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  • #31
a schprach is a dialekt mit an armej un flot

Also, Jonathan, das war eine unnötige Komplikation – wozu ein Zitat in Englischer Umschrift? Ich habe es zwar erkannt, aber mich auch gewundert ... das Jiddische steht dem Deutschen doch nahe genug.
 
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  • #33
AW: dialekt

... leider ist die Differenzierung und Abgrenzung zwischen Dialekt und Sprache alles andere als einfach und die Übergänge sind z.T. eher fließend. Man unterscheidet bei eigenständigen Sprachen zwischen Abstandsprache ( = eine linguistisch völlig eigenständige Sprache, z.B. Französisch) und Ausbausprache ( = verwandter Dialekt, aber mit einer selbständigen schriftlichen Form - dazu zählt z.B. das Jiddische, nicht aber das Schweizer Hochdeutsch oder die Schweizerdeutschen Dialekte). Letzteres obwohl die Schweizer ja schon eine Armee haben, aber vielleicht scheitert die sprachliche Eigenständigkeit ja an der bislang noch fehlenden Kriegsflotte ...

Bayern hat übrigens weder eine eigene Armee noch eine Flotte...
 
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  • #34
AW: dialekt

Griaßd eich,

als überzeugter Dialektsprecher muss ich zu diesem Thema jetzt doch noch meinen Senf dazugeben.
Ganz unabhängig von den persönlichen Vorlieben oder Aversionen muss ich nämlich doch einen anscheinend verbreiteten Irrtum korrigieren, wie er sich z.B. in folgendem Zitat (von equinox) zeigt:

"Immerhin vermitteln gelegentliche Aufenthalte in dortigen Landeshauptstadt [gemeint ist Stuttgart] eher den Eindruck, dass sich auch hier endlich eine gewisse Normalität in Sachen Hochdeutsch einstellt."

Es ist durchaus nicht so, dass die deutschen Dialekte eine Abweichung von einer "normalen" hochdeutschen Sprache wären. Die deutsche Sprache ist in Form vieler Dialekte entstanden, ohne dass es jemals einen einheitlich von allen deutschsprachigen Menschen verwendeten Standard gegeben hätte. Die hochdeutsche Sprache wurde erst in den letzten Jahrhunderten als gemeinsamer Nenner (wenn auch unter weitgehender Ignorierung der niederdeutschen Dialekte) entwickelt, damit man sich problemlos untereinander verständigen konnte, ohne auf Latein oder Französisch ausweichen zu müssen. Unser Hochdeutsch ist eine Kunstsprache! Und auch wenn das viele nicht gerne hören, auch die Helden der hochdeutschen Literatur wie Schiller und Goethe haben zunächst mal Dialekt gesprochen und bis zu einem gewissen Maße auch geschrieben.
Jedenfalls ist Hochdeutsch gut zur Verständigung über die Dialektgrenzen hinaus geeignet, so wie Englich es ermöglicht, sich in vielen Ländern halbwegs verständigen zu können. Und schriftlich ist Hochdeutsch aufgrund langer Gewöhnung selbst für den praktisch nur Dialekt sprechenden leichter verständlich. Deshalb ist es sicher in Ordnung, auf hochdeutsch zu schreiben, aber wie man im Privaten spricht, ist eine ganz andere Sache.

Noch ein zweiter Gedanke zum Thema Dialekte: Im Allgemeinen lehnen es die meisten Deutschen vermutlich ab, wenn Kulturen anderer Völker zerstört werden. Die meisten würden es wohl auch als unerfreulich empfinden, dass ein ziemlich großer Teil der Sprachen auf der Welt mehr oder weniger akut vom Aussterben bedroht ist. Und warum sollte man es schlecht finden, wenn anderswo Völker ihrer sprachlichen Identität beraubt werden, gleichzeitig aber unsere deutschen Dialekte ablehnen? Wie hier schon gesagt wurde, eine Sprache ist auch nur ein Dialekt mit Flotte... in letzter Konsequenz müsste doch eigentlich jeder, der Dialekten ablehnend gegenüber steht, den Zeitpunkt herbeisehnen, an dem alle Menschen nur noch ein einziges Einheitsbrei-Englisch sprechen...

Na dann, guad Nocht!
 
S

Sid_geloescht

  • #36
AW: dialekt

Zitat von Jonathan177:
Mit einer Armee und Flotte. Oder in der verbreiteten englischen Übersetzung: "A language is a dialect with an army and navy." (Das jiddische Zitat wird häufig Max Weinreich zugeschrieben, der eigentliche Urheber ist aber unbekannt.)

Das Bonmot weist darauf hin, dass die Einstufung eines Idioms als Dialekt oder als Sprache häufig Gründe hat, die nicht selbst sprachlicher Natur sind.

Danke. Jetzt habe ich wieder gelernt. Das tue ich gern.
 
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  • #39
AW: dialekt

Dialekt empfinde ich auf schriftlichem Weg als unangenehm und unhöflich. Egal, ob es mein eigener ist oder nicht. Er ist für mich nur unter FreundInnen in besonderen Situstionen akzeptabel, als besonderes Ausdrucksmittel in einem speziellen Moment.

Bei einer Begegnung oder am Telefon gehe ich davon aus, dass alle so sprechen, wie sie eben normalerweise sprechen. Man führt ja keine Bewerbungsgespräche, sondern will einen Menschen für das ganz normale Leben kennenlernen. Authentizität ist dafür unverzichtbar.
 
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  • #40
AW: dialekt

Hallo Baier, da hast du zwei interessante Punkte! Gleichwohl: Auch wer allgemein für Artenschutz ist, mußt doch nicht selbst beispielsweise einen europäischen Aal heiraten wollen. Wer als Dreißigjährige nicht unter den sechzigjährigen oder den zwanzigjährigen Männern einen Partner sucht, muß Zwanzig- und Sechzigjährige nicht als Menschen ablehnen. Ich weiß, daß dieser Unterschied hier häufig nicht getroffen wird. Er ist trotzdem wichtig. :)
Und zur Sprachentwicklung des Deutschen: für den jetzigen Status der Hochsprache ist für alle unter Dreihundertjährigen hier nicht so wichtig, wie es damals war, sondern wie es heute ist. Und heute lernen viele Deutsche Hochdeutsch nicht wie Esparanto, sondern als ihre Muttersprache, als ihre einzige oder auch neben dem Dialekt. Da handelt es sich ganz sicherlich um kein bloßes Vehikel, sich doch auch mit Angehörigen anderer Stämme über den Preis von Rohseide austauschen zu können.
 
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  • #41
AW: dialekt

Hallo,

ich muss ganz ehrlich sagen, dass es Dialekte gibt, die für mich einfach unerotisch sind.
 
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  • #42
AW: a schprach is a dialekt mit an armej un flot

Zitat von Pit Brett:
Also, Jonathan, das war eine unnötige Komplikation – wozu ein Zitat in Englischer Umschrift? Ich habe es zwar erkannt, aber mich auch gewundert ... das Jiddische steht dem Deutschen doch nahe genug.

Tut mir leid. Das war die einzige Schreibung, in der mir das Zitat im Netz immer begegnet war (abgesehen von der Schreibweise mit hebräischen Lettern). Ich hätte wohl etwas gründlicher suchen sollen.