Freitag

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  • #91
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Cheshire Cat:
Ich hab manchmal den Eindruck GERADE bei Tischmanieren sind viele überempfindlich sobald man nur den Hauch einer Kritik anbringt, da kann man schon schnell als Nörgler gelten. Aber ich finde auch, dass ein gewisses "Grundgerüst" an Benimm dazugehört.

und wenn mir jemand nach dem Essen dann bei einem Glas Wein gegenübersitzt, mir offenbar gebannt zuhört, und dabei dann eifrig an den Fingernägeln kaut während er mir tief in die Augen schaut, dann ist leider Schluss mit lustig.
.
ich glaube manche sind so schmerzfrei, was ihre mangelnden manieren anbelangt und im elternhaus wurde auch kein wert darauf gelegt, dass sie aus allen wolken fallen wenn es anderen mal negativ auffällt und sie auch "wagen" es zu verbalisieren.
ich hatte auch schon das zweifelhafte vergnügen diversen damen bei ihrer nagel"pflege" sprich kauen, oder sonstigen tätigkeiten die eher dem tierreich zuzuordnen sind, zusehen zu dürfen. selbst ich bin dann manchmal sprachlos.:)
 

anka

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  • #92
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von weltenbummler:
Die Erfahrung habe ich auch gemacht, und ich schieb's darauf, dass die Vertreter von Extrempositionen sich häufiger unter Rechtfertigungsdruck sehen.

So ist es wohl. Und ein Stück weit kann ich das auch verstehen.

Manchmal resultieren dann am Ende allerdings Strategien in der Art "Angriff ist die beste Verteidigung", die mitunter schon in Kraft treten, wenn der vermeintliche Angriff eigentlich gar keiner ist... Dann wird es in der Tat sehr anstrengend/ kraftraubend.
 
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  • #93
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von anka:
So ist es wohl. Und ein Stück weit kann ich das auch verstehen.

Manchmal resultieren dann am Ende allerdings Strategien in der Art "Angriff ist die beste Verteidigung", die mitunter schon in Kraft treten, wenn der vermeintliche Angriff eigentlich gar keiner ist... Dann wird es in der Tat sehr anstrengend/ kraftraubend.

Ja, genau das meinte ich, und es soll auch keineswegs abwertend klingen, sondern lediglich erklären, warum ich mich selbst als eher kompatibel zu Mitte-Positionen einschätze.

Nach meiner Einschätzung - aber ich bin kein Fachmann - laufen ethnische, kulturelle oder religiöse Minderheiten generell Gefahr, ihre Identität zu verwässern, wenn sie sich allzu großer Offenheit gegenüber den Mehrheitspositionen befleißigen. Sie können Toleranz für die Existenz von Mehrheitsmeinungen aufbringen, müssen sich selbst jedoch gegen deren Einsickern in ihre eigenen Reihen wappnen.
 

anka

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  • #94
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von weltenbummler:
Nach meiner Einschätzung - aber ich bin kein Fachmann - laufen ethnische, kulturelle oder religiöse Minderheiten generell Gefahr, ihre Identität zu verwässern, wenn sie sich allzu großer Offenheit gegenüber den Mehrheitspositionen befleißigen. Sie können Toleranz für die Existenz von Mehrheitsmeinungen aufbringen, müssen sich selbst jedoch gegen deren Einsickern in ihre eigenen Reihen wappnen.

Tendentiell sicher, aber denkst du, dass es zwangsläufig so sein muss? Dann wären der Integration sämtlicher Minoritäten ja allein aus diesem Grunde recht fixe Grenzen gesetzt.

Ich glaube mich zu erinnern, mal eine Studie dazu gelesen zu haben. Da bestand eine Verknüpfung zwischen dem Grad der Offenheit und dem Ausmaß an Identifikation mit der Minderheit. Grenzen zwischen versch. Etnien können also flexibler werden, wenn man den einzelnen Menschen neue Rollen zuweist bzw wenn schlichtweg neue Rollen hinzukommen, in denen sie dann der gleichen Gruppe angehören.

Das finde ich eigentlich einen schönen Ansatz.
 

faraway

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  • #95
AW: Bei aller Liebe...

Guten Abend
Na, hier ist es ja rund gegangen, alle Achtung .- )

Bin am Nachlesen.

Iceage, bei mir dürftest du so sitzen wie der Denker von Nok... ich stütze auch gern mein Kinn auf's Knie; ich brauche ja deshalb nicht die Füsse neben den Teller stellen und weder schmatzen, schlürfen, noch rülpsen... beim Essen direkt stütze ich mein Kinn auch nicht wirklich auf's Knie, hahaha, aber rechtwinkelige Stellungen find ich unbequem, lieber ein frei interpretiertes Tribhanga... ich sitze auch jetzt im Türkensitz auf dem Computerstuhl und bevorzuge ansonsten kleine, erdnahe Schemel, Steine, Stufen....wahrscheinlich war ich irgendwann einmal Orientalin.
Hat noch nie jemand beanstandet...vielleicht mach ich es elegant? die meisten können wahrscheinlich gar nicht so sitzen wie ich .-))))
Im öffentlichen Raum benehme ich mich so "sitzsam" wie möglich.
Und ich esse auch zu Hause gern gepflegt... sogar allein.

Bei aller "angeborenen" Milchallergie habe ich meinen Sohn auch nicht mit Apfelsaft grossgezüchtet und sogar vor ein paar Monaten noch Pudding gekocht. Man kann sich ja die Nase zuhalten als Mutter... und die Nachbarn fragen ob die Milch sauer ist.

Ich kenne kaum jemanden, der zumindest etwas nicht mag; ist immer gut zu wissen, kann man dann nämlich vermeiden; nach dem Motto live and let live.

Aber, um auf iceage zurückzukommen; der macht und tut liebevoll herum und dann soll er noch stramm sitzen, am Sonntag? Wenn er stramm gesessen wäre, hätte sie etwas anderes auszusetzen gehabt.... entliebte Menschen sind sehr findig, diesbezüglich.
 
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  • #96
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von anka:
Tendentiell sicher, aber denkst du, dass es zwangsläufig so sein muss? Dann wären der Integration sämtlicher Minoritäten ja allein aus diesem Grunde recht fixe Grenzen gesetzt.

Ich glaube mich zu erinnern, mal eine Studie dazu gelesen zu haben. Da bestand eine Verknüpfung zwischen dem Grad der Offenheit und dem Ausmaß an Identifikation mit der Minderheit. Grenzen zwischen versch. Etnien können also flexibler werden, wenn man den einzelnen Menschen neue Rollen zuweist bzw wenn schlichtweg neue Rollen hinzukommen, in denen sie dann der gleichen Gruppe angehören.

Das finde ich eigentlich einen schönen Ansatz.

Der gefällt mir auch, dieser von Dir beschriebene Ansatz.
Ich denke aber, das Du Recht hast, wenn Du weiter oben vermutest: es gibt enge Grenzen, wenn die Bewahrung der Identität im Vordergrund allen Handelns steht - das ist die Annahme, die ich unterstelle, und daraus resultieren dann die engeren Toleranzgrenzen. Das kenne ich auch aus eigenem Erleben mit Minderheiten. Die Alternative für sie hieße: weitreichendere Toleranz gegenüber den Mehrheitsideen, partielle Adaption dieser Ideen und Assimilation... Wem daran gelegen war, der ist jetzt glücklch, die anderen fühlen sich verloren..

Die Idee mit den neu hinzukommenden Rollen finde ich sehr gut. Vielleicht kann man dies zur Integration nutzen? Dann müssten bisherige Rollen nicht aufgegeben werden...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Polly

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  • #97
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von faraway:
Aber, um auf iceage zurückzukommen; der macht und tut liebevoll herum und dann soll er noch stramm sitzen, am Sonntag? Wenn er stramm gesessen wäre, hätte sie etwas anderes auszusetzen gehabt.... entliebte Menschen sind sehr findig, diesbezüglich.

Stimmt. Das ergibt eine Endlosschleife. Ich will das noch niemals als entliebt bezeichnen. Eingefahrene Marotten müssen sich halt abschleifen. Das hindert alles die Liebe. Dafür ist der andere ja auch da.
Ich denke, dass jeder die Verantwortung hat, bei sich zu schauen, wie er tickt. Denn nach dem Motto "pöhh, ich bin halt so", ist zu wenig. Das braucht immer wieder Vergebung, das brauch immer wieder den Startpunkt ohne wenn und abers.

Es gibt die Geschichte, wo die Frau eifersüchtig auf den Hund ist, weil ihr Mann, wenn er abends nach Hause kommt, so freundlich zu dem Hund ist. Und dann hat sie das beobachtet. Der Hund freut sich, Herrchen freut sich. Da hat sie ihren Mann am nächsten Tag auch freundlich begrüßt und siehe da.... :)
 

iceage

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  • #98
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Polly:
Stimmt. Das ergibt eine Endlosschleife. Ich will das noch niemals als entliebt bezeichnen. Eingefahrene Marotten müssen sich halt abschleifen. Das hindert alles die Liebe. Dafür ist der andere ja auch da.
Ich denke, dass jeder die Verantwortung hat, bei sich zu schauen, wie er tickt. Denn nach dem Motto "pöhh, ich bin halt so", ist zu wenig. Das braucht immer wieder Vergebung, das brauch immer wieder den Startpunkt ohne wenn und abers.

Es gibt die Geschichte, wo die Frau eifersüchtig auf den Hund ist, weil ihr Mann, wenn er abends nach Hause kommt, so freundlich zu dem Hund ist. Und dann hat sie das beobachtet. Der Hund freut sich, Herrchen freut sich. Da hat sie ihren Mann am nächsten Tag auch freundlich begrüßt und siehe da.... :)

Irgendwer hat hier schon sehr richtig benannt, dass Beziehungen wie Eisberge sind 7/8 unter Wasser. Das System ist teuflisch unauflöslich. Mir hat immer ihre gute Haltung gefallen, die besoners ihre tolle Figur betont hat, Ihr an mir, meine ehrliche Art und Lockerheit. Punkt ist, ihre gute Haltung kommt von einer strengen Erziehung in der Kindheit und meine Lockerheit, da ich aufgewachsen bin "wie ein Schwammerl im Wald" ;) Und das ist ein Beispiel von vielen, die sich irgendwann über Kreuz kommen ...

Obgenannte Freundlichkeit kann natürlich die Spirale umdrehen - kann aber genau so sein, dass sich der/die Andere denkt, endlich hat sie/er es eingesehen und macht weiter, wie bisher ...
 

iceage

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  • #100
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Polly:
Würdest du wieder mit ihr flirten, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre?

Natürlich! Auch heute ist meine Exfrau noch immer eine Wahnsinnsfrau und von der Attraktivität her fast nicht zu überbieten! Und (fast) jeder Mann kann sich glücklich schätzen, mit ihr eine Beziehung zu haben. Wir haben uns zu Zeiten aufgerieben, wo wir noch gar nicht erkannt haben, dass wir auf Trennung unterwegs sind - und das verspätete Ausbrechen hatte dann vulkanartige Wirkung, was zu ganz tiefen Verletzungen geführt hat. Verletzungen, welche in der Gegenwirkung nicht mehr auflösbar sind - Solche Beziehungen sind physisch vergleichbar, wie Senf der aus der Tube ist, dieser geht nunmal nicht mehr wieder rein ;)
 
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  • #101
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von faraway:
Aber, um auf iceage zurückzukommen; der macht und tut liebevoll herum und dann soll er noch stramm sitzen, am Sonntag? Wenn er stramm gesessen wäre, hätte sie etwas anderes auszusetzen gehabt.... entliebte Menschen sind sehr findig, diesbezüglich.

Ach, liebe Faraway, wie schade, dass du so far away bist ! Ich wäre zu gern mit dir über den Baldeneysee geschippert, egal in welcher Sitzhaltung !!! :))
 

faraway

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  • #102
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Schreiberin:
Ach, liebe Faraway, wie schade, dass du so far away bist ! Ich wäre zu gern mit dir über den Baldeneysee geschippert, egal in welcher Sitzhaltung !!! :))

Ach, liebe Schreiberin, das tat mir jetzt so richtig wohl... danke!
ich bin schon wieder viel zu oft beim Tierarzt und überhaupt ist alles ein bisschen geballt mühsam dieser Tage; auch abgebrühte Eremiten kónnen alle heiligen Zeiten ein bisschen Aufpäppeln vertragen... und siehe da...
das war jetzt also echt Balsam in einem kläglichen Moment.
 

Weib

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  • #103
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Cosmopolitin:
Das gehört alles so in die Thematik "kleine nervende Geschichten".

IWarum kauft jemand Fleisch von einem Tier, dass sein Leben lang nur leiden musste? Warum kauft man Eier aus Bodenhaltung (ich stelle das einmal bewusst so in den Raum. In der Schweiz kaufen rund die Hälfte aller Konsumenten Bodenhaltungseier)? Hier hat das Huhn kein Leben das mit seiner Natur ansatzweise in Verbindung stehen würde. Warum kauft man Früchte, für deren Produktion Land und Menschen ausgebeutet wurden?

Ich kenne erstaunlich viele, die die Essensgeräusche (wir sprechen nur von den Geräuschen die bei Einhaltung der Tischmanieren entstehen) des Partners nicht ertragen und nur bei Musik oder vor dem Fernseher mit dieser Person essen können.

Ich glaub, all das gehört in die Kategorie Toleranz. Das sieht eben jeder anders. Würden wir bei allem, was wir tun, ständig nur WARUM fragen, kämen wir wohl nicht weiter. (Warum wir Fleisch, Eier und Früchte essen: weil wir leben und uns ernähren müssen, weil wir so von der Natur gestaltet sind, dass wir das essen können und vertragen). Überall in der Natur gibt es Fressen und Gefressen werden, wir blenden das nur gerne aus. Das man heute die Wahl hat und die Freiheit, Dinge NICHT zu kaufen und zu essen, das ist erfreulich, aber nicht jeder hat die Zeit, sich mit den ganzen Hintergründen der Ernährung zu befassen.

Ja, nerven kann das Verhalten von Anderen schon. Wir haben auch hier die Wahl - uns zurückzuziehen, uns essend vor den Spiegel zu setzen, um jemandem gegenüber zu sitzen, der anständige Tischmanieren hat, oder auch hier das etwas Anderssein zu akzeptieren. Wobei man ja einiges ansprechen und ändern kann. An sich wie am Partner. Solange das in freundlichem, liebevollen Ton passiert, spricht doch absolut nichts dagegen. (Ich habe auch - mit Erfolg - jemanden davon kuriert, mit halbzerkautem Essen im Mund den nächsten vollen Löffel wieder hineinzuführen, was wirklich unappetitlich aussah...er hatte es schlicht nicht gemerkt und gewusst...)