Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #61
Aw: :)

Zitat von Diva:
Nein, bloß authentisch sein! Das auf jeden Fall. Wenn ich merke, dass ich einen Mann treffe, der ständig jeder Frau hinterherschaut, die nur annähernd (!) attraktiv ist (selbst, wenn ihr zugleich die Dummheit aus dem Gesicht strahlt), dann weiß ich eben, dass er nicht so gut zu mir passt.
Mit der Authentizität ists halt eine schwierige Sache. Wer, wenn er allein ist, vielleicht gerne rülpst oder in der Nase bohrt, der soll es vermutlich dennoch nicht bei einem Date. Ist er dann unauthentisch? Man kann auch sagen, es sei einfach eine andere Situation, man spiele da jeweils andere Rollen, und deswegen sei in der einen Situation das Rülpsen authentisch, in der anderen das Nichtrülpsen.
Aber was ist dann überhaupt noch unauthentisch?
"Einfach so sein wie man ist", ist ja eine Verkürzung - da man ja nie situationslos ist.
 
Beiträge
370
Likes
0
  • #62
Aw: :)

Zitat von Heike:
Mit der Authentizität ists halt eine schwierige Sache. Wer, wenn er allein ist, vielleicht gerne rülpst oder in der Nase bohrt, der soll es vermutlich dennoch nicht bei einem Date. Ist er dann unauthentisch? Man kann auch sagen, es sei einfach eine andere Situation, man spiele da jeweils andere Rollen, und deswegen sei in der einen Situation das Rülpsen authentisch, in der anderen das Nichtrülpsen.
Aber was ist dann überhaupt noch unauthentisch?
"Einfach so sein wie man ist", ist ja eine Verkürzung - da man ja nie situationslos ist.
Vielleicht könnte man das authentisch sein so auslegen, dass man sich in der jeweiligen Situation eben unverstellt und unverkrampft gibt. Der/die Naseboherer(in) fühlt sich bei dieser Tätigkeit wohl auch nur ohne Zuschauer und allein wohl.

Im Übrigen schlüpfen wir ja eben ständig in andere Rollen. Im Beruf verhalte ich mich auch ein wenig anders als privat. Solange ich mich in meiner beruflichen Situation aber wohl fühle bin ich authentisch; ich muss dann nicht ständig denken "bloß cool und locker bleiben" oder "bloß nicht in der Nase bohren". Ich würde sagen, zu unserer individuellen Authentizität gehören eben auch verschiedene Rollen. Authentisch ist ein Mensch in einer Rolle, die zu ihm/ihr passt und die er oder sie ausfüllen kann ohne große Kraftanstrenung.
 
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #64
Aw: :)

Zitat von Ginevra:
Authentisch ist ein Mensch in einer Rolle, die zu ihm/ihr passt und die er oder sie ausfüllen kann ohne große Kraftanstrenung.
Der gelassen lügt wäre somit authentisch? Oder der sich so an die Zwänge gewöhnt hat, daß er sie nicht bemerkt und sich tadellos unterwirft?
Ja, vielleicht.

@Jorge, na, meinetwegen auch nicht. Ich missioniere ja nicht, sondern schreibe halt nur hin, wie's ist! :)
 
Beiträge
370
Likes
0
  • #65
Aw: :)

Zitat von Heike:
Der gelassen lügt wäre somit authentisch? Oder der sich so an die Zwänge gewöhnt hat, daß er sie nicht bemerkt und sich tadellos unterwirft?
Ja, vielleicht.
Der notorische Lügner ist beim Lügen authentisch.

Bist Du wirklich in allen Lebenslagen genau gleich? Hast Du keine verschiednenen Rollen, in denen Du aber doch Du selbst und damit authentisch bist?
 
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #66
Aw: :)

Zitat von Ginevra:
Der notorische Lügner ist beim Lügen authentisch.

Bist Du wirklich in allen Lebenslagen genau gleich? Hast Du keine verschiednenen Rollen, in denen Du aber doch Du selbst und damit authentisch bist?

Klar hab ich verschiedene Rollen. Und es bin ich, der sie einnimmt oder spielt.
Oftmals ist die Frage, ob das jetzt auch authentisch ist, kontraproduktiv. Sie bindet tendenziell an etwas zurück, kann es dadurch eng machen und steht der Spielfreude entgegen.
 
Beiträge
370
Likes
0
  • #67
AW: "DAS geht ja GAR nicht...!"

Ich wollte jetzt wissen, wie Authentizität definiert ist, weil ich die ganze Zeit darüber nachgedacht habe. Bei wikipedia steht bezüglich der Authentizität von Personen folgendes:

"Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, dass das Handeln einer Person nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird, sondern in der Person selbst begründet liegt. Wenn bei einer Person allerdings die Eigenschaft, dass ihr Handeln durch äußere Einflüsse bestimmt wird, als Persönlichkeitsmerkmal oder Charakterzug bezeichnet werden kann, spricht man von einer authentischen Inauthentizität, auch von der Authentisch inauthentischen Persönlichkeit. Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität."
 
Beiträge
370
Likes
0
  • #68
AW: "DAS geht ja GAR nicht...!"

Diese Definition klärt natürlich nicht alles. Wenn ich lüge, um nicht zu verletzen. Kommt das dann ohne äußeren Zwang, weil ich ja von mir selbst aus nicht verletzten will. Bin ich also authentisch?

Oder lüge ich aus einem äußeren Zwang, nämlich weil derjenige, der potentiell verletzt wird mein Handeln beeinflusst?
 
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #69
AW: "DAS geht ja GAR nicht...!"

Zitat von Ginevra:
Diese Definition klärt natürlich nicht alles. Wenn ich lüge, um nicht zu verletzen. Kommt das dann ohne äußeren Zwang, weil ich ja von mir selbst aus nicht verletzten will. Bin ich also authentisch?

Oder lüge ich aus einem äußeren Zwang, nämlich weil derjenige, der potentiell verletzt wird mein Handeln beeinflusst?
Ich finde interessant, daß da beide Themen zusammenkommen: Verletzung und Authentizität. Denn das sind die beiden Diskurse, die meinem Eindruck nach hier den größten Raum einnehmen. Also implizit, oder besser: welche die deutlichsten Wirkungen zeigen.
Was von innen kommt und was von außen - das ist schwer zu sagen. Das meiste sind ja Wechselwirkungen. Auch diese Bedeutung dieser Diskurse hat man sich nicht einfach ausgesucht, sondern die liegen in der Luft.
Dennoch habe ich, wenn hier von Verletzungen geredet wird, unterschiedlichen Eindruck von geringerer oder ausgeprägterer Authentizität. Manchmal denke ich schon, daß das irgendwie vorgeschoben ist, jemand sich an dieses Konzept klammert, das er aufgeschnappt und sich nicht wirklich erarbeitet hat.
Interessant finde ich auch, daß nach den Wikepediaäußerungen Authentizität zum einen so was wie Urwüchsigkeit ist, zum anderen aber ein hohes Maß von Reflexion impliziert. Beides kann ja durchaus in Spannung zueinander stehen.
Interessantes Thema auf jeden Fall; aber sofern eigens thematisiert vermutlich eher off topic. :)
 
Beiträge
231
Likes
0
  • #70
AW: "DAS geht ja GAR nicht...!"

Da ihr gerade so schön OT seid, erlaube ich mir noch ein OT von mir

Liebe Heike,

hinter Dir steckt auf jeden Fall ein sehr kluger Kopf. Und es reizt mich irgdenwie schon mit Dir einmal von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren; ich weiss natürlich nicht ob Du Dich das traust.

LG Jorge
 
M

Minze

  • #71
AW: "DAS geht ja GAR nicht...!"

Zitat von Jorge:
@ Minze: Danke für die Übersetzung, ich hatte es auch nicht verstanden.

Nur das Fokussieren der Stärken - ein typischer Ansatz z.B. bei der Berufswahl oder der Strategie für Unternehmen - bedeutet doch nicht automatisch, dass die weniger starken Seiten - nennen wir mal Schwächen - nicht zur Kenntnis genommen oder akzeptiert werden.
"Fokussieren der Stärken" war von mir milder ausgedrückt, es ging darum, dass es an Bereitschaft fehlt mit Schwächen umzugehen, wenn es keine Schwächen geben soll oder darf, wenn jemand nur Stärken haben soll - was ich mir so in der Realität gar nicht vorstellen kann, denn das lernt man doch von klein auf, dass alle Menschen Stärken und Schwächen haben.
Und natürlich müssen wir mit beidem umgehen - mit den Stärken ebenso wie mit den Schwächen. Die Bereitschaft dazu kann sehr unterschiedlich sein, das ist von den einzelnen Persönlichkeiten abhängig, da gibt es irgendwie keine Patentrezepte.

Zitat von Jorge:
Im Übrigen gibt es meiner Ansicht nach keine Stärken und Schwächen sondern nur ein Profil und je nach Kontext wird daraus dann eine Stärke oder Schwäche. Beispiel: gut ausgebildete, qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter können für ein Unternehmen beides sein, je nach gewähltem Markt. Arbeitet das Unternehmen im hochwertigen Privatkundengeschäft ist dies eine Stärke, ist es jedoch im umkämpften - sagen wir mal - "Billiglohnsektor" tätig - Bespiel Paketdienst - dann sind diese Mitarbeiter überqualifziert für diese Aufgabenstellung, zu teuer für die am Markt erzielbaren Preise und damit eine Schwäche.
In unterschiedlichen Kontexten können Stärken zu Schwächen werden und umgekehrt. Jemand, der sehr genau und penibel arbeitet hat damit einerseits gewiss eine Stärke, andererseits kann es sein, dass es ihm dadurch an Flexibilität fehlt, womöglich kann er nicht so gut spontan sein, fällt ihm zu improvisieren schwer. Die Sache mit den zwei Seiten eben.
 
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #72
M

Minze

  • #73
Aw: :)

Zitat von Heike:
Mit der Authentizität ists halt eine schwierige Sache. Wer, wenn er allein ist, vielleicht gerne rülpst oder in der Nase bohrt, der soll es vermutlich dennoch nicht bei einem Date. Ist er dann unauthentisch? Man kann auch sagen, es sei einfach eine andere Situation, man spiele da jeweils andere Rollen, und deswegen sei in der einen Situation das Rülpsen authentisch, in der anderen das Nichtrülpsen.
Aber was ist dann überhaupt noch unauthentisch?
"Einfach so sein wie man ist", ist ja eine Verkürzung - da man ja nie situationslos ist.
Eben, man ist nie situationslos und in unterschiedlichen Kontexten, Interaktionen, Konstellationen kann man sich recht unterschiedlich verhalten ohne sich verstellen zu müssen. Persönlichkeiten sind nuancenreich und haben Spielraum, sich auf unterschiedliche Weise zu entdecken. Ich finde nicht, dass "alles zu seiner Zeit" uns unauthentisch macht, von daher gehört Nasenbohren und Rülpsen zu der "Alleinesein-Zeit" ;-)).
 
Beiträge
4.669
Likes
357
  • #74
Aw: :)

Zitat von Minze:
von daher gehört Nasenbohren und Rülpsen zu der "Alleinesein-Zeit" ;-)).
Aber nicht unbedingt, weil das die entsprechende Person von sich selbst her so aufteilen möchte, sondern weil es eine äußere Regel ist, der sie sich unterwirft.
Das ist im Prinzip wie bei den ganzen Anfragen hier im Forum "Soll ich mich beim Date so oder so verhalten?", wo dann immer geantwortet wird: "Sei einfach nur du selbst!" oder "Tu, womit du dich wohlfühlst!". - Das Sichwohlfühlen hängt natürlich mit antizipierter Reaktion des anderen zusammen. Man fühlt sich deswegen nicht wohl, beim Date in der Nase zu bohren, weil man erfahren oder gesagt bekommen hat, daß das "ja gar nicht geht".
 
M

Minze

  • #75
Aw: :)

Zitat von Heike:
Aber nicht unbedingt, weil das die entsprechende Person von sich selbst her so aufteilen möchte, sondern weil es eine äußere Regel ist, der sie sich unterwirft.
Das ist im Prinzip wie bei den ganzen Anfragen hier im Forum "Soll ich mich beim Date so oder so verhalten?", wo dann immer geantwortet wird: "Sei einfach nur du selbst!" oder "Tu, womit du dich wohlfühlst!". - Das Sichwohlfühlen hängt natürlich mit antizipierter Reaktion des anderen zusammen. Man fühlt sich deswegen nicht wohl, beim Date in der Nase zu bohren, weil man erfahren oder gesagt bekommen hat, daß das "ja gar nicht geht".
Ja, stimmt - es ist etwas Gelerntes, "in der Nase bohren tut man nicht" und wenn dann bitte heimlich, wo sich niemand dran stört. Gut, manchmal müssen wir schon heimlich authentisch sein ;-)...
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.