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  • #1.861
Es geht ja nicht um Rückschritt, sondern Fortschritt anders gedacht.
Das Kernproblem ist, dass unser geld- und zinsbasiertes Wirtschaftssystem quantitatives Wachstum quasi zwingend voraussetzt. Wenn man als Primärziel Geldzuwachs durch Gemeinwohl ersetzt ist man ziemlich schnell viele Probleme los, ohne dass irgendwer wirklich nennenswert verzichten müsste. Dafür müssten aber erstmal alle verstehen, dass ein Millionenvermögen in Form von Geldmitteln im Grunde keinen Wert hat, weil Geld keinen Wert an sich darstellt sondern seinen Wert erst dadurch erhält, dass ich es gegen etwas anderes eintauschen kann, Geld ist nicht mehr und nicht weniger als Tauschmittel. Wenn ich schon drei Autos, vier Häuser und ´ne Yacht habe bringt mich mehr Geld nicht mehr weiter, die Zahl auf dem Konto steigt zwar, aber es gibt nichts, gegen das ich mein Geld sinnvoll eintauschen könnte. Je mehr ich habe, desto weniger ist (mehr) Geld objektiv betrachtet noch Wert. Und das setzt schon ziemlich früh ein, sobald wir genug haben um halbwegs sicher und zuversichtlich in die Zukunft schauen zu können steigt unsere Zufriedenheit mit mehr Geld kaum noch an.
 
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Observer

  • #1.862
Aber diejenigen die nicht jeden Tag Anträge und Berichte schreiben sollten sich regelmäßig bewusst machen, vor welchem Hintergrund soetwas geschrieben wird. Kaum jemand wird bewusst lügen und die Wahrheit verdrehen, aber gleichzeitig will ja all das verforschte Fördergeld erstmal eingeworben und später gerechtfertigt werden, in welcher Richtung da ein Bias vorliegt ist also klar.
Das mag ja sein. Was ist die Lösung? Alles als Unsinn abstempeln?
Bei Interesse - der Hyperloop - ja, das ist dann verrückt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperloop
 
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  • #1.863
Konzepte wie das der Gemeinwohlökonomie, bei der das ökonomische Primärziel vom Geldzuwachs auf das Gemeinwohl verschoben wird sind jetzt nicht wirklich neu und, zumindest in kleinerem Rahmen, längst erfolgreich etabliert.
.
Ja die gibt es, ich bin Volkswirt... Die politisch Verantwortlichen sind aber nach wie vor auf das BSP fixiert. Das ist teilweise schon so absurd, dass selbst in Zeiten von Fast-Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel ständig von Wachstum und Ankurbeln der Wirtschaft die Rede ist. Wachstum scheint Selbstzweck zu sein ohne es in irgendeiner Weise zu überdenken.
 
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Observer

  • #1.864
Ja die gibt es, ich bin Volkswirt... Die politisch Verantwortlichen sind aber nach wie vor auf das BSP fixiert. Das ist teilweise schon so absurd, dass selbst in Zeiten von Fast-Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel ständig von Wachstum und Ankurbeln der Wirtschaft die Rede ist. Wachstum scheint Selbstzweck zu sein ohne es in irgendeiner Weise zu überdenken.
Ja, und um schnelles Wachstum / Aktienkurs zu generieren, wird auch mal an Zukunftsprojekten gekürzt - weil es kurzfristig dann besser aussieht... manchmal eine Hürde für Fortschritt
 
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  • #1.865
Das mag ja sein. Was ist die Lösung? Alles als Unsinn abstempeln?
Nein. Sich Forschung und "Visionen" kritisch ansehen, mit der Realität abgleichen, ein paar Überschlagsrechnungen auf der Rückseite vom Briefumschlag machen. Denken statt glauben. Und im Zweifel hatl akzeptieren, dass da zwar oft große Sprünge versprochen, letztlich in ein paar Jahren Projektdauer aber nur kleine Schritte geliefert werden. Das ist ganz normal und letztlich kaum anders zu erwarten.

Hyperloop ist ein wunderbares Beispiel. Man mache sich die Grundidee klar (da fährt etwas im Vakuum, hat deshalb weniger oder keinen Luftwiderstand zu überwinden und wird dadurch vermeintlich schnell und effizient). Man überlege sich kurz, was man so an Vakuumsystemen mit ähnlichem Vakuumniveau kennt und welcher Aufwand da für das Aufrechterhalten des Vakuums, üblicherweise für ein im Vergleich zum Hyperloop winzig kleines Volumen, nötig ist. Man überlege ferner, was so alles passiert, wenn ein größeres Vakuumsystem schlagartig ein Leck entwickelt (hint: die Schaufeln selbst kleinerer Turbopumpen schlagen im Zweifel Ziegelsteine aus der Wand und verpassen dem Gebäude ein neues Fenster). Man überlege auch, welche Geschwindigkeiten die Hyperloop-Verfechter so versprechen, welcher Bremsweg daraus resultiert und was das für den minmalen Abstand von Fahrzeugen, Haltepunkten, etc. bedeutet. Die Idee ist in der Tat ziemlicher Unsinn, und um das zu erkennen muss man wahrlich kein brillianter Wissenschaflter sein, Mittelstufenphysik und gesunder Menschenverstand reichen.
 
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  • #1.866
Es gibt heute in Deutschland doppelt so viele Pkw wie 1980 und damals wäre niemand auf die Idee gekommen zu behaupten, dass die Gesellschaft untermotorisiert ist. In der gleichen Zeit wurden die Autos auch immer PS stärker und dieser Trend ist ungebrochen
Und die Luft ist heute dramatisch besser als 1980. Woran man sieht, daß Verzicht überhaupt nicht nötig ist.
Die politisch Verantwortlichen sind aber nach wie vor auf das BSP fixiert. Das ist teilweise schon so absurd, dass selbst in Zeiten von Fast-Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel ständig von Wachstum und Ankurbeln der Wirtschaft die Rede ist.
Deutschland kratzt gerade an der Rezession. Sollte das länger anhalten oder sich verstärken, dann steigen auch die Arbeitslosenzahlen wieder schnell an.
 
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  • #1.869
Nun ja, Wachstum ist in einer auf Zins und Zinseszins basierenden Wirtschaft zwingend erforderlich, anders lassen sich Zinsen langfristig halt nicht erwirtschaften.
Ich sprach ja auch über qualitatives und quantitatives Wachstum. Wenn ich da speziell auf den Bereich Lebensmittel schaue, würde ich fast schon von Dekadenz sprechen. Möglichst viel möglichst billig produzieren und dann die Hälfte weg schmeißen. Und die Tiere in den Fleischfabriken werden unter erbärmlichsten Bedingungen gehalten.
 
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  • #1.871
Also hast Du jetzt gar kein Auto und lebst auf 30 qm in einer Hochhaussiedlung?
Ich hätte Dir intelligentere Gegenfragen zugetraut.

Um nur beispielhaft bei meinem willkürlich gewählten Referenzjahr 1980 zu bleiben. Zu dem Zeitpunkt wohnten die Menschen alle in Hochhäusern und besaßen keine Autos?

Ich behaupte, intelligente Mobilität sieht anders aus, als ständig die Pkw-Zahlen und PS-Zahlen zu steigern und entsprechen die Straßen und Parkplätze hinterher zu bauen in dem irrwitzigen Glauben, man könne auf diese Weise irgendwann die Staus beseitigen.
 
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  • #1.872
Ich sprach ja auch über qualitatives und quantitatives Wachstum. Wenn ich da speziell auf den Bereich Lebensmittel schaue, würde ich fast schon von Dekadenz sprechen. Möglichst viel möglichst billig produzieren und dann die Hälfte weg schmeißen. Und die Tiere in den Fleischfabriken werden unter erbärmlichsten Bedingungen gehalten.
Da kann man kaum genug zustimmen. Auch das ein wunderbares Beispiel, was bei uns gerade falsch läuft. Alles billig, mehr als wir brauchen, dafür aber in z.T. unterirdischer Qualität und unter Bedigungen die Mensch, Tier und Natur massiv schaden. Wenn wir nur das produzieren würden was tatsächlich auch gebraucht wird (und, als nächste Stufe, das essen, was gerade bei uns geerntet wird statt Erdbeeren im tiefsten Winter) gäbe es keinen echten Verzicht, dafür aber bessere Produtkionsbedingungen und bessere Qualität.:(
 
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Deleted member 21128

  • #1.873
Und ich dachte jetzt, dass gerade bei Lebensmitteln der Trend schon lange wieder in eine andere Richtung geht. Aber bestimmt wieder nur in By und BaWü.
 
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  • #1.874
Also hast Du jetzt gar kein Auto und lebst auf 30 qm in einer Hochhaussiedlung?
Ich bin zwar nicht Mestalla, aber ja, ich habe kein Auto, ich habe sogar nichtmal ´nen Führerschein, ganz schlicht, weil ich beides nicht benötige. Und meine Wohnung ist zwar etwas größer als 30qm, aber nicht riesig und reicht für mich und meine Bedürfnisse völlig aus.

Ich mag niemandem vorschreiben wie sie oder er zu leben hat, aber manchmal würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen zumindest mal gründlich und ernsthaft hinterfragen, ob nicht auch für sie weniger mehr sein könnte.
Wenn dann im Ergebnis immer noch ein SUV und eine 80qm-Singlewohnung steht, ok. Aber vielleicht merkt dann so manche(r), dass gar kein Auto oder Carsharing oder oder oder und eine 50qm-Wohnung am richtigen Fleck nicht nur "reichen", sondern am Ende sogar ein entspannteres und glücklicheres Leben ermöglichen.
 
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  • #1.875
Und ich dachte jetzt, dass gerade bei Lebensmitteln der Trend schon lange wieder in eine andere Richtung geht.
Ja das tut es! Aber gleichzeitig sind auch die Dimensionen in der Lebensmittelproduktion im Sinne von Effizienz und Produktivität viel größer geworden. Und das zu Lasten der Tiere und Menschen. Das sind zwei Richtungen, die in den letzten Jahren richtiggehend auseinandergallopiert sind.
 
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