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  • #586
Zitat von t.b.d.:
Ich kenne zugegebenermaßen den Kontext nicht aus dem heraus das Zitat entstand. Es klang für mich mehr bedauernd als definierend. Vermutlich auch für Philippa, weshalb sie ihre Frage formulierte. Möglich dass ich Merleau-Ponty Unrecht tue,
Ich kenne den Kontext auch nicht. Ich lese nur, was da steht. Und weil ich nachvollziehen kann, daß Tagebuchschreiben und -lesen nicht der Inbegriff von Gespräch sind, hab ich umso mehr Grund, Merleau-Ponty beim Wort zu nehmen.

Käme drauf an, ob man sich einfach unterhalten möchte, ob man über bestimmte Sachverhalte verschiedener Ansicht ist (Politik etc.) oder ob es wichtige Dinge oder Meinungsverschiedenheiten zu klären gäbe weil Entscheidungen getroffen werden müssen die alle Gesprächspartner betreffen oder was auch immer.
Neben dem Rausch kommt hier ja auch das Spiel regelmäßig zu kurz. Etwa daß es auch Spaß machen kann, gegeneinander zu spielen. Daß man nicht beleidigt an die Seitenlinie rennen und sich darüber beschweren muß, verletzt worden zu sein, wenn der Gegner einen Punkt gemacht oder ein Tor geschossen hat.

Gesprächsrausch... ein Gespräch wie guter Sex... wenn das passiert ist die Liebe aber bestimmt nicht weit weg.
Zumindest die Liebe zum Gespräch, ja. Aber Philippa hatte Liebe ja assoziiert, als du von den Möglichkeitsbedingungen für das gesprochen hast, was für Merleau-Ponty gerade kein Gespräch ist und wo vielleicht Rausch eher fern liegt.

Ich empfand den Freisler-Vergleich als Retourkutsche. Und er war genauso daneben wie der Rollenbildvergleich. Damals ging es nämlich überhaupt nicht um Frauenbilder von Männern sondern um Vater und erwachsene Tochter. Möglicherweise empfinde ich meiner Tochter gegenüber ähnlich wie Henry es damals nicht auszudrücken gelang. Ich wüsste das auch nicht in Worte zu fassen die man nicht missverständlich interpretieren könnte. Aber da es sowieso niemanden etwas angeht muss ich das ja auch nicht.
War das damals Henry? War das jetzt Henry?
Wenn wir die Sache mit dem ureigensten Wesen der Frau uns näher vornehmen wollen, bräuchten wir die Textbasis. Ich fand es nicht daneben. Aber ich bin sicherlich recht sensibel für Formulierungen wie "ureigenst".
Daß Rollenerwartungen erlernt werden und nicht erst im Heiratsalter vom Himmel fallen, darüber müssen wir sicherlich nicht streiten. Und zuerst werden sie von den Eltern erlernt, Müttern und Vätern. Es ist insofern kein Wunder, wenn Rollenbilder für Frauen auch von konkreten Vätern, Foristen und dich eingeschlossen, mitgegeben werden. Das ist, bei aller Wertschätzunng, kein Argument für ihre Trifftigkeit. Abgesehen davon sind die therapeutischen Praxen voller Kinder von Eltern, die ihnen mit besten Absichten bestimmte Rollenbilder und Verhaltensregeln weitergegeben haben.

Zu den Nazis. Wenn ein Nazi sagt "Ein Sonnenuntergang ist was Schönes.", dann nimmt er mir nicht weg, meinerseits dasselbe zu sagen. Nicht alles, was irgendwann ein Nazi gesagt hat, ist schlecht oder falsch oder verbrannt. Wenn er sagt "Arbeit macht frei!" ists schon schwieriger. Der Satz ist beschädigt. Ungeachtet dessen, wieweit er stimmt oder nicht. Und beim ureigensten Wesen der Frau (und auch Töchter sind oder werden Frauen, auch wenn für so manchen Rapper alle Frauen Bitches sein mögen, ausgenommen natürlich seine Mutter, weil die keine Frau, sondern seine Mutter ist) ist Inhalt wie Form schwierig. Und die Erinnerung daran, daß man da gerade schreibt wie man es typischerweise von den Nazis kennt, könnte für Nachdenklichkeit sorgen. Könnte.

Klar, ist ne Frage des Grades, wann so eine Erinnerung angebracht sein könnte. Gelegenheiten gibts genug. Letzt wurde hier etwa einem Fernsehpastor applaudiert, der was über weibliche und männliche Gehirne verzählt hat. So ein Mario Barth für Betuliche, nur weniger lustig. Wenn man näher hinhört, könnte man vielleicht die Kontexte erahnen, die Form von Sexismus, mit der dann in der Regel auch Diffamierung von Homosexuellen, Transgendern usw. folgt. Hups, hat seine Kirche ja auch im Programm, die sind ja wider die Natur, die sind ja nicht vorgesehen im Schöpfungsplan. So ists halt, wenn ein konkreter Mensch sich einfach nicht dem ureigensten Wesen der Frau oder dem Mann fügt.
Also, einigermaßen gräßlich, aber ein Nazivergleich wäre falsches Kaliber, auch wenn auch die es gerne mit GEhirnen und der Natur und nicht so mit der Entartung haben undso. Bemerkenswerterweise kam auch kein kleineres. Abgesehen von einem Hinweis (war es Sugar), daß das doch mäßig lustig und eher ein Depp ist, der da rumfuchtelt Fürs Klima im Forum der letzten Wochen fand ichs aber treffend, daß sich doch einige daran ergötzt haben und es wenig problematisch gefunden wird. Ich erkläre es mir nicht nur mit mangelnder Sensibilität hier.
 
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  • #587
"Gut zu lieben ist eine Fähigkeit, die Talent, Willen und Lernbereitschaft voraussetzt."
 
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  • #588
Marlene, wie siehst du Schuberts Winterreise?
 
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Marlene

  • #589
Zitat von sugar:
Marlene, wie siehst du Schuberts Winterreise?
Schubert hat die Gedichte genial vertont. Die Scheinidylle des Lindenbaumes, der einerseits Geselligkeit, Heimat, gesellschaftliche Aufnahme verspricht, andererseits aber auch Todessehnsucht, Wunsch nach Erlösung im Tod verkörpert. Suizid wird nicht als Weg gesehen, deswegen bleibt er als Motiv im Hintergrund der Suche und wird nicht konkret aufgesucht. Das Ausgestoßensein, Fremdsein und darauf die Wanderschaft durch die erstarrte und kalte Winterlandschaft, ironisch musikalische Begleitung bei "heiteren" Naturmotiven, die Auseinandersetzung mit den drei Sonnen (Glaube, Liebe, Hoffnung) und zum Schluss die Annahme, die Verinnerlichung des Todes. Im Grunde genommen eine Wanderschaft durch die existentiellen Themen des Lebens, ich finde den Zyklus nicht "schaurig", entspricht vollkommen dem Inhalt der damaligen Zeit. Heinrich Heine war ironischer, Schumann in den Vertonungen auch, aber Schubert hat schon eine eigenständige "Begleitung" eingeführt, die interpretiert und die Brüche aufzeigt.
Mich persönlich versöhnt der Schluss, manche finden ihn schrecklich und bleiben sprachlos.

Der Leiermann

(...)
Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an.
(...)

Wunderlicher Alter!
Soll ich mit dir gehn?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier drehn?
 
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  • #590
Schubert hat dabei diesem Thema eine Wirklichkeit und Musikalität entnommen, die ihm sehr umfassend gerecht wird. Man könnte sagen, er hat sich dem hingegeben und entsprach ihm im Wesentlichen. Ein Grund auch, warum einen seinen Musik so berührt. Sie ist so wahr.
 
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Marlene

  • #591
Ja. Leider war ihm nicht vergönnt, das romantische Liebesideal zu leben. Beethoven auch nicht.
 
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  • #592
Ja, er wohl zu taub für die romantische Liebe. *kicher*
 
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Marlene

  • #593
Bzw. umgekehrt: der Versuch zur Liebe hat ihm die Taubheit gebracht. :)
 
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  • #594
Ja, oder so.
Schubert mag ich lieber.
 
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  • #595
In unserem Garten habe ich winzig kleine Krokusse entdeckt. Freust du dich auch auf den Frühling, Marlene? Dieser Winter war nix, kaum Schnee. Es gibt hier keine gescheiten Winter mehr.
 
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Marlene

  • #596
Ja, ich freue mich. Gibt so ein fröhliches beschwingtes Gefühl. Und Du, sugar?
 
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Marlene

  • #597
Heute fliegt der Hut vom Kopfe.....:)
 
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  • #598
'No' is the most powerful word that you have in your vocabulary.

Octavia Spencer (heutiges Forbes Zitat)
 
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  • #599
Volker Pispers aus Paulaner ist gefährlicher als Al-Kaida:

"Von Airbag und Sicherheitsgurt hat die Rentenkasse sich nie wieder ernsthaft erholt"
 
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Hafensänger

  • #600
Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!

Voltaire