gwohlfahrt

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  • #1

Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Hallo,


da wir uns ja alle in ähnlichen Booten befinden, mal eine Frage zu euren Wohnverhältnissen. Die Gründe für das Singleleben sind zwar sehr unterschiedlich, aber doch auch mit Alleinsein verbunden, was die Eine oder den Anderen nicht zwangsläufig stören muss, offensichtlich aber regelmäßig als Problem geäußert wird.

Ich finde es jedenfalls oft als Mangel, in die leere Wohnung zu kommen, auch wenn ich mich grundsätzlich gut mit mir selbst beschäftigen kann.

Daher Frage ich mich: Wohnt Ihr als Single allein (und klein) ? Oder könntet ihr euch auch ein, zumindest temporäres Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen ? Ich meine natürlich keine laute StudentenWG, sondern eine gehobene "Berufstätigen WG" oder wie man es auch nennen möchte (keine Business Zweck WG).


Mit einem Gruß

Günther/34
 
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  • #2
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Hallo Günther,

also ich könnte mit kein WG Leben vorstellen. Ich habe zwar nach meiner Scheidung das Haus behalten, aber die bauliche Aufteilung ist nicht WG geeignet. Mir wurde das auch schon öfters von Bekannten oder Nachbarn vorgeschlagen, vor allem um die monatlichen Fixkosten zu senken. Aber ich war schon immer Individualist. ich kann mit dem einen von mir geliebten Menschen alles teilen, aber niemals mit erstmal Fremden ein Wohnzimmer, Küche und Bad.
Dann lieber allein im Haus.
In meiner Jugend hab ich mal während der Arbeit in einem Wohnheim gelebt. Nie wieder, denn das wäre für mich ein Rückschritt.
Für manch anderen währe das aber sicher eine Alternative.

LG
 

BellaDonna

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  • #3
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Nein, i.A. kann ich mir gar kein zusammen wohnen in irgendeiner Art vorstellen.
wenn meine Freundin ihren Mann beerdigt hat, dann wollen wir in eine "AltenWG" einsteigen.

So der Plan.
 
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  • #4
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Wenn die Wohnung/das Haus groß genug ist und man einen eigenen, 'privaten' Bereich hat, kann ich mir das gut vorstellen.
Als ich noch jünger war, habe ich mal gemeinsam mit einer anderen Frau, mit der ich zu Beginn nur gut bekannt und nicht befreundet war, in einer Wohnung gewohnt. Das war eigentlich sehr angenehm (wenn man mal von gelegentlichen Friktionen im Zusammenhang mit unterschiedlichem Ordnungsempfinden o.ä. absieht), weil wir, wenn uns danach war, 'Ansprache' hatten. Wir sind bis heute befreundet.
Als ich dann aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt gezogen bin und wieder allein wohnte, musste ich mich erstmal umgewöhnen. Meine derzeitige Wohnung (nochmal in einer anderen Stadt) liebe ich sehr. Sie ist ganz oben und hell. Da alles 'offen' ist, kann ich mir schwer vorstellen, dort dauerhaft mit einer zweiten Person zu leben. Denn ich hatte - schon als Kind - immer gerne die Möglichkeit, 'für mich' zu sein.
 

anaj

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  • #5
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Ich habe schon einige Male in einer WG gewohnt und war immer wieder froh, dann doch wieder ausziehen zu koennen. Als Notloesung fuer ein paar Wochen / Monate ist es ok, aber sonst moechte ich meinen eigenen Rueckzugsraum haben, der nicht nur aus einem Zimmer besteht.

Ob ich nun Single bin oder nicht. Ich fuehle mich in meiner Wohnung immer wohl und habe mich nie einsam gefuehlt, weil ich alleine wohne. Wenn es so waere, dann koennte ich mich mit Freunden treffen oder sie zu mir einladen. In meiner eigenen Wohnung kann ich machen was ich will und wann ich will. Diese Freiheit finde ich genial. Auch in einer Beziehung ist es schoener, wenn keiner in einer WG wohnt.

Ich wuerde auch keinen Mann ueber 30 daten wollen, der in einer WG wohnt. Das Studentenleben habe ich hinter mir. Ich geniesse lieber die Vorzuege der eigenen Wohnung.
 
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Alice

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  • #6
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Ich könnte mir ein WG-Leben nicht vorstellen.... Nicht der WG oder zu Beginn fremden Person wegen, aber weil ich meine Wohnung liebe und nicht irgendwohin ziehen möchte. Meine Wohnung ist (für meinen Geschmack) zu klein für noch weitere Personen. Ich habe ein Schlafzimmer, ein Büro, ein Wohnzimmer und eine Küche. Alles komplett mit teuren Möbel eingerichtet, von denen ich mich ungern trennen würde, jedenfalls nicht für das Erlebnis einer WG. Wenn's dann darum geht, mit einem neuen Lebenspartner zusammenzuziehen, müsste ohnehin gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden. Da könnte ich sicher Kompromisse eingehen. Aber das steht im Moment noch nicht zur Diskussion...
 

Dreamerin

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  • #7
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von gwohlfahrt:
Daher Frage ich mich: Wohnt Ihr als Single allein (und klein) ? Oder könntet ihr euch auch ein, zumindest temporäres Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen ? Ich meine natürlich keine laute StudentenWG, sondern eine gehobene "Berufstätigen WG" oder wie man es auch nennen möchte (keine Business Zweck WG).34
Ein leben in einer WG im eigentlichen Sinne ist für mich nicht vorstellbar. Eine eigene Wohnung sollte für mich schon sein.
Vor sechs Jahren bin ich in ein grundsaniertes Mietshaus mit acht Wohnungen gezogen. Alle Mieter sind sozusagen zur gleichen zeit neu eingezogen. Es stellte sich heraus, dass es nur ein einziges Ehepaar gibt. Alle anderen sieben Mieter waren und sind Singles unterschiedlichen Alters. Sechs Frauen und ein Mann.Toll, dachte ich, das ist es doch. Da ergeben sich doch bestimmt nette Kontakte. Es gibt auch einen schönen grünen Hof, wo man sich bestimmt zusammen findet. Jeder hat sein Reich und trotzdem könnte eine tolle Gemeinschaft ergeben. Mein Wunschdenken ist nicht aufgegangen. Mehr als ein guten Tag oder maximal mal ein Paket für den anderen annehmen ist nicht draus geworden. Kaum begegnet man mal jemandem im Treppenhaus oder auch in dem gemeinsamen Waschkeller. Die totale Anonymität. Funktioniert überhaupt nicht. Hat so ein bisschen was von online-dating. Muss ich zugeben. Jeder wurde gleich (auch von mir) irgendwie aussortiert. Die eine ist zu laut auf dem Balkon, die andere habe ich fast noch nie gesehen, die nächste hat sich schon des Öfteren über meine knarrenden Dielen beklagt ( für die ich nun wirklich nichts kann), usw. Jeder macht seine Tür zu und Schluss. Schade eigentlich. Hätte mir eine solche Wohnform schön vorgestellt. Keiner von uns sieben hat in all den Jahren offenbar einen Partner gefunden und trotzdem geht keiner auf den andern zu. Man kennt sich nur vom sehen. Offenbar sind alle mit sich selbst beschäftigt und nicht an weiteren Kontakten interessiert. Jeder lebt so vor sich her.
Schade!
 
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Deleted member 4363

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  • #8
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

[Daher Frage ich mich: Wohnt Ihr als Single allein (und klein) ? Oder könntet ihr euch auch ein, zumindest temporäres Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen ? [/QUOTE]

Ich habe schon einige Wohnformen ausprobiert und wenn ich bewerten sollte, welche mir am besten gefallen hat, waren es eindeutig die zehn Jahre "Mädels-WG" (von Mitte 20 bis Mitte 30) in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Partner waren immer willkommen und haben das WG Leben sehr bereichert.
Zur Zeit teile ich meine Wohnung mit meinem Sohn und freue mich sehr auf den Zeitpunkt seines Auszuges. Dann ist "alles meins"!!! :)
Das heißt aber nicht, dass ich es (nach einer angemessenen Zeit) ausschliessen würde, später wieder in einer WG zu wohnen, vielleicht mit anderen "Oldies", auch mit Partner.
 
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Chirat

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  • #9
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von gwohlfahrt:
Oder könntet ihr euch auch ein, zumindest temporäres Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen ? Ich meine natürlich keine laute StudentenWG, sondern eine gehobene "Berufstätigen WG" oder wie man es auch nennen möchte (keine Business Zweck WG).

Ja, das könnte ich mir sogar sehr gut vorstellen. Ich habe verschiedene zeitlich befristete Auslandsaufenthalte hinter mir, da habe ich stets bewusst die WG-Form gewählt. Da ich jemand bin, der bei zu viel alleine sein automatisch ins Grübeln kommt, tut mir die blosse Anwesenheit von anderen Menschen gut. Für mich müsste es nicht zwingend eine gehobene Berufstätigen WG sein, sondern wie bisher ein guter Mix von Alter und Hintergrund. Am liebsten würde ich allerdings mit meinem künftigen Partner zusammen wohnen. Vielleicht war ich in einem früheren Leben ein Wellensittich ;-))
 

Chirat

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  • #10
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Dreamerin:
Jeder macht seine Tür zu und Schluss. Schade eigentlich. Hätte mir eine solche Wohnform schön vorgestellt. Keiner von uns sieben hat in all den Jahren offenbar einen Partner gefunden und trotzdem geht keiner auf den andern zu. Man kennt sich nur vom sehen. Offenbar sind alle mit sich selbst beschäftigt und nicht an weiteren Kontakten interessiert. Jeder lebt so vor sich her. Schade!

Eine Möglichkeit, das Eis zu brechen wäre ein "Abend der offenen Tür" (z.B. deiner), wo alle etwas zu Essen oder Trinken mitbringen können. Vielleicht könntest du zusätzlich ein paar besonders offene Freunde einladen, die neutralisieren möglicherweise die festgefahrenen Fronten (die mit den lauten Dielen, diejenige die kaum grüsst etc.) zwischen euch. In meiner erweiterten Nachbarschaft hat das bisher gut geklappt. Es kommen nie alle, aber diejenigen die es tun, zeigen eine gewisse Bereitschaft, etwas näheren Kontakt aufzunehmen.
 
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authentisch_gelöscht

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  • #11
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Bevor ich einst mit meinem Ex-Mann zusammenzog, und auch noch während ich mit ihm zusammen war, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich je allein leben und es geniessen würde. Ich dachte mir, wenn ich je wieder single sein sollte, dann würde ich auf jeden Fall in einer WG wohnen, so wie früher.
Ich habe Erfahrung mit einer 2er WG mit einer Freundin, mit einer 5er und einer 6er WG mit zuvor Unbekannten, eine davon international bunt gemischt (aus 4 Kontinenten). Das war teilweise anstrengend, aber auch bereichernd und anregend. Ich hätte mir das durchaus wieder vorstellen können.
Als es dann aber zu unserer Trennung kam, da konnte ich mir schlicht nicht mehr vorstellen, aus meiner Wohnung auszuziehen. Die Wohnung war ein Ort geworden, an dem ich mich ganz besonders wohl fühle. Ich will sie einfach nicht mehr hergeben! Für eine WG ist sie zu klein, leider, wie ich zunächst dachte. Aber mein Wohlgefühl in der Wohnung war mir wichtiger als die WG... Deshalb litt ich etwa zwei Jahre am Alleinsein. Übrigens in einem ähnlichen Gebäude, wie es Dreamerin beschreibt. Fast alle neun Wohnungen sind mit Singles besetzt. Ich habe mich lange Zeit auch ähnlich gefühlt wie Dreamerin. Bis ich eines Tages meine Nachbarin einfach so zum Kaffee einlud. Und dann nochmals... Inzwischen ist sie eine meiner besten Freundinnen geworden. Es geht also.

Ich habe inzwischen auch bei anderen Gelegenheiten entdeckt, dass die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne nur ein Gefühl ist. Ein Gefühl zwar, das vielen Leuten eigen ist, aber Gefühle sind nichts Objektives, sondern wir fühlen sie selbst. Wenn ich nicht mehr daran glaube, dass ich allein bin auf dieser Welt und ein bisschen mutig bin, dann kann ich die Einsamkeit durchbrechen.

Wer auf Dauer einsam ist, der will es vermutlich so. Der ewig Einsame will seine Rolle nicht wirklich aufgeben, jedenfalls nicht aus eigenem Antrieb. (Dies nur so mal als 1. Hypothese.)

Aber viele Angsthasen lassen sich auch durch einfaches Ansprechen oder durch eine Einladung auf einen Kaffee ganz gerne aus der momentanen Einsamkeit herausholen. Manchmal braucht es jedoch ein bisschen Geduld und Beharrlichkeit, auch Offenheit und Spontaneität, um die eingerostet Einsamen zu FreundInnen zu machen, die sich auch mal mit einer Gegeneinladung revanchieren. Übrigens ist es vielleicht eine besonders wirksame Methode, jemanden trotz grässlich unaufgeräumter Wohnung einzuladen... (Die 2. Hypothese wäre deshalb, dass wir, wenn wir unsere eigene Einsamkeit durchbrechen, dasselbe gleichzeitig auch mit der Einsamkeit von anderen Menschen tun.)

Heike wird mich wohl jetzt wegen grober Fehler in der Logik fertigmachen, aber es geht diesmal nicht um die Logik, sondern um Gefühle.
 
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  • #12
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Dreamerin:
Jeder macht seine Tür zu und Schluss. Schade eigentlich. Hätte mir eine solche Wohnform schön vorgestellt. Keiner von uns sieben hat in all den Jahren offenbar einen Partner gefunden und trotzdem geht keiner auf den andern zu.

Warum machst Du nicht einfach den ersten Schritt?
 

Dreamerin

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  • #13
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Verärgert:
Warum machst Du nicht einfach den ersten Schritt?
Weil mich keine der Personen neugierig macht. Das war ganz zu Anfang so, jetzt nicht mehr.
Und weil ich eben auch so ein Einigeltyp bin. Schon als Kind stand ich am Zaum zum Nachbarhaus und habe darauf gehofft, das die andern Kinder mich fragen ob ich rüber kommen will zum spielen. Ich brauche die Initialzündung von außen, dann kann ich auch schnell auf Menschen zugehen und bin dann sehr kommunikativ.
Beim Onlinedating bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe lange von mir aus Männer angeschrieben. Mit mehr als mäßigem Erfolg. Also wieder rein ins Schneckenhaus, in die Komfortzone. Aber immerhin, mit ausgestreckten Fühlern und offenen Augen.... ;-)
 
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authentisch_gelöscht

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  • #14
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Dreamerin:
Weil mich keine der Personen neugierig macht. Das war ganz zu Anfang so, jetzt nicht mehr.
Und weil ich eben auch so ein Einigeltyp bin. Schon als Kind stand ich am Zaum zum Nachbarhaus und habe darauf gehofft, das die andern Kinder mich fragen ob ich rüber kommen will zum spielen. Ich brauche die Initialzündung von außen, dann kann ich auch schnell auf Menschen zugehen und bin dann sehr kommunikativ.
Beim Onlinedating bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe lange von mir aus Männer angeschrieben. Mit mehr als mäßigem Erfolg. Also wieder rein ins Schneckenhaus, in die Komfortzone. Aber immerhin, mit ausgestreckten Fühlern und offenen Augen.... ;-)

Hallo Dreamerin
Ist es nicht so, dass du auf diese Weise deine eigene Einsamkeit den andern anlastest?
Willst du ihnen wirklich die Verantwortung für deine Gefühle übergeben?
Und: weshalb sollten dich Menschen neugierig machen, wenn du sie nur im Treppenhaus vorübergehen siehst? Kommt das wirkliche Interesse nicht erst mit dem Kennenlernen?
Wäre es nicht immerhin spannender, ein "langweiliges" Gespräch mit einem anderen Menschen zu führen, statt nur hin und her zu überlegen, ob du das Risiko eingehen willst?
Was wäre denn genau das Risiko, das du dabei eingehen würdest?
Bist du gerne einsam, oder was genau macht, dass du dich dann "in der Komfortzone" fühlst?
 

Dreamerin

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  • #15
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von authentisch:
Ist es nicht so, dass du auf diese Weise deine eigene Einsamkeit den andern anlastest?
Willst du ihnen wirklich die Verantwortung für deine Gefühle übergeben?
Und: weshalb sollten dich Menschen neugierig machen, wenn du sie nur im Treppenhaus vorübergehen siehst? Kommt das wirkliche Interesse nicht erst mit dem Kennenlernen?
Wäre es nicht immerhin spannender, ein "langweiliges" Gespräch mit einem anderen Menschen zu führen, statt nur hin und her zu überlegen, ob du das Risiko eingehen willst?
Was wäre denn genau das Risiko, das du dabei eingehen würdest?
Bist du gerne einsam, oder was genau macht, dass du dich dann "in der Komfortzone" fühlst?
Nein, das Thema dominiert mich nicht. Und ich laste auch niemandem etwas an. Es war nur damals so ein Gedanke von mir, vielleicht eine nette Nachbarschaft zu finden. Zu der Zeit war ich noch in meiner letzten (fern)Beziehung. Wohne seit sechs Jahren hier und bin erst die letzten zwei Jahr unbemannt. Ich bin sehr in meinem Job integriert, bin in der Woche nie viel zu Hause, da fehlt mir nichts. Und ich suche nicht unbedingt nach neuen weiblichen Bekannten, sondern nach einem Partner. Es ist schon ok so, wie es ist. Vielleicht habe ich das falsch rübergebracht. Bin eher der introvertierte Typ außerhalb des Jobs.
 
A

authentisch_gelöscht

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  • #17
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Kann sein, dass ich deine Aussage, liebe Dreamerin, wegen des Threadtitels zu stark in Richtung Einsamkeit gedeutet habe. Wenn es dich gar nicht so stört, ist es natürlich etwas anderes.

Ich frage mich aber gerade, ob es nicht einfacher wird, einen Partner zu finden, wenn frau sich auch im Allgemeinen leichter öffnet, wenn sie kontaktfreudiger ist, wenn sie lockerer mit anderen Menschen umgeht. Übung im Anbahnen von Kontakten macht vielleicht auch spontaner, selbstsicherer und fröhlicher bei der Partnersuche. Oder bilde ich mir das nur ein?
 

Dreamerin

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  • #18
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Verärgert:
Ja, das hast Du dann wohl. Bei mir kam's jedenfalls so an, als würdest Du bedauern, dass es so ist.
Nein, ich bedaure es nicht. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, in ein Singlehaus zu ziehen, dachte, sowas gibt's gar nicht, wenn nicht explizit gewünscht. Und dachte zu Anfang, dass es vielleicht interessant werden könnte. Wurde es aber nicht. Und auch so ist es für mich ok.
Um mal zurück zum Thema zu kommen: die Ausgangsfrage war ja, ob man sich eine WG vorstellen kann. Ich habe noch nie in einer solchen gelebt. In meiner Definition ist eine WG etwas, wo vielleicht jeder sein Zimmer hat, aber der Rest der Wohnung oder des Hauses von allen genutzt wird.
Nein, dass ist für mich nicht vorstellbar.
 

Dreamerin

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  • #19
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von authentisch:
Ich frage mich aber gerade, ob es nicht einfacher wird, einen Partner zu finden, wenn frau sich auch im Allgemeinen leichter öffnet, wenn sie kontaktfreudiger ist, wenn sie lockerer mit anderen Menschen umgeht. Übung im Anbahnen von Kontakten macht vielleicht auch spontaner, selbstsicherer und fröhlicher bei der Partnersuche. Oder bilde ich mir das nur ein?
Nein, das bildest du dir nicht ein. Und ganz sicher ist es einfacher, einen Partner zu finden, wenn das von dir oben genannte zutrifft.
Doch ich denke dabei: man ist, wie man ist. Ich bin jetzt 51 und werde mich in diesen Dingen sicher nicht mehr grundlegend ändern. Das Leben hat mich geprägt und ich bin einmal verwitwet, einmal geschieden und war lange Zeit sehr krank. Durch all diese Dinge hat sich immer wieder mein Freundeskreis vollkommen verändert und wurde immer kleiner.
Doch ich bin keineswegs verbittert. Nur, werde ich sicher nicht mehr mein Wesen vollkommen ändern.
 
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authentisch_gelöscht

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  • #20
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Liebe Dreamerin
Offenbar hast du einiges durchgemacht. Das war sicher nicht einfach, und es tut mir leid, dass dabei dein Freundeskreis kleiner geworden ist.
Sicher wirst du dein Wesen nicht völlig ändern. Ich finde es aber schade, wenn du gar nicht versuchst, stärker auf andere zuzugehen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, von einer relativ schüchternen und eher traurigen, grüblerischen Person zu einem ziemlich kontaktfreudigen Menschen zu werden. Wichtig war, mutig zu sein und mich einzulassen auf Neues. Natürlich bin ich dabei nicht wirklich ein anderes Wesen geworden. Ich denke, es ist eher so, dass ich mich jetzt mehr getraue, wirklich so zu sein, wie ich bin und schon immer war. Früher war ich aber verkrampft und ängstlich und habe mir zu viel Sorgen gemacht, was andere über mich denken könnten. Durch die neuen Freundschaften und Kontakte habe ich eigentlich bloss etwas ganz Kleines gelernt, oder auch etwas ganz Grosses, je nachdem, wie ich es drehe: Alle andern sind auch Menschen (mit dem Positiven und dem Negativen, welches dies beinhaltet). Das bedeutet, dass auch ich einfach ein Mensch sein darf. Dass ich einfach ich sein darf.
Vielleicht tönt das jetzt ein bisschen krass oder auch blöd, aber ich formuliere meine Erkenntnisse gerne etwas überspitzt, um sie besser auf den Punkt zu bringen. Aber egal, was ich eigentlich sagen wollte: Wenn wir mutig sind und etwas wagen, kann es sein, dass wir nach einiger Zeit über das, was sich geändert hat, staunen.
Wenn sich Dinge offenbar (auch in deiner Erfahrung) negativ verändern können, weshalb sollen sie dann nicht auch positive Wandlungen durchmachen können?
 

Dreamerin

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  • #21
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Liebe authentisch,
Ich danke dir, dass du dir die Zeit für deine Beiträge an mich genommen hast. Aber an dieser Stelle möchte ich nicht weitermachen, das ist mir jetzt zu privat, was ich dir antworten könnte. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel!
Und eigentlich war die Frage der TE ja auch, ob wir uns ein Leben in einer WG vorstellen könnten.
 
A

authentisch_gelöscht

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  • #22
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Liebe Dreamerin
Nein, natürlich nehme ich dir das nicht übel.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
 

Satjamira

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  • #23
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Bevor mein Partner und ich ins Konkubinat einstiegen, war ich während der Ausbildungen in WG's, also nie alleine.
Zum ersten Mal alleine nach der Scheidung, als meine Tochter ausgezogen war. Ein halbes Jahr fand es schon arg still im Haus. Zum Glück hatte ich noch zwei Wellensittiche, die mit mir kommunizierten, wenn ich heim kam.
Ich wollte etwas ändern und lud einen befreundeten Amerikaner ein bei mir zu wohnen. In seiner übergangssituation blieb er 3 Monate zu Gast. Also erste WG und es war eine gute Zeit, da wir uns in vielem gut ergänzten. Da er schwul war, ergab sich keine Partnerschaft aber wie es aussieht eine lebenslange Freundschaft. Danach zog ein Partner bei mir ein - es wurde so schwierig, dass ich ihn rausgeschmissen habe.
Das waren die ersten Schritt für eine zukünftige eigene WG. Ich habe es nicht bereut. Es braucht Toleranz, es braucht gegenseitiges Reden wenn etwas nicht stimmt und es ist ein toller Lernprozess.
Mein Haus ist gross genug und auf drei Stockwerken. Ich kann gut alleine leben, doch dafür ist mir das Haus zu gross und dann würde ich eher in eine Wohnung ziehen. In den letzten 7 Jahren habe ich unterschiedlichste Menschen aufgenommen und habe sehr Schönes erlebt auch Herausforderndes, doch ich kam immer damit klar. Wenn etwas nicht mehr gepasst hat, habe ich jeweils gekündigt, wieder ein zeitlang alleine gelebt, bis ich wieder dazu bereit war. Zuerst hatte ich eine Person in Untermiete, danach zwei, zuletzt drei. Ab Sommer werden alle ausgezogen sein und ich werde mich neu orientieren. Mal sehen was kommt... Ich finde es schön ein offenes Haus zu haben, da ich genügend Rückzugsräume habe.
 
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GLÜCKLICH

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  • #25
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von gwohlfahrt:
Frage zu euren Wohnverhältnissen.
Ich finde es jedenfalls oft als Mangel, in die leere Wohnung zu kommen, auch wenn ich mich grundsätzlich gut mit mir selbst beschäftigen kann.
Wohnt Ihr als Single allein (und klein) ? Oder könntet ihr euch auch ein, zumindest temporäres Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen ? Ich meine natürlich keine laute StudentenWG, sondern eine gehobene "Berufstätigen WG" oder wie man es auch nennen möchte (keine Business Zweck WG)
Das ist individuell sicherlich sehr unterschiedlich. Als Studentin hatte ich nur eine kleine Wohnung (2 Zimmer). Seit vielen Jahren wohne ich sehr gerne alleine, aber nicht klein, sondern angenehm groß. Ich empfinde meine Wohnung nicht als leer, wenn ich nach Hause komme. Ich bin doch da und möchte abschalten...
Dazwischen hatte ich, bedingt durch mehrere temporäre Ortswechsel, Zeiten in einigen Wohngemeinschaften, die alle angenehm waren. Das könnte ich mir wieder vorstellen. Mit mindestens zwei (besser drei) eigenen Zimmern und privatem Badezimmer wäre das für mich kein Problem.
 
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Marvin

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  • #26
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Ich wohne auch gar nicht so gern allein - hätte Ende letzen Jahres fast ganz spontan mal eben ein WG Projekt gestartet. Das ist dann an ein paar obskuren praktischen Hindernissen gescheitert. Ich kann mir das also schon gut vorstellen - war am Planen - auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung für eine 3er WG.

Heute würde ich das vermutlich (so) nicht mehr machen. Hat man wieder jemanden gefunden, ist man mit der eigenen Wohnung besser bedient. Die mangelnde Privatsphäre kann Komplikationen schaffen - die keiner braucht.

Das Problem der krassen 'Stimmungstiefs' in die man als Single geraten kann, gehe ich mit Yoga (lustiger Kurs ua) an. Ausserdem bin ich viel mehr Unterwegs als früher, treffe mehr Leute. Irgendwie muss man sich am Schopf packen und selbst aus dem Sumpf ziehen - was nicht immer einfach ist.
 
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Tollpatsch

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  • #27
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Hallo gwohlfahrt

Eine wirklich Interessante Frage, die Du uns stellst. Da mein Singleleben unter Anderem die eigene Unabhängigkeit zum Ziel hatte, bin ich natürlich auch strikte gegen eine Wohngemeinschaft eingestellt.

Auch finde ich es falsch, die Einsamkeit mit einer Wohngemeinschaft überbrücken zu wollen. Denn dieses Gefühl der Leere in meiner Wohnung ist das, was mich antreibt, sie wieder zu verlassen und unter die Leute zu mischen.
 
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  • #29
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Hallo Günther,

mit Einsamkeit begann mein Leben und in Einsamkeit könnte es beendet werden.
Der Titel Deines Beitrages klingt wie eine bekannte wissenschaftliche Arbeit die als Buch erschienen ist. War es auch schon in der Postmoderne als ich in den 60 Jahren allein unter dem Küchentisch saß und vor mich hin phantasierte? Ich habe jedenfalls gelernt dass Einsamkeit und Sprachlosigkeit zum Hungertod führen könnte wenn die Großmutter nicht mal ein paar Teigwaren und etwas Salat anbieten würde. Hinterlegte Kinder sind bestens auf die später fortzusetzende Beziehungslosigkeit vorbereitet. Da stört keine Empathie die Konzentration auf die eigenen Belange. Ich kümmere mich um niemand. Wer es nicht schafft verschwindet eben von der Bildfläche aus meinem Gesichtsfeld.

Die WG meines Lebens kann ich mir durchaus vorstellen allerdings stelle ich mir das eher als ein Verbandeltsein von Menschen vor die ähnlich ticken, ähnlich denken und empfinden. Eine Art Orden ohne religiöse Unterfütterung. Die Freiheit von Religion wäre mir wichtig. Ich möchte nicht um 4 Uhr aufstehen um zu beten aber grundlegende Inhalte interessieren mich wie z.B. ........
 

Satjamira

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  • #30
AW: Die Einsamkeit des Individuums in der Postmoderne

Zitat von Marvin:
Ich kann mir das also schon gut vorstellen - war am Planen - auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung für eine 3er WG.

Drei Jungs, drei Mädels oder gemischt und immer ist einer irgendwie übrig, weil zwei sich gut verstehen.
Meine damalige 3-er WG mit zwei berufstätigen Männern, wovon einer nur während der Woche da war und sich überhaupt nicht am WG-Leben beitiligte, der andere war froh um Gesellschaft, lief sehr gut. Ordentliche, ruhige, anständige Männer. Ich hatte grosses Glück.