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  • #31
AW: Der K(r)ampf der Geschlechter

So viel Gedankenfutter auf einmal am frühen Morgen - Dankeschön!

Auf der einen Seite die Verschmelzungshorrorsuppe, auf der anderen der tiefe menschliche Wunsch des (gegenseitigen) Verstehens.

OT: Wobei ich beim letzteren gerade den alten Otto-Sketch mit Harry Hirsch im Ohr habe '..keiner kann mich verstehen'.

Back topic:
Wie sage ich es ohne pathetisch zu klingen?
Der Wunsch als Mensch so klar und verständlich, so authentisch und wahrhaftig zu sein, dass mensch verstanden wird und im Wesenskern (hallo Andre - der Begriff ist wirklich immer noch gut ;o) ) verstanden wird, als Individuum wertgeschätzt wird ohne Bedingung, ohne Reibungsverluste, der ist -imho - der gemeinsame Nenner dieser letzten Posts. Und doch müssen wir uns damit anfreunden, dass dieser Zustand eine extrem seltene Ausnahme ist, denn die Regel. Umso mehr suchen wir als Menschen aus diesem Grundbedürfnis, den Partner, der es erfüllt. Und ebenso hadern wir wir von Anfang an damit, uns selbst so anzunehmen : immer und auch nicht nur in Momentaufnahmen.

Und das bei gleichzeitigem Nicht-immer-sich-selbst-verstehen, bei Erkenntnis des eigenen Blinden-Fleck-Phänomens.

Mir hat jemand mal geschrieben, dass er mal seinen Therapeuten fragen muss, warum es ihm so wichtig sei, dass er richtig verstanden würde. Ich habe mich da gewundert, weil den Wunsch finde ich so Basis-Menschlich, dass ich den nie hinterfragt habe.
Das Gefühl des Verstanden-Seins, ist Teil eben auch des Gefühl des Angekommen-Seins, das ist aus meiner Erfahrung nicht der erste Moment der Verliebtheit, sondern ein späterer, einer der Vertrautheit.

Wenn mein Liebster weiss, wie ich meinen Kaffee mag und mir entsprechend Milch reicht und die Zuckerdose nicht in relevant ist, oder schon automatisch Krabben oder Muscheln aus meiner Paella pickt, weil ich die nicht mag, wenn er mich überrascht damit 'ich habe es dir mitgebracht, weil ich ja weiss, dass du es magst', er mich in den Arm nimmt, bevor ich merke, dass ich friere, und mich wärmt....Das hat also nicht nur etwas mit rationalem Verstehen zu tun, sondern auch mit dem Wissen um das, was mich ausmacht, mit dem Interagieren, was das Verstehen/ Kennen/ Erkennen/ Vertrauen möglich macht.

Diese Gedanken sind sicher auch in diesem Forum nicht neu, es blitzt immer wieder durch in vielen Threads, als Aspekt, Schrei der eigenen Verzweiflung, riesengrosse Sehnsucht.

Und ja, ich kenne das Gefühl faraway, es fühlt sich verdammt gut an. Und aus meiner Erfahrung kann es länger als 1 Sekunde andauern, wenn auch nicht ein gegebener, statischer Permanentzustand.

Es ist mir Motivation auch in der Beziehung am Ball zu bleiben, damit es sich weiter gut anfühlt nach dem Ausklingen der Adrenalin-Kicks, es bedeutet für mich auch Offenheit und Ehrlichkeit mit mir und meinem Partner.
Es ist für mich auch die Basis, auf der ich mich in der Beziehung auseinandersetze, in dem Bewusstsein, dass es 2 (verschiedene) Menschen, die da sind, nicht ein diffuses Paarwesen. Es ist das, was mich wieder auf den Boden holt, wenn ich Verständnis von meinem Partner erwarte, wenn ich mich manchmal selbst nicht verstehe.
Es ist das, was mich mit meinem Partner mehr von mir selbst erkennen lässt, weil ich bewusster herangehe und eben ein Gegenüber habe, dem ich erkläre, was ich selbst so schwer fassen kann.

So, und nun sitze ich vor meinem Text und wünsche mir, dass er die vorherigen Posts beleuchtet, erläutert, erweitert und nicht langweilt. Oder hätte ich doch nicht...? Der Zweifel bleibt bei mir.

Einen guten Start in den Tag....

PS: Noch ein Zweifel... Ist das nun on topic - hat es etwas mit geschlechtsspezifischer Wahrnehmung und Aktion zu tun? Keine Ahnung, hätte sich aus so bei Money Thread oder bei 'Wirkung und Wahrnehmung', oder 'warum wir schreiben' stehen - egal, ich hoffe es 'nützt'.
 
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  • #32
AW: Der K(r)ampf der Geschlechter

Zitat von No_Kitty:
Das Gefühl des Verstanden-Seins, ist Teil eben auch des Gefühl des Angekommen-Seins, das ist aus meiner Erfahrung nicht der erste Moment der Verliebtheit, sondern ein späterer, einer der Vertrautheit.
Dieser Satz hat es irgendwie in „sich“. Darüber denke ich noch mal nach.


@Alice, NoKitty,Faraway

Ich bin gerade begeistert, danke für Eure tollen Beiträge. Ich kann mich da gut wieder finden und mitgehen. Und ja Faraway, ich kenne das Gefühl auch länger als 1 sec. Es ist ein wunderbares Gefühl. Und es ist kein permanenter Zustand, doch ich habe ihn immer mal wieder. Jedoch kenne ich das Dilemma des Verstandenseins auch seit meiner Kindheit. Dieses Dilemma hat sich jedoch die letzten Jahre sehr zum positiven für mich verändert, so dass es jetzt keins mehr ist. Ab und an kommt das Dilemma mal kurz vorbei, ich nenn es „Besuch“, schmunzele dabei und geht dann wieder. Es spielt jedoch keine Rolle mehr.
NoKitty, ich finde Deine Beiträge nie langweilig sondern sehr bereichernd.
 
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  • #33
AW: Der K(r)ampf der Geschlechter

Danke für das feed back!.
Es gibt also Menschen, die sich im Wesenskern verstanden fühlen.
Noch ist nicht aller Tage Abend. Und vielleicht wird mir noch ein Wunder zuteil.
Ich leide auch nicht mehr so wie früher unter dem Unverstandensein-Gefühl...seit ich nicht mehr auf engster Verschmelzungs-Ebene "experimentiere".
Das heisst: auf allerengster Ebene versuche ich es nach wie vor - nämlich mich selbst zu verstehen.
Auch oft schwierig genug. Aber zumindest fühle ich mich mit mir selbst nicht einsam.
Vor dieser Einsamkeit des Unverstandenseins fürchte ich mich am meisten im Bereich einer Liebesbeziehung. Ich möchte das einfach nicht noch einmal erleben, es ist so dermassen schmerzhaft. Und vielleicht bin ich diesbezüglich particularly strange.
(Es ist ja nicht so, dass die Menschen mich nicht mögen oder schätzen; aber ich bin sogar im engen Kreis ein komischer Vogel; damit lebe ich seit Anbeginn, das ist normal.)

wieder einmal wuwei.
 
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  • #34
AW: Der K(r)ampf der Geschlechter

Männer und Frauen sind unterschiedlich und bleiben es auch im denken und im handeln.
Viele Probleme entstehen, weil man diese Unterschiede nicht wahr haben will, Frauen immer noch glauben, Männer könnten hellsehen und Männer immer noch glauben, Frauen wären so pragmatisch in allen Dingen wie sie.
Die Gegensätzlichkeit zieht uns an.
Wenn man/frau sich ein bißchen mit der Psychologie des andern Geschlechts befasst oder auch mal Studien und ernsthafte Literatur darüber liest, kommt der -aha- Effekt und das kann eine Bindung auch bereichern.
Also auch mal fünfe gerade sein lassen und sich denken, hm, er denkt halt so und ich halt so.
Wie finden wir den Ausgleich?
 
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  • #35
AW: Der K(r)ampf der Geschlechter

Zitat von Feuerschwalbe:
Wenn man/frau sich ein bißchen mit der Psychologie des andern Geschlechts befasst oder auch mal Studien und ernsthafte Literatur darüber liest, kommt der -aha- Effekt und das kann eine Bindung auch bereichern.
Was empfiehlst du?