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  • #61
Die Frage ist, was man unter "Seelenstriptease" versteht. Wenn man darunter den offenen Umgang mit einem "Handicap" versteht, dann würde ich sagen, ist das zumindest nicht ganz falsch, wenn man sich vor dem anderen "auszieht". Das ist so eine Art Aufklärung darüber, dass es gewisse Beeinträchtigungen gibt/geben könnte. Das sollte das Gegenüber schon wissen, oder?
Meiner Meinung nach gleich zu Beginn nur, wenn es das Zusammensein wesentlich erschwert. Da kenne ich mich mit Deinem Krankenbild nicht so aus, aber - und das soll kein direkter Vergleich sein - ich möchte eine Behinderung wissen, ob der Mann schnarcht, nur bei jeder zweiten Grünphase über eine Ampel geht, Phobien oder Ticks hat, Anomalien interessiert mich nicht beim ersten Date. Beim zweiten Date kann man vorsichtig das Terrain abklopfen und beim dritten Date deutlicher werden. Komplett mit etwas sofort konfrontiert werden, stößt immer ab. Die natürliche Reaktion auf Unbekanntes.
Beim dritten Date ist doch noch nix passiert, außer, dass man denkt, der andere ist sympathisch und ich möchte ihn näher kennenlernen. Ein bisschen weiß ich dann schon von der anderen Person und habe mir schon ein persönliches Bild gemacht. Mit der Zusatzinformation kann ich mir überlegen, ob ich das weiter verfolgen möchte. Nach dem dritten Date würde ich auch mehr auf den anderen zugehen, fragen, was das bedeutet, für ihn und für mich, um eine informierte Entscheidung zu treffen.
Beim ersten Date würde ich denken „ah, okay“ und rennen :);)

EDIT: Sollte der andere das Kennenlernen nach dem dritten Date nicht weiterverfolgen wollen, wirst Du wahrscheinlich wenige erleben, die ehrlich sind und keine anderen Gründe vorschieben. Aber das sollte Dir dann egal sein, warum der andere das Kennenlernen abbricht. Du weißt, dass Du etwas „mehr“ mitbringst, als andere.
 
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  • #63
Und grade diese Erfahrung zu machen, kann durchaus heilsam sein, nicht im Sinne eines Allheilmittels (das ist Liebe nie!), sondern im Sinne einer Stabilisierung des Gesundheitszustandes im positiven Sinne. Man fühlt sich akzeptiert und auch nach der ersten Verliebtheit bleibt ein gutes Gefühl, das Gefühl, jemanden etwas zu bedeuten, eben nicht wertlos zu sein.
Ich gebe nur zu bedenken, dass mit deiner Vorgeschichte da sehr viel Verantwortung bei deiner Partnerin liegt, die diese erstmal stemmen können und wollen muss. Der Gedanke, dass ein eventuelles Beziehungsaus oder Streit, Querelen für einen Depressionsschub verantwortlich sein könnte, ist kein gutes Gefühl für deine Partnerin.
Besser wäre es, du würdest deinen Eigenwert in dir selbst erkennen und dich selbst stabilisieren können. Das wäre dann die viel gepriesene Augenhöhe.
 
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  • #64
@Rise&Shine

Meiner Meinung nach, nur, wenn es das Zusammensein wesentlich erschwert. Da kenne ich mich mit Deinem Krankenbild nicht so aus, aber - und das soll kein direkter Vergleich sein - ich möchte eine Behinderung wissen, ob der Mann schnarcht, nur bei jeder zweiten Grünphase über eine Ampel geht, Phobien oder Ticks hat, Anomalien interessiert mich nicht beim ersten Date. Beim zweiten Date kann man vorsichtig das Terrain abklopfen und beim dritten Date deutlicher werden. Komplett mit etwas sofort konfrontiert werden, stößt immer ab. Die natürliche Reaktion auf Unbekanntes.
Beim dritten Date ist doch noch nix passiert, außer, dass man denkt, der andere ist sympathisch und ich möchte ihn näher kennenlernen. Ein bisschen weiß ich dann schon von der anderen Person und habe mir schon ein persönliches Bild gemacht. Mit der Zusatzinformation kann ich mir überlegen, ob ich das möchte. Nach dem dritten Date würde ich auch mehr auf den anderen zugehen, fragen, was das bedeutet, für ihn und für mich, um eine informierte Entscheidung zu treffen.
Beim ersten Date würde ich denken „ah, okay“ und rennen :);)
Ich sage mal so: Es ist doch völlig klar, dass niemand gern die Katze im Sack kaufen möchte. Das geht mir auch nicht anders. Man möchte wissen mit wem man es zu tun hat und dazu gehört dann eben auch, ob es "wissenswerte Besonderheiten" gibt.

Der richtige Zeitpunkt, diese Lehre nehme ich heute von hier mit, ist fast unmöglich zu finden. Ich würde fast schon sagen man kann es eigentlich nur falsch machen. Nichts desto trotz werde ich zukünftig eine "Strategie" für mich erarbeiten, die es mir möglich macht, offen zu sein, aber die mein Gegenüber nicht gleich erschlägt/abschreckt.

Ich kann hinsichtlich der "Beeinträchtigungen", die es geben könnte, nur von mir sprechen. Aus meinem eigenen Erleben kann ich dir Folgendes dazu sagen:

Grundsätzlich halte ich mich durchaus für beziehungsfähig und ich bringe auch die Bereitschaft mit, mich ernsthaft auf eine potenzielle Partnerin, auf eine neue Liebe, eine Beziehung einzulassen. Das ist, glaube ich, die nötige Basis, um überhaupt in dieser Hinsicht aktiv sein zu können ... Auch bin ich durchaus in der Lage empathisch zu sein, Gefühle zu zeigen, für eine Frau und evtl. vorhanden Kinder da zu sein, usw. ... Was ich aber nie ganz ausschließen möchte ist, dass es zu Schwankungen kommen kann, vor allem im Bereich von Gefühlen & Sexualität. Ich habe Phasen durchgemacht, wo meine Emotionalität und meine Lust auf Sex hoch waren (ohne es allerdings real auszuleben), aber es hat eben auch das Gegenteil gegeben, also Phasen, wo ich kaum Lust auf Sex hatte und ich mich emotional zurückgezogen habe. Was es aber nie gegeben hat ist, dass ich mich völlig abgeschottet habe. Aber die meiste Zeit hatte ich ein halbwegs ungestörtes Verhältnis zu all diesen "emotionalen" Dingen ... Du siehst, es ist schwer für mich, da eine pauschale Aussage zu treffen. Und es hängt für mich auch im Kern davon ab, wie eine Partnerin mit der Erkrankung umgeht. Wenn sie offen damit umgeht, wenn ich mich geborgen, akzeptiert, geliebt, usw. von ihr fühle, werde ich anders reagieren als wenn ich spüre, dass sie "unsicher" ist, wie sie mit mir umgehen soll. ... Genügt dir das als Antwort? Verstehst du, was ich sagen möchte?
 
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  • #67
@Lou Salome

Ich gebe nur zu bedenken, dass mit deiner Vorgeschichte da sehr viel Verantwortung bei deiner Partnerin liegt, die diese erstmal stemmen können und wollen muss. Der Gedanke, dass ein eventuelles Beziehungsaus oder Streit, Querelen für einen Depressionsschub verantwortlich sein könnte, ist kein gutes Gefühl für deine Partnerin.
Besser wäre es, du würdest deinen Eigenwert in dir selbst erkennen und dich selbst stabilisieren können. Das wäre dann die viel gepriesene Augenhöhe.
Also dazu muss ich sagen, dass ich da schon eine klare Linie habe. Ein Beziehungsaus oder Streit sind Dinge, die in einer Beziehung vorkommen können. Und solche Situationen muss ich aushalten können, sonst ist für mich die Eingehung einer Beziehung absolut unmöglich. Und selbst wenn das zu einem Depressionsschub führen sollte, würde ich dafür die Verantwortung niemals bei der Frau sehen, sondern eindeutig bei mir. Es läge an meinen Defiziten, dass diese Folge einträte. Und das hat die Frau absolut nicht zu vertreten. Und da nehme ich mich auch durchaus in die Pflicht und nehme einer Frau da (hoffentlich) jede Last ab.

Und zu Thema "Augenhöhe": Es ist unumgänglich ein "gesundes" Verhältnis zu sich selbst zu haben oder wieder herzustellen bzw. es zu entwickeln. Das steht außer Frage. Und das ist ein Hauptfeld, das ich grade auch therapeutisch bearbeite.

@Rise&Shine

Danke! Es freut mich, wenn ich auch etwas zurückgeben kann! Das ist mir sehr wichtig! Das hier ist ja keine Einbahnstraße! :)
 
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  • #68
Und selbst wenn das zu einem Depressionsschub führen sollte, würde ich dafür die Verantwortung niemals bei der Frau sehen, sondern eindeutig bei mir. Es läge an meinen Defiziten, dass diese Folge einträte. Und das hat die Frau absolut nicht zu vertreten. Und da nehme ich mich auch durchaus in die Pflicht und nehme einer Frau da (hoffentlich) jede Last ab.
Das ehrt dich, doch es wird schwer sein für die Partnerin, das dann an dich abgeben zu können, wenn doch ihr Verhalten der auslösende Faktor war.

Es ist unumgänglich ein "gesundes" Verhältnis zu sich selbst zu haben oder wieder herzustellen bzw. es zu entwickeln. Das steht außer Frage. Und das ist ein Hauptfeld, das ich grade auch therapeutisch bearbeite.
Ich wünsche dir dabei alles Gute!
 
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  • #69
@Lou Salome

Das ehrt dich, doch es wird schwer sein für die Partnerin, das dann an dich abgeben zu können, wenn doch ihr Verhalten der auslösende Faktor war.

Ich wünsche dir dabei alles Gute!
Sorry, wenn ich frage, aber vielleicht magst du mir Auskunft geben: Dein Nickname "Lou Salome" erinnert mich irgendwie an Gustav Mahler (1860 - 1911), eines tschech. Komponisten, den ich sehr gerne höre. Oder irre ich mich da? Wie bist du auf diesen Nick gekommen, wenn ich das fragen darf? Magst du diese "historische Figur", diese starke Frau des 20. Jahrhunderts?

Aber jetzt zurück zum Thema: Ich verstecke mich nicht hinter der Erkrankung und gehe damit offen um. Und ich finde, ich habe die verdammte Pflicht, einer Frau die Bürde zu nehmen, dass sie sich für irgendwas in dieser Hinsicht verantwortlich fühlt. Es ist nicht ihr Problem und liegt nicht in ihrer Verantwortung, dass ich persönliche Defizite habe, die mich ggf. in Schwierigkeiten bringen. Und von daher bin ich in der Pflicht alles zu tun, damit die Beziehung funktioniert, dass meine Erkrankung kein "Hemmschuh" ist. Du siehst, für mich liegt die Hauptverantwortung bei mir und nicht bei der Frau. Und an diesem Anspruch lasse ich mich messen und ich erwarte gradezu, dass "sie" den Samthandschuh in der Schublade lässt. Unterstützung durch eine Partnerin, das wünsche ich mir zweifelsohne sehr, aber nur insoweit, dass ich meine Partnerin niemals überfordern würde. Sie ist mein Ein und Alles und ich habe alles dafür zu tun, dass sie sich "wohlfühlt".

Danke für deinen Zuspruch! Das bedeutet mir viel! :)
 
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  • #70
Die Verbindung zu Gustav Mahler wäre mir unbekannt, aber ausschließen würde ich es nicht, diese interessante Dame war ja sehr umtriebig.

Aber jetzt zurück zum Thema: Ich verstecke mich nicht hinter der Erkrankung und gehe damit offen um. Und ich finde, ich habe die verdammte Pflicht, einer Frau die Bürde zu nehmen, dass sie sich für irgendwas in dieser Hinsicht verantwortlich fühlt. Es ist nicht ihr Problem und liegt nicht in ihrer Verantwortung, dass ich persönliche Defizite habe, die mich ggf. in Schwierigkeiten bringen. Und von daher bin ich in der Pflicht alles zu tun, damit die Beziehung funktioniert, dass meine Erkrankung kein "Hemmschuh" ist. Du siehst, für mich liegt die Hauptverantwortung bei mir und nicht bei der Frau. Und an diesem Anspruch lasse ich mich messen und ich erwarte gradezu, dass "sie" den Samthandschuh in der Schublade lässt. Unterstützung durch eine Partnerin, das wünsche ich mir zweifelsohne sehr, aber nur insoweit, dass ich meine Partnerin niemals überfordern würde. Sie ist mein Ein und Alles und ich habe alles dafür zu tun, dass sie sich "wohlfühlt".
Das klingt doch alles sehr positiv!
 
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  • #71
@Lou Salome

Die Verbindung zu Gustav Mahler wäre mir unbekannt, aber ausschließen würde ich es nicht, diese interessante Dame war ja sehr umtriebig.

Das klingt doch alles sehr positiv!
Okay, danke für die Aufklärung zu deinem Nickname. Wir sprechen von der "berühmten" Lou Salome. :)

Danke! :) Weißt du, wenn ich einer Frau aufbürden würde, meine "Unzulänglichkeiten" mittragen zu sollen, dann würde ich ihr eine schier unlösbare Aufgabe geben. Ich hätte ständig das Gefühl, ich würde sie überfordern, vielleicht sogar verletzen. Damit könnte ich nicht leben. Wie könnte ich einen Menschen, den ich liebe, der mir mehr bedeutet als alles andere, mit so einer Bürde beladen? Das wäre doch barbarisch, unfair und hätte für mich nichts mit Liebe zu tun. Ich sehe meine Aufgabe eher darin, meine Partnerin glücklich zu machen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen, für sie da zu sein, usw. Und dazu ist es nötig, dass ich meine Probleme therapeutisch und eigenverantwortlich in den Griff bekomme und alles dafür tu, dass die Erkrankung im Zaum gehalten wird, keine Belastung für die Beziehung ist, den Alltag nicht bestimmt, etc. Und dann sind wir, glaube ich, bei dem vielzitierten "Geben und Nehmen" angekommen.
 
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