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Deleted member 24543

  • #2.757
Annahme: Du hast allein den Abschnitt mit der Einführung und Funktion des Konstrukts zitiert. Daher gehe ich davon aus, dass du dich nur auf ein Gedankengebäude beziehst, welches vom Inhaber noch allein instand gehalten werden kann. Ich gehe also davon aus, dass du nur über maßvolle Denkprozesse und nicht über ein problematisches Ausmaß, wo unbeteiligte reingezogen und beschädigt werden, schreiben magst und wir die problematischen Prozesse, die bei überdimensionierung notwendig werden ausklammern.
Denke dir also zu jeder meiner folgenden Aussagen "sofern es sich in einem gesunden Ausmaß ohne Eigen- und Fremdschädigung bewegt."

Ich denke es ist gut und notwendig sich die Welt so zu erklären, dass sie für einen Sinn ergibt und vorhersehbar wird. In völlig unvorhersehbaren Umständen lässt es sich kaum leben, weil wir die Konsequenzen unserer Handlungen (und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten) nicht abschätzen könnten.

Natürlich. Der Eine mehr, der Andere weniger.
Problematisch wird es in meinen Augen, wenn jemand sein eigenes Gerüst nicht mehr aus eigener Kraft aufrecht erhalten kann und beginnt, Andere - unter in Kaufnahme von Nachteilen für diese Anderen (oder ohne Einsicht in diese Möglichkeit) - schädigt.

Nein. Keineswegs. Jeder muss sich die Welt erklärbar machen.
Mein Problem ist, dass ich mich schwer für einen Interpretations- oder Erklärungsansatz aus den vielen möglichen Varianten entscheiden kann. In meinem Kopf hat jeder Blickwinkel seine Berechtigung. Das ist aber auch problematisch, weil es lähmt, da ich aus den oftmals sehr vielen und oftmals konträren Möglichkeiten einen Blickwinkel als angemessen akzeptieren muss. Kann ich das nicht, dann kann ich mich nicht für eine Handlung entscheiden, weil ich deren Konsequenz für andere oder auch für mich nicht abschätzen kann und nicht einschatzen kann, ob die Konsequenzen meiner Handlung mit meinem Lebensentwurf (Annahme, dass es nur einen gäbe) vereinbar sind.

Das ist eigentlich wie beim Schach. Da geht man ja auch nicht völlig blind ran, sondern, wenn man erkennt (oder weiß) welche Eröffnung der Gegner spielt (oder im Repertoire hat), dann schränkt das die Freiheitsgrade deutlich ein und ich kann recht gut vorhersagen, welche Konsequenzen, meine Handlungen haben werden.

Und falls ja, was bedeutet es? Daß Du Deinen Lebensentwurf öfter mal umkrempelst? Oder gibt's gar keinen?
Unter Lebensentwurf verstehe ich, was man mit seinem Leben tun möchte - wo man Schwerpunkte setzen möchte (Familie, Karriere, Ehrenamt, Tiere, Menschen, Technik, Soziales, Weltenbummler, Umweltschutz).
Das ist nicht gleichbedeutend mit dem Konstrukt, von dem ich schrieb. Dieses Konstrukt dient im Grunde dazu zu erklären und zu rechtfertigen für welchen Lebensentwurf man sich entschieden hat (oder anhand der wahrgenommenen / eigebildeten Rahmenbedingungen entscheiden musste) oder warum man von ihm abkehren möchte.
Denn die Prioritäten können sich im Laufe eines Lebens verschieben und gesund lebt vermutlich derjenige, der sich anpassen kann und nicht rigide auf seiner Erklärung sitzen bleiben muss, obwohl sich eigenlich die eigenen Prioritäten verschoben und/oder die Lebenswirklichkeit verändert hat.
Die Schwierigkeiten, die ich im Ausgangsbeitrag beschrieb, finden vermutlich an der Stelle ihren Ursprung.
 
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  • #2.759
Irgendwie sind manche hier etwas übermütig... nicht wahr @Wirdbesser und @Dreamerin o_O:rolleyes::D
Übermut tut selten gut :p
 
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  • #2.760
Besten Dank für diese spannenden Erläuterungen.
Ich gehe also davon aus, dass du nur über maßvolle Denkprozesse und nicht über ein problematisches Ausmaß, wo unbeteiligte reingezogen und beschädigt werden, schreiben magst und wir die problematischen Prozesse, die bei Überdimensionierung notwendig werden, ausklammern.
Das ist so. Ich hab auch keine Erfahrung mit problematischem Ausmaß. Also weder kannte ich jemanden, wo das zutreffen könnte, noch scheint mir das in der eigenen Vergangenheit jemals an irgendeinem Punkt der Fall gewesen zu sein. Aber "maßvoll" ganz sicher, deshalb fiel es mir ja auf. Zudem erklärt es eben manche Reaktionen hier. Das war ja auch der Aufhänger für Dich, scheint mir.
Mein Problem ist, dass ich mich schwer für einen Interpretations- oder Erklärungsansatz aus den vielen möglichen Varianten entscheiden kann. In meinem Kopf hat jeder Blickwinkel seine Berechtigung. Das ist aber auch problematisch, weil es lähmt, da ich aus den oftmals sehr vielen und oftmals konträren Möglichkeiten einen Blickwinkel als angemessen akzeptieren muss. Kann ich das nicht, dann kann ich mich nicht für eine Handlung entscheiden, weil ich deren Konsequenz für andere oder auch für mich nicht abschätzen kann und nicht einschätzen kann, ob die Konsequenzen meiner Handlung mit meinem Lebensentwurf (Annahme, dass es nur einen gäbe) vereinbar sind.
Soo variantenreich erscheint mir mein Erklärungs- und Handlungsspielraum gar nicht. Oder auch die Konsequenzen einer "falschen" Einschätzung kommen mir nicht recht bedrohlich vor.

Aus dem, was ich bisher mal so gelesen habe, scheint es mir bei dem "Konstrukt" Zusammenhänge zur Differenzierung des Selbst und dem Bestätigungsfehler zu geben. Wobei ich letzteres auch nicht als um jeden Preis vermeidenswert ansehe. Also ich halte es nicht grundsätzlich für falsch, in der Wahrnehmung so zu selektieren, daß man sich wohl damit fühlt...
 
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