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"Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

"Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Dies soll eine Bestandsaufnahme kurz vor Ende meiner Mitgliedschaft sein. Ich bin ein emotionaler Mensch, der Erlebtes nur subjektiv betrachten kann. Ich nehme mich von all dem, das ich unserer Gesellschaft, unserem Verhalten und der Kontakt-, Werbe- und Socialmedia-Industrie vorwerfe nicht aus.
Ich bin Opfer und Täter zugleich. Habe es erkannt und kann doch nichts dagegen unternehmen als weiterzumachen, ein Teil dessen zu sein, was wir aus uns selbst erschufen.

Als eher passives denn aktives Mitglied in diesem Forum fühle ich mich wie ein Vogel, der das "Miteinander" von oben betrachtet. Ich lese, verstehe, nicke zu beinah all dem hier Geschriebenen und verspüre doch keinen Hunger zu landen und mich einzubringen. Es würde nichts ändern. So wenig, wie die Tatsache der Erkenntnis über unser Kontaktverhalten etwas an ihr ändern könnte.
Ich fühle mich wie ein Wanderer zwischen Welten, die ich verstehe und die doch so weit entfernt sind. Menschen, die nicht miteinander diskutieren, sondern Wortgefechte über diskussionswürdiges ausbrechen und ausser Kontrolle geraten lassen. Menschen, die sich nach Nähe und Verständnis sehnen und davon nichts zu geben haben. Pauschalurteile über Männer und Frauen, über schnelles Wegklicken, keine Verabschiedungen, Beziehungsenden ohne Angabe von Gründen, schnelle Austauschbarkeit und Kritik an Kleinigkeiten.

Was ist mit uns passiert? Was ist aus uns geworden? Ich habe lange darüber nachgedacht, denn ich selbst bin einer von Euch …

Meine Geschichte hier begann vor fünf Jahren. Ich bin nicht als Kind des Internetzeitalters aufgewachsen. Doch meine verschiedenen Berufe und mein Lebensweg machen mich ebenso zum Mitglied all dessen, was wir heute als Miteinander betrachten.

Meine Freundinnen hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt stets "analog" kennengelernt. Bis ich vor eben diesen fünf Jahren meine grosse Liebe traf. Es war etwas nie dagewesenes. Wunderbar, einzigartig und es wiederholte sich nicht. Als es zerbrach, war es schrecklich. Ich glaubte, nie wieder lieben zu können. Und glaube es noch heute.
Diese Erkenntnis traf mich beim Schreiben dieser Zeilen hinterrücks. Ich glaubte, nicht mehr lieben zu können und machte mich doch sofort dazu auf, danach zu suchen. Hier.

Was stolpernd, ahnungslos und stümperhaft begann, entwickelte sich seltsam schleichend zu etwas, das in meinem heutigen Zustand gipfelt.

Ich lernte Frauen kennen. Manches mal wurde etwas daraus. Manchmal nicht. Zwei Beziehungen und ungezählte Affairen reihten sich aneinander. Liebe habe ich nie mehr gefunden. Zumindest nicht auf meiner Seite.

War mein Profil anfangs noch schüchtern, zurückhaltend und vorsichtig um nur niemanden abzuschrecken, so ist es heute das Gegenteil. Früher ging ich mit Herzklopfen zum ersten Date und auch zum zweiten. Verhielt mich gesellschaftskonform, nett, freundlich, zuvorkommend. Heute ist es das Gegenteil. Doch die Erfolgsquote spricht eine deutliche Sprache. Anzahl und Attraktivität nahmen in direkter Proportionalität zu.

Ich spule Dates nach einem Zeitplan ab, gehe ohne jede Nervosität und ohne jede Erwartung darauf zu. Ich kenne mein Gegenüber durch regen Mailaustausch, den ich dazu nutze ihre Wünsche und Hoffnungen zu erkennen.
Ich sitze ihr gegenüber und spiele meine Rolle. Die Rolle desjenigen, den sie sich wünscht. Ich kann beinah durch sie hindurchsehen. In ihr lesen. Ich gebe ein Schauspiel, das sich über die Jahre verfeinert hat, ohne dass ich es mitbekam.

Selten gehe ich von einem Date allein nach Hause oder ohne ein weiteres zu vereinbaren. Doch stets ohne die Hoffnung das zu finden, wonach ich suche. Wonach wir alle auf der Suche sind.
Weitere Dates folgen. Dann eine Affaire oder noch kürzeres, unverbindlicheres. Danach die neue Suche. Mittlerweile laufen mehrere Kontakte parallel. Man könnte doch etwas verpassen.

Als ich dieses Jahr doch glaubte gefunden zu haben, weswegen ich hier war, endete es nicht gut. Diesmal war ich der Ausgetauschte.

Ausgetauscht? Wogegen? Gegen etwas besseres, neueres, anderes. Es schmerzte. Zwei Wochen lang, dann war es vorbei und die Suche begann erneut. Solch kurzer Schmerz? Er wurde ausgetauscht. Gegen anderes, neueres, besseres.

Wir leben in einer Welt von Unverbindlichkeit, Austauschbarkeit, Blendung, falscher Werte und Schauspielerei. Und ich bin Teil des Ganzen.

Nichts ist heutzutage leichter, als einen Kontakt zu löschen. Wir denken oftmals nicht einmal daran ihn zu verabschieden. Du hast hinter meinem Rücken über mich gesprochen? Du verdienst es nicht länger mein Freund zu sein. Gelöscht. Ich habe noch 345 andere. Dein Hobby gefällt mir nicht. Du hast zu viele Sommersprossen. Dein Beruf ist nicht standesgemäss. Zu kurze Beine. Kein Modegeschmack. Weg damit.

Gestern las ich hier im Forum zwei Threads. Sie (wie auch viele andere) spiegeln das wieder, was ich erlebe. Das nüchterne Fazit des einen war die Erkenntnis, dass die Erstellerin sich selbst dabei ertappte, von einem nicht einmal schlechten Date nach Hause zurückgekehrt zu sein und sofort auf dem PC nachzusehen, ob es nicht doch etwas "noch besseres" gäbe. Ich selbst wurde dieses Jahr ebenso gegen etwas "besseres" ausgetauscht. So, wie ich selbst austausche.

Der andere handelte davon: Muss man ein A … sein um eine Frau zu bekommen? Lest ihn. Er zeigt uns all das, von dem ich hier schreibe. Und um die Frage des Theaderstellers zu beantworten: man muss nicht, aber es hilft.
Steinigt mich. Wie Ihr wollt. Doch vor einer Tatsache können wir nicht die Augen verschliessen: es ist viel einfacher ein A … zu verabschieden und den Laufpass zu geben als einem Nice Guy. Vielleicht werden die bösen Buben deshalb lieber genommen? Damit man schneller und einfacher nach anderem, besserem, neuerem suchen kann?

Je mehr Menschen ich über diese Plattform treffe, je mehr ich in diesem Forum lese, desto grösser wird die gefühlte Anzahl derer, die in eine ähnliche Richtung gehen. Lieber eine unverbindliche Affaire, als gar nichts. Bis es nichts anderes mehr gibt, weil man sich vor lauter Schauspielerei und coolness nicht mehr wagt auf etwas anderes zu fokussieren. Man könnte ja etwas verpassen.

Es ist ein Jahrmarkt der Eitelkeiten geworden, ein Terminhandelsplatz für Hoffnungen, der immer mehr Enttäuschungen erzeugt. Enttäuschte Menschen, die sich beeilen, möglichst schnell eine neue Hoffnung zu suchen, bis sie gar keine mehr finden können. Denn irgendwann ist niemand mehr übrig, der etwas anderes will als Unverbindlichkeit. Es werden mehr und mehr. Und immer mehr, die sich auf Single-Plattformen anmelden um nach dem zu suchen, was es bald nicht mehr gibt. Verbindlichkeit. Liebe. Hoffnung.

So erzeugen wir uns selbst. Geben der Partnerschaftsindustrie stets neue Nahrung und drehen uns im Kreis. Wir sind Junkies geworden. Süchtig nach dem nächsten Date. Einer Bestätigung unser selbst. Dem was wir gerne wären. Süchtig nach der Hoffnung, doch eines Tages das zu finden, wonach wir eigentlich gar nicht mehr suchen.

Meine Mitgliedschaft endet bald. Ich muss aussteigen. Mich erholen von all dem, denn es strengt an. Doch ich mache mir keine Illusionen, bald wieder hier zu sein. Ich bin ein Junkie. Wie so viele hier. Und ich brauche meinen Stoff. Der Dealer wird sich freuen. Wie auch immer er heisst.

Unsere Droge heisst Hoffnung. Wer sie uns nimmt wird angeklagt und ausgeschlossen aus dieser neuen Art von Gesellschaft. Ich bin ein Teil davon. Und viele von Euch ebenso. Vielleicht wisst ihr es nur noch nicht.
 

feelin

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  • #2
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Das ist überaus traurig...., sehr kalt bei Dir. Vielleicht hat es nicht geklappt, weil die Partner die Leere und Austauschbarkeit gemerkt haben?.... Parallel?.... Die Beziehung vor 5 Jahren nicht verarbeitet?

Glaubst Du wirklich, dass hier alle so konsumorientiert sind?
 

Peter Pan

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  • #3
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Ja da ist was dran... war schon bei "keine Ahnung" wie viel Partnerbörsen und es ist überall das gleiche, nur eben der Preis ist verschieden und vielleicht die Anzahl der Fake Accounts aber das wars dann auch schon.

In Chats kommt es erst einmal drauf an... wie schaust du denn aus und was machst du Beruflich, auf die Idee das da vielleicht ein Mensch sein könnte ist erst einmal nebensächlich, schauen ob die Maschine gut ausschaut und ordentlich Geld bringt danach kann man ja mal drüber reden was du magst, aber das hab ich nur sehr selten mitbekommen und da nehmen sich Männer und Frauen nichts.

Was ich mich natürlich frage ist... sind wir nun Maschinen oder Menschen?
und wenn wir Maschinen sind warum zum Teufel funktioniert dann nicht Format C: ????
 

wind

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  • #4
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hallo Kiss_slowly,

ganz schön viel Text! Respekt! Ich erspar mir und den anderen mal das Zitieren.
Inhaltlich kann ich dir wohl teilweise Recht geben, aber eben nur teilweise.
Ist die Hoffnung die Droge oder ist sie deren Wirkung?
Vielmehr ist es doch so, daß die Droge darin besteht, nach jemanden zu suchen, den es genau so, wie man sich die betreffende Person vorstellt, nicht gibt. Du ziehst dir diese Droge mit jedem Anschreiben, mit jeder Nachricht und all dem was folgt rein. Was dafür spricht, daß genau das die Droge ist, ist deine Beschreibung immer mehr dagegen abzustumpfen. Damit zeigst Du das typische Suchtverhalten, eine immer größere Dosis der Droge zu benötigen um doch noch einen Kick zu bekommen. Der Kick ist aber die Hoffnung, vieleicht doch noch die richtige zu erwischen. Du verwechselst also deine Droge mit dem auf sie folgendem Rausch!
 

casi

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  • #5
Die Geister ....

Aber hallo, sind wir nicht erwachsen und selbstbestimmt? Dann schaffen wir es auch mit den Verlockungen umzugehen. Anpassung hat halt ihren Preis! Versucht es mal ohne!
 
D

daisy

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  • #6
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Oh man, das ist heftig! Ich frage mich jedes mal, was Menschen dazu bewegt, in einem Forum pseudo-poetische Ergüsse zu bekommen. Ich finde das anstrengend und habe den Text auch nicht zu Ende gelesen. Willst du deine Gedanken teilen oder deinen schnörkeligen Schreibstil feiern?
 

Freitag

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  • #7
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von daisy:
Oh man, das ist heftig! Ich frage mich jedes mal, was Menschen dazu bewegt, in einem Forum pseudo-poetische Ergüsse zu bekommen. Ich finde das anstrengend und habe den Text auch nicht zu Ende gelesen. Willst du deine Gedanken teilen oder deinen schnörkeligen Schreibstil feiern?
oh frau ist dein statement heftig! :)
laß ihn doch schreiben wie er will. ich finde es nicht gut seine gedanken so runterzumachen. er hat sehr ehrlich geschrieben auch wenn ich nicht jeden seiner gedanken nachvollziehen kann, aber das liegt an mir und nicht an ihm.
 
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  • #8
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hallo Kiss slowly

Das klingt alles ganz schön traurig, was du da schreibst, aber in Teilen kann ich es nicht nachvollziehen und es macht mich leicht aggressiv.

Jede Lebenswelt hat ihre Spielregeln, Abläufe und gute und böse Akteure, mal etwas platt gesagt... Wenn du einen Job in einer Firma kriegst, wo es üblich ist, nach oben zu schleimen und nach unten zu treten, hast du trotzdem noch die Wahl, mitzumachen oder nicht. Wenn du nicht mitspielst (soweit das im Rahmen geht, nicht direkt auf der Straße zu stehen) , hast du wahrscheinlich keinen "Erfolg" in dem Sinne, dass du karrieremäßig nicht aufsteigen wirst, aber zumindest bleibst du dir treu und sicher wirst du auch auf Gleichgesinnte in deinem Umfeld stoßen. Auch "ein A..." zu werden und dann zu jammern, man könne nichts dafür und es wäre eine Art Sucht, wäre ja wohl auch nicht so ganz überzeugend....

Das Online-Dating ist ein spezielles Feld und jeder gerät am Anfang in komische Situationen, spürt Verlockungen und Konsumentenverhalten. Aber wenn man das dann registriert und auch noch so detailiert darstellen kann wie du in deinem Beitrag - wo ist dann noch das große Problem ? Wenn du deine Beobachtungen schlimm findest und dein Mitmachen etwas aus dir gemacht hat, was dich abstößt - dann lass es sein.

Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es wieder heraus. Wenn du dich auf diese ganzen Spielchen eingelassen hast, um "Erfolg" zu haben (was ist denn daran eigentlich ein Erfolg ?...), brauchst du dich auch nicht wundern, wenn du nur noch schlechte Erfahrungen machst. Schlechte Erfahrungen macht man natürlich immer auch, das bleibt nicht aus - aber es gibt auch viele schöne Möglichkeiten. Beim Lesen im Forum findet man die aber natürlich nicht stark abgebildet - wozu sollen auch die sich glücklich gefundenen hier ständig rumtönen, wie toll sie es haben und so weiter ;-) ?

Vielleicht bist du ganz am Anfang einfach zu gutherzig und gutgläubig losgestiefelt und lässt dir vieles zu nahe gehen... Oder aber du hast so große Sehnsucht nach einer Beziehung, dass du dich deshalb so verhalten hast... Deshalb hoffe ich, dass ich jetzt nicht zu hart geschrieben habe... Ich bin ein Mensch der Tat und würde IMMER gucken, was ICH aktiv ändern kann, um mich wohl zu fühlen und meine Seele nicht zu verkaufen.

Ich wünsche dir, dass du aus deinen Erfahrungen für dich Schlüsse ziehen kannst, die dich weiterbringen oder vielleicht eher zurückbringen zu dem, was dich positiv ausmacht. Alles Gute !
 
D

daisy

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  • #9
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Freitag:
oh frau ist dein statement heftig! :)
laß ihn doch schreiben wie er will. ich finde es nicht gut seine gedanken so runterzumachen. er hat sehr ehrlich geschrieben auch wenn ich nicht jeden seiner gedanken nachvollziehen kann, aber das liegt an mir und nicht an ihm.


Ich habe ja seine Gedanken gar nicht runter gemacht und dass es noch traurig wird, weiß ich nicht ... bis zu der Stelle bin ich gar nicht gekommen! ;)

Also, lieber Kiss Slowly: ich respektiere deine Gedanken und Gefühle und möchte dich überhaupt nicht verletzen, aber ich finden diesen Schreibstil einfach unpersönlich, anstrengend und nervig und deswegen habe ich es auch nicht geschafft, deinen Text bis zum Ende durchzulesen.
 
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  • #10
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Ich lese von vielen Freunden und vielen Dates und vom Austauschen.
Austauschbare Masse gibt es auf jedem M...haufen.
Wenige gute Freunde, einen guten Partner, mehr brauche ich nicht.

Die Guten, die seit Jahren eine glückliche Beziehung führen, sind hier sicher nicht unterwegs. Viele ruhelose Jäger (m/w) sind sicher hier auf der Pirsch und dann gibt es noch eine handvoll weniger anderer.

Eine hat schön geschrieben, erst liefen ihre Kontakte wie geschmiert. Dann bekam sie plötzlich viele Absagen, die sie verletzten, aber dann verstand sie, dass es einen natürlichen Filter gab. Sie trug ein "Für-die-nächsten-30-Jahre"-Gesicht vor sich her. Alle "Leg-Dich-mal-hin-ich-lieb-Dich-vielleicht"-Männer wurden ausgeschlossen. Aber nur durch den Filter konnte sie auf den Einen und Richtigen aufmerksam werden.

Eine schöne Geschichte in der Vorweihnachtszeit und vielleicht stimmt sie.

Du hast Dein "Für-die-nächsten-30-Jahre"-Gesicht zwischen Deinen vielen Liebesaffairen und Kontakte verloren! ;-)
 
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  • #11
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Ich bin weder unglücklich, noch ist meine Welt kalt und hoffnungslos.

Natürlich habe ich die Möglichkeit zu entscheiden. Gerade weil ich eine deutliche Tendenz in der Gesellschaft erkenne. Ich wollte es einfach einmal festhalten und ich denke, dass es nicht nur mir so geht.

Durch die Erkenntnis habe ich mein Leben geändert und auf anderem Wege jemanden kennengelernt.

Wem der Text nicht gefällt, muss ihn natürlich nicht lesen. Wer ihn nicht liest, sollte sich jedoch auch eines Kommentares enthalten, der ohnehin nichts anderes als unqualifiziert sein kann. Danke für Deine überaus konstruktive Kritik, Daisy! Vielleicht solltest Du VOR Abgabe einer Meinung den Text lesen und DANACH nachvollziehbares von Dir geben.
 
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authentisch_gelöscht

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  • #12
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Lieber Kiss_slowly!
Manchmal denke ich, ich bin von einem anderen Stern... Staunend habe ich deinen Beitrag gelesen und mich gefragt, wie es kommt, dass Menschen die gleichen Dinge so unterschiedlich wahrnehmen und so anders damit umgehen.
Was du schreibst macht mich traurig, aber vielleicht erklärt es etwas, was ich bisher nicht verstanden habe, was mich aber regelmässig ebenso traurig macht. Dass mir nämlich auf Parship praktisch nie jemand schreibt und auch sehr selten nur jemand zurückschreibt, wenn ich mich melde. Obwohl ich selber das Gefühl habe, ich sei ein Mensch, von dem ein Partner sehr viel "profitieren" könnte. Was auf meinem Profil steht, das ist meiner Ansicht nach wahr und sagt viel aus über mich. Ich bin eine authentische Person, aber das ist nicht mein Verdienst, sondern ich könnte gar nicht anders, selbst wenn ich wollte. Wenn ich Menschen begegne, dann spiele ich keine Rollen, sondern ich bin so, wie ich bin. Klar denke ich manchmal im Nachhinein, dass ich vielleicht etwas gesagt habe, das nicht ganz hunderprozentig und aus allen Perspektiven gesehen stimmt. Aber in dem Moment, wo ich es sage, meine ich es auch. Ich bin zwar eine intelligente Frau, aber offensichtlich zu dumm, um zu verstehen, weshalb andere Menschen Rollen spielen. Offensichtlich kann man und frau sich auf diese Weise eher eine Affäre holen, aber dein Beitrag tönt so traurig, dass ich denke, es sei eigentlich nicht das, was du suchst. Warum bist du nicht einfach du selbst? Wie willst du eine Frau finden, die dich liebt, wenn du ständig Rollen spielst? Offenbar hat es, wenn man sich, wie ich dem Rollenspielen verweigert, die Konsequenz, dass sich keiner für einen interessiert. Wahrscheinlich denken alle, es sei eine seltsame Rolle, die ich spiele. Aber ich werde trotzdem dabei bleiben, denn wie sonst könnte ich glücklich werden? Ich werde sicher nur als ich selbst glücklich werden. Ich hoffe, dass ich eines Tages einen Mann finde, der meine Authentizität zu schätzen weiss und der vielleicht ähnlich funktioniert wie ich. Wäre schön! Sonst muss ich halt allein glücklich werden.
Ich wünsche dir alles Gute und danke für das Aha-Erlebnis, wenn es auch ein trauriges ist.
 

Leila

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  • #13
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Obwohl deine Betrachtung des Online Datings eigentlich traurig ist, entspricht es auch in etwa dem, wie ich es empfinde: Katalogmentalität, Wegklicken beim geringsten Anzeichen eines "no-go's" (aus einer unendlich langen Liste wird zuerst das Negative gesucht und das Positive ausser acht gelassen), die unreife Vorstellung, dass man bereits beim ersten Date ein Feuerwerk von Gefühlen entwickeln muss, sonst wird das nichts etc. Einlassen auf einen Menschen? Fehlanzeige.
Wir leben in einem Zeitalter des Fastfood, der steten Beschleunigung in allen Lebensbereichen sowie des unendlichen Konsums von Gütern und Dienstleistungen, ohne selber etwas dazu beizutragen.
Und genau so werden Beziehungen gehandhabt: man hat sich mit deren Kurzlebigkeit abgefunden, rennt davon beim Auftauchen kleinster Probleme und sucht sofort etwas anderes. Letztlich sind auch Beziehungen zum Konsumgut verkommen, das weggeworfen und ausgetauscht wird, wenn es nicht gefällt.

Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass man nicht unbedingt beeinflussen kann, wann und in wen man sich verliebt und dass Liebe wächst und Zeit braucht, sich zu entwickeln. Zeit die sich die wenigsten nehmen wollen. Schmetterlinge ausgeflogen? Also neuen Kick mit neuem Partner. Man muss das aber nicht mitmachen. Du hast die Wahl und entscheidest selbst, ob du weiterhin von einer Affäre in die nächste stolpern willst und dadurch deine Leere vertiefst. Oder ob du das bleiben lässt und dich nur dann auf jemanden einlässt, der dir wirklich etwas bedeuten könnte. Dass das nicht immer gegenseitig sein muss, ist halt leider auch eine Tatsache. Enttäuschungen lassen sich nicht immer vermeiden. Aber man hat immer eine Wahl und sein eigenes Verhalten zieht meistens auch die entsprechenden Menschen an - insofern ist man meist nicht ganz unschuldig, wenn man seine Zeit mit den falschen Personen verschwendet.
 

iceage

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  • #14
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Lieber Kiss_slowly,

alles was dir passiert ist, wünsche ich dir auch für deine Zukunft und natürlich im Rahmen dessen auch die Bekanntschaft mit mehr; alles was du beschreibst nennt sich Leben! Willkommen darin! Alles was du beschreibst ist nicht neu erfunden worden oder gar Zeichen des Jetzt, sondern kennen auch unsere Eltern oder Großeltern schon. Was sich im Laufe der Zeit ändert, sind die Mittel und die Umwelt und natürlich was sich massiv verändert hat, ist die Zielgruppe! War dieses Systems des Kennenlernens und Nicht-Kennenlernenens früher nur der Jugend vorbehalten, so kommen heute aufgrund modernern Kommunikation auch Menschengruppen in den Genuß ihren Bedarf an Partnerschaft auszuleben, die sich früher der Einsamkeit, der Hoffungslosigkeit, des Frustes - sei es in einer Beziehung, sei es isoliert - hingeben mussten.

Versuche die Sicht deiner Welt in einem neuen Licht zu sehen und geniese dieses neue Welt, die uns herausfordert das ewige System zu meistern - die ganze Welt war, ist und bleibt Bühne ...

viel Spass dabei ...
 
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Andre

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  • #15
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Kiss_slowly:
Wir leben in einer Welt von Unverbindlichkeit, Austauschbarkeit, Blendung, falscher Werte und Schauspielerei.
Ich halte nichts von der These der heutzutage "verdorbenen Welt". Ich möchte in keiner anderen leben. Du schriebst weiter "Und ich bin Teil des Ganzen." Eben. Das sagen die anderen auch. Und deswegen ist "die Welt" (ein Teil davon) genau so. Die Welt wird durch Anklagen und Mahnungen nicht besser.

Aber was jeder tun kann, ist, dieses Spiel nicht mitzuspielen. Und wenn man der einzige ist, der nicht mitspielt, egal. Man ist ja in Wirklichkeit nie der einzige, und manchmal lassen sich dadurch auch andere inspirieren. Der Partner-"Katalog" mag dadurch schlagartig dünner werden, aber was dabei rausgefallen ist, hat ja auch vorher schon nicht gepasst -- die Vielfalt der Chancen war nur eine Illusion.
 
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  • #16
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Kiss_slowly:
Ich bin weder unglücklich, noch ist meine Welt kalt und hoffnungslos.

Natürlich habe ich die Möglichkeit zu entscheiden. Gerade weil ich eine deutliche Tendenz in der Gesellschaft erkenne. Ich wollte es einfach einmal festhalten und ich denke, dass es nicht nur mir so geht.

Durch die Erkenntnis habe ich mein Leben geändert und auf anderem Wege jemanden kennengelernt.

Na prima, dann ist ja alles gut. ;-)
Trotz Melodramatik vielleicht ja trotzdem keine schlechte Idee, die "Irrwege" aufzuzeigen. Wenn ich auch glaube, dass die "parship-Anfänger" hier vielleicht gar nicht lesen...
Wünsche dir weiter alles Gute und dass du glücklich mit deiner neuen Liebe wirst !!
 

feelin

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  • #17
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hallo Kiss_slowly,

weisst Du, ich bin noch nicht lange auf PS und habe wohl jemanden kennengelernt, der sehr ähnlich tickt, wie Du es beschreibst. Ich muss sagen ich bin geschockt, weil ich "dummerweise" Gefühle für ihn entwickelt habe. Solch eine Erfahrung der Austauschbarkeit, Kälte und Ignoranz wünsche ich niemanden, der hier ehrlich nach Partnern schaut. Es ist kein gesellschaftliches Phänomen, glaube ich, sondern ein individuelles. Es hat mit Reife, Verantwortung, Ehrlichkeit, Kommunikationswillen und letztlich mit Respekt sich selbst und dem "Anderen" gegenüber zu tun. Leider haben das scheinbar nicht so viele Menschen.
Ich habe den Kontakt aus Selbstschutz abgebrochen und kann es nur jedem empfehlen, der an jemanden gerät, der andere Menschen konsumiert und nutzt.
Für Dich freue ich mich, dass Du die Welt der Austauschbarkeit und Oberflächlichkeit verlassen hast. Ich werde zukünftig überaus vorsichtig mit PS Bekanntschaften sein. Schade, oder?
Take care!
 
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shippar

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  • #18
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Nachdem ich erfahren habe, wie viele Anschreiben mit Fotofreischaltung ein Mann hier tägich im Durchschnitt erhält, habe ich (w/Ü50) das Handtuch geworfen. Die Katalogmentalität und das Anbieten liegt mir ganz und gar nicht und mich frustriert der Gedanke, dass der eventuell "sehr nette Kontakt" nach Hause geht und im PC bzw. unterwegs schon in seinem Smartphone die Nächste wartet....
 

SineNomine

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  • #19
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Kiss_slowly:
Menschen, die nicht miteinander diskutieren, sondern Wortgefechte über diskussionswürdiges ausbrechen und ausser Kontrolle geraten lassen.

Das ist mir ehrlich gesagt /deutlich/ zu pauschal...


Zitat von Kiss_slowly:
Menschen, die sich nach Nähe und Verständnis sehnen und davon nichts zu geben haben.

... und das ist eine ziemliche Unterstellung. Ürigens genau die Form von Pauschalität, die Du im nächsten Satz kritisierst.


Zitat von Kiss_slowly:
Wir leben in einer Welt von Unverbindlichkeit, Austauschbarkeit, Blendung, falscher Werte und Schauspielerei. Und ich bin Teil des Ganzen.

Ja. Und wir leben in einer Welt mit Verbindlichkeit, Individualität, mit "Mehr sein als Schein", echten gelebten Wertvorstellungen und Authenzität. Auch davon sind wir ein Teil.
Und in welchem Teil dieser offenkundig sehr divergenten Welt wir unser Leben bevorzugt ansiedeln, aus welchem Teil dieser Welt unsere Partnerinnen und Partner, unsere Dates, unsere Freunde, unser Arbeitsumfeld und vieles mehr kommt, darüber entscheidet niemand anderes als wir selbst. Jeden Tag aufs Neue.

Wir können nicht die Welt als Ganzes ändern, aber wir können /unseren/ Teil der Welt, unseren kleinen Mikrokosmos in dem wir leben, aktiv mitgestalten, Verantwortung für unser eigenes Handeln übernehmen und dafür sorgen, dass wir beim Blick in den Spiegel keinen Ekel empfinden. Mag sein, dass uns das nicht jeden Tag gleich gut gelingt, dass wir uns manchmal in dem von Dir skizzierten Teil der Welt wiederfinden, aber der andere Teil der Welt steht uns jederzeit offen.


Zitat von Kiss_slowly:
Nichts ist heutzutage leichter, als einen Kontakt zu löschen.

Sicher. Und wenig ist schwieriger als eine Partnerschaft oder eine Freundschaft aus Kindertagen jeden Tag weiterzuentwickeln. Aber es ist natürlich möglich. Allerdings ist das dann halt oftmals der schwierigere, der anstengendere und wohlmöglich auch der längere Weg. Welchen Weg wir für uns wählen und wie wir den Menschen die wir auf diesem Weg treffen begegnen liegt ganz bei uns.
 

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  • #20
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von feelin:
Es ist kein gesellschaftliches Phänomen, glaube ich, sondern ein individuelles. Es hat mit Reife, Verantwortung, Ehrlichkeit, Kommunikationswillen und letztlich mit Respekt sich selbst und dem "Anderen" gegenüber zu tun. Leider haben das scheinbar nicht so viele Menschen.

Nicht MEHR!

Ich denke, dass es doch ein gesellschaftliches Problem ist, dass natürlich von den Individuen ausgeht. Da es meiner Meinung nach jedoch immer mehr von diesem Typus gibt, verdichtet sich die Anzahl derer, die derart agieren.

Und dann kommen wir in die Richtung gesellschaftliches Phänomen.

Ich kann die Gedanken des Threaderöffners sehr gut nachvollziehen.
Meine Erfahrung: Spielt man die einem zugedachte oder vermeintlich erwartete Rolle, erhöht man die Erfolgschancen um ein Vielfaches.

Bleibt man authentisch, mit allen Ecken und Kanten, sinkt die Quote ganz erheblich.

Die Welt ist, wie sie ist. Diese zu ändern, ist kaum möglich.
"Ich wollte die Welt verändern; es änderte sich nichts.
Ich änderte MICH - und die Welt änderte sich".

Nur wenn ich meine eigene Sichtweise auf die mich störenden Umstände ändere, kann ich mir suggerieren, dass die Welt doch eigentlich ganz schön ist.

Die negativen Entwicklungen sind weiterhin vorhanden, aber ich ignoriere diese und sehe nur noch das, was ich für positiv halte. Und schon ist die Welt schön.

Ich möchte auch nicht zwingend in einer anderen Welt leben, jedoch wünsche ich mir, dass langsam verloren gehende Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Rücksicht, Empathie, Nachhaltigkeit wieder mehr Einzug in die Wesenszüge der meisten Menschen halten würden.
 

SineNomine

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  • #21
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Benutzer:
[...], jedoch wünsche ich mir, dass langsam verloren gehende Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Rücksicht, Empathie, Nachhaltigkeit wieder mehr Einzug in die Wesenszüge der meisten Menschen halten würden.

"O tempora, o mores!"? Darüber hat sich Cicero schon vor über 2.000 Jahren beklagt, und vermutlich ist diese Klage schon in etwa so alt wie die Menschheit selbst. Und sie war, zumindest bei einer makroskopischen Betrachtung, damals so falsch wie sie es heute immer noch ist.

Mit Verlaub, aber wenn wir uns heute in Mitteleuropa über mangelnde Ehrlichkeit, fehlenden Respekt und dergleichen beklagen, dann verkennen wir schlicht, dass satte 90% unserer Zeitgenossen und sicher 99% unserer Ahnen auch in dieser Beziehung sofort mit uns tauschen würden. Nicht nur, dass es uns materiell so gut geht wie wohl keiner Generation zuvor, auch immateriell leben wir hier und heute so gut wie niemand sonst und keiner vor uns.

Man mache sich bitte bewusst, dass noch vor gut 100 Jahren weit mehr als die Hälfte der Arbeiterkinder in Deutschland --- also die Kinder derjenigen, die sechs Tag die Woche zehn und mehr Stunden arbeiteten --- keine zehn Jahre alt wurden oder wie entrechtet (eigentlich eine falsche Formulierung, weil keine Rechte genommen sondern vielmehr erst von nachfolgenden Generationen entsprechende Rechte erst erkämpft wurden) weite Teile der Bevölkerung zu dieser Zeit waren.

Ja, es gibt auch heute noch unehrliche und respektlose Menschen. Und ja, die kommen mitunter immer noch leichter und "besser" durch ihr jeweiliges Leben als viele ehrliche und respektvolle Menschen. Aber nein, das war "früher" keineswegs besser, sondern im Gegenteil noch deutlich schlimmer. Es dürfte schwer werden in der Weltgeschichte auch nur eine kurze Phase zu finden in der so große Teile einer Bevölkerung es mit Ehrlichkeit, Respekt, Rücksichtnahme, Empathie und Nachhaltigkeit zu einem derart friedlichen, von den meisten existenziellen Sorgen weitgehend befreiten und guten Leben bringen konnten wie wir heute. Das erkennt man wohl unter anderem auch daran, dass zu unseren größten Sorgen mitunter eine kommentarlose Verabschiedung bei Parship gehört --- ein sicheres Zeichen dafür, dass es uns und unserer Gesellschaft insgesamt eigentlich verdammt gut gehen muss.
 

feelin

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  • #22
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Hallo Benutzer,

wenn man persönlich davon betroffen ist, ist es ein Mann und eine Frau und ein individuelles Erlebnis. Ich schreibe aus überaus persönlicher Erfahrung. Ja, das Erlebte mag auch auf Mißverständnissen basieren -doch letztlich bin ich auf jemanden getroffen, der sich zu 100%so verhalten hat wie Kiss_slowly es beschrieben hat.

Uns unterscheidet etwas vom Tier: zwischen unseren Ohren sitzt ein Gehirn, das unsere Handlungen steuern kann.
Ist es nicht etwas armseelig das ganze als gesellschaftliches Phänomen abzutun, das könnte ja als Entschuldigung gelten, so nach dem Motto: Ich kann ja garnicht anders?!?

Ich bin wohl nicht in der Lage dies als gesellschaftliches Phänomen zu erkennen, denn ich bin betroffen und ein Herzensmensch. Ich freue mich über Dein Plädoyer im letzten Absatz und kann mich dem nur anschließen.

Ich glaube ich werde meinen Nutzernamen in careful ändern.... ;o)
 

Freitag

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  • #23
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Das erkennt man wohl unter anderem auch daran, dass zu unseren größten Sorgen mitunter eine kommentarlose Verabschiedung bei Parship gehört --- ein sicheres Zeichen dafür, dass es uns und unserer Gesellschaft insgesamt eigentlich verdammt gut gehen muss.
lasst uns tanzen und jubeln vor freude weil wir einen vollen bauch haben, arbeit und dach überm kopf und genug zeit um hier geistigen durchfall abzulassen.
wie du anhand der zahlreichen beiträge im forum sicherlich erkannt hast genügt das nicht um den menschen glücklich zu machen.
 

SineNomine

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  • #24
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Freitag:
lasst uns tanzen und jubeln vor freude weil wir einen vollen bauch haben, arbeit und dach überm kopf und genug zeit um hier geistigen durchfall abzulassen.
wie du anhand der zahlreichen beiträge im forum sicherlich erkannt hast genügt das nicht um den menschen glücklich zu machen.

Darüber, dass das alleine die meisten Menschen sicherlich nicht glücklich macht besteht zwischen uns wohl Einigkeit.
Ebenso einigen können wir uns hoffentlich darauf, dass die weitgehende Befreitheit von wirklich existenziellen Sorgen uns reichlich Möglichkeiten eröffnet unser jeweiliges Glück zu suchen und zu finden, dass es, etwas überspitzt formuliert, also eigentlich noch nie so leicht wie hier und heute war glücklich zu werden und dass es, wenn wir trotzdem unser Glück nicht finden, wohl weniger an unserer Zeit, einem oft herbeigeschriebenen und nie belegten allgemeinen Sittenverfall oder ähnlichem liegt, sondern eher an unseren konkreten Lebensumständen (und zwar mitunter auch an solchen, die wir durchaus selbst ändern könnten).
 

Freitag

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  • #25
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
dass es, wenn wir trotzdem unser Glück nicht finden, wohl weniger an unserer Zeit liegt, sondern eher an unseren konkreten Lebensumständen (und zwar mitunter auch an solchen, die wir durchaus selbst ändern könnten).
lamentiere nicht sondern fang an was zu ändern und vergiß nicht uns dann die exakte anleitung zu geben wie wir unser glück finden :)
 
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  • #26
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Darüber, dass das alleine die meisten Menschen sicherlich nicht glücklich macht besteht zwischen uns wohl Einigkeit.
Ebenso einigen können wir uns hoffentlich darauf, dass die weitgehende Befreitheit von wirklich existenziellen Sorgen uns reichlich Möglichkeiten eröffnet unser jeweiliges Glück zu suchen und zu finden, dass es, etwas überspitzt formuliert, also eigentlich noch nie so leicht wie hier und heute war glücklich zu werden und dass es, wenn wir trotzdem unser Glück nicht finden, wohl weniger an unserer Zeit, einem oft herbeigeschriebenen und nie belegten allgemeinen Sittenverfall oder ähnlichem liegt, sondern eher an unseren konkreten Lebensumständen (und zwar mitunter auch an solchen, die wir durchaus selbst ändern könnten).

Du hast in allen Punkten Recht, aber manchmal hat man keine Lust alles gesamtgesellschaftlich oder historisch zu relativieren. Wenn man todtraurig ist, weil in der Liebe etwas schiefgegangen ist und man sich nur noch schlecht und einsam fühlt - was hilft es mir dann, an entrechtete Arbeiterkinder im 19.Jahrhundert zu denken, überspitzt gesagt ?.... AB UND ZU ist ein weiterer Blick sicher ganz nützlich, um sich nicht nur im eigenen "Elend" zu wälzen - aber trotzdem darf man manchmal auch untröstlich unglücklich sein... Da stimmt´s du auch zu, oder ? ;-)
 

SineNomine

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  • #27
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Freitag:
lamentiere nicht sondern fang an was zu ändern und vergiß nicht uns dann die exakte anleitung zu geben wie wir unser glück finden :)

Ich muss an meinen Lebensumständen eigentlich nicht sonderlich viel ändern, ich bin im Wesentlichen schon recht glücklich. Eine Partnerschaft könnte zwar noch eine weitere "Geschmacksrichtung" von Glück beisteuern, aber letztlich "schmeckt" mir mein Leben auch ohne ganz gut.

Und was das gesuchte Rezept zum Glück angeht, dass kann ich Dir leider auch nicht bieten --- nicht zuletzt deshalb, weil das Rezept natürlich davon abhängt, was das jeweilige Leben so an Zutaten zu bieten hat. Aber falls Du es mal vor lauter Glück nicht mehr aushalten können solltest sei Dir Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein" ans Herz gelegt. ;-)
 

Raphaela

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  • #28
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Darüber, dass das alleine die meisten Menschen sicherlich nicht glücklich macht besteht zwischen uns wohl Einigkeit.
Ebenso einigen können wir uns hoffentlich darauf, dass die weitgehende Befreitheit von wirklich existenziellen Sorgen uns reichlich Möglichkeiten eröffnet unser jeweiliges Glück zu suchen und zu finden, dass es, etwas überspitzt formuliert, also eigentlich noch nie so leicht wie hier und heute war glücklich zu werden und dass es, wenn wir trotzdem unser Glück nicht finden, wohl weniger an unserer Zeit, einem oft herbeigeschriebenen und nie belegten allgemeinen Sittenverfall oder ähnlichem liegt, sondern eher an unseren konkreten Lebensumständen (und zwar mitunter auch an solchen, die wir durchaus selbst ändern könnten).

Ganz genau!!!

Allerdings wollen manche Menschen wohl auch nicht begreifen, dass sie die Möglichkeit haben bzw. dass es in ihrer Hand liegt, ihr Leben zu ändern. Dann - und genau dann - benutzen sie diverse Schuldzuweisungen, "historische Betrachtungen" oder gar Verschwörungstheorien. Sie betäuben ihren Geist mit Allgemeinplätzen, um sich nicht selbst auf den Weg machen zu müssen...
 

SineNomine

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  • #29
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von Schreiberin:
Wenn man todtraurig ist, weil in der Liebe etwas schiefgegangen ist und man sich nur noch schlecht und einsam fühlt - was hilft es mir dann, an entrechtete Arbeiterkinder im 19.Jahrhundert zu denken, überspitzt gesagt ?

Nichts. Ich finde es auch völlig in Ordnung, normal und letztlich sehr gesund und gut sich ab und an todtraurig und hundeelend zu fühlen, egal ob nun aus Liebeskummer oder aus irgendeinem anderen Grund. Ich brauche solche Momente geradezu, um mal wieder ein paar Ecken tief unten im Seelenkeller zu besuchen um dort aufzuräumen und durchzulüften, bevor dort Schimmel entsteht. Ohne traurige und/oder melancholische Tage könnte ich die glücklichen und heiteren kaum so geniessen wie ich es tue. Und mal ehrlich: Wann sonst sollte man bitte "The End" von den Doors, "Paint it Black" von den Rolling Stones oder "Fade to Black" oder auch "One" von Metallica so richtig geniessen? :)
 

Raphaela

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  • #30
AW: "Die Geister, die ich rief" oder "Wie erzeugen wir uns selbst?"

Zitat von SineNomine:
Ja. Und wir leben in einer Welt mit Verbindlichkeit, Individualität, mit "Mehr sein als Schein", echten gelebten Wertvorstellungen und Authenzität. Auch davon sind wir ein Teil.
Und in welchem Teil dieser offenkundig sehr divergenten Welt wir unser Leben bevorzugt ansiedeln, aus welchem Teil dieser Welt unsere Partnerinnen und Partner, unsere Dates, unsere Freunde, unser Arbeitsumfeld und vieles mehr kommt, darüber entscheidet niemand anderes als wir selbst. Jeden Tag aufs Neue.

Wir können nicht die Welt als Ganzes ändern, aber wir können /unseren/ Teil der Welt, unseren kleinen Mikrokosmos in dem wir leben, aktiv mitgestalten, Verantwortung für unser eigenes Handeln übernehmen und dafür sorgen, dass wir beim Blick in den Spiegel keinen Ekel empfinden. Mag sein, dass uns das nicht jeden Tag gleich gut gelingt, dass wir uns manchmal in dem von Dir skizzierten Teil der Welt wiederfinden, aber der andere Teil der Welt steht uns jederzeit offen.

Ich schätze es sehr, wenn jemand etwas so Wichtiges so klar auf den Punkt bringt!
Danke, SineNomine!
Vielleicht gebe ich Dir ja bald mal einen Namen ;-)