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  • #1

Beziehungsunfähigkeit ?

Der gleichnamige thread ohne Fragezeichen (http://tinyurl.com/kuotqxu) brachte mich auf die Idee, mal ein paar Gedanken zu dem Thema aufzuschreiben, nicht zuletzt inspiriert auch durch eine Artikelserie von Birgit Schmid in der NZZ :

Woran liegt es, daß sich viele so schwer tun, einen Partner zu finden ?

Ich habe den Eindruck, es gibt - im wesentlichen - 3 Gruppen :

Die erste Gruppe nenne ich mal die "Schmetterlinge": Sie "flattern von Blüte zu Blüte" und bleiben nie lange irgendwo.

Die zweite Gruppe sind die "Prinze(ssinn)en" : Sie warten darauf, daß "Mrs./Mr. Right" auf dem weißen Pferd in schimmernder Rüstung erscheint und sie mitnimmt, auf daß sie glücklich mit einander leben "bis ans Ende ihrer Tage".

Bei den "Schmetterlingen" und "Prinze(ssine)n" liegen die Gründe auf der Hand : Bei Ersteren hat eine Beziehung gar keine Chance zu wachsen, bei Letzteren scheitert sie an überzogenen, unrealistischen Vorstellungen.

Die dritte Gruppe - nennen wir sie "Realos" - dürfte die interessanteste, aber problematischste sein : Sie erwarten nicht den "perfekten" Partner (auch wenn sie durchaus davon träumen), sind "kompromißbereit" und sehnen sich definitiv nach emotionaler und körperlicher Nähe. Beste Voraussetzungen also - könnte man meinen !?!

Warum klappt's dann also trotz allem nicht ? Sind die "Realos", sind wir am Ende tatsächlich "beziehungsunfähig" (geworden) ?

Birgit Schmidt schreibt dazu, es gehe " um eine Idee: um die ausschließliche, einmalige Liebe als Gegenentwurf zu ihrer Banalisierung und Austauschbarkeit. Um den Mut, sich einzulassen, indem man sich ausliefert." (http://tinyurl.com/lop4n6o)

Der letzte Satz scheint mir entscheidend : Ich habe den Eindruck, daß - aus welchen Gründen auch immer - viele eben dazu nicht (mehr ?) in der Lage sind, nicht (mehr ?) auf ihre "Sicherheit" nicht verzichten wollen (oder können), "nicht über ihren Schatten springen" können, nicht in der Lage sind, eben doch ein Risiko, das Risiko einzugehen, womöglich enttäuscht, verletzt zu werden - aber wer will das schon (außer vielleicht SM-Adepten) ?

Die Frage, die sich mir nach alledem stellt : Was braucht es, damit ein Mensch sich auf einen anderen einläßt, sich einem anderen ausliefert, ihm aus freien Stücken "eine geladene Pistole" aushändigt?

Was braucht es, um den Mut zu finden, diesen letzten, aber entscheidenden und offenbar unerläßlichen Schritt zu tun ?

U. A. w. g.! ;)
 
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  • #2
Wenn ich nichts zu verlieren habe... dann vielleicht?
Wenn ich Menschen so sehe wie sie sind und nicht die idealisierte Schablone darüberlege?
Aber was ist mit dem Gefühl der Verliebtheit? Warum sollte ich mich nicht einlassen, wenn ich mich verliebt habe?
Das Gefühl ist für mich nicht steuerbar. Jedes Mal, wenn ich mich verliebt habe, war es der falsche Mann. Alle haben es gesagt und eigentlich habe ich es gewusst, war aber völlig machtlos. Bin ich beziehungsunfähig?
 
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  • #3
Was braucht es, damit ein Mensch sich auf einen anderen einläßt, sich einem anderen ausliefert, ihm aus freien Stücken "eine geladene Pistole" aushändigt?

Was braucht es, um den Mut zu finden, diesen letzten, aber entscheidenden und offenbar unerläßlichen Schritt zu tun?
Keine leichte Frage die Frau Schmid aufwirft. In einer Liebesbeziehung ist die Verletzlichkeit und das wechselseitige Vertrauen eng miteinander verwoben. Es braucht eine gehörige Portion Selbsttranszendenz, damit der notwendige Austausch in einer Partnerschaft funktioniert, denke ich. Mit Selbsttranszendenz ist die Ergänzung der eigenen Person durch eine Partnerin oder einen Partner gemeint.
 
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  • #4
Wenn ich nichts zu verlieren habe... dann vielleicht?
Wenn ich Menschen so sehe wie sie sind und nicht die idealisierte Schablone darüberlege?
Aber was ist mit dem Gefühl der Verliebtheit? Warum sollte ich mich nicht einlassen, wenn ich mich verliebt habe?
Das Gefühl ist für mich nicht steuerbar. Jedes Mal, wenn ich mich verliebt habe, war es der falsche Mann. Alle haben es gesagt und eigentlich habe ich es gewusst, war aber völlig machtlos. Bin ich beziehungsunfähig?
Die Frage ist : Hast Du Dich wirklich auf sie eingelassen ? Wie weit ? Wirklich ganz ohne (heimlichen/unbewußten) Vorbehalt ?

Dein 1. Satz spricht eigentlich dagegen, Deine Aussage "eigentlich habe ich es gewusst", daß es der falsche Mann war, dito ... !?
 
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  • #5
Keine leichte Frage die Frau Schmid aufwirft. In einer Liebesbeziehung ist die Verletzlichkeit und das wechselseitige Vertrauen eng miteinander verwoben. Es braucht eine gehörige Portion Selbsttranszendenz, damit der notwendige Austausch in einer Partnerschaft funktioniert, denke ich. Mit Selbsttranszendenz ist die Ergänzung der eigenen Person durch eine Partnerin oder einen Partner gemeint.
Das reduziert es doch aber auf die Frage, wie das notwendige Vertrauen zu erreichen ist, oder ?
 
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  • #6
Ich habe mich immer eingelassen... aber die Männer nicht. Ich habe den Fehler gemacht zu glauben, das würde sich nach einer Weile ändern - tat es aber nicht! Ich glaube, dass man sich gegenseitig lieben kann und sich trotzdem nicht aufeinander einlässt.
Meine Erfahrung!!!
Ich vermute, dass Angst (mangelndes Vertrauen) eine große Rolle spielt. Ich brauche immer eine gewisse Zeit der Prüfung für mich, aber wenn ich mich verliebe dann mit allem was ich geben kann. Halbe Sachen sind nichts für mich!
 
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Dr. Bean

  • #7
Ich lese immer viel davon, dass Frauen ihrem Partner alles geben und wenn sie dann enttäuscht sind, wächst das Mißtrauen in neue Partnerschaften. Ich als Schmetterling verstehe das nicht ganz, in erster Linie soll eine Beziehung doch Spaß machen und mich nicht dazu verleiten, alles zu geben. Und weiter: was ist Alles?

Ich mein eher das hat viel mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun. Wenn das schlecht ist, ist es auch härter mit jemanden eine insofern normale Beziehung einzugehen, in der man halt nicht "alles" gibt, sondern sich einfach seines Lebens erfreut.
 
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  • #8
Das reduziert es doch aber auf die Frage, wie das notwendige Vertrauen zu erreichen ist, oder ?
Neben unserer frühkindlichen Prägung wie weit wir auf andere Personen zählen können, sind wir in der Lage über eine offene Kommunikation Vertrauen aufzubauen. Ganz wesentlich gehört für mich dazu, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, und eben wie vorhin erwähnt die gesunde Distanz zu sich selbst, was nicht selbstverständlich ist und Übung braucht.
 
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  • #9
Richtig. Empathie ist das Zauberwort. Wer keine Empathie besitzt, kann nicht kommunizieren. Wer nicht kommuniziert, bleibt isoliert.

Wie bekommt man Empathie? Warum sind manche Menschen empathisch und andere nicht?

Empathie geht immer mehr verloren. Dabei ist sie die Königin der Fähigkeiten/Kompetenzen.
 
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fleurdelis

  • #10
Ich lese immer viel davon, dass Frauen ihrem Partner alles geben und wenn sie dann enttäuscht sind, wächst das Mißtrauen in neue Partnerschaften.
Das kommt doch aber nur dann, wenn man nicht differenzieren kann, und meint, wenn ein Mann so ist, sind alle so ..... Aber es ist ja eben nicht so, jeder Mensch ist für sich einzigartig und jede Begegnung etwas besonderes für sich. Und wenns einmal nicht geklappt hat mag es beim einen bedauernswerter sein.

Ich als Schmetterling verstehe das nicht ganz, in erster Linie soll eine Beziehung doch Spaß machen und mich nicht dazu verleiten, alles zu geben. Und weiter: was ist Alles?
Klar, eine Beziehung soll Spaß machen und ich erklärs mir so: man sollte sich in ihr so wohl fühlen, dass man sagen kann: hier kann ich sein wie ich bin. ....
 
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  • #11
Ich lese immer viel davon, dass Frauen ihrem Partner alles geben und wenn sie dann enttäuscht sind, wächst das Mißtrauen in neue Partnerschaften. Ich als Schmetterling verstehe das nicht ganz, in erster Linie soll eine Beziehung doch Spaß machen und mich nicht dazu verleiten, alles zu geben. Und weiter: was ist Alles?

Ich mein eher das hat viel mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun. Wenn das schlecht ist, ist es auch härter mit jemanden eine insofern normale Beziehung einzugehen, in der man halt nicht "alles" gibt, sondern sich einfach seines Lebens erfreut.
Dass Geben und Nehmen sich die Waage halten müssen, ist auch nichts Neues.

Die zentrale Frage ist doch: Wie schaffen zwei Menschen das?

Was bedeutet das für den, der zu viel von sich gibt und viel mehr Energie und Engagement investiert ?

Was bedeutet das für den, der zu wenig von sich gibt und kaum einen Aufwand für den anderen betreibt und seine Energie lieber nur für sich selbst aufwendet?

In meiner letzten Erkenntnis, hat derjenige, der alle Energie und Kraft für sich selbst beansprucht (also nichts in die Beziehung investieren kann) und so gar nichts für den anderen opfert oder macht, einfach mangelndes Selbstwertgefühl. Da wird genommen, was man bekommen kann, aber ja nichts hergegeben. Aus der Angst heraus, selbst sonst zu kurz zu kommen. Ist auch kein Geheimnis mehr, dass Egoismus und die Züge des Narzissmus immer mehr zunehmen in unserer Leistungsgesellschaft. Da wird versucht die innere Leere zufüllen, indem der andere ausgenommen wird, wie eine Weihnachtsgans. Und diese innere Leere ist ein Fass ohne Boden. Denn etwas für andere zu tun, Liebe zu schenken und sich um den anderen, seine Bedürfnisse und Emotionen zu kümmern, kann die innere Leere erst beseitigen. Anderen Zeit, Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken macht glücklich! Aber das verstehen Egoisten nicht. Sie leben einfach mit ihrer inneren Leere weiter.

Bei denen die sich regelrecht aufopfern (meistens Frauen), fehlt die Erkenntnis, dass man nicht deswegen geliebt wird, weil man ständig zur Hilfe eilt oder alles für den anderen macht und tut. Mädchen lernen dieses Verhalten in der Erziehung. Manchmal ist das sehr stark ausgeprägt. Also wird erwartet, dass man dafür geliebt wird, wenn man brav ist, es dem anderen recht macht und fürsorglich ist und hilfsbereit. Aber das ist ein Trugschluss.
 
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  • #12
Ist auch kein Geheimnis mehr, dass Egoismus und die Züge des Narzissmus immer mehr zunehmen in unserer Leistungsgesellschaft.
Die narzistischen Tendenzen nehmen in den westlichen Wohlstandsgesellschaften anscheinend erkennbar zu, was eine Untersuchung des Psychologen S. Röpke aufzeigt.

Kann der Mangel an Selbstwert oder die übertriebene Eigenliebe für den Abbau der Achtung in einer Paarbeziehung verantwortlich gemacht werden? Ein Ungleichgewicht in der wechselseitigen Wertschätzung hinterlässt auch Spuren in der Kommunikation untereinander.
 
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  • #13
Das kommt doch aber nur dann, wenn man nicht differenzieren kann, und meint, wenn ein Mann so ist, sind alle so ..... Aber es ist ja eben nicht so, jeder Mensch ist für sich einzigartig und jede Begegnung etwas besonderes für sich. Und wenns einmal nicht geklappt hat mag es beim einen bedauernswerter sein. (...)
Absolut.

Nichts desto trotz kann ich mir schon vorstellen, daß mehrfache ähnliche Erfahrungen Folgen zeitigen und das Vertrauen, das anderen Menschen entgegengebracht wird, mit jeder Enttäuschung weniger wird.
 
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Dr. Bean

  • #14
In meiner letzten Erkenntnis, hat derjenige, der alle Energie und Kraft für sich selbst beansprucht (also nichts in die Beziehung investieren kann) und so gar nichts für den anderen opfert oder macht, einfach mangelndes Selbstwertgefühl. Da wird genommen, was man bekommen kann, aber ja nichts hergegeben. Aus der Angst heraus, selbst sonst zu kurz zu kommen. Ist auch kein Geheimnis mehr, dass Egoismus und die Züge des Narzissmus immer mehr zunehmen in unserer Leistungsgesellschaft. Da wird versucht die innere Leere zufüllen, indem der andere ausgenommen wird, wie eine Weihnachtsgans. Und diese innere Leere ist ein Fass ohne Boden. Denn etwas für andere zu tun, Liebe zu schenken und sich um den anderen, seine Bedürfnisse und Emotionen zu kümmern, kann die innere Leere erst beseitigen. Anderen Zeit, Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken macht glücklich! Aber das verstehen Egoisten nicht. Sie leben einfach mit ihrer inneren Leere weiter.
Finde ich etwas überdramatisch formuliert aber die Idee ist nicht schlecht. Ich persönlich bin kein Verfechter der Idee, die ganze Welt sei egoistisch geworden. Am Ende des Tages ist der Mensch ein soziales Tier und braucht das auch. Das heißt ja der Leistungsmensch ist egoistisch im Job aber er wird auch Räume haben, wo er das nicht ist.

Für mich resultiert meine Beziehungsunfähigkeit und mangelnde Bereitschaft eher daraus, dass verletzt werden ganz schön Stress ist. Irgendwann ändert sich das bestimmt mal wieder aber bisher ist es eher so, wie wenn einem kotzübel ist und man keine Lust auf ein Steak hat. :/

P.S.: ich stelle die Tendenz, die ganze Welt als Narzisst zu verfluchen, eher bei älteren Generationen fest. Der Generation, die zum Beispiel auch viel über Selbstbewußtsein in Partnerschaftsforen diskutiert und wie man es besser leben kann. Ich sehe da einen kausalen Zusammenhang.

Die These zu glauben, dass alle nur noch egoistisch und Narzissten sind, ist für mich zu einfach. Zu einer Beziehung gehören immer zwei, ebenso zu Beziehungen der Wahrnehmung.
 
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  • #15
Naja, hier hat auch niemand so eine strikte Verallgemeinerung vorgenommen; zwischen narzistischen Tendenzen und Zügen und der Behauptung die ganze Welt sei narzistisch ist schon ein Unterschied.
 
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fleurdelis

  • #16
Nichts desto trotz kann ich mir schon vorstellen, daß mehrfache ähnliche Erfahrungen Folgen zeitigen und das Vertrauen, das anderen Menschen entgegengebracht wird, mit jeder Enttäuschung weniger wird.

Möglich ist es, da könnte man dagegen sprechen und meinen, dass eine neue Begegnung ja nichts für die Erfahrungen kann, die vorher gemacht wurden. Vielleicht ist es ein unerschütterlicher Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen und neutral dem eine Chance zu geben. Ich denke, man wird vorsichtiger mit der Zeit, achtet vielleicht auf bestimmte Signale mehr als vorher. ..... Ich persönlich möchte jedoch nicht, dass mir Enttäuschungen den Weg auf etwas neuem vermiesen .... :)
 
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  • #17
Die narzistischen Tendenzen nehmen in den westlichen Wohlstandsgesellschaften anscheinend erkennbar zu, was eine Untersuchung des Psychologen S. Röpke aufzeigt.

Kann der Mangel an Selbstwert oder die übertriebene Eigenliebe für den Abbau der Achtung in einer Paarbeziehung verantwortlich gemacht werden?
Also wenn es sich um einen "echten" Egoisten handelt oder auch Narzissten, dann wird das Gegenüber einfach ausgetauscht, wenn der Egoist nicht mehr genug Anerkennung, Respekt und Aufmerksamkeit bekommt. Er zehrt ja davon. Gibt der andere plötzlich nichts mehr von sich, wird sich der Egoist abwenden (Schmetterlingstyp). Und es wird ihn nicht schmerzen, die Menschen in seinem Umfeld auszutauschen. Er macht ja nur seine Kosten-Nutzen-Rechnung. Sind die Kosten zu hoch, hat der andere keinen Nutzen mehr. Das macht der Egoist im Zwischenmenschlichen genauso, wie im Job. Da wird der liebste Kollege ausgelotet und die Freundschaft am Ende ignoriert, wenn es darum geht, selbst die Beförderung zu erhalten (obwohl der nette Kollege diese vielleicht viel mehr verdient hätte). Egoisten wollen immer mehr. Ihr Leben lang trachten sie nach "Bereicherung" und gehen dabei über Leichen (im übertragenen Sinne). Wieviele skrupellose Vorstandsmitglieder gibt es? Wieviele skrupellose Manager?

Die Krux dabei: Diese Menschen sind weniger glücklich in ihrem Leben. Sie sind häufiger unzufrieden und öfter krank.
Sie glauben daher, immer mehr haben zu müssen, um endlich Befriedigung zu erfahren. Der Manager braucht noch weitere 5 Millionen auf seinem Konto (obwohl er dafür Arbeitsplätze streichen muss), weil er glaubt, dadurch Glück zu erfahren.

Die Statistik spricht aber klare Worte:

Hilfsbereite und gütige Menschen und Menschen in helfenden Berufen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten
1. ...sind die glücklicheren Menschen
2. ...sind sehr viel zufriedener
3. ...sind seltener krank
4. ... erkranken im Alter viel seltener (zb weniger Anfällig für Alzheimer, Demenz)
5. ... haben eine deutlich höhere Lebenserwartung

Ob man nun Egoisten als Beziehungsunfähig bezeichnen sollte? Keine Ahnung. Aber scheinbar haben sie EBEN KEINE gute Beziehung zu sich selbst. Auch wenn es paradoxer Weise von außen manchmal so wirkt.

Habe meinen Freund gefragt, was er über Beziehungsunfähigkeit denkt (speziell in Großstädten) copy/past:

"Wir Menschen in modernen Großstädten sind egoistischer, freier und unverbindlicher geworden. Auch bequemer und wenig reflektiert (wenns mal nicht läuft, gleich den nächsten). Es gibt weniger Probleme die zusammenschweissen, Karriere und Selbstverwirklichung sind wichtig. Empathie geht verloren. Alles muss perfekt und optimiert werden. So erkläre ich mir das.

Ich halte nichts davon aber so erkläre ich das."

Eine weitere Aussage von ihm war "Man sollte von Menschen nicht zu viel erwarten, am Ende wird man nur enttäuscht".

Er ist HSP , deswegen finde ich das immer interessant, was er über solche Themen denkt.
 
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  • #18
Finde ich etwas überdramatisch formuliert aber die Idee ist nicht schlecht. Ich persönlich bin kein Verfechter der Idee, die ganze Welt sei egoistisch geworden. Am Ende des Tages ist der Mensch ein soziales Tier und braucht das auch. Das heißt ja der Leistungsmensch ist egoistisch im Job aber er wird auch Räume haben, wo er das nicht ist.

Für mich resultiert meine Beziehungsunfähigkeit und mangelnde Bereitschaft eher daraus, dass verletzt werden ganz schön Stress ist. Irgendwann ändert sich das bestimmt mal wieder aber bisher ist es eher so, wie wenn einem kotzübel ist und man keine Lust auf ein Steak hat. :/

P.S.: ich stelle die Tendenz, die ganze Welt als Narzisst zu verfluchen, eher bei älteren Generationen fest. Der Generation, die zum Beispiel auch viel über Selbstbewußtsein in Partnerschaftsforen diskutiert und wie man es besser leben kann. Ich sehe da einen kausalen Zusammenhang.

Die These zu glauben, dass alle nur noch egoistisch und Narzissten sind, ist für mich zu einfach. Zu einer Beziehung gehören immer zwei, ebenso zu Beziehungen der Wahrnehmung.
Wenn du ein Schmetterling bist, kann das, wie du selbst schreibst, durch schlechte Erfahrungen bzw. Verletzungen (Vertrauensbruch) entstanden sein. D.h. bei neuen Bekanntschaften lässt man sich nur noch bis zu einem gewissen Punkt ein - nicht jedoch darüber hinaus. Du fliegst also von Blüte zu Blüte und probierst den Nektar. Mag sein, dass du dadurch Abwechslung hast, Konflikten schnell aus dem Weg gehen kannst. Mein damaliger Mathelehrer hat uns öfter vorgeworfen nur noch eine "reine Spaßgesellschaft" zu sein. Du hast das Prinzip davon erkannt. Aber was ist der Preis dafür?
Am Ende der Fahnenstange gehen wir erst in den tieferen Beziehungen auf! Nur so lernen wir uns selbst besser kennen und erfahren. Ohne Reibungsfläche können wir uns nicht weiterentwickeln. Einem Partner / einer Partnerin, dem/der man wirklich und wahrhaftig Vertrauen entgegen bringen kann, macht uns erst stark und mutig. Denn dadurch findet man wieder mehr zu sich selbst. Wird zufriedener und ehrlich glücklich. Kann Probleme und Konflikte (Lebenskrisen) besser aushalten und meistern. Wer dem anderen vertraut, hat dadurch erst die Chance, man selbst sein zu dürfen. Man darf zu seinen Eigenarten, Macken und Schwächen stehen. Man muss sich nicht mehr verbiegen und sein Innerstes im Keller einschließen. Ein Mensch, dem man (zurecht) vertraut, wird immer den Mut haben, dir einen Spiegel vorzuhalten, damit du dich darin sehen kannst und erkennst, wer du wirklich bist, was deine Wünsche und Sehnsüchte sind. Oft verlieren wir uns selbst ein Stück weit im Laufe des Lebens. Wenn wir jemandem Vertrauen schenken, dann beschenken wir uns damit also eigentlich selbst.
 
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  • #19
Also wenn es sich um einen "echten" Egoisten handelt oder auch Narzissten, dann wird das Gegenüber einfach ausgetauscht, wenn der Egoist nicht mehr genug Anerkennung, Respekt und Aufmerksamkeit bekommt. Er zehrt ja davon. Gibt der andere plötzlich nichts mehr von sich, wird sich der Egoist abwenden (Schmetterlingstyp). Und es wird ihn nicht schmerzen, die Menschen in seinem Umfeld auszutauschen. Er macht ja nur seine Kosten-Nutzen-Rechnung. Sind die Kosten zu hoch, hat der andere keinen Nutzen mehr. Das macht der Egoist im Zwischenmenschlichen genauso, wie im Job. Da wird der liebste Kollege ausgelotet und die Freundschaft am Ende ignoriert, wenn es darum geht, selbst die Beförderung zu erhalten (obwohl der nette Kollege diese vielleicht viel mehr verdient hätte). Egoisten wollen immer mehr. Ihr Leben lang trachten sie nach "Bereicherung" und gehen dabei über Leichen (im übertragenen Sinne). Wieviele skrupellose Vorstandsmitglieder gibt es? Wieviele skrupellose Manager?

Die Krux dabei: Diese Menschen sind weniger glücklich in ihrem Leben. Sie sind häufiger unzufrieden und öfter krank.

Die Statistik spricht aber klare Worte:

Hilfsbereite und gütige Menschen und Menschen in helfenden Berufen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten
1. ...sind die glücklicheren Menschen
2. ...sind sehr viel zufriedener
3. ...sind seltener krank
4. ... erkranken im Alter viel seltener (zb weniger Anfällig für Alzheimer, Demenz)
5. ... haben eine deutlich höhere Lebenserwartung

Eine weitere Aussage von ihm war "Man sollte von Menschen nicht zu viel erwarten, am Ende wird man nur enttäuscht".
Bei diesem Beitrag kann ich nicht mitgehen. Eine meiner Freundin arbeitet als Krankenschwester in der Pflege, also im helfenden Beruf. Was sie da an unzufriedenen, psychisch kranken, unglücklichen Kollegen bzw. Alternpfleger erlebt..., widerspricht deiner hervor gelegten Statistik. Woher kommt die eigentlich?

Recht gebe ich dir, nachdem ich so meine Erfahrungen in den letzten 25 jahren gemacht habe. Es gibt da draussen zuviel Energievampire, daher sehe ich es als nicht narzisstisch oder egoistisch an, man kann die beiden Begrifflichkeiten m.E. nicht im Zusammenhang nennen, wenn ich mich von Menschen abwende, die Energie von mir abziehen.

Ich denke auch, dass man den Otto-Normal-Bürger nicht mit Manager usw. auf eine Ebene stellen/vergleichen kann.

Seitdem ich die Finger von Energievampiren, egal ob männlich oder weiblich lasse, bin ich glücklicher, zufriedener, seltener krank, ausgeglichener und schaue mehr nach mir, als nach Anderen. Wo Hilfe dennoch gefragt und gewollt ist und auch angebracht ist, stehe ich sofort mit 100% zur Verfügung.

w ü50
 
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  • #20
@Mentalista

Im helfenden Beruf, sollte man schon auch etwas in der Tätigkeit aufgehen können. Wenn man Pfleger oder Krankenschwester ist, aber nur noch die Arbeit sieht und der Job nur noch stressig ist und keinen Spass macht (kein Mehrgewinn durch Hilfeleistung), dann ist man entweder im falschen Beruf gelandet, oder die Arbeitsbedingungen sind mehr als schlecht.

Zu dem anderen Einwand: ich sprach von den "echten Egoisten". Wenn man sich abgrenzt und Selbstliebe besitzt (= gesunder Egoismus) ist man ja kein Egoist! Dachte, dass wäre klar!
Von Energievampiren sollte man sich nicht ausnutzen lassen. Und das ist natürlich nicht egoistisch.

Der Grad zwischen "hilfsbereit" und dem Helfersyndrom ist dabei auch oft schmal. Hier gilt es die Balance zu halten. Man darf sich nicht aufopfern oder ausnutzen lassen. Die eigenen Bedürfnisse müssen immer im Blick behalten werden.
 
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  • #22
@Mentalista

Im helfenden Beruf, sollte man schon auch etwas in der Tätigkeit aufgehen können. Wenn man Pfleger oder Krankenschwester ist, aber nur noch die Arbeit sieht und der Job nur noch stressig ist und keinen Spass macht (kein Mehrgewinn durch Hilfeleistung), dann ist man entweder im falschen Beruf gelandet, oder die Arbeitsbedingungen sind mehr als schlecht.

Zu dem anderen Einwand: ich sprach von den "echten Egoisten". Wenn man sich abgrenzt und Selbstliebe besitzt (= gesunder Egoismus) ist man ja kein Egoist! Dachte, dass wäre klar!
Von Energievampiren sollte man sich nicht ausnutzen lassen. Und das ist natürlich nicht egoistisch.

Der Grad zwischen "hilfsbereit" und dem Helfersyndrom ist dabei auch oft schmal. Hier gilt es die Balance zu halten. Man darf sich nicht aufopfern oder ausnutzen lassen. Die eigenen Bedürfnisse müssen immer im Blick behalten werden.
Ja, hier stimme ich gerne zu.

Traurig finde ich, dass gerade Frauen, die sich abgrenzen können und Selbstliebe besitzen, oft deswegen ungewollt Single bleiben bzw. auch im beruflichen Bereich Schwierigenkeiten bzw. es schwer haben.

Mentalista
 
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  • #23
Traurig finde ich, dass gerade Frauen, die sich abgrenzen können und Selbstliebe besitzen, oft deswegen ungewollt Single bleiben bzw. auch im beruflichen Bereich Schwierigenkeiten bzw. es schwer haben.
Die Aussage erstaunt mich sehr. Diese Erfahrung habe ich noch nie gemacht.
Eher umgekehrt, dass selbständige und unabhängige Frauen anziehend und attraktiv wirken. Zumindest ist das in meiner Altersklasse so.
 
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  • #24
Die Frage, die sich mir nach alledem stellt : Was braucht es, damit ein Mensch sich auf einen anderen einläßt, sich einem anderen ausliefert, ihm aus freien Stücken "eine geladene Pistole" aushändigt?


Was braucht es, um den Mut zu finden, diesen letzten, aber entscheidenden und offenbar unerläßlichen Schritt zu tun ?.
Zu Beiden: Liebe und Vertrauen

und oder extremer Not,
z.B.: Bist 64 Jahre und hast es bis dato nie zum Traualter geschafft.
Witwe/r, arm wie eine Kirchenmaus und musst 9 Kinder zu ernähren. u.s.w.

Mir ist aus Liebe und Vertrauen sympathischer, bis zu dem Tag, wo ich eines Besseren belehrt wurde….
Nichts desto trotz kann ich mir schon vorstellen, daß mehrfache ähnliche Erfahrungen Folgen zeitigen und das Vertrauen, das anderen Menschen entgegengebracht wird, mit jeder Enttäuschung weniger wird.

Genau das!
Ich hatte den Mut und bin volles Risiko gegangen. Niemals bin ich dermaßen auf die Schnauze gefallen und das nur, weil ich geliebt und vertraut habe.
 
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Deleted member 20013

  • #25
Zitat von Mentalista:
Traurig finde ich, dass gerade Frauen, die sich abgrenzen können und Selbstliebe besitzen, oft deswegen ungewollt Single bleiben bzw. auch im beruflichen Bereich Schwierigenkeiten bzw. es schwer haben.
Die Aussage erstaunt mich sehr. Diese Erfahrung habe ich noch nie gemacht.
Eher umgekehrt, dass selbständige und unabhängige Frauen anziehend und attraktiv wirken. Zumindest ist das in meiner Altersklasse so.
Mich erstaunt das gar nicht, sondern bestätigt auch meinen Eindruck (sowohl aus eigener Erfahrung, als auch aus zahlreichen Beobachtungen im Umfeld).

In welcher Altersklasse treibst du dich denn rum?
 
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  • #26
Ich hatte den Mut und bin volles Risiko gegangen. Niemals bin ich dermaßen auf die Schnauze gefallen und das nur, weil ich geliebt und vertraut habe.
Wer liebt und vertraut kann auch schrecklich verletzt werden. Es ist traurig wenn die Partner zu Gegnern werden.

Julianna schreibt weiter oben sinngemäß, wir beschenken uns selbst, wenn wir jemandem unser Vertrauen schenken. In der Beziehung erkennen wir, wer wir wirklich sind.

Es bleiben nicht nur Scherben übrig. Die Krisen und Trennungen können uns auch stärken, selbst wenn sie die Vertrauensfähigkeit erschüttern.
 
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  • #27
@Synergie
Bin 32 Jahre alt (also Männer ca. Zwischen 30-34). Hab auch mal testweise jemanden gedated, der 38 war. Das war aber nix für mich. Kam mir vor, als wäre er Jahrzehnte älter als ich.

Verstehe nicht, wieso (gesunde) Selbstliebe ein Hindernis sein sollte? Habe viele Jahre Fernbeziehungen oder eben Wochenendbeziehungen geführt. Das war aber für den Mann nie ein Problem. Oder worin soll in diesem Fall die "Abgrenzung" bestehen? Vielleicht verstehe ich unter Abgrenzung auch etwas anderes. Ich verstehe darunter, dass man Zeit für seine Karriere hat und Zeit für eigene Interessen und Hobbies. Und eben nicht ständig seinen Partner überall involvieren muss oder überall mit hin schleppen. Mädels-Abend ist Mädels-Abend. Da hat der Mann nix verloren, auch wenn man sich vielleicht vorher schon die ganze Woche über nicht gesehen hat.
 
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  • #30
Nein nein, wenn Du länger dabei bist, dann weißt Du, wie sie das meint... So wie ich schrieb.