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  • #1

Der starke Mann

Gerne würde ich hier im Forum - in dem ich eifrige Leserin bin - auch meinen ersten eigenen Beitrag verfassen. Vielleicht ist er für den Einen oder Anderen interessant.

Vor einigen Tagen habe ich den ersten Mann getroffen, den ich hier auf Parship kennengelernt hatte. Nach ein paar eMails haben wir ein Date ausgemacht. Er hat mich interessiert, klang wortgewandt, intelligent und humorvoll. Aussehen = Mittelmaß. Er selbst fand sich sehr attraktiv. In Natura sah er in der Tat besser aus, als auf dem Foto (jaaa das gibt es auch), aber eben Durchschnitt. Egal, mir kam es jetzt nicht so auf das Äußere an.

Wir liefen dann gemeinsam durch die Stadt und er erzählte in einer ziemlichen Überheblichkeit davon, wie er hier bei Parship und auch in einer anderen Partnerbörse die Treffen mit verschiedenen Frauen veranstaltet. Teilweise zwei an einem Tag. Grundsätzlich klang sein Resumée recht abwertend. Eine war ja nur Kaffeeholtante und nannte sich Assistentin. Eine hatte dies, eine hatte das, also das gestaltet sich aber schwierig.

Ich dachte schon: Oh Gott ist der aber von sich eingenommen und gebe gerne zu, dass mich genau so ein Verhalten immens "ansticht". Als wir in der Bar angekommen waren, wusste ich eigentlich längst, dass dieser Mann nichts für mich sein würde und so fing ich an, ihn zu "demontieren", sprich sein Verhalten und seine Art auseinanderzunehmen. Nach einer Stunde blieb ein Männlein von 140 mit Hut übrig. Seine Arroganz war wie weggeblasen, er wirkte unsicher, verkrampft, konnte überhaupt nicht aus seiner Haut. Seine anfängliche Überheblichkeit in Bezug auf die Frauen, die er traf und die ja alle so "langweilig" waren, erwies sich als Möchtegern-Macho-Gehabe, mit der er vielleicht eine schüchterne Frau am Gängelband führen konnte (ich bin der Herrscher). Ich sagte ihm auf den Kopf zu, dass er mit seinem Abreißkalender in der Hand wohl kaum Erfolg haben dürfte, denn er hakt ja die Treffen ab wie seine Termine im Kalender. Zu klein, zu dumm, zu langweilig, zu hässlich, zu dick, zu tranig .... ich sagte ihm auch, dass er selbst ja nun auch nicht gerade etwas Besonderes darstelle. Am Ende des Gesprächs war ICH diejenige, die die Latte so hoch stellt, dass sie für Mann nicht erreichbar wäre. Interesssante Wendung, wie ich finde.

Warum erzähle ich das:
Auf meine Frage, was dieser Mann eigentlich sucht, fand ich keine Antwort. Gut fand ich, dass er ehrlich war, schlecht fand ich sein großkotziges Gehabe, hinter dem aber auch gar nichts steckte. Ich gebe zu, ich habe mich amüsiert, als ich ihn so seziert habe. Letztlich sollte man auf diesen Partnerbörsen aber wirklich extrem vorsichtig sein, was einem da so erzählt wird. Er sagte mir, dass Männer grundsätzlich ohne Emotionen an die Sache rangehen und mehrgleisig fahren (also in der Regel, Ausnahmen gibt es).

Mädels, lasst euch also nichts vormachen. Am späteren Abend wartet vielleicht schon die nächste arme Seele auf denselben Mann. Ein Prachtexemplar, das sicher keine von uns haben möchte.
 
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  • #2
die entsprechung, die mir oft begegnet, ist eine frau, die sich in ihrem profil so super mit sich zufrieden und reif und kreativ und voller pläne und humorvoll und easy und verantwortungsvoll und den schönen dingen zugewandt und das leben ist herrlich undsoweiter darstellt, keineswegs angeberisch, sondern einfach so positiv und luftig. und nach kurzem gehaltvollen emailwechsel erweist sie sich als bündel von ängsten und frustrationen. was sie aber natürlich nicht in ihr profil reinschreibt, weil ja sonst kein mann kontakt mit ihr haben wolle.

wir lernen: es gibt durchaus unterschiedliche weise, sich und anderen was vorzumachen!
jeder kann schauen, wie er damit umgeht, in welchen fällen er sich in der entlarverrolle gefällt, wann eher verständnis- oder gar mitleidsvoll ...
 
L

Löwefrau

  • #3
Hallo Catherine, soooo klasse finde ich das nicht, um ehrlich zu sein.

Kommt mir ein bißchen nach Rache vor oder so.
Robin Hood der heutigen Frauen.
Warum hast Du das getan?
Meinst Du er wird nun ein besserer Mensch? Ich glaube nicht. Im gegenteil, es wird ihn nur in seiner Meinung manifestieren, dass Frauen sonstwas sind.

Herrje, brauchtest Du diese Befriedigung wirklich? Dann ist Du keinen Deut besser als er.
Oder siehst Du das als Deine Aufgabe an, erwachsene Menschen zu erziehen

Ich hätte mich innerlich amüsiert und ihn dann ziehen lassen.Kurz nach dem treffen hätte ich ihm einfach nur abgesagt. Reicht doch.
 
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  • #4
Hallo,

habe in meiner kurzen Zeit bei PS auch schon die Erfahrung machen müssen, dass sich tolle, interessante Profile (die Lust auf mehr machten) sich als absolute Seifenblasen erwiesen......
Deswegen: sich so bald als möglich "live und in Farbe" treffen. Nach dem ersten Date weiß man meistens mehr.

Viele Grüße
 
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  • #5
Ich find's gut

Genau solche Aufschneider machen es demjenigen mit ehrlichen Absichten schwer. Die forschende und ungläubige Art bei Frauen kenne ich, habe dem aber nie viel Raum gegeben.
 
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  • #6
hallo Catherine, ich bin auch nicht sicher, dass du nicht übertrieben hast-natürlich war ich nicht dabei, um zu sehen, wiesehr arrogant er war. jedoch während ich deinen beitrag las, musste ich denken, dass manche leute durch den stress beginnen, übertrieben viel zu sprechen, odér gar nichts sagen können, vielleicht hat er sich so blöd verplappert genau deswegen, dass er sich unwohl und gestresst gefühlt hat. es ist für mich nicht ganz ausgeschloßen, dass der kerl grundsächlich ein armer hund war, glaubst du nicht, dass du ihm vielleicht ganz schön tiefen wunden zugefügt hast, wovon er dann große schwierigkeiten hat, sich zu erholen? wäre ein offenes, direktes gespräch darüber, nicht konstruktiever? ich möchte gar nicht daran denken, wie ich micht fühlen würde wenn ein date anfangen würde, mich zu demontieren, weil ich ihm nicht gefalle. es genügt schon, dass man mich plötzlich nicht mehr treffen will, aufgrund des von mir geschickten 2. foto.
solche sachen können ganz schön unter die haut gehen..
 
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  • #7
ich kann mir sogar vorstellen, daß er da generell eine ernste absicht hat. er glaubt womöglich nur an die falschen mittel, eben die der prätention. ich glaube, daß so mancher und so manche schlechte, kontraproduktive mittel wählen.

ein wenig bekomme ich auch den eindruck, daß die schlechten mittel der männer öfter mit einem hämischen "der hat es aber nötig" beschieden werden, die schlechten mittel der frauen hingegen tendenziell mit einem eher mitfühlenden "oje, die arme, sie hat so schlechte erfahrungen gemacht und weiß sich ja leider nicht anders zu helfen".
darin käme also das bekannte und gern warm gehaltene klischee von der täter/opfer-zuordnung zum tragen.
 
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  • #8
wer jeden Tag zwei Dates hat und alle Datepartner schlecht macht, hat ein so dickes Fell, daß ihm solche Kritik bestimmt kein Trauma versetzt.
 
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  • #9
@Löwefrau: Ich hätte mich wahrscheinlich ähnlich wie du verhalten, finde es aber völlig in Ordnung, wie Catherine es gemacht hat. - Das hat in meinen Augen auch nichts mit Erziehung und Rache zu tun, ich finde es einfach nur recht und billig, den - wie Smiler schrieb - "Aufschneidern, die denjenigen mit ehrlichen Absichten das Leben schwer machen" zu zeigen, dass sie damit nicht durchkommen. Wir lassen uns überhaupt von viel zu vielen Wichtigtuern, Scharlatanen und Seifenbläsern auf der Nase herumtanzen und in die Taschen fassen. Die feixen sich doch bloß eins über unsere Schafsgutmütigkeit.

Neenee, das trifft schon die Richtigen.
 
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  • #10
hehe, ich wette, die reaktionen wären anders gewesen, wenn der schreiber ein mann und der beschriebene eine frau gewesen wäre.
aber klar, läßt sich jetzt nicht mehr testen. - aber stellt es euch mal vor!

meine erste reaktion beim lesen des ausgangspostings war: oje, die hat es aber nötig. die stellt männer, ohne es zu merken, so auf den sockel und hat so sehr das bild vom starken mann verinnerlicht, daß sie dermaßen triumphiert und das auch noch mitteilend auskostet, wenn sie ein exemplar als nur scheinbar stark entlarvt hat.

schwierig finde ich auch, daß sie es nicht einfach als individuell erlebte geschichte erzählt hat, sondern in so einen sozusagen geschlechterpolitischen rahmen gegossen hat.
ich vermisse da selbstreflexion.
 
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  • #11
Jetzt laßt doch die arme Catherine in Ruhe. Es kann nicht schaden, solchen Tyoen egal welchen Geschlechts, einen Dämpfer zu verpassen.
 
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  • #12
Also bei aller Liebe, ich weiß nicht, wo ihr da den "armen Hund" erkennt, der sich besinnungslos um Kopf und Kragen geredet hat. Dazu hat mir das zuviel Methode. Eine Assistentin als Kaffeeholtante zu bezeichnen, sowas rutscht einem nicht versehentlich raus, weil man mal zwei Worte verdreht hat, sowas deutet auf eine systematische Denke hin. Und das mit den vielen Dates, das ist doch keine spontane Eingebung, das hat er sich doch entweder alles vorher schon ausgedacht - oder es stimmt wirklich, was es auch nicht besser macht.

Aber vor allem: da er sich sehr attraktiv findet, leidet er mit Sicherheit nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein.
 
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  • #13
man sollte beim draufaufschlagen auf den nicht-hund nicht vergessen, daß die erzählerin uns keine eher neutrale filmaufnahme des dates präsentiert hat, sondern eine ziemliche stilisierung. so etwas wie "zu klein, zu dick, zu ungebildet ..." habe ich hier in dem forum schon zu hauf gelesen, von männer- wie von frauenseite, ebenso wie formulierungen, die der kaffeeholtante in nichts nachstehen.

etwas vormachen tun ziemlich viele hier. positiv ausgedrückt heißt das dann "werben". da stellt man ja nicht gerade die schlechten seiten heraus, wird dann erklärt.

ich frage mich: weshalb ist hier die suche nach schuldigen und sündenböcken so stark ausgeprägt (nicht nur, aber gerade auch in diesem thread, bei frauen wie männern)?
meine vermutung: weil viele hier das starke bewußtsein haben, irgendwie zu kurz gekommen zu sein.
das ist bedenklich.
 
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  • #14
@mil: Das hier scheint mir ein Missverständnis zu sein: "so etwas wie "zu klein, zu dick, zu ungebildet …"". Ich hab es so verstanden, dass Catherine da zitiert oder zumindest persifliert hat, was *er* über seine Dates gesagt hat.
 
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  • #15
ich frage mich, warum sich hier alle paar Tage Rudel zusammenrotten, die wie Hyänen über Mitschreiber herfallen. Ich glaube, daß einige sich in der Anonymität stark fühlen und einfach drauflosdreschen, entweder um sich einmal im Leben groß und stark zu fühlen oder um eigene Defizite zu kompensieren. Wir sind alle Leidensgenossen und sollten zusammen halten.