M

Marlene

  • #226
Zur Nacht:

(...) Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein,
die monden ist.

Rilke
 
G

Gast

  • #227
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.


Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris
 
M

Marlene

  • #228
Schönes Gedicht. Rilke ist halt zur Sprache gewordene Musik. Aber vertonen kann man ihn nicht, seine Gedichte müssen ganz im eigenen Inneren wirken bzw. bleiben. Anders, als wie z.B. bei Heine. Den kann man in seiner Gebrochenheit und Ironie durch Musik interpretieren, um gerade diese verständlich, zugänglich zu machen.
 
G

Gast

  • #231
Zitat von Marlene:
Das ist ja eine Vertonung, ich kann das nicht anhören. Ich finde, dass man Rilke mit einer Vertonung nicht wiedergeben kann. Sie zerstört.

Mir gefällt das, deshalb habe ich es ja gepostet...mir gefällt aber auch sowieso sehr viel von dea-projekt. Sie macht viele solcher Videos.

Was macht es dir dabei unerträglich? Weil du deine eigenen jeweilige Tagessicht zu sehr beeinflusst fühlst?
Nachvollziehen kann ich das Gefühl sehr gut. Ich selbst habe ein großes Problem mit schlechten oder auch nur mittelmäßigen Interpretationen klassischer Musik...sie ist für mich unhörbar. Eine gute Interprätation kann mich hingegen entführen..

Vielleicht kommt dea-projekt auch mit dieser Interpretation nur einer meiner Sichtweisen etwas näher und ich persönlich mag es dadurch.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

  • #232
Mir gefällt es mit der Vertonung auch nicht so gut. Ich selbst würde es ganz anders vortragen.. Sowas ist eben Geschmackssache und es macht das Leben erst interessant, dass jeder Mensch (und jeder Panther) ein bißchen anders ist.
Würden wir uns persönlich kennen, stern9, so würde es mich sehr interessieren, wie du das Gedicht vortragen würdest.
Es ist wohl besser, dass wir uns nicht kennen. Du bist bestimmt jung schlank und hübsch. Der alte König dagegen ist alt, fett und häßlich. Du wärst sicher sehr enttäuscht von mir.
 
Zuletzt bearbeitet:
M

Marlene

  • #233
Es hat für mich mit etwas Grundsätzlichem zu tun. Ich kenne die Vertonungen Rilkes und auch das Rilke-Projekt, es ist so, dass Rilke stark Melodie ist und wenn man darauf nochmals eine Melodie legt, wird der Zugang zu ihm verzerrt. Es wird fast kitschig, weil seine Sprache so angelegt ist und sie dazu verführt. Ich finde, dass er tief im Inneren etwas zum Klingen bringt, das ganz persönlich bleiben sollte.
So ergeht es halt mir mit seinen Vertonungen, es ist eh schwierig, Gedichte zu vertonen, wenn sie nicht direkt dafür geschrieben sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

  • #234
Für mich ist es ein Duett, Ich höre beides. Für mich ist die darüber gelegte Melodie nicht so dominant, dass mir der Zugang zur Stimme versperrt wäre.
Wenn Rilke für dich so stark Melodie in dir selbst ist, dürftest du auch den gesprochenen Vortrag nicht mögen stimmt das? Der Sprecher hat natürlich ebenfalls seine eigene Interpretation, die deiner immer abweichen muss.

Ich habe dieses Gedicht damals auswendig gelernt, als ich etwa 11 Jahre alt war. Ich hatte es in irgendeinem Buch gefunden und es wurde eines "meiner" Gedichte. Ich habe selbst lange daran herumprobiert und auch meine Mutter, die wunderbare schauspielerische Fähigkeiten hat und die dazu gehörige eindrucksvolle Stimme, gebeten es vorzulesen. Es gab immer sehr viele verschiedene Variationen und je nach Stimmung fand ich mal die eine oder andere auch unangenehm. Trotzdem mag ich die Vielfalt, die sich aus diesen Zeilen ergeben kann. Für mich ist das sicher auch ein Grund, warum ich es so mag...es wird mir niemals langweilig werden können, ich werde jedesmal aufs neue erfahren wollen, was es mir wieder neu ausdrücken wird.
 
G

Gast

  • #235
Ballade vom Grubenpferd


So schwarz weint keine Nacht am schwarzen Gitter,
wie in dem schwarzen Schacht das blinde Pferd.
Ihm ist, als ob die Wiese, die es bitter
in jedem Heuhalm schmeckt, nie wiederkehrt.

Es wittert durch das schwarze Fleisch der Steine
den Tod, und sieht ihn mit den toten Augen an,
und ist die ganze Nacht mit ihm alleine
und geht nur widerwillig im Gespann.

Der Knabe, der es durch die Gänge treibt,
will es mit Brot und Zucker fröhlich machen.
…es kann nicht mehr wie andere Pferde lachen,
in seinen Augen bohrt die schwarze Nacht, und bleibt.

Nur manchmal, wenn vermengt mit Harz und Laub
waldfrisches Holz dort unten in der Grube landet,
reißt es, von Wahnsinn jäh umbrandet,
den Schädel hoch und stampft die Menschen in den Staub.

Im Berg, die schwarze Wetternacht,
schlägt Funken aus den Hufen
und ehe noch die Notsignale rufen,
hat sich das blinde Pferd verhundertfacht.

Und poltert durch das schwarze Labyrinth
und stürzt im Fliehn die tiefe Felsentreppe
herab und wiehert durch die grüne Steppe,
auf der die toten Pferde mächtig sind.


Paul Zech
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gast

  • #236
Bob Dylan bekommt den Literatur-Nobelpreis. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich verneige mich vor dem Meister

und im nächsten Jahr ist Leonard Cohen dran.
 
Beiträge
3.575
Likes
956
  • #237
Living well is the best revenge.

REM
 
G

Gast

  • #238
Liegt der Bauer auf der Magd
die Bäurin wohl das Rheuma plagt

Keinesfalls Rilke
 
P

Philippa

  • #239
Ich bin ganz glücklich, weil schon wieder Wochenende ist und ich also viel Zeit habe. Zum Beispiel, um mein Patenkind zu besuchen oder wieder mal in allerlei Büchern zu lesen.
Bei Letzterem ist mir gerade folgender Satz ins Auge gesprungen:

"Wer nicht geniesst, wird ungeniessbar."

Eckart von Hirschhausen
 
G

Gast

  • #240
Du mußt das Leben nicht verstehen

dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn
Es löst die leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin


Rainer Maria Rilke



Mohnblumen sind zauberhaft
 
Zuletzt bearbeitet: