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  • #1

Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Hallo liebe Gemeinde,
ich bin jetzt mal ganz neu hier, besser gesagt ich lese schon länger mit und kenne schon die Altvorderen des Forums hier mit Spitznamen. Bevor ich mich nur mal kurz mit einer Beteiligung an einem Thema in die Nesseln setze, lege ich mich lieber mit einem eigenen so richtig rein.

Kennt von Euch jemand die Angst vor dem Wehtun? Die Angst davor, daß es wieder schrecklich wehtun kann, bei Beendigung einer Beziehung oder auch selbst nur bei kurzen selbstgedachten Strohfeuern? Ich habe vorher natürlich die Forumssuche bemüht und rein garnichts zu dem Thema gefunden. Ist das zu persönlich? Zu weihnachtlich? Ich merke einfach nur, es wird mit dem Älterwerden nicht besser, sondern stärker, das Gefühl der Verletzlichkeit.

Ich weiß, niemals das Thema Verletzlichkeit anbringen!! Da wird vei echt voll reingetreten. ;-) Auf diverse Reintreterungen bin ich echt gespannt. Aber bitte nicht unter die Gürtellinie, da tuts nämlich weh.

Grüsse von Neinichwarsnicht

PS: Falls dieses Thema was wird, werde ich wohl mal eines über das Foreninventar starten-
 
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  • #2
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Lieber Neinichwarsnicht

Natürlich habe ich auch Angst davor, verletzt zu werden. Ich denke, jeder und jede hier hat das. Der eine mehr, der andere ein bisschen weniger, je nach vorangegangenen Erfahrungen. Ich finde, das ist nichts wofür man sich schämen müsste. Diese Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Liebe macht uns doch erst so richtig menschlich und liebenswert.

Liebe Adventsgrüsse!

Regenbogenfrau
 
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  • #3
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Wenn Angst lebensverhindernd wird/wirkt, dann wird es Zeit, was zu tun. Sonst ist das Ende vom Lied nämlich vielleicht Robinson. Dafür sind wir Menschen aber nicht geschaffen.

Was ist das für ein Gefühl, was durch die Angst kommt? Klar, über Gefühle spricht man nicht. Uncool. Auch so eine Schutzfunktion. Die sinnvoll ist, sich aber auch verändern darf. Zumindest den Hauch einer Chance dafür zulassen. Die Angst annehmen, dann erst kann sie gehen. Schritt für Schritt

Viel Erfolg :)
 
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  • #4
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Hallo du warst es nicht,

ich vermute, dass das eine der grössten Ängste ist, dass man sosehr liebt dass es weh tut. Zu oft wurde diese Liebe die man fühlte auch unbewusst mit Füssen getreten und es tat weh.
Diese Angst bewirkt Verhaltensweisen die dann genau das implizieren.

Mir wurde schon so oft weh getan (ich will das nicht als Selbstmitleid verstehen), manchmal schien es, wenn ich am tiefsten liebte wurde ich am schwersten getroffen. Nun, es hat mich weder umgebracht noch desillusioniert auf Dauer. Vielleicht hat es im Gegenteil bewirkt, dass ich diese Grundangst auflösen konnte. Was weh tut kann heilen, wenn ich heil in mir bin tut es auch immer weniger oder gar nicht mehr weh.
Wichtig ist, sich die Narben mal angeschaut zu haben und dann zu erlauben, dass sie sich auch auflösen.

In diesem Sinne - ja es kann immer mal wieder weh tun weil es eben menschlich ist.

Alles Gute dir und viel Heilung für die Ängste die da sind wünsche ich uns allen, besonders in dieser Feiertagszeit.
Herzlich
Satjamira
 
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  • #5
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Hallo,
ich denke, es ist nur natürlich, diese Angst zu kennen. Meiner Ansicht nach gibt es fast nichts, was einem etwas wert ist, bei dem man nicht Angst hätte, es zu verlieren. Manchmal hat man etwas noch nicht einmal richtig und schon verliert man es wieder. Das kann etwas Sächliches sein oder eben auch einen Menschen. Dabei meine ich jetzt nicht, dass man diesen Menschen hat in Form von besitzen, vereinnahmen, eher die tangentiale Form, also die Berührungspunkte, das sich (gemeinsam?) Wohlfühlen.
Da kann es schon sehr wehtun. Andererseits darf man vor lauter Angst nicht wie das Häschen erstarren. Man sollte trotzdem versuchen, aufrecht zu gehen, auch einmal Gefahren zulassen, da ansonsten auch gar keine Chance besteht, die positiven Dinge zu erleben, positive Gefühle genießen zu können.

Alles Gute dir und ein schönes Wochenende euch allen

Nettmann
 
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  • #7
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Ja, kenne ich. Manchmal ist es wie eine Panik, nach dem Motto "wenn das vorbei ist, das überleb ich nicht". Dabei habe ich es schon oft überlebt. ;-)
 
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  • #8
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

.....Angst davor, dass es wehtun könnte, wenn die Beziehung zu Ende geht, habe ich nicht. Denn manchmal tut die Beziehung weh und das Ende ist sogar eine Art Befreiung. Ich habe eher Angst davor, ausgenutzt zu werden. Owohl Angst ein zu starker Ausdruck ist. Ich bin in gewissen Dingen einfach vorsichtiger geworden. Ich habe meine Lektion auf schmerzliche Weise gelernt.
 
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  • #9
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Die Beziehung, die für mich am schmerzvollsten war, war die Beziehung zu meinen Eltern (die aber auf ihre Weise ganz ok sind). Ich musste fast 40 werden, um das erst mal zu verstehen. Und auch zu verstehen, wie sich das heute in meinen Beziehungen zu Männern äussert. Tja, momentan fahre ich da wohl eine Vermeidungs-Strategie, obwohl ich mir eigentlich anderes wünschen würde.

Ich glaube – im Gegensatz zu einer/m Vorredner/in – nicht daran, dass alle Wunden heilen. Man kann die Vergangenheit nicht ändern. Man kann allenfalls lernen, damit umzugehen.
 
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  • #10
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Diese rege Beteiligung find ich ja schön. Vor Allem aber auch, daß alle bis jetzt doch recht vorsichtig mit dem Thema umgehen. Wahrscheinlich ist es aber auch keines, um anderen virtuell eine auf die Nase zu geben.

Bemerkenswert finde ich die Zweiteilung. Manche gehen eher auf den Schmerz ein, andere auf die Angst davor. Wobei sich beides für mich nicht trennen lässt. In jungen Jahren habe ich angstfrei begonnen, aber als die ersten Trennungen vorbei waren, kam die Angst vor dem Schmerz dazu. Nach einer besonders heftigen Trennungsphase mit zweijähriger anschließender Niedergeschlagenheit, hatte ich soviel Angst, daß keinerlei Lust mehr da war eine Beziehung einzugehen. Das hat sich zum Glück wieder gelegt. Ist auch schon einige Jahre und Beziehungen her. Aber ich merke, die Angst, auch wenn sie wesentlich geringer geworden ist, bleibt mein ständiger Begleiter. Interessanterweise tut es selbst beim daten weh, wenn ich mich ein paar Mal getroffen habe und es ansich ganz gut fand, oder mir auch nur Mühe gab. Es ist aber schon okay so.

Außer der vermeidungsstrategie, die suzanne angesprochen hat, gibt es wohl nicht wirklich eine Lösung. Ich stimme Dir auch zu, daß Wunden niemals vollständig heilen. Sie bleiben zumindest als Erfahrung Teil der Person.

Selbst Viola, die keine Angst hat, nimmt sich inzwischen zurück, sprich ist vorsichtig geworden.

Und delfin 1988 spricht mir aus der Seele. Ich weiß auch, daß ich alles überlebe. Ich habe selbst meine Ehe überlebt, welche die Hälfte der Zeit nicht mehr schön war.

Polly hat sicherlich Recht, sich nicht von der Angst dominieren zu lassen. Was könnte man dagegen tun fragt dreamerin. Wenn es so stark ist, daß das Leben nicht mehr lebenswert erscheint, dann läuft das sicherlich unter Angststörung. Da gibt es Therapien, die erfolgversprechend sind. Man und auch frau muß sich nur trauen. Wie Nettmann richtig schreibt, muß man sich der Angst stellen. Vermeidungsverhalten bringt garnichts.

Satjamira schreibt von einer Art selbsterfüllender Prophezeiung. Das verstehe ich nicht ganz und wäre für eine Erklärung dankbar.

Als Zusammenfassung kann ich mich regenbogenfrau nur anschließen.

Ich sende auch vorweihnachtliche Grüsse von Neinichwarsnicht und schaue mal, was noch so kommt!
 
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  • #11
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

....weh tun könnte....?
Was tut weh? Dass sich Wünsche, Träume und Erwartungen nicht erfüllt haben, plötzlich unterbrochen wurden?
Oder die Angst, dass es keine weitere Chance gibt, nochmal so glücklich zu sein, so etwas Schönes zu erleben, so einen faszinierenden Menschen kennen zu lernen?
Aber kann man dies wirklich wissen? Ich denke, nein.
Es sind nur unsere Gedanken, die uns so ängstigen. Wenn man sieht was wirklich ist und war, kann man verzeihen, loslassen oder akzeptieren und den heutigen Tag erleben ohne Schmerz und Angst vor dem was sein könnte. Dann heilen auch alle Wunden. Die Zeit allein heilt keine Wunde, welche auch immer, man muss dafür schon etwas tun. Aber dann kann man auch wieder das Leben genießen.
 
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  • #12
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Samstagsfrau hat noch einen interessanten Aspekt angebracht. Warum schmerzen Trennungen eigentlich? Oftmals war die Beziehung zum Schluß zumindest eher eine Katastrophe. Es schmerzt nur weniger, wenn man selbst die Beziehung beendet hat, es reicht aber immer noch.

Widersprechen muß ich aber bei der Frage, was das für eine Angst sei. Ich habe keine Angst, niemanden mehr zu finden. Dazu war ich schon zu oft in dieser Situation. Den Menschen machen doch die Gedanken menschlich? Da gehört eben die Angst dazu.
 
C

Clementine_geloescht

  • #13
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Zitat von Dreamerin:
Und was genau meinst du, was man dagegen tun könnte?
Die Frage hast du zwar polly gestellt… Ich könnte mir vorstellen, dass es helfen könnte, den (künftigen) Herzensmenschen erst besser kennenzulernen, bevor es körperlich wird. Zeit miteinander verbringen, die Gewohnheiten, das frühere Beziehungsverhalten, evtl. das Umfeld gegenseitig unverbindlich kennenlernen. (Damit meine ich nicht das strategische Abklappern eines Punkteplans) Diese Phase dürfte m.E. nach auch einige Monate dauern, je nach Intensität der Ängste. Eine Garantie ist es natürlich nicht. Aber immerhin weiss man da eher, auf was für einen Typ Menschen man sich einlässt, als wenn alles ruckzuck geht (was durchaus auch klappen kann, jedoch mehr mit Glück zu tun hat). Ich stelle mir vor, wenn ich einen Mann 'so' kennenlernen und er mir im Laufe der Zeit sachte über latent vorhandene Ängste erzählen würde, ich das sogar als einen Vertrauensbeweis betrachten könnte.
 
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  • #14
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Zitat von Clementine:
Die Frage hast du zwar polly gestellt… Ich könnte mir vorstellen, dass es helfen könnte, den (künftigen) Herzensmenschen erst besser kennenzulernen, bevor es körperlich wird. Zeit miteinander verbringen, die Gewohnheiten, das frühere Beziehungsverhalten, evtl. das Umfeld gegenseitig unverbindlich kennenlernen. (Damit meine ich nicht das strategische Abklappern eines Punkteplans) Diese Phase dürfte m.E. nach auch einige Monate dauern, je nach Intensität der Ängste. Eine Garantie ist es natürlich nicht. Aber immerhin weiss man da eher, auf was für einen Typ Menschen man sich einlässt, als wenn alles ruckzuck geht (was durchaus auch klappen kann, jedoch mehr mit Glück zu tun hat). Ich stelle mir vor, wenn ich einen Mann 'so' kennenlernen und er mir im Laufe der Zeit sachte über latent vorhandene Ängste erzählen würde, ich das sogar als einen Vertrauensbeweis betrachten könnte.
Das meinte ich nicht mit meiner Frage. Du bist da schon einen großen Schritt weiter. Ich meinte eher, was man tun kann, damit man überhaupt erstmal wieder diese Angst los wird, bevor überhaupt ein potentieller Partner in Sicht ist. So hatte ich zumindest die Frage der TE verstanden.
 
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  • #15
AW: Die Angst davor, daß es wehtun könnte...

Unsere Ängste sind genau so lebensnotwendig wie Hoffnung, Vertrauen und Lebensintensität. Das Blöde an der Angst ist nur, dass diese wiederum Angst erzeugt - ein Teufelskreis. Das bedeutet auch, du brauchst gar keine weitere unglückliche Liebe. Seinen Ängsten im Übermaß nachgeben bedeutet Stillstand. Bedeutet, dass deine Lebensimpulse abflachen, deine Gedankenwelt eingeschränkt ist. im Gegenzug ist aber auch der Schmerz ein ebenso hoher Ausschlag, wie die Liebe selbst. Wir besetzen Liebeskummer oft negativ, aber können wir uns nicht alle noch an unsere erste unglückliche Liebe erinnern und zaubern diese Gedanken zurück, nicht ein Schmunzeln auf unsere Lippen? Also Lebe deine Zeit der Trauer, lass diese in vollem Umfang zu, aber lass es auch zu, dass diese ihr Ende findet ...