B

Benutzerin

  • #1

Blindes Vertrauen

In Profilen liest man als Beziehungs-Wunsch häufiger "blindes Vertrauen".
Mit wieviel Vertrauens-Vorschuss beginnt man einen neuen 'Kontakt'? Und ist "blindes Vertrauen" im späteren Beziehungsleben wirklich eine Qualität? Bzw. was ist darunter genau zu verstehen?
 
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  • #2
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Benutzerin:
In Profilen liest man als Beziehungs-Wunsch häufiger "blindes Vertrauen".
Mit wieviel Vertrauens-Vorschuss beginnt man einen neuen 'Kontakt'? Und ist "blindes Vertrauen" im späteren Beziehungsleben wirklich eine Qualität? Bzw. was ist darunter genau zu verstehen?
Vielleicht ist sehendes Vertrauen ja besser? Welches Level für jeden einzelnen wichtig ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Es ist schon gut, wenn mit den eigenen Bedürfnissen nach Sicherheit, Einzigartigkeit, Wunsch nach Nähe transparent umgeht. Das setzt natürlich voraus, dass man seine eigenen Bedürfnisse auch genau kennt und mitteilen kann.
Und als alter Achtsamkeits'fanatiker' wünsche ich mir und jedem in dieser Situation natürlich, dass das Vertrauen auf beiden Seiten gleich verteilt ist, und auch nicht die Erwartungen an den anderen überhöht sind, weil beides schnell zu enttäuschten Gefühlen führen kann.
 
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  • #3
AW: Blindes Vertrauen

@ Benutzerin

"Blindes Vertrauen" ist meiner Ansicht nach das Ergebnis eines langen Prozessen, wenn beide in der Partnerschaft so vertraut mit einander sind, dass sie fast das selbe denken, sich "blind verstehen", wissen wie der andere in bestimmten Situationen reagiert und wissen, dass sie sich voll auf den anderen verlassen können.

Nur was heisst volles Vertrauen. Ich vertraue ja nicht einmal mir selbst absolut. Richtig ist, dass ich vermutlich mich selbst am Besten kenne und richtig ist meiner Ansicht nach, dass ich mich eben nicht zu 100 Prozent kenne und das ich mich verändere, ich hoffe weiterentwickle und irgendwann mal ein alter Weiser bin. *grins* Dies geht meiner potentiellen Partnerin und meinen Freunden genauso wie mir.

Deshalb ist mein Satz "Ich lege für meinen besten Freund meine Hand soweit ins Feuer wie für mich selbst, nicht ganz und ziemlich weit". Folglich lebe ich mit Unwissen bzw. Nicht-Wissen über mich selbst und den immer besser kennen zu lernenden Anderen, z.B. der ersehnten Partnerin. Und egal wie sehr ich mich bemühe mich selber zu erkennen, den anderen zu verstehen, ich werde immer einen Teil nicht wissen.

Eine Beziehung - Freundschaft oder Partnerschaft - braucht deshalb Zeit und Vertrauensaufbau. Die zentrale Frage ist mit welcher Geschwindigkeit dieser Vertrauensaufbau von beiden Seiten aktiv erfolgt. Das kann nach meiner Lebenserfahrung relativ schnell gehen oder Jahrzehnte dauern.
Wie schnell ich mich öffne, dem anderen meine wunden Stellen, meine "Abgründe", Verletzlichkeiten, meine Ängste und anderen Gefühle usw. zeige / "beichte" / gestehe und ihn wirklich an mich - das was mich ausmacht - ranlasse entscheide ich und umgekehrt genauso der / die andere. Wenn ich den anderen "berühre" oder er/sie mich, dann bin ich am "Kern".

Ich riskiere dabei natürlich sehr viel, z.B. verletzt zu werden, weil der andere meinen Vertrauens-vorschuss möglicherweise missbraucht. Und wer von uns fühlte sich im Leben noch nicht verletzt, missbraucht, ausgenutzt, belogen, verarscht. Auch hier in diesem Forum gibt es dafür viele Beiträge. Folglich ist es logisch, dass wir alle mehr oder weniger vorsichtig sind. Ich gehöre sicherlich zu den Unvorsichtigeren und mein Lohn ist, dass ich neben - sicherlich auch vielen Verletzungen in meinem Leben - tolle Erfahrungen gemacht und gute Freunde habe.

Blindes Vertrauen nein, Vertrauensvorschuss ja, und wie viel und wie schnell jede(r) von uns davon dem / der anderen gibt, muss jede(r) von uns selbst oft auch aus der Situation entscheiden.

LG Jorge
 
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  • #4
AW: Blindes Vertrauen

Ich finde Jorges Beitrag derart stimmig, dass mir dazu nicht mal ein "Topping" einfällt. :eek:)
 
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Minze

  • #5
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Benutzerin:
In Profilen liest man als Beziehungs-Wunsch häufiger "blindes Vertrauen".
Mit wieviel Vertrauens-Vorschuss beginnt man einen neuen 'Kontakt'? Und ist "blindes Vertrauen" im späteren Beziehungsleben wirklich eine Qualität? Bzw. was ist darunter genau zu verstehen?
Ich erachte "blindes Vertrauen" als einen überzogenen Wunsch mit romantischem Touch.
Vertrauen braucht eine Basis (Vertrauensbasis), zu deren Bildung es durch Zuneigung, Übereinstimmung in wesentlichen Lebensfragen und Haltungen, Anziehung, Verlässlichkeit usw. ... kommt. Mit Vorschuss kann ich nicht viel anfangen und mit blindem Vertrauen auch nicht. Innerhalb eines guten (achtungsvoll, rücksichtsvoll, wertschätzend, fair, liebend ...usw...) Umganges wird Vertrauen praktisch gelebt, ganz selbstverständlich, gehört dazu, ist Bestandteil einer Bezehung.
 
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  • #6
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Benutzerin:
In Profilen liest man als Beziehungs-Wunsch häufiger "blindes Vertrauen".
Mit wieviel Vertrauens-Vorschuss beginnt man einen neuen 'Kontakt'? Und ist "blindes Vertrauen" im späteren Beziehungsleben wirklich eine Qualität? Bzw. was ist darunter genau zu verstehen?
Könnte in eine Metaphernfolge mit "Man sieht nur mit dem Herzen gut." und derlei gehören. Augen blind = Herz sehend. Das natürlich erst nach der Kennenlern- = Austestphase, in der auch mal die Augen ran dürfen und heftig abgecheckt wird. Die Aufnahmeklausur muß aber nicht ständig wiederholt werden, so der Wunsch zumindest.
 
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  • #7
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von No_Kitty:
Vielleicht ist sehendes Vertrauen ja besser? Welches Level für jeden einzelnen wichtig ist, kann nur jeder für sich entscheiden. Es ist schon gut, wenn mit den eigenen Bedürfnissen nach Sicherheit, Einzigartigkeit, Wunsch nach Nähe transparent umgeht. Das setzt natürlich voraus, dass man seine eigenen Bedürfnisse auch genau kennt und mitteilen kann.
Und als alter Achtsamkeits'fanatiker' wünsche ich mir und jedem in dieser Situation natürlich, dass das Vertrauen auf beiden Seiten gleich verteilt ist, und auch nicht die Erwartungen an den anderen überhöht sind, weil beides schnell zu enttäuschten Gefühlen führen kann.
Guten Morgen

" sehendes Vertrauen"
da kommt ein " Mir gefällts" von mir ! Klingt lustig und doch so verständlich.Da kommen m.E. ganz subjektiv Deine "auf die harte Tour" Erfahrung vorsichtig an Licht.:)

Gerade die Kommunikation über Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen sollte bei Vertrauen(blind oder sehend) in der Partnerschaft - ALS eine BASIS -vorhanden, gelebt und ja..... auf beiden Seiten gleich portioniert werden!

aufeinander Zugehen mental emotional bewusst ohne Sorgen oder Verdächtigungen fühlen, belohnt mit Liebe, achtsamer Kommunikation und erfülltem S**leben führt m. E., je länger andauernd, zu tiefem Vertrauen
Sorry Blindes Vertrauen ist schon sehend/fühlend und eben bestätigt, denn wenn nicht, sieht das Herz fühlend.

LG Buntauge
 
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Minze

  • #8
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Jorge:
"Blindes Vertrauen" ist meiner Ansicht nach das Ergebnis eines langen Prozessen, wenn beide in der Partnerschaft so vertraut mit einander sind, dass sie fast das selbe denken, sich "blind verstehen", wissen wie der andere in bestimmten Situationen reagiert und wissen, dass sie sich voll auf den anderen verlassen können.
Verstehst du unter blind vertrauen und blind verstehen dasselbe? I

Nebenbei noch folgendes: Ich frag als Mensch Minze mit meinetwegen schlichtem Gemüt, wenn ich neugierig bin und etwas erfahren möchte :). Nicht, um zu psychologisieren oder sonst was. Ich finde es ungut, wenn man sich in Unterhaltungen plötzlich Pseudodingens unterstellt. Ich bin keine Psychologin, keine Soziologin und auch keine Kriminologin ;-).
 
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Minze

  • #9
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Benutzerin:
Und ist "blindes Vertrauen" im späteren Beziehungsleben wirklich eine Qualität? Bzw. was ist darunter genau zu verstehen?
"Blindes Vertrauen" als anzustrebender Zustand, der Rückschlüsse auf die Beschaffenheit einer Beziehung zulässt, der sie besonders macht, also auszeichnet?

Kommt wahrscheinlich darauf an, was man darunter versteht, unter "blindem Vertrauen".

Ich halte von solchen "Zusätzen" nichts, mir reicht *Vertrauen*. Vertrauen selbst ist auch ohne "blind" von besonderer Natur, hat es doch mit Verlaß, Zuversicht und auch Sicherheit zu tun.
 
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  • #10
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Minze:
Verstehst du unter blind vertrauen und blind verstehen dasselbe? I

Nebenbei noch folgendes: Ich frag als Mensch Minze mit meinetwegen schlichtem Gemüt, wenn ich neugierig bin und etwas erfahren möchte :). Nicht, um zu psychologisieren oder sonst was. Ich finde es ungut, wenn man sich in Unterhaltungen plötzlich Pseudodingens unterstellt. Ich bin keine Psychologin, keine Soziologin und auch keine Kriminologin ;-).
Liebe Minze

die Frage nach blind verstehen und blind vertrauen ist gut und wirklich kann ich sie Dir im Moment noch nicht beantworten, muss ich ein wenig drüber nachdenken.

Soviel ist für mich innerhalb der Fragestellung jedoch klar. Es ist sehr gefährlich einfach von Annahmen auszugehen und nur weil mein Partner bestimmte Reaktionen auf bestimmt Situationen zeigte, davon auszugehen, dass dies morgen auch noch so ist, halte ich für gefährlich. Menschen verändern sich und identische Situation gibt es sehr selten. Insoweit frage auch ich nach, prüfe ob ich verstanden habe und bringen auch manchmal z.B. diesen Satz "ich habe den Eindruck, dass eben nicht alles in Ordnung ist, obwohl Du mir gerade sagst es sei alles ok, Bitte was ist wirklich los?" oder so ähnliche Sätze. Ich halte so gesehen grundsätzlich überhaupt nichts von Blindheit in einer Beziehung. Eine Beziehung ist ein Prozess, der Achtsamkeit und Bemühen von beiden Seiten fordert, wo Kommunikation und Klärung wichtig sind und diese Arbeit endet nie.

Andererseits ist Vertrauen sehr wichtig und das benötigt Zeit und muss wachsen können. Letztlich bedeutet es jedoch, dass ich weniger vorsichtig werde, vielleicht auch weniger hinterfrage, weil ich schneller verstehe oder mich in bestimmten Situationen einfach auf den anderen verlasse, weil ich ihm bzw. ihr vertraue. Und jetzt kommt eben der Punkt mit dem Vertrauensvorschuss. Einer von beiden muss einfach anfangen die "Sicherheitsmechanismen" zu senken, die Verletzung riskieren, weil er/sie sich ein wenig oder viel mehr öffnet um den Prozess gegenseitig in Gang zu setzen. Sonst passiert einfach nichts, weil beide sich immer noch sehr misstrauen und am besten - böse gesagt - die ganze Beziehung mit zwei Rechtsanwälten und 250 Paragraphen regeln sollten.
Der Vorläufer davon ist von meinem Verständnis übrigens ein Ehevertrag - der sicherlich in Einzelfällen seine Berechtigung, in der Regel nicht - , aber das ist meine ganz persönliche Meinung.


LG Jorge
 
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Wasserfee

  • #11
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Jorge:
Es ist sehr gefährlich einfach von Annahmen auszugehen und nur weil mein Partner bestimmte Reaktionen auf bestimmt Situationen zeigte, davon auszugehen, dass dies morgen auch noch so ist, halte ich für gefährlich. Menschen verändern sich und identische Situation gibt es sehr selten.
Wie wahr!

Zitat von Jorge:
Insoweit frage auch ich nach, prüfe ob ich verstanden habe und bringen auch manchmal z.B. diesen Satz "ich habe den Eindruck, dass eben nicht alles in Ordnung ist, obwohl Du mir gerade sagst es sei alles ok, Bitte was ist wirklich los?" oder so ähnliche Sätze. Ich halte so gesehen grundsätzlich überhaupt nichts von Blindheit in einer Beziehung. Eine Beziehung ist ein Prozess, der Achtsamkeit und Bemühen von beiden Seiten fordert, wo Kommunikation und Klärung wichtig sind und diese Arbeit endet nie.
Mein Fazit für Jorges Aussage: Sehr treffend, sehr zutreffend. Im Übrigen bin ich dankbar, dass es Menschen gibt, die einem das Recht zugestehen, sich wandeln zu dürfen!
 
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  • #12
AW: Blindes Vertrauen

Hallo in die Runde,

mit blindem Vertrauen könnte noch etwas ganz anderes gemeint sein: eine verklausulierte Andeutung, dass der Schreiber Fesselspiele mag und einen Partner sucht, der ihm blind vertraut...

Ich hatte mal ein Date mit einem solchen Mann, der dann gestand, dass Fesselspiele für ihn unbedingt dazugehören. Er hatte es versucht, in seinem Profil irgendwie anzudeuten, aber alles war es geschrieben hatte, hat ihm Parship dann nicht so genehmigt wie beabsichtigt. Letztlich war sein Anliegen so dezent zwischen den Zeilen beschrieben, dass man darauf nicht unbedingt hätte kommen müssen.

Generell finde ich es vermessen, wenn ein Mensch von einem blindes Vertrauen verlangt, wenn man sich doch erst kennenlernt. Solche Menschen verknüpfen dann das blinde Vertrauen mit Liebe, nach dem Motto, wenn Du mir nicht vertraust, dann bist Du nicht der/die Richtige für mich. Ehrlich gesagt finde ich diese Haltung manipulativ.

Viele Grüße
Kaffeetasse
 
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  • #13
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Kaffeetasse:
mit blindem Vertrauen könnte noch etwas ganz anderes gemeint sein: eine verklausulierte Andeutung, dass der Schreiber Fesselspiele mag und einen Partner sucht, der ihm blind vertraut...
...
Generell finde ich es vermessen, wenn ein Mensch von einem blindes Vertrauen verlangt, wenn man sich doch erst kennenlernt. Solche Menschen verknüpfen dann das blinde Vertrauen mit Liebe, nach dem Motto, wenn Du mir nicht vertraust, dann bist Du nicht der/die Richtige für mich. Ehrlich gesagt finde ich diese Haltung manipulativ. Kaffeetasse
Klare Zustimmung, liebe Kaffeetasse. Vertrauen muss grundsätzlich wachsen. Von meinen Gesprächen mit lieben Personen in meinem Umfeld kenne ich auch zum Teil deren besonderen Orientierungen. Und daher kann ich Dir relativ eindeutig sagen, dass auch dort Vertrauen erst enstehen muss, egal ob es sich Homosexualität, BDSM, Swinging oder eine andere Form der ausgelebten sexuellen Bedürfnisse handelt.

LG Jorge
 
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  • #14
AW: Blindes Vertrauen

nicht daß heiikilein dich auch gleich als schwuppe abstempelt :)
 
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  • #15
AW: Blindes Vertrauen

Zitat von Freitag:
nicht daß heiikilein dich auch gleich als schwuppe abstempelt :)
OT on
*grins* Danke für Deine Fürsorge, Freitag. Dann sollten sich Heike und ich doch mal treffen, gemeisam unter die Dusche gehen. Zumindestens habe ich persönlich mindestens drei Zeugen, die beweisen können, dass ich männlich bin. Ob ich hetero bin, haben die Damen nicht "ausprobiert"; war aber auch nicht unser Fokus.

PS: nach Heikes Kommentaren könnte ich natürlich jetzt die kriminalistische - mit Indizienbeweisen unterstellte - Schlussfolgerung ziehen, dass sie genau einer der drei von mir als Beispiel genannten Gruppen angehört. Aber das gehört nicht hierher. Was zwei oder mehr im Bett - bzw. unter der Dusche - miteinander tun oder nicht, solange beide das mögen und keine dritten schädigen und beide ü18 sind, ist denen ihre Sache und sollte uns beiden wirklich egal sein.
SCNR
OT off

PS: finde es schade, dass der Odenwald für Dich zu weit ist, Dich hätte wirklich gerne mal persönlich kennengelernt.