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  • #6.841
Ich glaub ja, daß das generell zum Verständnis vieler Querdenker hilfreich ist: gerade aus Angst, für naiv oder dümmlich zu gelten, versteigen sie sich in ihre Querdenkerei.

Ich habe da einen anderen Erklärungsansatz ( ganz subjektiv):

Ich glaube, dass diese Bewegung vor allem aus einem Nicht-ertragen-können der Hilflosigkeit und Ohnmacht heraus entsteht.

Dieser Virus stellt uns als Gesellschaft und als Persönlichkeit vor völlig neue Herausforderungen. Nichts ist mehr richtig planbar, berechenbar, beherrschbar. Die Unsicherheit der eigenen Existenz und die deiner Liebsten ist sehr schwer auszuhalten.

Daraus resultiert ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und diesem wird dann durch völlige Irrationalität im Sinne von Verleugnen der Faktenlage begegnet um erstmal subjektiv Entlastung zu spüren. Denn plötzlich ist alles erklärbar und klar zu bewerten. Es gibt einen/mehrere Schuldige. Das Weltgefüge ist wieder hergestellt.

Dabei rede ich bewusst nicht von Menschen, die einfach Maßnahmen der Regierung kritisch hinterfragen.
Wobei ich so einige erlebt habe, die über die Kritik nahtlos zu unhaltbaren Unterstellung hin zu völlig abstrusen Gedankenkonstrukten abdrifteten.

Es ist wie vor tausenden von Jahren: Überschwemmungen, Vulkanausbruch, Erdbeben bedrohten den Menschen, der die Willkür dessen einfach nicht akzeptieren oder ertragen konnte.

Der Mensch versucht in allem einen Sinn zu finden. Also konnte das nur der Donnergott, der Wassergott etc. gewesen sein. Die Naturgötter und die Religion als übergeordnete sinnstiftende Macht wurde geboren. Und wenn man sich richtig verhielt oder Opfergaben brachte, dann ließen sie sich auch noch besänftigen. Damit musste auch keine Willkür und Ohnmacht den Ereignissen gegenüber mehr ertragen werden.....
 
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  • #6.842
ich denke...jeder Mensch braucht in der Krise eine Idee von Kontrolle, macht halt jeder anders, um dem Bedürfnis der Sicherheit näher zu kommen.
 
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  • #6.843
Querdenker sind sexuell chronisch unter... und haben einen kleinen ...
Richtige Männer habe das nicht nötig.
 
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  • #6.844
@Lou
Das ist ja eigentlich fast das selbe (wie @syntagma vorschlägt): Bewältigungsstrategien für Angst und Ohnmacht.
Geht ja meist um irgendwelche Ängste... wenn ich mal Hobbypsychologisieren darf (hab ich von @Hoppel gelernt: Grundformen der Angst. Sehr zu empfehlen.)
Ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.
 
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  • #6.845
Ich habe da einen anderen Erklärungsansatz ( ganz subjektiv):

Ich glaube, dass diese Bewegung vor allem aus einem Nicht-ertragen-können der Hilflosigkeit und Ohnmacht heraus entsteht.
....
Ja, ist sicherlich ein Aspekt.
Ich finde auffällig an Querdenkerei und verwandten Bewegungen allerdings das Anti, die Inanspruchnahme von Widerstand gegen ein als übermächtig erlebtes Establishment, und von Entlarvung einer als standardisiert erlebten öffentlichen Meinung. Die Vorstellung, man schaue hinter die allmächtige Fassade, die man für ein Lügengespinst hält. So wie in Matrix mit der roten Pille.
Das ist schon noch mal was anderes als Religion verstanden als gegen die Macht der Natur gerichtete Emanzipationsbewegung. Die Natur lügt ja nicht.
 
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  • #6.846
Aufrufe und tools, seinen Nachbarn anzuzeigen, weil ein paar Kids Fussball spielen oder im Weinberg hocken, sehe ich da gar nicht soweit weg.
Und darum gings glaub ich.
Und eben auch der Blockwart, das Bespitzeln und Anschwärzen des Nachbarns. Gabs vorher schon, wird aktuell wieder gefördert.
Darum gings halt.
Du fabulierst. Der Kontext ist sehr prägnant und lässt sich kurz auf den Punkt bringen:
Ich wünsche allerseits fröhliches Dauerlockdownen. 🥳
du meinst ...einen ziemlich beschissenen Advent und ein Weihnachten, an dem in D nicht sicher ist, ob das laute Singen von Weihnachtsliedern erlaubt sein wird.
Sogar im 3. Reich durfte das Volk Weihnachten feiern
 
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  • #6.847
Beängstigend finde ich diese totale Spaltung, die sich durch diese Krise ergeben hat.
Es gibt fast nur noch "dafür" oder "dagegen" / Maskenträger oder Coronaleugner.
Das ist wie mit Trump oder Katholiken und Atheisten.
Da gibt es keine Gesprächsgrundlage mehr.
Für mich ja auch nicht.
Das habe ich in einem sehr interessanten Artikel gelesen (SZ glaube ich... ich such mal..), wo ein deutscher Journalist als Korrespondent nach LA kommt (vor 5 Jahren) und miterlebt, wie sich das sehr offene Diskussionsklima dort ändert, und wie er sich zunehmend unwohl fühlt, weil Dinge nicht mehr diskutierbar sind (nicht im Sinne von "das wird man doch wohl noch sagen dürfen!"). Er kommt dann schweren Herzens nach Deutschland zurück.
Mir scheint sich hier eine ähnliche Entwicklung anzubahnen.
Sehr beängstigend.
 
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  • #6.848
Ja, ist sicherlich ein Aspekt.
Ich finde auffällig an Querdenkerei und verwandten Bewegungen allerdings das Anti, die Inanspruchnahme von Widerstand gegen ein als übermächtig erlebtes Establishment, und von Entlarvung einer als standardisiert erlebten öffentlichen Meinung. Die Vorstellung, man schaue hinter die allmächtige Fassade, die man für ein Lügengespinst hält. So wie in Matrix mit der roten Pille.
Das ist schon noch mal was anderes als Religion verstanden als gegen die Macht der Natur gerichtete Emanzipationsbewegung. Die Natur lügt ja nicht.

Da gebe ich dir recht. Aber beides eint die verzweifelte Suche nach Selbstwirksamkeit.

Irgendjemand MUSS Schuld sein und dagegen bäumt man sich auf. Ob nun Naturgötter oder die böse Regierung.

Man erlangt wieder Beeinflussbarkeit und Handlungsfähigkeit zurück, die diametral zum Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht stehen.

Dies betrifft übrigens auch die völlig phobischen Menschen, die schon panisch auf Abstand, Maske etc. achten. Auch diese haben dadurch das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.
 
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  • #6.850
Ich zitiers noch mal, weils wieder so gut paßt:

"Vom Mob hat die totalitäre Propaganda gelernt, dass sie in das Zentrum der Agitation immer das stellen muss, was die öffentliche Meinung und die Propaganda der Parteien jeweils mit Schweigen übergehen. Denn im Unterschied zu der erst später entwickelten totalen Massenherrschaft, die an Existenz von Wahrheit überhaupt nicht glaubt, glaubt der Mob in aufrichtiger Beschränktheit, dass wahr sei, was immer die Heuchelei der guten Gesellschaft oder der offiziellen Kundgebungen der Regierungen verleugnen oder mit Korruption zudecken." (Hannah Arendt)

Denn natürlich wird ne Menge geheuchelt auf Seite von Regierung, der Medienlandschaft usw.
Diese Heucheleien aufzudecken ist alles andere als verkehrt.
Das sindoder wären kritische Geister.

Was hier hingegen als Querdenkerei begegnet ist ja was anderes. Was "der Mob in aufrichtiger Beschränktheit" tut ist stattdessen, einfach von allem, was als öffentlich übermächtigt erlebt wird, das Gegenteil anzunehmen und zu meinen, das sei Resultat von Denken, Prüfen und Wissen.
 
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  • #6.852
Ich zitiers noch mal, weils wieder so gut paßt:

"Vom Mob hat die totalitäre Propaganda gelernt, dass sie in das Zentrum der Agitation immer das stellen muss, was die öffentliche Meinung und die Propaganda der Parteien jeweils mit Schweigen übergehen. Denn im Unterschied zu der erst später entwickelten totalen Massenherrschaft, die an Existenz von Wahrheit überhaupt nicht glaubt, glaubt der Mob in aufrichtiger Beschränktheit, dass wahr sei, was immer die Heuchelei der guten Gesellschaft oder der offiziellen Kundgebungen der Regierungen verleugnen oder mit Korruption zudecken." (Hannah Arendt)

Denn natürlich wird ne Menge geheuchelt auf Seite von Regierung, der Medienlandschaft usw.
Diese Heucheleien aufzudecken ist alles andere als verkehrt.
Das sindoder wären kritische Geister.

Was hier hingegen als Querdenkerei begegnet ist ja was anderes. Was "der Mob in aufrichtiger Beschränktheit" tut ist stattdessen, einfach von allem, was als öffentlich übermächtigt erlebt wird, das Gegenteil anzunehmen und zu meinen, das sei Resultat von Denken, Prüfen und Wissen.

Danke für das Zitat. Ich habe erst kürzlich die Dokumentation über ihr Leben mit ihr gesehen und lese aktuell das Buch über die Banalität des Bösen. Eine sehr interessante Frau, die Fragen dort gestellt hat, wo es weh tut. Und das überall.
 
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  • #6.853
... okay, vielleicht doch.
Das ist kompliziert glaube ich.
Muss ich drüber nachdenken.
 
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  • #6.854
Aber gehört nicht zu einer schwierigen Aussage auch eine passende Machtposition, um eine Aussage einer Person als gefährlich bewerten zu können? Ich denk schon. Insofern ist dieses emotionale Geschrei hier ein Witz.
 
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  • #6.858
Wer hat denn nun die Macht in einer Demokratie?
Offiziell geht die Macht vom Volke aus.
Das anzunehmen gilt aber natürlich als naiv.
"Haha, du glaubst tatsächlich, wir lebten wirklich in einer Demokratie? Haha, wie deppert muß man sein, das zu glauben!"
Das Gegenteil muß also wahr sein.
Wer die rote Pille genommen hat, weiß, daß die Macht in Händen weniger liegt. Der Regierung (von der kurz vergessen wird, daß sie vom Volk gewählt wurde.) oder den Eliten (aus Wirtschaft, Politik, Medien usw.) oder auch einzelnen Seilschaften (jüdische Weltverschwörung, Reptiloide o.ä.)
 
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  • #6.860
Beinhaltet Macht denn Wissen, Wahrheit, Wahrhaftigkeit?

Welche Eigenschaften sollte jemand haben, damit er Macht erlangen darf?

Oh Gott, was für ein weites Feld..🙈
 
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  • #6.861
Man erlangt wieder Beeinflussbarkeit und Handlungsfähigkeit zurück, die diametral zum Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht stehen.

Dies betrifft übrigens auch die völlig phobischen Menschen, die schon panisch auf Abstand, Maske etc. achten. Auch diese haben dadurch das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.
Ja, deswegen ists ja auch gut, daß es so Foren gibt. Es gibt Dampf und der muß abgelassen werden. Da machen sich dann Leute Luft, und wenn sie auf Widerstand treffen und sich angesichts dessen wechselseitig damit schmeicheln, "böse" zu sein, dann verschafft das auch eine gewisse Selbstwirksamkeit. Ist vielleicht besser als nur unter sich zu bleiben, und auf jeden Fall besser als Amok zu laufen.

Und der Maskendenunziant kann sich als aktiver Mitspieler erleben, wenn er eifrig Verbotsübertritte meldet.

Interessant wirds, was einem in der Mitte dazwischen bleibt. :)
 
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  • #6.862
Von wem? Wer bestimmt das?

Weiterführend: kann jemand (Deutungs-) Macht besitzen, auch wenn sie ihm nicht von Aussen zugesprochen wurde?

wäre das eine Erklärung für die akuten Schwierigkeiten hier in der Diskussion ....@syni hat Angst, dass @Freyja s Aussagen eine Gestaltungsmacht hätten? Oder es immer mehr Leute werden, die sich mit ihren Deutungen zusammen schließen könnten?
 
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  • #6.865
.@syni hat Angst, dass @Freyja s Aussagen eine Gestaltungsmacht hätten?

Das glaube ich nicht, dass @Syni Ihr eine Art von Macht zuspricht. Man kann auch das Bedürfnis haben, Aussagen von Machtlosen nicht unwidersprochen hinzunehmen.


Oder es immer mehr Leute werden, die sich mit ihren Deutungen zusammen schließen könnten?


Dann wird Macht durch schiere Masse, also Übermacht definiert.
 
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