, kannst du auch wieder evelina, Sieben, Stern, Hibiscus und etwa 10 weitere Nicks nennen.
 
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ratte

  • #342
fafner, ich helfe dir gerne über die Straße. "ratte", mit der du dich so gut verstehst, kannst du auch wieder evelina, Sieben, Stern, Hibiscus und etwa 10 weitere Nicks nennen.

so ein Mist, jetzt hat mich mein Ex: Death by Chocolate, Unbewusst, Lanzelot, Boiled Frog, Ink Pot und eine endlose Menge weiterer Namen nach mehreren Monaten hier im Forum doch erkannt..das ist Pech...mit dem hab ichs nicht mehr so...

Für dich, Ex, zur Info: Wenn jetzt ein blöder Kommentar von dir zum Tod meines wunderbaren Vaters kommt (so etwas wie dein Kommentar zum Tod meiner Mutter vor wenigen Wochen ala: "Ich dachte, das wäre schon erledigt gewesen"), rundest du dein Bild weiter ab.
 
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Hafensänger

  • #343
Was denkst du? Sicher nicht. Allerdings passen nur DBC, unbewusst und Boiled Frog, den Rest und weitere hast du mir - passend zum Thread - hartnäckig angedichtet. Und Boiled Frog wurde übrigens von der Forenadministration auf meinen Wunsch in Hafensänger umbenannt, weil mein erster, Hafensängers Onkel, nicht mehr möglich war. Der "Boiled Frog" war für dich, der Hafensänger für mich! Für mich ist das schon länger erledigt. Vielleicht versuchst du es auch mal so. Ich erkenne dich nach spätestens 15 Posts, selbst wenn du es darauf anlegst..
 
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  • #344
@Hafensänger, Du willst Dir halt hier nur mal ein wenig Machtgefühle verschaffen. Das ist so armselig.

Und was immer Du Dir in Deinem Hirn zusammenspinnst, laß es lieber drin. Niemand braucht das. Und es stimmt sowieso nix.
 
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Hafensänger

  • #346
Sicher.

Und fafner, erzähl dir selbst was .
 
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ratte

  • #347
fafner, ignorier ihn einfach...er soll sich mit seiner Rosinante zusammen eine andere Windmühle suchen...
 
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Flip- Flop

  • #348
Erinnerungen an das große Glück

Die Tage kommen schnell gezogen
und eilen rasend durch das Land,
man wird der Gegenwart betrogen
und gibt das Schönste aus der Hand:
Erinnerungen an das große Glück–
Nichts bringt uns diese Zeit zurück.

Anna Haneken,
 
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  • #349
Schön, ein Haiku von Issa (Kobayashi Yataro, 1763-1827)

Ein Zug von Segeln
So nach und nach dort aufsteigt:
Die Haufenwolken.
 
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  • #350
Einst machte ich mir ein Bild von dir und liebte es.
Später machte ich mir ein Bild von dir und empfand Freundschaft.
Jetzt sehe ich dich und wende mich ab.
 
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Flip- Flop

  • #351
Ist es denn Unrecht, wenn ich für euch erglühte?
Und Schmach, wenn ich in Eures Leibes Pracht,
Die Samt und Seide neidisch überdacht,
Gedankenvoll mit meinen Wünschen wüte?
Verstattet diesem hitzigen Geblüte,
Daß es an Euer Liebespförtchen poch!
Dann seufzt ihr wohl:
"Wie, werter Freund, schon müde?
Nur einmal noch!"

Francois Rabelais
 
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  • #352
Das Leben kommt auf alle Fälle
aus einer Zelle
und endet oft bei Strolchen
in einer solchen.

Erster Hauptsatz der Zytobiologie
von Heinz Erhardt
 
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  • #353
Es ist November und der Regen,
kriecht durch die Kleider auf die Haut,
ich geh' alleine auf den Wegen,
die mir vom Sommer her vertraut.

Wem wohl die kalten Tage nützen,
was gestern lebte ist heut' taub,
und in den schmutzig grauen Pfützen
ertrinkt der Bäume welkes Laub.

An ein paar Zweigen hängen Blätter,
die heute Nacht der Wind vergaß,
den Pavillon versperren Bretter,
wo manches Liebespärchen saß.

Sogar die Nester in den Bäumen,
sind ohne Leben, ohne Sinn,
und mir alleine bleibt das Träumen,
weil ich ein Mensch mit Träumen bin.

Ich bin auf einmal so alleine,
wo ist das Glück, das einst begann?
Die kahlen Bäume und die Steine,
die schaun mich durch den Regen an.

Ich suche oben in den Sternen,
ein wenig Trost für mein Geschick.
Doch der, der Trost sucht sollte lernen,
er ist vergänglich wie das Glück.

Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen,
das uns die Kraft zum Atmen schenkt.
Zwar bleiben viele Wünsche offen,
weil irgendwer das Schicksal lenkt.

Solange hier bei uns auf Erden,
man einen Hauch von Leben spürt,
so sorgt das Schicksal für das Werden
und gibt das Glück, wem Glück gebührt.

LIedtext Alexandra
 
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  • #354
Dein Schweigen

Du entfernst dich so schnell
Längst vorüber den Säulen des Herakles
Auf dem Rücken von niemals
Geloteten Meeren
Unter Bahnen von niemals
Berechneten Sternen
Treibst Du
Mit offenen Augen.

Dein Schweigen
Meine Stimme
Dein Ruhen
Mein Gehen
Dein Allesvorüber
Mein Immernochda.

Marie Luise Kaschnitz
 
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  • #355
William Shakespeare
Sonett 116

Nichts kann den Bund zwei treuer Herzen hindern,
Die wahrhaft gleichgestimmt. Lieb' ist nicht Liebe,
Die Trennung oder Wechsel könnte mindern,
Die nicht unwandelbar im Wandel bliebe.

O nein! Sie ist ein ewig festes Ziel,
Das unerschüttert bleibt in Sturm und Wogen,
Ein Stern für jeder irren Barke Kiel, –
Kein Höhenmaß hat seinen Werth erwogen.

Lieb' ist kein Narr der Zeit, ob Rosenmunde
Und Wangen auch verblühn im Lauf der Zeit –
Sie aber wechselt nicht mit Tag und Stunde,
Ihr Ziel ist endlos, wie die Ewigkeit.

Wenn dies bei mir als Irrthum sich ergiebt,
So schrieb ich nie, hat nie ein Mann geliebt.
 
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  • #356
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  • #357
Der König Erl
Wer reitet so spät durch Wind und Nacht ?
Es ist der Vater. Es ist gleich acht.
Im Arm den Knaben er wohl hält,
er hält ihn warm, denn er ist erkält'.
Halb drei, halb fünf. Es wird schon hell.
Noch immer reitet der Vater schnell.
Erreicht den Hof mit Müh und Not ---
der Knabe lebt, das Pferd ist tot!

Heinz Erhardt
 
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  • #358
Ohne ein obskures Objekt meiner Begierde, das ich angeifern kann, kommt nur so was Blödes raus
Deshalb heißt es auch ..........


……….

Ich küsse dich ganz heiß und fest

weil du mich an die……...läßt.

Ich spüre dich in Herz und…….

und fühle mich im siebten Himmel

Ich schweb vor Glück über dem Boden

es kribbelt mir bis in die ……...
 
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  • #359
es hängt ein Büstenhalter an der Wand
und was darin war halt ich in der Hand
wenn man mich fragt, warum ich denn so traurig bin
sag ich, es war nur Schaumgummi drin
 
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  • #360
Mauern
Wir gehen aneinander vorüber,
Jeder in sich und sein Schicksal gebannt
Wir schicken Gruß und Gebärde hinüber
und leben jeder in anderem Land...
Aber hinter Wällen und Mauern,
Die sich unsichtbar zwischen uns baun,
Lebt der einsamen Seelen Trauern
Und der verwirrten Geschöpfe Graun.
Suchender Sehnsucht trübe Funken
Schwirren über den Mauerrand
Aber schon hat sie die Nacht getrunken,
Ehe das Licht zum Ziele fand...
Und von der nächtlichen Schwermut Fächeln,
Von der Wehmut des jähen Verwehns
Bleibt nur der wissenden Seele Lächeln
Über den kurzen Trug des Verstehns.
Alles wähnt, im andern zu leben
Wenige küssen im Dunkeln sich sacht,
Wenn die Mauern klingend erbeben
Doch über allen brütet die Nacht.

Kurt Walter Goldschmidt
 
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