Heiko2

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  • #61
AW: Die Geister, die ich weiter rufe.....

Zitat von iceage:
Warum verhindert Selbstwert Partnerhopping oder Parshipjunkietum? Ja, es trifft dich nicht so tief, weil du weißt, dass die Ursache eine andere ist, aber vor Vorgaukelei, welcher Art auch immer, nur damit er dich in die Kiste bringt, ist das kein Schutz oder?

Die Frage ist berechtigt. Du kannst natürlich ausgeprägte Selbstwertgefühle haben und dennoch andere Menschen benutzten, ausnutzen, austauschen d.h. als Egomane durchs Leben gehen. Nur dieses Verhalten würde voraussetzen, dass Du nie das Gefühl oder den Wunsch hast, Dich selber anzulehnen, fallen zu lassen, aufgefangen zu werden. Du zweifelst nie an Dir, reflektierst nicht Dein Verhalten. Falls Du doch diese Wünsche oder Zweifel hättest würdest Du schließlich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit riskieren genauso von anderen behandelt zu werden, wie Deine eigene Lebensphilosphie ist.

Hast Du ausgeprägte Selbstwertgefühle und für Dich realisiert, dass Du Teil einer Gemeinschaft bist und auch Du Rückendeckung, Hilfe, Unterstützung benötigst, wirst Du alleine aus egoistischen Motiven - mit dem Begriff Gutmensch habe ich auch so meine Probleme - anders Denken und Handeln. Du wirst dem anderen die gleichen Rechte zugestehen, die Du für Dich einforderst. Folglich wirst Du den Anderen nicht benutzen, ausnutzen oder austauschen. Du wirst alles Dir mögliche tun, ihn oder sie so zu behandeln, wie Du selber behandelt werden möchtest.

Natürlich riskierst Du, dass der andere dieses - sagen wir mal - egomanische Lebensmodell auslebt. Doch hier ist die Gefahr meiner Ansicht nach relativ gering. In der Regel wirst Du das anziehen, was Du selber ausstrahlst und das hat sehr wenig mit der Show oder dem Blendwerk, der Scheinwelt zu tun, die anderen so wichtig ist. Meine eigenen Lebenserfahrungen bestätigen mir jedenfalls diese Thesen.
 

SineNomine

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  • #62
AW: Die Geister, die ich weiter rufe.....

Zitat von No_Kitty:
Und was heisst schon, dass man den eigenen Ansprüchen nicht genügt? Ist das nicht schon ein zu hoher Anspruch? Aus meiner Sicht schon.

Hmm, ich finde es richtig und wichtig an sich selbst hohe Ansprüche zu stellen, höhere jedenfalls als die, die man anderen gegenüber hat und formuliert. Die Motivation die daraus resultiert hast Du ja schon genannt. Ebenso die Kehrseite: Wer hohe Ansprüche an sich selbst hat wird sie selten in Gänze erreichen und insofern lernen müssen mit dem eigenen partiellen "Scheitern", mit dem Mangel an Perfektion bei sich selbst, zu leben. Die Frage ist, wie man mit den kleineren und größeren Unzulänglichkieten an einem selbst umgeht, ob man sich derentwegen selbst zerfleicht oder einen eher "humorvollen" Umgang mit sich selbst pflegt. Das richtige Gleichgewicht zwischen einer gewissen Grundzufriedenheit mit dem Erreichten und dem Streben nach Perfektion zu finden ist vermutlich eine der zentralen Aufgaben unseres Lebens.


Zitat von No_Kitty:
Ich versuche mit mir selbst zuerst Frieden zu machen, [...]

Noch so eine Lebensaufgabe: Frieden mit sich selbst schliessen. Und zwar in Kenntnis all der Macken und Spleens die man so mit sich herumträgt, in Kenntnis all der Fehler und Schwächen die man so hat. Aber eben auch in dem Wissen, dass es auch reichlich Stärken gibt, dass vieles abhängig von der konkreten Situation mal das eine und mal das andere ist. Wenn ich das bei mir schaffe, wenn ich gut mit mir selbst klarkomme, dann stehen die Chancen auch andere Menschen in all ihrem Facettenreichtum annehmen zu können gar nicht soo schlecht.
 

SineNomine

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  • #63
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Ich empfehle nicht jedem, es so zu machen wie ich.

Damit wir uns richtig verstehen: Auch ich tue das nicht. Mein Leben ist mein Leben, andere müssen ihr Leben leben, und zwar so, wie sie das für richtig halten. Manche Lebenshaltung mancher Zeitgenossen mag mir mißfallen, aber im Kern hat auch sie die gleiche Existenzberechtigung wie die meine: Es gibt jemanden, der genau so leben will.


Zitat von Heike:
Man kann natürlich die Diagnose geben, die Menschen würden sich alle an etwas orientieren, eben materiellem Besitz, was doch eigentlich, sozusagen “objektiv” besehen, gar keine solche Rolle mehr spielt und nur aus Steinzeitrelikten zu erklären ist.

Nun, Fakt ist, dass wir heute noch von Ängsten und Sorgen geplagt werden, die wir in direkter Linie von unseren Vorfahren aus der Steinzeithöhle übernommen haben. Und Fakt ist auch, dass zumindest ein Teil dieser Ängste und Sorgen im Grunde nicht mehr zu unserer Lebenswirklichkeit passen. Die Bewertung dieser simplen Fakten muss jeder von uns für sich selbst vornehmen und sich überlegen, wie er mit solchen ja durchaus real und tief empfundenen Ängsten umgeht. Es ist ja nicht so, dass der Steinzeitmensch mit seinen Ängsten nicht auch in mir stecken würde, aber ich habe sie mir an manchen Stellen bewusst gemacht, und das versetzt mich in die Lage mich vergleichweise frei zu entscheiden welchen Weg ich für mein Leben wähle, welchen Ängsten ich vertraue und welche ich bewusst ignoriere.


Zitat von Heike:
Es hat eine starke Bedeutung, weil es ziemlich universal ist.

Natürlich hat Geld eine starke Bedeutung, durchaus auch für mein Leben. Aber es gibt eben auch noch reichlich andere Dinge die eine starke Bedeutung haben. Insbesondere dann, wenn all die Dinge, für die Geld von besonderer Beudeutung für mein Leben ist schon weitgehend geregelt sind. Mit einem Dach über dem Kopf, einem gut gefüllten Kühlschrank, einem ebenso gut gefüllten Kleiderschrank und jedem weiteren von mir benötigten materiellen Besitz verliert, jedenfalls für mich, Geld zunehmend an Bedeutung.

Andere sehen das offenkundig anders, für andere hat Geld quasi einen Wert in sich, ihr gutes Recht.
Aber ich erlaube mir durchaus die Frage zu stellen, ob die, die ihr Leben sehr stark in Richtung materiellen Besitz und Wohlstand ausrichten und sich gleichzeitig über fehlendes Glück in ihrem Leben beklagen da nicht vielleicht genau diesen Zusammenhang --- je mehr Besitz ich habe, desto weniger "gibt" mir noch mehr Besitz --- übersehen.


Zitat von Heike:
Nach Anerkennung, Aufmerksamkeit usw. zu streben, daran ist nichts grundsätzlich falsches.

Das hat auch niemand behauptet. Und selbst nach Anerkennung in Form von materiellem Besitz zu streben ist nicht grundsätzlich falsch. Aber es gibt eben auch noch ganz andere Formen der Anerkennung. Und spätestens dann, wenn ich für mich merke, dass mir trotz reichlich materiellem Besitz etwas in meinem Leben zu fehlen scheint wäre es mitunter nicht verkehrt mal darüber nachzudenken, ob es vielleicht diese anderen Formen der Anerkennung sind, die mir da fehlen.

Die ganze Diskussion klingt gerade ein wenig nach "Entweder... oder", entweder mir ist Geld wichtig oder mir sind andere Dinge wichtig. In der Realität ist es immer ein "Sowohl... als auch". Jeder muss für sich das richtige Gleichgewicht finden, und mein Eindruck ist, dass bei vielen die Waagschale recht einseitig befüllt ist. Solange man sich desen bewusst ist und kein Problem damit hat ist das völlig in Ordnung. Aber man sollte sich dessen eben bewusst sein. Und wenn man ein Problem damit hat, dann lohnt es vielleicht die Waagschalen mal etwas ausgeglichener zu befüllen.


Zitat von Heike:
All denen, die Anerkennung auch stark am Geld und materiellen Besitz festmachen, zu sagen: hey, ihr macht einen Fehler, das ist Steinzeit, scheint mir zu kurz gegriffen.

Das wäre es sicher auch, ja.

Aber der Punkt ist nicht der obige, sondern vielmehr "Wenn ihr nach Geld und materiellem Besitz strebt und Euch trotz guten Erfolgs auf diesem Weg etwas zu fehlen scheint, dann denkt vielleicht mal darüber nach an der einen oder anderen Stelle einen Abstecher von Eurem Weg einzulegen.". Wer mit Geld und materiellem Besitz alleine glücklich ist oder wird, der soll es gerne sein. Ich wäre es sicher nicht und mein Eindruck ist, dass es viele andere auch nicht sind und dass von denen ein guter Teil gut beraten wäre mal intensiver darüber nachzudenken, was sie ggf. glücklich(er) machen könnte --- die Antwort wird meiner Einschätzun nach eher selten "Noch mehr Geld, noch mehr Besitz" lauten.
 

Heike

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  • #64
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Wenn wir schon bei Zeitdiagnosen sind: Ich nehme an, zu keiner Zeit und in keiner anderen Gesellschaft dürften die Menschen mehr damit beschäftigt gewesen sein als in unserer, sich ums Glück zu bemühen.
So unterschiedlich die Wertvorstellungen ja sind, darin kommen doch so ziemlich alle überein: jeder solle (nach seiner Facon) glücklich sein. Das wirkt wie ein Imperativ. Das kommt ja auch hier auf jeder zweiten Seite: du allein bist für dein Glück verantwortlich! Nicht dein Partner, nicht Freunde, nicht die Gesellschaft. Sondern du selbst! Du kannst! Und stillschweigend: du sollst!
Und wenn die Bilanz zwischen Versuch und Ergebnis doch offenbar nicht so erfolgreich aussieht, kann das natürlich daran liegen, daß viele Menschen sich darüber täuschen, was sie glücklich macht. Glaub ich aber gar nicht mal so sehr.
Vielleicht liegt es ja gar nicht so sehr an den Mitteln, sondern in der Art der Zielsetzung. Darin, Glück bewerkstelligen zu wollen und als Leistbares aufzufassen.
Womit zugleich gilt: wer nicht glücklich genug ist, muß ein Versager sein. Er schafft es halt nicht.
Versager will man natürlich nicht sein. Also: noch mehr dem Glück hinterherhecheln. Noch mehr Glücksangebote durchgucken. Oder noch mehr Selbstfindung. Noch mehr Glückslose kaufen. Noch mehr Länder bereisen. Noch größere Familie gründen. Noch mehr Ballast abwerfen, um dem “Wesentlichen” noch näherzukommen...
Das alles hat gar nichts mit der Unterscheidung von Materiellem/Immateriellem zu tun, sondern kann gleichermaßen für Geld, Lebensanschauungen, Beziehungen, Selbstfindungen und sonstwas gelten.
 

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  • #65
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Mit Verlaub und bei allem Respekt, aber das Deutschland der 60er war weder diesseits noch jenseits der Mauer von sonderlich viel mehr Ehrlichkeit, Rücksichtnahme oder Respekt geprägt, weder im Großen, auf staatlicher und gesellschaftlicher Ebene noch im Kleinen, beim Umgang miteinander.




Aha. "Prügelperser", der Tod von Benno Ohnesorg und ähnliche Gewaltexesse waren dann vermutlich Erfindungen der bösen linken Verleumdungspresse. ;-)

Natürlich waren solche Vorfälle damals Einzelfälle, natürlich war das eher die Ausnahme denn die Regel. Und das ist heute auch noch so. Wären Klappmesser, Schlagringe und Gaspistolen nur halb so verbreitet wie von Dir suggeriert würden wir davon nicht alle paar Monate sondern alle paar Tage in der Zeitung lesen.




Das Wort war sicher noch unbekannt, aber der Vorgang als solcher dürfte ähnlich alt wie die Menschheit selbst sein. Man schaue sich beispielsweise nur an, wie der damalige Umgang mit Homosexuellen war, wie mit den sog. "Gastarbeitern" umgegangen wurde, was sich so manche Mutter eines unehelichen Kindes anhören durfte, ... --- nicht, dass wir da heute signifikant weiter wären, aber schlechter gewoden ist unser Umgang miteinander in der Summe auch nicht.




Tja, in meiner Generation, ein zwei Jahrzehnte später, waren sogar schon Lehrer, die Großeltern und der Fußballtrainer in die Riege der Respektspersonen aufgestiegen. Und die ach-so-böse "Jugend von heute" respektiert vielleicht sogar schon jeden Menschen, egal ob alt oder jung, Verwandter oder nicht, blond und blauäugig oder mit schwarzem Haar, dunkler Haut und braunen Augen, in gleicher Weise?




Und das solches Verhalten durch Fernsehreportagen u.ä. schon in den 60er und 70er Jahren --- übrigens mit exakt den gleichen Ausreden mit denen wir es heute immer noch probieren --- belegt ist ist vermutlich reiner Zufall. :)


Für jede Meinung gibt es meistens eine entsprechende Gegenmeinung. Ich habe hier lediglich meine Eindrücke dargestellt. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf deine permanenten Einwände eingehen, da dies vermutlich unendlich weitergeführt werden könnte, ohne großartigen Sinn.

In diesem Sinne freut es mich für dich, dass du mit der derzeitigen Welt im Großen und Ganzen ganz zufrieden zu sein scheinst und deiner Umwelt viele gute Dinge abgewinnen kannst.
 

Mathilda

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  • #66
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

P.S.

Bei meinem erwähnten Ratgeber bedarf es keiner Sportart und man braucht auch nicht vor die Tür!
Vielmehr: Es bedarf überhaupt keiner anderen Person dazu! DAS gerade ists ja!

Wie es kommt, dass es trotz Leidensdruck leichter ist, zu leiden,
anstatt Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und zu handeln, ist völlig
banal.
Weil, dann muss man ja was tun.

Ein Grund, warum ich nicht an Schicksal glaube. Weil, dann könnt ich mich ja entspannt
zurück lehnen, wäre eh alles bereits vorgegeben.

"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"

Und auch ein Grund, warum ich vor jedem Selbstmörder den Hut ziehe.
Der hat bewusst GEHANDELT!

Es liegt mir fern, hier Reklame zu machen. Wollte nur ein unangenehmes Beispiel aufführen, zum Verständnis.
 

SineNomine

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  • #67
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Wenn wir schon bei Zeitdiagnosen sind: Ich nehme an, zu keiner Zeit und in keiner anderen Gesellschaft dürften die Menschen mehr damit beschäftigt gewesen sein als in unserer, sich ums Glück zu bemühen.

In der Tat, ja. Und zwar so sehr, dass wir manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.


Zitat von Heike:
Vielleicht liegt es ja gar nicht so sehr an den Mitteln, sondern in der Art der Zielsetzung. Darin, Glück bewerkstelligen zu wollen und als Leistbares aufzufassen.

D'accord. Je krampfhafter man nach "Glück" sucht, desto unwahrscheinlicher wird es vermutlich nachhaltiges Glück zu finden. Man kann versuchen sich vielleicht eine gewisse Offenheit, Antennen, für das eigene Glück bewahren und sich das eine oder andere unbewusste Muster bewusst machen. Aber ob am Wegesrand nun eine duftende Blume oder ein stinkender Hundehaufen auf uns wartet, ob der neue Kontakt auf Parship nun wirklich unser sprichwörtlicher "Deckel" ist oder doch "nur" ein netter aber letztlich dann doch nicht als Partner zu uns passender Mensch, das ist am Ende dem Zufall, dem Glück, überlassen.


Zitat von Heike:
Das alles hat gar nichts mit der Unterscheidung von Materiellem/Immateriellem zu tun, sondern kann gleichermaßen für Geld, Lebensanschauungen, Beziehungen, Selbstfindungen und sonstwas gelten.

Auch dazu Zustimmung. Man kann die von mir angesprochenen Waagschalen natürlich nicht nur mit Geld und Besitz sondern auch mit allem anderen überfrachten und so aus dem Gleichgewicht bringen, mit im Wesentlichen den gleichen Folgen für das persönliche Glücksempfinden.
 

No_Kitty

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  • #68
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
So unterschiedlich die Wertvorstellungen ja sind, darin kommen doch so ziemlich alle überein: jeder solle (nach seiner Facon) glücklich sein. Das wirkt wie ein Imperativ. Das kommt ja auch hier auf jeder zweiten Seite: du allein bist für dein Glück verantwortlich! Nicht dein Partner, nicht Freunde, nicht die Gesellschaft. Sondern du selbst! Du kannst! Und stillschweigend: du sollst!

Jeder kann, darf und soll so glücklich oder unglücklich sein wie er / sie es im Leben sein möchte.
Ich halte es für eine schwere Aufgabe, immer glücklich sein zu wollen. Mir fehlt manchmal die Ausdauer die anderen Zustände auszuhalten. Mehr geht es darum mit meinen Entscheidungen im Leben umzugehen und sie für mich zu akzeptieren.

Ist jemand der gerade unglücklich ist, automatisch ein Loser? Er/sie kann ein hochintegrer Mensch sein, authentisch, liebenswert, der nach wichtigen Grundsätzen lebt. Dieser Mensch darf auch an sich zweifeln, darf auch Fehlschläge erleben und durch Täler schreiten. Es gibt nicht nur die Zustände schön, toll, angenehm, sondern auch die Kehrseite.

Es passiert im Leben einiges einfach so, ohne dass ich darauf Einfluss nehmen kann - aus Zufall oder der Aktion anderer. Ich kann entscheiden, wie ich mit dem, was mir passiert, umgehe.

Zitat von Heike:
Und wenn die Bilanz zwischen Versuch und Ergebnis doch offenbar nicht so erfolgreich aussieht, kann das natürlich daran liegen, daß viele Menschen sich darüber täuschen, was sie glücklich macht. Glaub ich aber gar nicht mal so sehr.

Aus meinem Leben habe ich gelernt, dass das, was mich in einem Moment glücklich macht, mich in einem anderen unglücklich machen kann. Einen anderen Menschen zu treffen, ist hochemotional in der Partnersuche. Es kann wunderschön sein, muss es aber nicht. Ob es der Partner ist, der zu mir passt, weiss ich nicht am Anfang, genauso wenig wie er. Wenn die Anfangshormone verflogen sind, was bleibt dann: nur sehnsuchtsvolle Rückschau oder bleibt die Perspektive, der Gleichklang, die gemeinsamen Werte? Wenn das Ideal wichtiger ist als das real Erlebte, dann wird wohl der Suchmodus wieder aktiviert.

Für mich ist es bunt, was das Leben mir bietet, mal laut und mal leise, immer wieder anders. Und wenn ich es schaffe, meine Ansprüche und Wünsche mit dem, was gerade so in meinem Leben los ist, in Einklang zu bringen, dann geht es mir richtig gut. Und auch das versuche ich mir klar zu machen, dass das so ist. Das gelingt mir... mit wechselndem Erfolg ;o) Und damit rufe ich keinen Geist, sondern bin in meinem Leben.
 

Heike

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  • #69
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Klar, jeder wie er möchte. Nur hat man sich nicht wiederum "frei" ausgesucht, was man mag.
Und das Glück: Ja, es dürfte einen überfordern, ständig überglücklich sein zu wollen. Wollen die meisten Menschen ja auch gar nicht sein. Die backen kleinere Brötchen. Und trotz des kleineren Anspruchs erreichen sie oft ihr Ziel nicht. Obwohl sie doch könnten. Weils ja von ihnen abhängt.
Und auch das allgegenwärtige "Ich fühl mich gut und bin supertoll drauf!" gibts nicht nur in Formen, von denen man sich schnell distanziert. Sondern zeigt sich etwa auch hier, wenn das Startposting kaum ausgehalten werden kann und der Schreiber ständig belehrt wird, er mache was falsch und solle es doch so und so anders machen.
Eins der Probleme am positive-thinking ist, daß es alles andere gleich in die Ecke des negative-thinking zu stecken droht. Das ist unfein.
Und das positive thinking gibts nicht nur in der Form des strahlenden Zahnpastalächelns. Da ist es leicht zu erkennen und deswegen harmlos. Ich finde die weniger deutlich sichtbaren Formen davon interessanter.
 
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  • #70
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Und das Glück: Ja, es dürfte einen überfordern, ständig überglücklich sein zu wollen. Wollen die meisten Menschen ja auch gar nicht sein. Die backen kleinere Brötchen. Und trotz des kleineren Anspruchs erreichen sie oft ihr Ziel nicht. Obwohl sie doch könnten. Weils ja von ihnen abhängt.
Und auch das allgegenwärtige "Ich fühl mich gut und bin supertoll drauf!" gibts nicht nur in Formen, von denen man sich schnell distanziert. Sondern zeigt sich etwa auch hier, wenn das Startposting kaum ausgehalten werden kann und der Schreiber ständig belehrt wird, er mache was falsch und solle es doch so und so anders machen.

Ich finde es auch schwierig, wenn die "Glücks-Erwartungen" anderer als Maßstab für mein Glück herangezogen werden. So ist mich z.B. Freitag im "Übergänge"-Thread harsch angegangen, weil ich ihm erstens zu selbstgefällig in meiner Single-Zufriedenheit erschien, die er, zweitens, als solche auch grundsätzlich in Frage gestellt hat. Denn es kann ja nur so sein, dass man sich selbst belügt, wenn man sein Leben auch ohne Partner mag.
Mich stören diese Ziel-Vorgaben (höher, schneller, weiter...) übrigens auch im Job. Auch da herrscht ja, zumal in höher qualifizierten Berufen, häufig die Ideologie, man müsse permanent nach 'Höherem' streben (Karriere machen). Ich mache z.B. meinen Beruf ausgeprochen gern und würde das, was daran am meisten liebe, weitgehend verlieren, wenn ich mich in der Hierarchie weiter nach oben begebe. Da kann man dann auch sagen: Falsch! Man muss doch Ziele haben! Gerade als Frau! Aber wozu...?
 

Heike

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  • #71
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Foristin:
Ich finde es auch schwierig, wenn die "Glücks-Erwartungen" anderer als Maßstab für mein Glück herangezogen werden.

Es gibt ja auch noch anderes als Glück oder Glücksempfinden. Wenn jemand nur glücklich sein kann, wenn er nicht in den eigenen Keller schaut, kann ich manchmal doch Anlaß haben, ihm zu empfehlen, in den Keller zu schauen.
 

maddib

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  • #73
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hhmm, ich habe mir ernsthaft überlegt, ob ich den ganzen Beitrag von Kiss_slowly wirklich durchlesen soll ;-) Aber - trotz aller gesellschaftskritischer Ausschweifungen und negativer Untertöne muss ich sagen, möchte ich nur HOFFEN, dass es mir irgendwann nicht auch so ergehen wird.
Ich denke, dieser Beitrag trifft das "Kernproblem" der ganzen "Veranstaltung" Online Partnersuche. Und ich glaube, dass dieser Beitrag eben genau das Gegenteil von nüchtern und kalt ist, nämlich in erster Linie sehr emotional. Und was suchen wir denn hier, wenn nicht Emotionen? Und wenn gerade die Emotionen und Authentizität hierbei (irgendwann) auf der Strecke bleiben, ist es nicht der richtige Weg. Und das ist eigentlich alles, was er für sich festgestellt hat.
Ich glaube, dass mittlerweile nicht wenige zu dieser persönlichen Erkenntnis gekommen sind, egal, ob sie nun weitermachen oder nicht. Die Frage ist vielleicht nur, woran liegt's?
Ich meine, ein paar Antworten liegen auf der Hand, die uns in dem Beitrag auch aufgezeigt werden...

Dating Durchsatz
Ich denke, keine Generation "vor uns" hat in ihrem Leben so viele Dates gehabt, wie man hier erreichen kann - in relativ kurzer Zeit. Das ist ja auch eigentlich schön so, nur wenn ich das so näher betrachte, kommt es mir irgendwie un-na-tür-lich vor. Und da stellt sich mir die Frage, ob der Mensch für so etwas "gebaut" ist.

Abnutzung
Und je mehr Dates man hinter sich bringt, umso mechanischer werden Erwartungen (gegen Null) und Verhalten. Das IST ganz na-tür-lich. Etwas nutzt sich umso schneller ab, je öfter man es macht. Es ist am Ende nichts besonderes mehr. Freude, Aufgeregtheit, Hoffnungen und Emotionen werden weniger. Ich denke nicht viel anderes kann man erwarten, wenn sich bei der Sache ein gewisses Tempo einspielt.

Theater
Manche meinen, sie kämen dem Erfolg viel näher, wenn sie sich so geben, wie man es vielleicht von ihnen "erwartet". Das, denke ich, ist ein massiver Trugschluss. Theater bringt einen vielleicht ein paar Treffen weiter, doch wann "fliegt die Sache auf", dass man eigentlich ein ganz anderer ist? Und damit dürfte man sich selbst und dem anderen wohl kaum einen Gefallen tun. Echte Emotionen und Zuneigung dürften hierbei wohl kaum aufkommen.
Ich rate nur, sich geben, wie man ist, authentisch bleiben. Alles andere ist - für eine ernsthafte Absicht - Murx.

Ent-täuschung
Jedes Date ist ein neues Spiel mit einem fremden Menschen, nach uralten Regeln, mit neuzeitlichen Facetten. Gerade, wenn es nach einem ersten Date dann noch etwas weitergeht, kann sich für manche schnell der Eindruck einer echten Ent-täuschung einstellen. Doch wenn man genauer hinsieht, sind es eigentlich die eigenen Erwartungen, die diese Enttäuschung provozieren, und nicht etwa der Mitmensch, der einfach so ist, wie er ist.
Warum nehmen wir es als Enttäuschung wahr? Weil wir das Erlebte mit unseren Erwartungen vergleichen und dabei Unterschiede feststellen, die wir nicht mögen.

Zu kritisch
Es ist nur ein Gefühl, aber ich fühle auch, dass ich selbst und auch das Gegenüber einen sehr kritischen Blick entwickelt, dem alles auffällt, was nicht unmittelbar ins Raster passt. Davon ausgehend wüsste ich nur liebend gerne eine einzige Zahl - nämlich zu wieviel Prozent nach einem ersten Date noch ein zweites folgt. Ich tippe auf merklich unter 15%. Vielleicht hat hier Parship mal eine eigene Statistik erhoben?
Zur grundsätzlich(?) mangelnden Flexibilität und Toleranz muss man nicht viel sagen. Da muss sich jeder selbst an die Nase fassen und sich ernsthaft fragen: Wie flexibel bin ich wirklich, wieviel Flexibilität erwarte ich von meinem Gegenüber? Existiert hier ein faires Verhältnis - ein Gleichgewicht? Wer zu kritisch ist, verbaut sich nur selbst die Chancen. Manche meinen gar, nach dem ersten Date MUSS bereits alles entschieden sein - Top oder Flop. Das empfinde ich als eine sehr traurige Einstellung.

Das Alter
Ich kenne hier nicht die genaue Altersstruktur der Teilnehmer. Aber eines ist auch klar: Um die dreißig sieht man das Thema Partnerschaft sicher anders als noch mit zwanzig. Und mit zunehmendem Alter wird es gefühlt nicht einfacher. Man hat seine gepflegten Angewohnheiten, seine Marotten, fixen Vorstellungen und seinen eingefahrenen Lebensstil. Eine Partnerschaft bringt aber auch (hoffentlich) Veränderungen mit sich, auf die man vielleicht nicht mehr ganz so flexibel reagieren kann. Der Anpassungswille sinkt.

Die Hetzjagd
Mit einem Rucksack voll von "Misserfolgen" kommen manche auf die Idee, da muss sich doch irgendwie was machen lassen, und erhöhen den Durchsatz noch weiter, schreiben alles an, was sich hier "bewegt", und wundern sich am Ende, dass sie das nicht einen Schritt weiter zum "Erfolg" gebracht hat, sondern im Gegenteil, die Enttäuschungen noch viel größer wurden. Der emotionale Tiefpunkt ist erreicht. Totale Resignation macht sich breit.

Was denn sonst noch?
Und bei all der groß angelegten Suche - was macht man eigentlich noch so nebenbei? Passiert es manchen hier vielleicht zu schnell, dass sie einer fixen Idee hinterherrennen und dabei das eigentliche Leben doch etwas aus den Augen verlieren? Partnersuche ist weiß Gott nicht alles im Leben.

Ich denke, es ist gut, hier am Ball zu bleiben, man sollte es aber auch nicht übertreiben. Ich persönlich "gönne" mir zwischendurch auch immer wieder Pausen, um etwas Abstand zu gewinnen und mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Mit dieser Taktik hat mir bis jetzt noch fast jedes Date wirklich Spaß gemacht - auch wenn nach nun etwas mehr als einem Jahr Parship sich noch kein "Erfolg" eingestellt hat.

Ich kann die Gefühle aus dem Beitrag von Kiss_slowly jedenfalls gut nachvollziehen und hoffe nur, dass es mich nicht (so schnell) treffen wird.
 
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  • #74
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Huiuiui,

nach ein paar Tagen sehe ich wieder hier hinein. Lese und staune. Staune vor allem darüber, dass hier eine Diskussion von ganz neuer Qualität (im Vergleich zu anderen hier im Forum) stattfindet. Keine Anfeindungen, meist eloquent und von Konstruktivität geprägt.

Das zeigt mir (so empfinde ich es zumindest), dass ich doch ein Thema berührt zu haben scheine, das viele von uns beschäftigt und dessen Existenz nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Ob ich nun emotional, kalt, überschwenglich oder wie auch immer geschrieben habe (es gab verschiedene Meinungen), spielt dabei keine Rolle. Emotional und subjektiv war es sicher. Wie könnte ich auch anders?

Zwei Dinge sind mir jedoch haften geblieben:

1. Der Vergleich mit der Vergangenheit oder anderen Kulturen (bzw. Schwellenländern): hinkt meines Erachtens. Jeder hat Sorgen. Gross oder klein und je nach Einkommen und Lebensstandard ändern sich diese. Mein Nachbar ist unnachvollziehbar fassungslos, wenn er am Morgen einen Kratzer in seinem Porsche entdeckt und deshalb tagelang nicht schlafen kann. Ich steige in meinen Japaner und denke:"Was hat DER Mann eigentlich für Sorgen?"
Für ihn sind es welche. Er hat eben keine anderen. Will sagen: ich stelle auch keine Vergleiche mit Lohnstrukturen in Indien an, wenn ich Verhandlungen mit einem Angestellten in der Schweiz führe.
Bleiben wir doch also bei den "Problemen", die wir haben. Was vor hundert Jahren war, interessiert in dieser Runde nicht wirklich, oder?

2. Die Frage nach dem Glück und der Persönlichkeit
Glück ist (wie Sorgen) etwas sehr persönliches und individuelles. Jeder findet es woanders und vor allem auf eine andere Art und Weise. Sich darüber zu "streiten" (was hier zum Glück nicht getan wurde) ist wohl müssig. Wir alle streben danach. Doch der wirklich sinnvolle Weg dazu ist nicht nur einer. Es gibt viele. Mit sich selbst im Reinen zu sein ist nur einer.

Ich finde es ansonsten super, dass hier eine vernünftige Diskussion über etwas solch emotionales geführt wird.

Vielen Dank,

Kiss
 

nel

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  • #75
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hut ab, fantastisch geschrieben....mancher Journalist könnte sich davon eine Scheibe abschneiden!
Doch, aber ICH bin eine Ausnahme!
Ich habe, wie Du, eine lange Beziehung gehabt,
Liebe auf den ersten Blick, nach 6 Jahren immer noch Schmetterlinge im Bauch...
und dann....vorbei...in einer Stunde der Boden weg, alles dreht sich...
niemals wieder wird es so etwas geben...es tat unendlich weh...
Und gerade DESHALB bin ich hier bei PSh sehr achtsam mit mir,
ich möchte gerne etwas Ähnliches wieder, habe keine unnützen Dates mit Zeitdieben,
das merkt man beim Schreiben schon! Ich finde, ein Partner ist eine tolle Zugabe, aber sollte nicht das komplette Leben ausfüllen, denn dann hängt man HIER wirklich fest!
Ich hatte in diesem Jahr 2 Dates, und den einen möchte ich näher kennenlernen, er lässt keinenZweifel daran, dass ich ihm wichtig bin. Ich finde, wenn man Hobbies und Freunde hat, gesellt sich die Liebe irgendwann von ganz allein dazu, ganz ohne Date-Stress oder Schauspielerei.
 

Raphaela

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  • #76
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Es gibt ja auch noch anderes als Glück oder Glücksempfinden. Wenn jemand nur glücklich sein kann, wenn er nicht in den eigenen Keller schaut, kann ich manchmal doch Anlaß haben, ihm zu empfehlen, in den Keller zu schauen.

Aha, Du empfiehlst jemandem etwas? Warum denn das?
Wenn das für Dich okay ist, sollte es andersherum auch okay sein: Wenn jemand durch den Anblick seines Kellers (oder der Zustände darin) geradezu gelähmt wird, könnte er sich ja mal mit mehr Licht und Luft umgeben ....
 

Raphaela

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  • #77
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Kiss_slowly:
Der Vergleich mit der Vergangenheit oder anderen Kulturen (bzw. Schwellenländern): hinkt meines Erachtens. Jeder hat Sorgen. Gross oder klein und je nach Einkommen und Lebensstandard ändern sich diese. Mein Nachbar ist unnachvollziehbar fassungslos, wenn er am Morgen einen Kratzer in seinem Porsche entdeckt und deshalb tagelang nicht schlafen kann. Ich steige in meinen Japaner und denke:"Was hat DER Mann eigentlich für Sorgen?"
Für ihn sind es welche. Er hat eben keine anderen. Will sagen: ich stelle auch keine Vergleiche mit Lohnstrukturen in Indien an, wenn ich Verhandlungen mit einem Angestellten in der Schweiz führe.
Bleiben wir doch also bei den "Problemen", die wir haben. Was vor hundert Jahren war, interessiert in dieser Runde nicht wirklich, oder?

Wenn ich SineNomine richtig verstanden habe, ging es ihm nicht um einen VERGLEICH mit der Vergangenheit, sondern er hat darauf hingewiesen, dass Teile unseres Gehirns (z. B. unser altes Reptiliengehirn) immer noch genauso funktionieren wie in Urzeiten.
Das bedeutet, dass wir unterbewusst und unbewusst von Ängsten gesteuert werden, die keinen Nutzen mehr für uns haben. In der Folge legen wir Verhaltensweisen an den Tag, die unsere Möglichkeiten, authentisches und zeitgemäßes Glück zu erleben, stark begrenzen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Raphaela

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  • #78
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Gerade das verstärkt den Druck auf sie, daß ihnen ständig gesagt wird, sie seien für ihr Unglück selbst verantwortlich und es müsse ihnen ja eigentlich supertoll gehen und sie müßten doch einfach nur was ändern.

Wer oder was verstärkt welchen Druck auf wen?
Wer sagt wem (und angeblich auch noch ständig), sie/er sei für ihr/sein Unglück selbst verantwortlich? Oder dass es irgendjemandem oder allen "eigentlich supertoll" gehen müsse?
Oder das irgendjemand irgendetwas EINFACH NUR ändern MÜSSTE?
 
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  • #79
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Es gibt ja auch noch anderes als Glück oder Glücksempfinden. Wenn jemand nur glücklich sein kann, wenn er nicht in den eigenen Keller schaut, kann ich manchmal doch Anlaß haben, ihm zu empfehlen, in den Keller zu schauen.

Auch wenn ich mich damit endgültig als begriffsstutzig oute - ich habe wirklich nicht verstanden, was Du mir (? - aber da Du aus meinem Post zitiert hast, fühle ich mich gemeint) mit diesem Statement eigentlich mitteilen möchtest. Und würde mich über eine Klartext-Übersetzung freuen.
 

Heike

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  • #80
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Foristin:
Auch wenn ich mich damit endgültig als begriffsstutzig oute - ich habe wirklich nicht verstanden, was Du mir (? - aber da Du aus meinem Post zitiert hast, fühle ich mich gemeint) mit diesem Statement eigentlich mitteilen möchtest. Und würde mich über eine Klartext-Übersetzung freuen.

War so etwas wie eine Ergänzung. Ich finde wie du schwierig, wenn das, was für einen Glück bedeutet, als Maßstab an andere angelegt wird. Das ist aber nur eine Seite. Denn auf der anderen beurteile ich eben, insbesondere wenn die andere Person mich interessiert, ihre Maßstäbe für Glück. Es kommt eben nicht nur sozusagen aufs Resultat an. Zumindest fände ich das zu verkürzt.
Beides unter einen Hut zu kriegen ist nicht so einfach.
 

Heike

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  • #81
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Raphaela:
Aha, Du empfiehlst jemandem etwas? Warum denn das?
Wenn das für Dich okay ist, sollte es andersherum auch okay sein: Wenn jemand durch den Anblick seines Kellers (oder der Zustände darin) geradezu gelähmt wird, könnte er sich ja mal mit mehr Licht und Luft umgeben ....

Empfehlungen finde ich manchmal empfehlenswert und manchmal nicht. Empfehlungen, bei denen ich den Eindruck habe, daß sie das Startposting eher abwehren und in den Keller sperren wollen, finde ich weniger empfehlenswert.

Ja, entweder gleich wieder die Kellertreppe hochrennen und die Kellertüre verschließen und sich an der guten Luft oben freuen, oder mal Licht und Luft hineinlassen. Da hat man die Wahl.
 

Heike

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  • #82
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Raphaela:
Wer oder was verstärkt welchen Druck auf wen?
Wer sagt wem (und angeblich auch noch ständig), sie/er sei für ihr/sein Unglück selbst verantwortlich? Oder dass es irgendjemandem oder allen "eigentlich supertoll" gehen müsse?
Oder das irgendjemand irgendetwas EINFACH NUR ändern MÜSSTE?

Was genau ist dir unklar?
Es ging um den Einfluß bestimmter Anschauungen.
Etwa übt die Anschauung, jeder sei selbst seines Glückes Schmied, Druck auf alle aus, die sie teilen oder stark mit ihr konfrontiert werden.
 

nuit

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  • #83
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Kiss_slowly:
"Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Ich sitze ihr gegenüber und spiele meine Rolle. Die Rolle desjenigen, den sie sich wünscht. Ich kann beinah durch sie hindurchsehen. In ihr lesen. Ich gebe ein Schauspiel, das sich über die Jahre verfeinert hat, ohne dass ich es mitbekam.
.

lieber kiss_slowly,
heute ist mein senftag :)

zur liebe bzw. einzigen großen liebe, die zerbrach. hm, ich werd immer hellhörig, wen jemand etwas von einer einzigen liebe in seinem leben erzählt. warum? wohl, weil ich da gedanklich bei erich fromm (die kunst des liebens) bin. liebe ist aus meiner sicht nicht etwas, womit mich eine person erfüllt, sondern eine haltung, die ich zu anderen einnehme. und hat auch damit zu tun, in wie weit ich mich herzeige und vertraue und damit auch die möglichkeit schaffe, dass mich der andere emotional berühren kann. das geht nicht mit einer rolle oder fassade.

zum zweiten teil, in dem du beschreibst, dass du durch sie durchsehen, in ihr lesen kannst. sorry, aber das empfinde ich als anmaßend. du weisst nicht, was du nicht weisst.
 

SineNomine

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  • #84
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Etwa übt die Anschauung, jeder sei selbst seines Glückes Schmied, Druck auf alle aus, die sie teilen oder stark mit ihr konfrontiert werden.

Nun, ich teile diese Anschauung, der ich zur Vermeidung des Missveständnisses, dass nur und ausschließlich man selbst für das eigene Glück verantwortlich sei noch ein "auch" vor dem "selbst" spendieren würde. Und empfinde diesbezüglich nicht das geringste bisschen Druck. Eher im Gegenteil, das Wissen um die eigene Verantwortung und den eigenen Beitrag zum Glücklichsein /nimmt/ mir Druck, unter anderem den, nur ja keinen äußeren Einfluss zum Glücklichsein verpassen zu dürfen. Und es /nimmt/ auch den Druck immer glücklich sein zu müssen. Es liegt auch an mir, ob ich mich glücklich fühle, ich kann in gewissen Grenzen selbst Einfluss darauf nehmen ob ich mich heute fröhlich--glücklich fühlen will oder ob ich den melancholischen Anflug, den ich in mir gespürt habe ausleben mag.

Deine Beiträge lesen sich ein wenig so, als erwachse aus "Jeder ist auch selbst seines Glückes Schmied" eine Art Verpflichtung zum zwangsweisen Dauerglückzustand. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn auch ich selbst meines Glückes Schmied bin, dann, um im Bild zu bleiben, liegt es durchaus in meiner Macht den Hammer auch mal aus der Hand zu legen und die Esse mal nicht anzuheizen.
 

Heike

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  • #85
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Die Diskussion dreht sich für mein Empfinden etwas im Kreis.
Daß genannte Anschauung nicht bloß Druck erzeugt, ist klar. Sie wird ja meist gerade als große Befreiung gefeiert. Deswegen hielte ich es für angebracht, auch mal auf die andere Seite hinzuweisen.
Und die Freiheit, tja. Also wir sind sicherlich nicht frei, uns einfach so unsere Bedürfnisse auszusuchen. Wer einen Partner finden möchte, der möchte das eben - ihm zu sagen: also, du bist doch frei, dieses Bedürfnis zu haben oder nicht, ist meist eher unangemessen.
Und Beeinflussungen finden meist auf der Ebene der Bedürfnisse statt. Während Freiheit eher etwas damit zu tun hat, die Bedürfnisse zu erfüllen.
 

SineNomine

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  • #86
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Deswegen hielte ich es für angebracht, auch mal auf die andere Seite hinzuweisen.

Du hast in Deinem letzten Beitrag nicht "auch mal auf die andere Seite hingewisen", sondern eine objektiv schlicht nicht haltbare Allaussage zur Wirkung besagter Ansicht getätigt.

Zitat von Heike:
Und die Freiheit, tja. Also wir sind sicherlich nicht frei, uns einfach so unsere Bedürfnisse auszusuchen.

Das hat auch niemand behauptet.
Aber wir sind unter anderem durchaus frei darin darüber nachzudenken, woraus unsere Bedürfnisse erwachsen, welche Ursachen und Gründe sie haben.
Wir können beispielsweise versuchen herauszufinden, ob das Bedürfnis nach einer Partnerschaft wirklich nur aus uns selbst kommt oder ob das nicht auch vielleicht durch Tante Erna induziert wird, die bei jeder Familienfeier darauf hinweist, dass das Kind ja immer noch nicht unter der Haube sei und es in Bezug aufs Kinderkriegen so langsam Zeit wäre.
Das ändert im Zweifel erst mal nichts an unseren Bedürfnissen, aber es ermöglicht uns ggf. einen anderen, bewussteren Umgang damit.
 

Heike

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  • #87
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Du hast in Deinem letzten Beitrag nicht "auch mal auf die andere Seite hingewisen", sondern eine objektiv schlicht nicht haltbare Allaussage zur Wirkung besagter Ansicht getätigt.

Sie ist nicht nur objektiv durchaus schlicht haltbar, sondern sogar wahr. :)
Ich habe nicht behauptet, daß jeder, der diese Anschauung teilt, behaupten wird, sie erzeuge Druck. Sondern daß sie auf jeden, der sie teilt, Druck ausübt.

Aber wir sind unter anderem durchaus frei darin darüber nachzudenken, woraus unsere Bedürfnisse erwachsen, welche Ursachen und Gründe sie haben.
Wir können beispielsweise versuchen herauszufinden, ob das Bedürfnis nach einer Partnerschaft wirklich nur aus uns selbst kommt oder ob das nicht auch vielleicht durch Tante Erna induziert wird, die bei jeder Familienfeier darauf hinweist, dass das Kind ja immer noch nicht unter der Haube sei und es in Bezug aufs Kinderkriegen so langsam Zeit wäre.

Eben. Genau das gilt auch fürs Glücksverlangen.
 

SineNomine

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  • #88
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
Sondern daß sie auf jeden, der sie teilt, Druck ausübt.

Soweit hatte ich Dich durchaus verstanden und auch gleich in meiner Person das Gegenbeispiel mitgebracht, welches diese Allaussage widerlegt.


Zitat von Heike:
Eben. Genau das gilt auch fürs Glücksverlangen.

Das wurde auch nie bestritten, es war genau genommen abgesehen von Deinen Beiträgen auch nie Gegenstand der Diskussion.
 
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  • #89
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Soweit hatte ich Dich durchaus verstanden und auch gleich in meiner Person das Gegenbeispiel mitgebracht, welches diese Allaussage widerlegt.

Offenbar nicht. Nocheinmal:
Ich habe nicht behauptet, daß jeder, der diese Anschauung teilt, behaupten wird, sie erzeuge Druck. Sondern daß sie auf jeden, der sie teilt, Druck ausübt.
Das ist zweierlei.

es war genau genommen abgesehen von Deinen Beiträgen auch nie Gegenstand der Diskussion.

Ich hab einfach Raphaelas Frage an mich beantwortet. Und natürlich war es eine Diskussion, die nicht nur ich geführt habe. Siehe oben.
 
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  • #90
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Heike:
War so etwas wie eine Ergänzung. Ich finde wie du schwierig, wenn das, was für einen Glück bedeutet, als Maßstab an andere angelegt wird. Das ist aber nur eine Seite. Denn auf der anderen beurteile ich eben, insbesondere wenn die andere Person mich interessiert, ihre Maßstäbe für Glück. Es kommt eben nicht nur sozusagen aufs Resultat an. Zumindest fände ich das zu verkürzt.
Beides unter einen Hut zu kriegen ist nicht so einfach.
Ah, okay. Ich hatte versucht, es im Kontext meiner Forums-Diskussion mit Freitag zu verstehen und da hat es für mich keinen Sinn ergeben.