Zaphira

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  • #3.481
@chava, ich bin total bestürzt... was für eine Zumutung für eine alte, kranke Frau!
Dass Du dennoch den Moment nutzen und Dir, wenn auch nur kurze, Auszeiten nehmen kannst, finde ich sehr gut!
Alles gute Dir.
 
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MaryCandice

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  • #3.482
Mal wieder etwas Positives:
War heute auf den Weihnachtsmärkten in Hamburg. Alster, Rathaus, Petri-Kirche, Karstadt, Spitaler Strasse. Es war herrlich, zu gucken, diese schönen Buden, die Menschen, Gerüche, leckeres Essen. Ich habe die Atmosphäre genossen in meiner alten Heimatstadt, die Ablenkung hat mir gut getan.

Tja, und dann das Negative, heute Nacht, mit Martha.
Die Nachtschwester vom Heim rief mich an. Sie war erschrocken gewesen, wie schlimm es meiner Muttsch ging: gelämter Arm unheimlich dick und glasig, kleine Blasen, ganzer Körper zerkratzt, mit verzweifeltem Weinen und Schreien. Hat die 112 angerufen. Die haben sie auch mitgenommen - aber nicht in unser Krankenhaus ums Eck, sondern 25 km ins nächste. Ausgeladen, eingeliefert - abgelehnt, weil Verdacht auf Vaskulitis. Weiter verwiesen, wieder 20 km etwa. 2. Anruf von der Pflegerin. 3. Anruf - wieder weiter. 4. Anruf - Krankenhaus Nummer 4 jetzt! Meine Mutter war wohl 3 1/2 Stunden unterwegs, immer mit dem gleichen Auto. Lag auf dem Gang, angeblich sollte sie heut morgen wieder verlegt werden - etwa 150 km weit weg. Im Krankenhaus angerufen, war jetzt doch auf Station und wurde behandelt. Arzt und meine liebe Nachtschwester hatten noch Stress miteinander.
Was ist nur mit unserem Gesundheitssystem los, so eine Tortur mit einer alten sehr kranken Frau???
Heut mit Zug hin. Dr. : "ich komme gleich" - wurde wieder 2 Stunden Warten draus. Machen Biopsie, weil der Verdacht auf eine altersbedingte Autoimmunerkrankung besteht.
Beerdigung planen, Wohnungsauflösung - und jetzt noch Martha jeden Tag besuchen fahren, mit einer Stunde Zeit für den Weg.
Sie weint und kreischt dort, hab um ein Beruhigungs- oder Schlafmittel gebeten. Gestern hat sie erfahren, dass Jo gestorben ist, und jetzt wieder diese Tortur, total hilflos dann noch in einem arg unterbesetzten Krankenhaus.
Es ist fürchterlich. Und schon wieder diese Hilflosigkeit, wie bei meinem Paps.
Meine Tochter hatte heute ihren kleinen Zwerg für ein paar Stunden abgegeben und für mich die Zimmerräumung von Jo vorbereitet, mein Sohn holt morgen mit mir die Möbel, TV, Sessel, PC usw. ab, muss Mittags leer sein, der Raum.
Aber somit konnte ich wenigstens die Weihnachtsmärkte besuchen, war gar nicht eingeplant gewesen . . . :(
Das ist @chava !!!!
❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤
Deshalb mag ich dich so, ohne dich zu kennen.
Mal ehrlich, glaubst oder fürchtest oder hoffst du, das deine Mom ihrem Jo in den nächsten Tagen vielleicht noch Wochen folgt?

Mein Vater starb an einem 24. Dezember. Wir hatten nicht den Megakontakt, erst in den letzten Monaten. Und das Weihnachten damals war trotz allem wunderschön, obwohl er nach nur einem Tag krank sofort verstarb. Also eher plötzlich.

Ich drück dich, und wünsche dir alles, was dir gut tut und den Mut dazu.
 
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MaryCandice

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  • #3.484
Och ihr zwei.... letztens fragt Wolke bei Tone nach, ob alles in Ordnung, dieses Mal fragt Tone bei Wolke....

Und ich fühle noch immer keine abwertenden Andeutungen. Warum interpretiert jeder so viel rein. Für mich gibt es nur mag mich - mag mich nicht. Und das ist veränderlich.
 

Tone

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  • #3.485
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HrMahlzahn

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  • #3.486
wir haben hier ein paar OT-Threads, da kann man sich prügeln, bis die Tastatur blutet:D
 
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MaryLu

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  • #3.490
Mal wieder etwas Positives:
War heute auf den Weihnachtsmärkten in Hamburg. Alster, Rathaus, Petri-Kirche, Karstadt, Spitaler Strasse. Es war herrlich, zu gucken, diese schönen Buden, die Menschen, Gerüche, leckeres Essen. Ich habe die Atmosphäre genossen in meiner alten Heimatstadt, die Ablenkung hat mir gut getan.

Tja, und dann das Negative, heute Nacht, mit Martha.
Die Nachtschwester vom Heim rief mich an. Sie war erschrocken gewesen, wie schlimm es meiner Muttsch ging: gelämter Arm unheimlich dick und glasig, kleine Blasen, ganzer Körper zerkratzt, mit verzweifeltem Weinen und Schreien. Hat die 112 angerufen. Die haben sie auch mitgenommen - aber nicht in unser Krankenhaus ums Eck, sondern 25 km ins nächste. Ausgeladen, eingeliefert - abgelehnt, weil Verdacht auf Vaskulitis. Weiter verwiesen, wieder 20 km etwa. 2. Anruf von der Pflegerin. 3. Anruf - wieder weiter. 4. Anruf - Krankenhaus Nummer 4 jetzt! Meine Mutter war wohl 3 1/2 Stunden unterwegs, immer mit dem gleichen Auto. Lag auf dem Gang, angeblich sollte sie heut morgen wieder verlegt werden - etwa 150 km weit weg. Im Krankenhaus angerufen, war jetzt doch auf Station und wurde behandelt. Arzt und meine liebe Nachtschwester hatten noch Stress miteinander.
Was ist nur mit unserem Gesundheitssystem los, so eine Tortur mit einer alten sehr kranken Frau???
Heut mit Zug hin. Dr. : "ich komme gleich" - wurde wieder 2 Stunden Warten draus. Machen Biopsie, weil der Verdacht auf eine altersbedingte Autoimmunerkrankung besteht.
Beerdigung planen, Wohnungsauflösung - und jetzt noch Martha jeden Tag besuchen fahren, mit einer Stunde Zeit für den Weg.
Sie weint und kreischt dort, hab um ein Beruhigungs- oder Schlafmittel gebeten. Gestern hat sie erfahren, dass Jo gestorben ist, und jetzt wieder diese Tortur, total hilflos dann noch in einem arg unterbesetzten Krankenhaus.
Es ist fürchterlich. Und schon wieder diese Hilflosigkeit, wie bei meinem Paps.
Meine Tochter hatte heute ihren kleinen Zwerg für ein paar Stunden abgegeben und für mich die Zimmerräumung von Jo vorbereitet, mein Sohn holt morgen mit mir die Möbel, TV, Sessel, PC usw. ab, muss Mittags leer sein, der Raum.
Aber somit konnte ich wenigstens die Weihnachtsmärkte besuchen, war gar nicht eingeplant gewesen . . . :(
Auch mir tut das sehr leid und ich wünsche Dir viel Kraft. Schön, dass Du trotz alledem noch einige Schönheiten des Lebens sehen und genießen kannst.
 
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chava

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  • #3.491
Es hört wohl nie auf.
Noch ein Negativ-Positiv Tag:

Negativ:
Martha hat jetzt ein Einzelzimmer im Krankenhaus . . .:(
Kam heute hin, musste mich verkleiden.
Schwester: eine der Damen hat eine ansteckende Krankheit.
Dann wurde die Zimmernachbarin umquartiert - war also Muttsch.
MRSA. Auch Verdacht auf Noro wurde zart geäußert.
Im ihrem Pflegeheim nachgefragt, die haben keine Krankheiten.
Also wohl auf ihrer 4-Krankenhäuser-Fahrt eingefangen.
Oder, bevor sie ins Pflegeheim kam, durch ihren Pflegedienst?
Sie kann nicht reden, nicht die Klingel bedienen, die Tür muss
geschlossen bleiben - niemand hört sie, wenn sie schreit,
weil sie unzufrieden ist, Schmerzen hat, umgebettet werden oder
was gewechselt haben müsste, Hunger oder Durst hat.
Früher hatte sie mal einen Grand Mal bekommen, weil sie sich
so ins Hilfe-Schreien reingesteigert hatte, ist ja auch Epileptiker.
Grausam, wenn man so hilflos ist - und dann ganz allein im Zimmer.
Pflegeheim ist schlimm, Krankenhaus Tortur.
War heute 3 1/2 Stunden bei ihr, plus Zugfahrt.
Wenn sie früher im Krankenhaus war, hatten Jo und ich sie den
ganzen Tag im Wechsel betreut. Krieg ich jetzt nicht hin.
Jo eingeäschert, warten auf Papiere vom Rathaus.
Paps Wohnung, wo der Kaffee nach der Beisetzung stattfinden soll,
muss ich auch noch aufräumen und putzen.
Sieht aus wie bei Messies mit Jos Kartons und Möbeln,
mussten gestern ja das Zimmer im Heim leeren.
( Sah auch vorher schon aus wie bei Messies )
Warte auf eine schöne Migräne, damit ich mich mal
einen Tag nur aufs Sofa legen kann . . . :rolleyes:

Genug gejammert - jetzt das Positive:
Martha hat heut morgen ihren 7. Urenkel, ich mein 4. Enkelkind
bekommen, ein wunderhübsches properes Mädel . . . :)
 
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Inge21

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  • #3.492
@chava :
Herzlichen Glückwunsch zu Deiner kleine Enkeltochter. Das ist der Kreislauf des Lebens, einer geht, ein anderer kommt.
Wünsch Dir viel Kraft das mit Deiner Mutter durchzustehen. Du tust was in Deiner Kraft steht
 
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Zaphira

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  • #3.493
@chava, Es ist alles ganz dicht beisammen... Freud und Leid... ich gratuliere Dir zu Deiner Enkelin :), und ich hoffe, dass es Deiner Mutter bald besser geht!
Und weiterhin wünsche ich Dir eine gute Balance! Und die nötige Kraft!
 
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  • #3.494
Es hört wohl nie auf.
Noch ein Negativ-Positiv Tag:

Negativ:
Martha hat jetzt ein Einzelzimmer im Krankenhaus . . .:(
Kam heute hin, musste mich verkleiden.
Schwester: eine der Damen hat eine ansteckende Krankheit.
Dann wurde die Zimmernachbarin umquartiert - war also Muttsch.
MRSA. Auch Verdacht auf Noro wurde zart geäußert.
Im ihrem Pflegeheim nachgefragt, die haben keine Krankheiten.
Also wohl auf ihrer 4-Krankenhäuser-Fahrt eingefangen.
Oder, bevor sie ins Pflegeheim kam, durch ihren Pflegedienst?
Sie kann nicht reden, nicht die Klingel bedienen, die Tür muss
geschlossen bleiben - niemand hört sie, wenn sie schreit,
weil sie unzufrieden ist, Schmerzen hat, umgebettet werden oder
was gewechselt haben müsste, Hunger oder Durst hat.
Früher hatte sie mal einen Grand Mal bekommen, weil sie sich
so ins Hilfe-Schreien reingesteigert hatte, ist ja auch Epileptiker.
Grausam, wenn man so hilflos ist - und dann ganz allein im Zimmer.
Pflegeheim ist schlimm, Krankenhaus Tortur.
War heute 3 1/2 Stunden bei ihr, plus Zugfahrt.
Wenn sie früher im Krankenhaus war, hatten Jo und ich sie den
ganzen Tag im Wechsel betreut. Krieg ich jetzt nicht hin.
Jo eingeäschert, warten auf Papiere vom Rathaus.
Paps Wohnung, wo der Kaffee nach der Beisetzung stattfinden soll,
muss ich auch noch aufräumen und putzen.
Sieht aus wie bei Messies mit Jos Kartons und Möbeln,
mussten gestern ja das Zimmer im Heim leeren.
( Sah auch vorher schon aus wie bei Messies )
Warte auf eine schöne Migräne, damit ich mich mal
einen Tag nur aufs Sofa legen kann . . . :rolleyes:

Genug gejammert - jetzt das Positive:
Martha hat heut morgen ihren 7. Urenkel, ich mein 4. Enkelkind
bekommen, ein wunderhübsches properes Mädel . . . :)

Glückwunsch zur Enkelin :p
Und deiner Mutter und dir wünsche ich, dass es bloß ein Norovirus ist - abgesehen davon, dass der hochansteckend ist, harmlos und eher schnell vorbei. MRSA wäre da blöder - und haben könnte sie den schon ewig. Bloß solange man nicht geschwächt ist, fällt er gar nicht auf und man ist stiller Träger o_O
 
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  • #3.495
Und noch was @chava: man ist nie zu alt, Neues zu lernen (und damit auch den anderen eine Lernerfahrung zu ermöglichen): du darfst dich auch ohne Migräne aufs Sofa legen und sagen "ich kann nicht mehr und brauche Pause"
 
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Zaphira

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  • #3.496
@chava, mone7 hat recht, Du brauchst ab und zu eine Pause, um wieder Kraft zu tanken. Es gibt ehrenamtliche Helfer, z.B. von den Maltesern, die einspringen können. Der soziale Dienst im Krankenhaus sollte Dir dazu Informationen geben können.
 
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Ariadne_CH

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  • #3.497
Liebe Chava!
Glückwunsch zu deiner Enkeltochter! Ich freu mich mit dir! :)
Ansonsten möchte ich mich Mone anschliessen: Du musst dich nicht um alles kümmern. Im Moment bist du und deine Mutter wichtig. Kaffee nach der Beisetzung finde ich da im Vergleich nicht so relevant. Vor allem muss da nicht alles perfekt sein. Wichtig ist, dass du gut zu dir schaust in all dem Trubel!
 
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tigersleep

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  • #3.498
Glückwunsch zur Enkeling @chava :) Wie das Leben so ist...Hast du die Kleine schon gesehen?

Die Situation mit deiner Mutter klingt furchtbar. Was soll ich da drum herum reden, das ist einfach schrecklich so. Ich schick dir ein paar Sonnen- und Kraftstrahlen, pass gut auf dich auf. Ich wünsch dir so sehr, dass das Leben wieder netter zu dir ist. Lass dich noch mal drücken :)
 
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HrMahlzahn

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  • #3.499
@chava
Liebe statt Migräne,
vielleicht von deinen inzwischen drei Enkeln.
Es gibt sicher auch außerhalb deiner Familie noch mehr Menschen die dich lieb haben. Du wirst sie kennen.;)
Du bist eine wunderbar warme und weiche Frau und hast den Menschen im Forum soviel Gutes getan. Ich hoffe, wir können dir ein bißchen Herzenswärme zurück geben. Ich bin froh, dass ich etwas von dem Menschen hinter dem Avatar kennen lernen durfte. Du weißt, was ich dir wünsche, und außerdem wünsche ich dir noch Schokolade für die Nerven:);):)
 
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MaryCandice

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  • #3.500
@chava ❤❤❤❤❤❤❤
 
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Jacinta

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  • #3.501
Liebe @chava , wir kennen uns so gut wie gar nicht vom schreiben, doch ich hoffe, du erlaubst mir mein herzliches Beileid dir gegenüber auszudrücken.
Gerne lese ich in diesem Thread und wünsche dir von Herzen viel Kraft und liebevolle Menschen an deine Seite, die auf dich acht geben. Und natürlich wünsche ich dir und euch auch viel Freude mit deinem Enkel :)

Ich hatte unerhörterweise vor kurzem ein sehr sehr nettes erstes Date, was mir wieder Hoffnung gemacht hat. Dass es eine männliche Person, ungebunden und in meinem Alter gibt, die ich charakterlich und vom Aussehen her anziehend finde , mit ähnlichem Humor & Werten und spürbarem Interesse für mich.
Ist noch alles etwas unsicher und sehr vorsichtig, aber wenn es eine schöne Geschichte wird, erzähle ich sie gerne hier. Ich fand jedoch die Tatsache, überhaupt so einen netten Abend mit einer fremden Person zu verbringen, sehr sehr schön und ging ganz gewärmt und beschwingt nach Hause.
Also, eine aufregende Geschichte und ich versuche, auf dem Teppich zu bleiben :)

So viel dazu und Dir wünsche ich jede Form von Liebe und Halt, die Du Dir wünschst und brauchen kannst.
 
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chava

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  • #3.502
Oma Opa suchen . . .

Ich glaube, dass war der erste vollständige Satz, den mein kleiner Enkel gesprochen hat. Vor 2 Jahren hab ich damit angefangen, mir OL einen neuen Mann zu suchen. Da meine Tochter oft für ein paar Tage zu mir zu Besuch kam, kriegte er unsere ausführlichen Gespräche über „ meine Männer “ natürlich mit und letztes Jahr im Sommer, als er 2 Jahre alt war, marschierte er durch die Gegend, schaut sich die älteren Herren ausführlich an und brabbelte eines Tages den Spruch „ Oma Opa suchen“ vor sich hin. Als wir dann an dem einen „Opa“ vorbei gelaufen waren, fragte meine herzallerliebste Tochter mich: „wie findest du den Mann?“ ( mit einem süßen braven ruhigen Hund, meiner Lieblingsrasse, an der Leine ) und ich „toll, wie aus dem Bilderbuch“. Schön, wenn alle so Anteil nehmen an meinem Wunsch nach einer neuen Liebe. Nur – am nächsten Tag wurde es dann echt peinlich für mich: Wir gingen immer gegen 12 nach Hause, weil die Zwerge um 1 Uhr ihren Mittagsschlaf – und Mama und Oma Schönheitsschlaf – hielten. Und plötzlich sagte Töchterlein „ oh, da ist der Mann von gestern“ , schnappte sich den Kinderwagen mit dem Baby-Zwerg und schob superschnell zu dem wunderhübschen Mann, den ich weil so weit weg, noch gar nicht erkannt hatte. Da ich den größeren Zwerg mit den recht kurzen Beinen an der Hand hielt, konnte ich sie nicht stoppen und dackelte gemächlich hinterher. Als ich sie erreichte, klönte sie schon intensiv mit dem Traummann. Und stellte mich als ihre Mutter vor „ die einen neuen Mann sucht“. Toll. Wurde ich rot? Zum Glück hatte ich meinen Sonnenhut auf, das Gesicht lag also etwas im Schatten. Und den Tag hatte ich auch meinen Tuschkasten benutzt ( hatte sie mich morgens zu gedrängelt, auch meine Garderobe ausgewählt! ) und sah recht passabel aus. Meine Verlegenheit konnte ich überspielen und wir haben ganz nett geklönt. Er hatte ein bezauberndes Lächeln. Wohnte nur 10 km entfernt. War Einrichtungsleiter des Altenheims gleich bei mir um die Ecke. Ich fragte noch doof: „Richten Sie die Zimmer ein?“ Nein – natürlich nicht, er leitete die Einrichtung. Und ging immer in der Mittagspause um 12 mit Hundchen in den Park. - Am nächsten Tag lungerten wir auf dem Spielplatz herum, bis wir ihn wieder sahen, gingen dann los. Und, was macht mein Traummann? Telefoniert so intensiv am Wegesrand, dass er uns nicht sah ( oder sehen wollte !?) und wir gingen ohne Gruß und Gespräch von dannen . . . ich recht enttäuscht.

Allerdings schaute ich ihn mir genauer an, und fand ihn etwas jünger als ich am Vortag dachte. Und als ich bei Google suchte ( sein Name stand auf der Homepage des Heims ) stellte ich fest dass er volle 12 Jahre jünger war als ich.
Ganz schön viel! Deshalb ging ich auch nicht mehr um 12 im Park spazieren.

Trotzdem traf ich ihn danach noch ein paar Mal. Als nächstes – als ich nach 3 Tagen Magen-Darm-Grippe ( ohne Tuschkasten und so ausgesch… aussehend wie ich mich fühlte ) ohne Blick auf die Uhr um 12 in den Park ging, da grüßte er. Das nächste Mal morgens auf dem Weg zum Friseur, leider wieder ohne Make Up, er hatte Brötchen gekauft. Erkannte er mich? Gegrüßt hat er. Und ein drittes Mal – da lächelte er mich sogar an.

Trotzdem träume ich immer noch oft von ihm, er hatte mir wirklich gefallen ( das Träumen allerdings im Wechsel mit Hansi und meinem Tripple-Ex-CD-Flirt ) . Und die alten Leute aus dem Heim, mit denen ich mal beim Spaziergang klönte, schwärmten von ihm als einem lieben und warmherzigen Mann.
Meine Tochter behauptet zwar, ich sehe 10 Jahre jünger aus, Zwergnase meint auch, ich sei keine alte Oma ( obwohl ich nicht mehr auf dem Teppich sitzen kann zum Spielen - deshalb holt er mir auch immer fürsorglich die Sofakissen für meinen Popo ) – aber . . . mein Spiegel lügt nicht.

Manchmal . . . reichen 1/4 Std. Klönen und ein bezauberndes
Lächeln aus für eine unendliche Schwärmerei.
 
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tigersleep

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  • #3.503
@chava das ist so knuffig geschrieben, wie schön dass man das nie verlernt mit dem rot werden :) Schade, dass es nicht so recht passen wollte, aber eine wirklich schöne Geschichte :)
 
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  • #3.505
(...) stellte ich fest dass er volle 12 Jahre jünger war als ich.
Ganz schön viel! Deshalb ging ich auch nicht mehr um 12 im Park spazieren.
(...)
mein Spiegel lügt nicht.
(...)
Manchmal . . . reichen 1/4 Std. Klönen und ein bezauberndes;);)
Lächeln aus für eine unendliche Schwärmerei.
Liebe @chava ,

mit Verlaub : Was sind 12 Jahre, zumal wenn Ihr keine "jungen Hüpfer" mehr seid ?!? Sch*** auf die Konventionen, wenn Ihr Euch gefallt ! Warum soll es eine Schwärmerei bleiben ?

Er gefällt Dir ? Dann 'ran an den Speck ! Zumal damit ja noch gar nichts entschieden ist : Vielleicht schlägst Du die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Du ihn erst einmal etwas besser kennst ? Aber ohne das wirst Du Dir kein Urteil bilden können ! Und wenn Du jetzt lieber Deinem Spiegel glaubst (BTW : Du kannst Dir ja einen neuen kaufen !) und deshalb nicht mehr um 12.00 Uhr im Park spazieren gehst, um ihm aus dem Weg zu gehen, wirst Du es irgendwann bereuen und sagen "Hätte ich doch bloß ... " ! Wenn Du es nicht wenigstens versuchst, wirst Du nie erfahren, ob nicht vielleicht doch etwas daraus hätte werden können, weil Du Euch lieber sofort gar keine Chance gegeben hast.

Versuch macht kluch - also trau Dich ! ;)
 
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tigersleep

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  • #3.506
...aber sonst eine Spitzenidee!

Wir machen eine Zeitreise in meine Schulzeit. Euch kann ich es ja sagen, weil es quasi verjährt ist, aber ich war nicht der Rockstar in meiner Schulzeit. Ich war noch nicht mal der Bassist. Ich war eher so der Kartenabreisser, um bei der Konzert-Metapher zu bleiben. Ich war schulisch gesehen eher Durchschnitt, sagen wir mal so. Das könnte eventuell daran gelegen haben, dass ich den Kopf voll mit anderen Dingen hatte und dass ich ganz vielleicht ein kleines bisschen faul war. In der 10. Klasse machte meine Schulkarriere aber einen ganz besonders argen Knick, und das lag daran, das ich da neben einer Mitschülerin saß.

Besagte Mitschülerin war eigentlich eine ganz Stille, aber wir kamen prima miteinander aus bei den unvermeidlichen Partnerarbeiten. Während ich mit anderen Mädels irgendwie so keinen Draht aufbauen konnte, lief das mit uns beiden eigentlich ganz von alleine. Wir konnten von einander abschreiben, fielen dementsprechend zusammen durch Klausuren und blödelten genug im Unterricht um ganz vielleicht manchmal rausgeschmissen zu werden, ich erinner mich da nicht so genau. Aber ich erinner mich, dass man nie zusammen rausgeschmissen wurde, was wirklich schade war. Wir kamen uns langsam näher, trafen uns auch mal außerhalb der Schule und manchmal hielten wir Händchen. Rückblickend war das geradezu klischeehafte Schulhofromantik.

Nun war ich vielleicht nicht der Fleißigste, aber ich hielt mich damals für verdammt schlau. Eines Tages lag mal wieder so ein kleines, gelbes Reclam-Heftchen vor mir: Goethes Faust. Auf dem Heimweg sah ich aus dem Busfenster ein Plakat für eben jenes Stück im Theater und ich wusste: Ich würde dieses Buch niemals lesen, weil langweilig. Ich würde mich einfach ein paar Stunden berieseln lassen und dann wüsste ich ja, worum es geht und hätte vielleicht eine Chance auf eine 3 in der Klausur. Und weil man die Pflicht ja auch mit dem Angenehmen verbinden kann, kam mir dann auch ziemlich schnell die Idee, sie zu fragen, ob sie nicht mitkommen wollte. Ich bin vielleicht ein bisschen schüchtern, aber sie war so gelassen und eine so nette, da traute ich mich das, sie zu fragen.

Ich fand meinen Arbeitsvermeidungsplan, mit Verlaub, einfach genial. Ich konnte mir kein Szenario ausmalen, bei dem das irgendwie zu Problemen führen könnte. Als sie dann auch noch sagte, dass sie mitkäme, hielt ich mich für den schlausten und glücklichsten Schüler der Schule. Und so gings ins Theater, billigste Sitzplatzkategorie, irgendwo hinten quasi hinter einer Säule. Ich erinnere mich lebhaft an dieses Stück und ich lernte so viel an dem Abend, aber zwei Dinge lernte ich erst viel zu spät: Was eine moderne Inszenierung und was künstlerische Freiheit ist.

Zwischendurch sprang Mephisto stockbesoffen und Fußballlieder gröhlend über die Bühne, bis er sich völlig nackt auszog und irgendwelche Statistinnen angrub. Faust war scheinbar ebenfalls ein bisschen notgeil veranlagt, Gretchen hätte in ihrem Aufzug genauso nach St. Pauli gepasst und auch sonst war das Stück eher ein Vorläufer der Sexszenen aus Game of Thrones. Insgeheim plante ich, mir das Buch vielleicht doch noch mal anzuschauen, scheinbar hatte dieser Goethe mehr Klasse, als ich das für möglich gehalten hatte. Das die meisten Leute in der Pause gingen, verstand ich überhaupt nicht. Ich war jedenfalls fasziniert.

Das war mein erster Theaterbesuch so ganz alleine mit einem Mädchen und ich kam mir sehr erwachsen vor. Anschließend gingen wir noch ein paar Schritte, hielten ein bisschen Händchen und am Ende, als ich sie bis kurz vor ihrem Haus begleitet hatte, gab es sogar ein kleines Küsschen auf die Wange. Ich fand, ich hatte einen perfekten Abend erlebt.

Ein paar Tage später stand besagte Klausur an. Ich will nicht lange drum herumreden: Es war eine dicke, fette sechs. Ihre übrigens auch. Und weil wir beide den gleichen Schmonsens mit dem nackten Mephisto und den Fußballliedern schrieben, war auch völlig klar, dass wir voneinander abgeschrieben hatten. Dass das nicht mal ansatzweise dem Buch entsprach, war uns da immer noch nicht klar.

Wir wurden so gefaltet von unserem Lehrer, das kann man sich kaum vorstellen. Eine Frechheit sei das, eine unerhörte Verhöhnung deutscher Dichtkunst, Kulturbanausen seien wir, ein ganz offensichtlicher Täuschungsversuch von uns beiden und so weiter. Und natürlich habe das alles seine Konsequenzen, so etwas sollten wir uns ja nie wieder erlauben, er habe uns im Auge, blahblahblah. Und diese Klausur, die sollte jeder von uns von den Eltern unterschreiben lassen und ihm vorzeigen.

Es war nicht der schönste Moment meiner Schülerkarriere, aber irgendwie überlebten wir auch das. Nach dem ersten Schock konnten wir beide uns ein Grinsen dann doch nicht verkneifen, besonders als wir langsam rauskriegten, warum unserem Lehrer so der Kragen geplatzt war. Weil wir pubertierende Teenager waren, mussten wir ja schon aus Prinzip trotzig reagieren und das alles nicht ernstnehmen. Sie brachte es auf den Punkt: "Das lief ja ein bisschen blöde alles, aber sonst eine Spitzenidee!" Da mochte ich sie noch mehr. Das ich die Versetzung in jenem Jahr geschafft habe, ist mir bis heute ein Rätsel.
 
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  • #3.507
köstliche Geschichte!! Hätte mir auch passieren können :)
 

Ariadne_CH

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  • #3.508
Danke für die schöne Geschichte! Ich konnte dabei herzlich lachen. :D Und ich kann mir den erzürnten Deutschlehrer lebhaft vorstellen. ;)
Wie ist es denn mit ihr und dir damals weitergegangen?