faraway

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  • #1

Bei aller Liebe...

Bei aller Liebe....
aber auf gewisse Dinge bin ich ganz einfach allergisch. Und das muss nicht einmal 100% medizinisch nachweisbar sein.
z.B. Butter und insbesondere Milch sind für mich furchtbar. Er darf ruhig seine Milch trinken... hmmm, aber nicht grad vor mir einen Liter runtergurgeln und dann versuchen mich leidenschaftlich zu küssen; da würde mir nämlich speiübel. Das wär also nicht so das Wahre... und einen Milchbrei sollte er mir auch nicht kochen, den würde ich auch bei aller Liebe nicht essen.... und Butter darf Er essen, aber damit soll er mich bitte auch nicht zwangsverwöhnen; denn sobald ich argwöhne, dass irgendwo Butter oder Milch im Spiel ist, werfe ich das Handtuch, bzw. verweigere ich die Nahrungsaufnahme.
Nicht sehr einleuchtend, aber trotzdem fundamental. Da werd ich doch zur hysterischen Bestie, wenn da einer versucht mich "vernünftig" auszutricksen.
Dafür werd ich bei Spinnen und anderem Ungetier nicht ohnmächtig, etc..... esse sonst eigentlich so ziemlich alles ( bis auf frittierte Gedärme, Ziegenaugen und so) und ich hab gar nichts gegen Joghurt und Käse, im Gegenteil.
Ich meine, ein jeder hat wohl so seine absoluten, meist irrationalen Unmöglichkeiten... oder nicht?

Könnt ihr das nachvollziehen?
Wie geht ihr damit um?
Wie wirkt sich das in einer Beziehung aus?

Sind das Phobien? (mein Bespiel ist kulinarischer Natur, aber muss ja nicht sein)
 

iceage

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  • #2
AW: Bei aller Liebe...

... ich habe auch so Eigenschaften, die mich schon beim Gedanken daran das Gruseln beibringen; kann dir aber sagen, mit nur ein bisschen Vorstellungsakrobatik ist das ganz schnell weg. Ich bin darauf gekommen, weil ich mir ja auch sehr oft die Frage stelle, warum wir als Jugendliche so unbefangen in Beziehungen gehen und wie wir es schafften, uns ohne viele wenns und aber auf einen Partner einzulassen.

Ich setzt mich der Situation ganz intensiv aus. Immer und immer wieder. Spiele vergangene Episoden erneut ab. Solange bis mich entweder die Situation langweilt und ich merke dass sie nur ein Staubkorn in der Wichtigkeit in meinem Leben ist. Das ich mich von einem Umstand nicht geiseln lassen will. Oder, bis die Situation witzige Aspekte bekommt, sodass ich darüber, aber vor allem über mich Lachen kann ...
 
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  • #3
AW: Bei aller Liebe...

Ich habe etliche solche kleine Dinge, welche für mich gar nicht gehen und für andere nicht einmal als Problem erkennbar sind. Bei mir hängt es meist entweder mit Ordnung/Organisation oder mit Umweltschutz zusammen. Warum lässt jemand den Kühlschrank offenstehen? Warum löscht man das Licht nicht, wenn man den Raum verlässt? Wie kommt man auf die Idee, die Türklinke nicht zu betätigen, sondern die Türe einfach ins Schloss fallen zu lassen? Jetzt ist mir gerade noch was Lustiges eingefallen: Einmal frühstückte ich mit jemandem das erste Mal bei mir zu hause. Als er fertig gegessen hatte (er wollte keinen Teller), wischte er sämtliche Brotkrumen mit der Hand vom Tisch auf den Boden. :eek: Es ging dann noch ein paar Tage weiter mit uns, aber das war der Moment, in dem ich erkannte, dass niemals etwas werden würde aus uns. Das gehört alles so in die Thematik "kleine nervende Geschichten".

Ich habe aber auch noch "grössere Themen", die als solche nicht auf Anhieb erkennbar sind, die dann auch wirklich zu grossen Probleme führen können. Warum kauft jemand Fleisch von einem Tier, dass sein Leben lang nur leiden musste? Warum kauft man Eier aus Bodenhaltung (ich stelle das einmal bewusst so in den Raum. In der Schweiz kaufen rund die Hälfte aller Konsumenten Bodenhaltungseier)? Hier hat das Huhn kein Leben das mit seiner Natur ansatzweise in Verbindung stehen würde. Warum kauft man Früchte, für deren Produktion Land und Menschen ausgebeutet wurden?
Ich bin nicht so der Weltverbesserungs-Typ und diskutiere das höchstselten mit anderen Personen. Aber in der Beziehung ist es mir wichtig, dass das beide so sehen. Ich kann mit niemandem zusammen sein, der mit gutem Gewissen ein Tier isst, dass nur für ihn gelitten hat.

Noch zum Abschluss:
Ich kenne erstaunlich viele, die die Essensgeräusche (wir sprechen nur von den Geräuschen die bei Einhaltung der Tischmanieren entstehen) des Partners nicht ertragen und nur bei Musik oder vor dem Fernseher mit dieser Person essen können.
 
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  • #4
AW: Bei aller Liebe...

Das klingt so... einschränkend? Macht ihr euch damit nicht unnötig Chancen kaputt?

Schwierig finde ich es dann, wenn der Partner versucht, einen selbst auszutricksen... sei es jetzt, indem er irgendwo ungewünschte Lebensmittel untermischt - oder von mir aus auch die Eier aus Bodenhaltung in eine Bio-Verpackung umsortiert. *g* Aber auch hier ist ja immer die Frage, ob es wirklich böse Absicht ist oder einfach Unwissenheit? Gerade in den ersten Monaten kann es ja immer wieder passieren, dass z.B. beim Essen noch etwas reinrutscht, was der andere nicht mag. Hier jetzt überall eine "Verschwörung" zu wittern...mh - ich weiß nicht.

Und Reden hilft echt nicht? Ich denke, dass vieles einfacher wäre, wenn man sofort den Mund aufmacht bzw. die Rückmeldung gibt, dass das jetzt nicht so gewünscht war. Der andere kann es ja nicht riechen und wenn man nun seit 30 Jahren seine Krümel nach dem Essen vom Tisch wischt, dann filtert man nicht mehr: Ah, ich bin jetzt bei wem anders - erst mal besprechen, ob ich die vom Tisch wischen darf. Und hey: Er hat die Krümel gesehen, als Problem erkannt und "beseitigt"! :)

Allerdings scheinen es ja zum Teil auch sehr große Themen zu sein: Ist eurem Gegenüber denn jeweils klar, dass diese Themen für euch wichtig sind - also z.B. Ordnung, Umweltschutz, Tierschutz etc.? Oder spielt ihr das vielleicht zu sehr runter, seht es als "normale" Einstellung an ("Jedem sollte etwas an Ordnung liegen.") und reibt es deshalb dem anderen nicht schon frühzeitig unter die Nase?
 

anaj

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  • #5
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Cosmopolitin:
Warum kauft jemand Fleisch von einem Tier, dass sein Leben lang nur leiden musste? Warum kauft man Eier aus Bodenhaltung (ich stelle das einmal bewusst so in den Raum. In der Schweiz kaufen rund die Hälfte aller Konsumenten Bodenhaltungseier)? Hier hat das Huhn kein Leben das mit seiner Natur ansatzweise in Verbindung stehen würde. Warum kauft man Früchte, für deren Produktion Land und Menschen ausgebeutet wurden?

Nur weil Bio oder fairtrade draufsteht, stimmt es noch lange nicht....

Bei solchen Diskussionen kommt mir immer eine Episode in den Sinn, die sich vor Jahren ereignete als der Bio-Trend gerade erst anfing. Eine Freundin von mir wollte nur noch Bio-Produkte kaufen, gleichzeitig aber nicht auf die Vielfalt verzichten. Ich wartete also ab, bis die Äpfel im Garten meiner Eltern reif waren. Es war eine sehr saftige, leckere Sorte. Aber ich pflückte ihr einige unschöne Bio-Exemplare. Die gab ich ihr und fragte, ob solche Bio-Äpfel kaufen würde. Dabei rümpfte sie aber die Nase und verneinte, da sie nicht makellos waren. Das sagte schon alles....

Ich kann es zwar verstehen, dass man auf manche der oben genannten Dinge achtet, aber dabei bitte nicht fanatisch werden. Wenn ich mit meinem Partner erst Diskussionen führen müsste, warum ich ein Steak essen möchte oder warum ich nur bestimmte Bio-Produkte kaufe oder warum ich kaum auf fairtrade-Produkte achte, dann würden wir nicht lange zusammen sein. (So, und jetzt können alle auf mich draufhauen...)

Zitat von Cosmopolitin:
Ich bin nicht so der Weltverbesserungs-Typ und diskutiere das höchstselten mit anderen Personen.

Vielleicht diskutierst Du darüber so selten, weil es für Dich schon eine Selbstverständlichkeit ist....
 
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  • #6
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von faraway:
Könnt ihr das nachvollziehen?
Wie geht ihr damit um?
Wie wirkt sich das in einer Beziehung aus?

Oh ja und wie ich das nachvollziehen kann. Sowohl in einer Beziehung als auch im Alltagsleben mit Freunden und Verwandten kann ich es überhaupt nicht ausstehen, wenn mir jemand etwas aufschwatzen oder unterjubeln will, wovon derjenige 100%ig weiß, dass ich es nicht möchte! Egal ob es jetzt um Essbares oder um Aktivitäten geht. Und wenn ich dann im Vorfeld schon gesagt habe dass ich etwas nicht machen will und nur zum zuschauen mitgehe und dann dort ständig bedrängt werde in Richtung "ach komm, probiers doch mal" "ach mach doch mal mit" bis hin zu "jetzt sei keine Spaßbremse, versuchs!" und "wenn du das jetzt nicht probierst werd ich sauer" werde ICH richtig sauer!

Selbstverständlich gibt es immer Sachen, über die man reden und bei denen man Kompromisse finden kann, ich beziehe mich jetzt auf Dinge bei denen ich von vornherein klar gesagt habe "das möchte ich nicht".

Wie handhabt ihr das?
 
L

Löwefrau_geloescht

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  • #7
AW: Bei aller Liebe...

Ich bin da ziemlich anderes gestrickt.
Leben und Leben lassen. Ich mache keine Vorschriften (außer die WC Benutzung...*grins*)
Aber ein paar Krümel auf dem Boden stören mich (am Anfang ) nicht.
Und das ist mein Problem...ich kann sehr schlecht Grenzen bei diesen Dingen setzen.

Und das geht dann so lange, bis ich es wirklich nicht mehr ertrage.....weil ich vorher immer hoffe, das gibt sich von allein.....

Ich arbeite dran, deswegen finde ich diesen Thread hier gut.
Meine Frage dazu: Wie sagt oder fordert etwas? Etwas, was Euch nervt oder eine Handlungsänderung?
Und Ihr Männer: Wie ist es am wenigsten kränkend...
 

iceage

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  • #8
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Löwefrau:
Ich bin da ziemlich anderes gestrickt.
Leben und Leben lassen. Ich mache keine Vorschriften (außer die WC Benutzung...*grins*)
Aber ein paar Krümel auf dem Boden stören mich (am Anfang ) nicht.
Und das ist mein Problem...ich kann sehr schlecht Grenzen bei diesen Dingen setzen.

Und das geht dann so lange, bis ich es wirklich nicht mehr ertrage.....weil ich vorher immer hoffe, das gibt sich von allein.....

Ich arbeite dran, deswegen finde ich diesen Thread hier gut.
Meine Frage dazu: Wie sagt oder fordert etwas? Etwas, was Euch nervt oder eine Handlungsänderung?
Und Ihr Männer: Wie ist es am wenigsten kränkend...

nicht verdeckt, ganz klar und offen, dass man(n) dazu auch Stellung nehmen kann - und, wenn's nicht so ausfällt, wie sich Frau das wünscht, dann ist es nur eine andere Meinung in diesem Punkt und nicht die Aussage, dass Mann die nicht liebt ;)

Wobei für mich noch heute unverständlich ist, dass meiner Exfrau Dinge an mir persönlich störten, die mich nicht störten, aber mich an ihr selbst nie etwas gestört hat - ist das weiblich?
Dass ich beim Sitzen auf meinem Fuß sitze; meine schlechte Haltung; mein rasches Essen; Lesen bei schlechtem Licht; ...

... und wenn ich gesagt habe, ich fühle mich so wohl, dann hat sie das an Kritik aufgefasst???
 
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  • #9
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Löwefrau:
Ich bin da ziemlich anderes gestrickt.
Leben und Leben lassen. Ich mache keine Vorschriften (außer die WC Benutzung...*grins*)
Aber ein paar Krümel auf dem Boden stören mich (am Anfang ) nicht.
Und das ist mein Problem...ich kann sehr schlecht Grenzen bei diesen Dingen setzen.

Und das geht dann so lange, bis ich es wirklich nicht mehr ertrage.....weil ich vorher immer hoffe, das gibt sich von allein.....

Ich arbeite dran, deswegen finde ich diesen Thread hier gut.
Meine Frage dazu: Wie sagt oder fordert etwas? Etwas, was Euch nervt oder eine Handlungsänderung?
Und Ihr Männer: Wie ist es am wenigsten kränkend...
Sagen sollte man es sofort - fordern erst dann, wenn man wirklich für sich weiß, dass es auf Dauer nicht tragbar ist. Wenn du sehr früh schon Bescheid gibst, bist du emotional auch noch nicht so arg "verstrickt", hast es noch nicht tausend Mal zerdacht und so kommt es viel entspannter rüber.

Wie ich es mir von meiner Partnerin wünsche:
- Konkret: Was konkret fand man denn doof? Keine Verallgemeinerungen mit "Du bist immer so unordentlich." *g*
- Zeitnah: Nicht sowas wie "Von Anfang an fegst du mir nun schon diese verdammten Brotkrümel auf den Teppich!" - Achtung: Zeitnah bedeutet nicht, dass man es dann sagen sollte, wenn die Emotionen gerade hochkochen. Manchmal lohnt sich eine kurze Pause vorher.
- Ich-Botschaften: Es sind IMMER persönliche "Macken" - egal wie vernünftig sie einem selbst erscheinen - daher nicht als ultimative Wahrheit ansehen (siehe das Beispiel mit dem BioFood da oben).

Alternativ kannst du es doch auch gut mit Humor probieren, z.B. bei den Brotkrümeln: Einfach geschockt mit offenem Mund auf die Stelle gucken und mit dem Finger draufzeigen.
Variante A: Ihm liegt was an dir und er ist total irritiert... und entschuldigt sich mehrmals, nachdem du ihm erklärt hast, dass du das nicht magst.
Variante B: Er sagt dir, dass du dich nicht so haben sollst - und darf daraufhin die Haustür von außen schließen. *g*

Letztlich musst du aber auch schauen, was du für einen Partner willst. Es gibt ja auch ganz viele Menschen, die es eher plump und direkt wollen... andere wollen es sanft per ICH-Botschaft... und andere wiederum nur mit Humor. Kränkend wird es letztlich nur, wenn man sich selbst über den anderen stellt.

btw: Wieso sollte es nur für Männer kränkend sein? ;)
 
L

Löwefrau_geloescht

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  • #10
AW: Bei aller Liebe...

Mein Exmann saß wie ein bauer am Tisch und schaufelte das Essen in sich hinein.
Ein liebevoll gekochtes Fünf Gänge Menü. Da bin ich auch schon mal dran verzweifelt.

Ich fühlte meine Leistung nicht anerkannt und es hat mich wütend gemacht.
Ich fand es respektlos wenn er sich so hat gehen lassen bei Tisch.
 

iceage

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  • #11
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Löwefrau:
Mein Exmann saß wie ein bauer am Tisch und schaufelte das Essen in sich hinein.
Ein liebevoll gekochtes Fünf Gänge Menü. Da bin ich auch schon mal dran verzweifelt.

Ich fühlte meine Leistung nicht anerkannt und es hat mich wütend gemacht.
Ich fand es respektlos wenn er sich so hat gehen lassen bei Tisch.

Shrek & Fiona :))))))))))))))
 

anka

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  • #13
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Löwefrau:
Mein Exmann saß wie ein bauer am Tisch und schaufelte das Essen in sich hinein.
Ein liebevoll gekochtes Fünf Gänge Menü. Da bin ich auch schon mal dran verzweifelt.

Ich fühlte meine Leistung nicht anerkannt und es hat mich wütend gemacht.
Ich fand es respektlos wenn er sich so hat gehen lassen bei Tisch.

Das ist es doch!

Wenn die Werte so völlig auseinandergehen, dann wird`s kniffelig. Ich bin selbst auch eine Genießerin, mache es beim Essen gerne schön, lasse mir Zeit und mag es, beim und nach dem Essen gemütlich zusammen zu sitzen. Wenn der Andere dem gar keine Bedeutung beimisst, würde mich das schon stören. Dinge, die mir wichtig sind/ eigene Prioritäten möchte ich - im Großen und Ganzen - teilen können mit meinem Partner.

Nicht stören würden mich einzelne "kleine Tics", was der andere mag oder nicht mag und welche Einkaufsgewohnheiten er hat.

Ich habe mal einen Mann ennengelernt, der war fanatischer Vegetarier. Recht am Anfang wollten wir uns nach einem Tag am See in der nahegelegenen Dönerbude einen Imbiss kaufen. Es scheiterte seinerseits daran, dass die vegetarischen Frikadellen auf dem Teller neben den normalen Friadellen lagen und er auch keine Pommes essen konnte, aus Angst, es sei möglicherweise eine Frikadelle im gleichen Fett erhitzt worden... Wie sich schnell zeigte, wirkte sich dieser rigide Fanatismus auch auf andere Lebensbereiche aus und war recht typisch für seine Persönlichkeit... Und tschüss!
 
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  • #14
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von anka:
Das ist es doch!

Wenn die Werte so völlig auseinandergehen, dann wird`s kniffelig. Ich bin selbst auch eine Genießerin, mache es beim Essen gerne schön, lasse mir Zeit und mag es, beim und nach dem Essen gemütlich zusammen zu sitzen. Wenn der Andere dem gar keine Bedeutung beimisst, würde mich das schon stören. Dinge, die mir wichtig sind/ eigene Prioritäten möchte ich - im Großen und Ganzen - teilen können mit meinem Partner.

Nicht stören würden mich einzelne "kleine Tics", was der andere mag oder nicht mag und welche Einkaufsgewohnheiten er hat.

Ich habe mal einen Mann ennengelernt, der war fanatischer Vegetarier. Recht am Anfang wollten wir uns nach einem Tag am See in der nahegelegenen Dönerbude einen Imbiss kaufen. Es scheiterte seinerseits daran, dass die vegetarischen Frikadellen auf dem Teller neben den normalen Friadellen lagen und er auch keine Pommes essen konnte, aus Angst, es sei möglicherweise eine Frikadelle im gleichen Fett erhitzt worden... Wie sich schnell zeigte, wirkte sich dieser rigide Fanatismus auch auf andere Lebensbereiche aus und war recht typisch für seine Persönlichkeit... Und tschüss!

Hab vielen Dank für Deine lebensnahe Schilderung. Ich würde sein Verhalten ebenfalls "fanatisch" nennen, und meine Geduld fände sich auf eine harte Probe gestellt.

Mir gefällt, dass die traditionellen Rollenklischees hier im PS-Forum aufbrechen, dass sich also keineswegs nur Männer über die Zumutungen in einem vegetarischen Haushalt verbreiten.

Was ist eigentlich schwerer zu ertragen: Gedankenlosigkeit, zum Beispiel im Hinblick auf Ernährungs- oder Umweltfragen oder übertrieber Fanatismus?

Womit habt Ihr eher ein Problem: mit Interesselosigkeit und stumpfem Abhängen vor der Glotze oder mit bedingungsloser Hingabe an ein Hobby, sei es nun Ausdruckstanz, Flugmodellbau oder exzessives Ultraman-Training?
 

anaj

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  • #15
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von weltenbummler:
Mir gefällt, dass die traditionellen Rollenklischees hier im PS-Forum aufbrechen, dass sich also keineswegs nur Männer über die Zumutungen in einem vegetarischen Haushalt verbreiten.

Womit habt Ihr eher ein Problem: mit Interesselosigkeit und stumpfem Abhängen vor der Glotze oder mit bedingungsloser Hingabe an ein Hobby, sei es nun Ausdruckstanz, Flugmodellbau oder exzessives Ultraman-Training?

Ich hätte eher mit dem ständigen stumpfen Abhängen vor der Glotze und mit Interessenlosigkeit ein Problem. Für irgendetwas sollte man sich schon begeistern können.

Mir wäre es daher sogar viel lieber, wenn er ein Hobby hat. Für sein Hobby könnte ich mich vielleicht auch begeistern (vielleicht interessiert es mich schon längst, aber bisher fehlte mir der Zugang) und dann könnte man das vielleicht auch zusammen (er)leben. Aber selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann wäre es doch schön, dass er einen Ausgleich zum Alltag hat. Das tut sicherlich allen gut und auch ich hätte Zeit, meinen Interessen ohne Gewissensbisse nachzugehen.
 

Polly

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  • #16
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von iceage:
Dass ich beim Sitzen auf meinem Fuß sitze; meine schlechte Haltung; mein rasches Essen; Lesen bei schlechtem Licht; ...

... und wenn ich gesagt habe, ich fühle mich so wohl, dann hat sie das an Kritik aufgefasst???

Oh jeh.... kann es sein, dass das nur vorgeschoben war? Das waren wohl die Ersatzthemen für x und y. Es ging um was ganz anderes. Und wenn du dann gesagt hättest:"Schatz - wenn es Kosenamen gab -, ich hab dich lieb." Ohne Unterton.
 

Polly

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  • #18
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von weltenbummler:
Womit habt Ihr eher ein Problem: mit Interesselosigkeit und stumpfem Abhängen vor der Glotze oder mit bedingungsloser Hingabe an ein Hobby, sei es nun Ausdruckstanz, Flugmodellbau oder exzessives Ultraman-Training?

Gibt es da noch was dazwischen? Ich mag aufgeweckte Menschen. Hobby mit Hingabe ist gut. Zeitlich wünsche ich mir da eine Begrenzung auf einen Abend in der Woche. Da kommen ja erfahrungsgemäß noch Wochenendtermine dazu. Ich mache z. B. aktuell für 1/2 Jahr ein Chorprojekt mit. Und es sind mir schon zu viele Termine. Wenn es dann noch ein regelmäßiges Hobby gibt, sind schon 2 Abende belegt. Wenn es jetzt noch unterschiedliche Abende für beide sind.... es sollte in der Balance bleiben. Denn so viel gemeinsame Zeit bleibt nach den Alltag's to do's wie Arbeit, einkaufen, Haushalt ect. ja nicht mehr.
 

faraway

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  • #19
AW: Bei aller Liebe...

Eigentlich ging es mir hier spontan um Dinge, die man selber nicht rationalisieren kann.
Meine Abscheu gegen Butter und Milch kann ich nicht wirklich vernünftig erklären. Ein anderer kann nicht erklären, warum er beim Anblick einer Maus auf den Tisch springt und brüllt wie am Spiess.
Klar gibt es alle möglichen Dinge, die wir nicht aushalten (können/wollen) (heyhey...diese Liste lass ich besser noch im Archiv) , die klassischen Scheidungsgründe....

und, ja ich find es sehr interessant, eure Meinungen zu hören, wie man mit alledem umgeht.
Was tu ich, wenn ich nämlich trotz pink cloud schon rot sehe, wie der Stier in der Arena?
Lappalie?
Sandkorn im liebenden Auge?
Egoismus? Intoleranz? Fanatismus?
Alles andere ist paletti, ABER....?

Wenn er mich nur lieben kann, wenn ich Milch trinke, MUSS ich nein sagen. Das geht ganz einfach nicht... und er darf ja, allerdings besser nicht direkt vor mir, wie gesagt.
DAS war im Grunde genommen noch nie ein wirkliches Problem. Dass ich mich nicht hinter ein Lenkrad setze, war allerdings schon mehrmals sehr traumatisch; das will keiner kapieren. da wollen sie mich alle umerziehen.

Tja
 

iceage

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  • #20
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Polly:
Oh jeh.... kann es sein, dass das nur vorgeschoben war? Das waren wohl die Ersatzthemen für x und y. Es ging um was ganz anderes. Und wenn du dann gesagt hättest:"Schatz - wenn es Kosenamen gab -, ich hab dich lieb." Ohne Unterton.

na, wenn ich jetzt Sonntagsfrüh das Frühstück gemacht, die Zeitung und frisches Gebäck vom Bäcker gebholt habe, und dann zärtlich meine Frau wachgeküsst habe und als sie dann auch raus aus dem Bett kam und mich beim Tisch (am Fuß sitzend) sah, kam als Begrüßung "kannst du dich nicht einmal normal hinsetzen", dann war bei allem Verständnis für "Beziehungsführung" kein Verständnis für sie da, und ich nahm mit der Zeit solche Aussagen als tiefe Kritik an meinem Ich.

Vielleicht auch deshalb, weil ich so überhaupt nicht nachvollziehen konnte, warum solche oder ähnliche "Charakterhandicaps" von einer anderen Person persönlich genommen werden können.

Als dann im Rahmen unserer Paartheraphie herauskam, dass nicht ich ein "Handicap" habe, sondern meine liebe Frau, war aber selbst ich überrascht, denn bei allem Selbstbewusstsein, irgendwo, wenn dir das ununterbrochen eingehämmert wird, kommt trotzdem schlechtes Gewissen dafür auf ...
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Laou

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  • #21
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von faraway:
Wenn er mich nur lieben kann, wenn ich Milch trinke, MUSS ich nein sagen. Das geht ganz einfach nicht... und er darf ja, allerdings besser nicht direkt vor mir, wie gesagt.
DAS war im Grunde genommen noch nie ein wirkliches Problem.

Ich finde, die Geschichte von anka und die Reaktion von weltenbummler zeigt jedoch, dass es durchaus Leute gibt, die irrationale kulinarische Abneigungen nicht akzeptieren können und sie sogar als Zeichen für eine tiefergehende psychische Abnormität werten. Wer Ekel vor Fleisch nicht toleriert würde sicherlich deinen Ekel vor Milch und Butter nicht hinnehmen.

Ich habe allerdings wie du auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen in dieser Beziehung sehr rücksichtsvoll sein können. Ich habe eine extreme Abneigung gegen ein bestimmtes Gemüse, ich finde den Geruch bereits widerlich. Mein Mann hat damit kein Problem und meine Mitbewohnerin zu Studienzeiten hat das Gemüse sogar nur gegessen, wenn ich nicht da war. (Soviel Rücksichtsnahme würde ich natürlich nicht verlangen!)
Meine Eltern sind aber leider mehr der Typ anka/weltenbummler: Da musste ich mir jahrelang anhören wie das Gemüse doch so gesund sei und auch prima schmecken würde und überhaupt, ich solle mich nicht so anstellen. Das nervt natürlich, trainiert jedoch
die Durchzugsklappen zwischen den Ohren.
 

iceage

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  • #22
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Laou:
Ich finde, die Geschichte von anka und die Reaktion von weltenbummler zeigt jedoch, dass es durchaus Leute gibt, die irrationale kulinarische Abneigungen nicht akzeptieren können und sie sogar als Zeichen für eine tiefergehende psychische Abnormität werten. Wer Ekel vor Fleisch nicht toleriert würde sicherlich deinen Ekel vor Milch und Butter nicht hinnehmen.

Ich habe allerdings wie du auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen in dieser Beziehung sehr rücksichtsvoll sein können. Ich habe eine extreme Abneigung gegen ein bestimmtes Gemüse, ich finde den Geruch bereits widerlich. Mein Mann hat damit kein Problem und meine Mitbewohnerin zu Studienzeiten hat das Gemüse sogar nur gegessen, wenn ich nicht da war. (Soviel Rücksichtsnahme würde ich natürlich nicht verlangen!)
Meine Eltern sind aber leider mehr der Typ anka/weltenbummler: Da musste ich mir jahrelang anhören wie das Gemüse doch so gesund sei und auch prima schmecken würde und überhaupt, ich solle mich nicht so anstellen. Das nervt natürlich, trainiert jedoch
die Durchzugsklappen zwischen den Ohren.

Tomaten?
 

anaj

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  • #23
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Laou:
Ich finde, die Geschichte von anka und die Reaktion von weltenbummler zeigt jedoch, dass es durchaus Leute gibt, die irrationale kulinarische Abneigungen nicht akzeptieren können und sie sogar als Zeichen für eine tiefergehende psychische Abnormität werten. Wer Ekel vor Fleisch nicht toleriert würde sicherlich deinen Ekel vor Milch und Butter nicht hinnehmen.

Ich habe allerdings wie du auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen in dieser Beziehung sehr rücksichtsvoll sein können.

Ich habe Eintraeg von anka und weltenbummler gar nicht so aufgefasst wie Du. Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass sie kulinarische Abneigungen nicht tolerieren koennten und damit nicht ruecksichtvoll umgehen koennten. Anka hat von ihrer Efahrung berichtet und das ist doch voellig ok.

Im Laufe der Zeit haben wir alle kulinarische Vorlieben entwickelt. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der nicht irgendwelche Abneigungen gegen gewisse Lebensmittel oder Produkte hat - sei es Milch, Honig, Fisch, Knoblauch, Tomaten, Kaffee, Weissbrot oder sonstwas. Dennoch ist das meistens kein Problem, weil alle damit ruecksichtsvoll umgehen. Probleme gibt es oft nur dann, wenn es extrem ausartet. Aber auch hier hat jeder eine andere Grenzen. Bei mir hat es diesbezueglich immer bestens geklappt.

Ich mag gwisse Sachen auch nicht. Auch wenn ich mir dann hin und wieder anhoeren kann, dass ich es doch mal probieren sollte, stoert mich das nicht, wenn es aus dem Freundes- und Familienkreis kommt. Wenn Aussenstehende sich anmassen, mir zu sagen was ich essen soll / darf, dann kann ich das ueberhaupt nicht leiden. Aber um Diskussionen zu vermeiden, habe ich mir angewoehnt dann einfach zu sagen, dass ich z.B. auf Curry allergisch reagiere. Somit sind dann alle zufrieden.

Ich finde allerdings, dass es oft einen grossen Unterschied macht, ob jemand nur bestimmte Sachen (wie z.B. Honig, Milch, Tomaten, Gurken oder Nuesse) nicht isst oder ob jemand Vegetarier ist. Denn viele Vegetarier fassen Vegetarismus auch als alternative Lebensweise auf. Mit dieser Lebensweise habe ich nichts am Hut und das wird sich auch nicht mehr aendern. Hier ist meine Schmerzgrenze erreicht. Ich verzehre nicht viel Fleisch, aber ich moechte darauf weder verzichten, noch mich dafuer rechtfertigen muesssen.
 

Polly

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  • #24
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von iceage:
na, wenn ich jetzt Sonntagsfrüh das Frühstück gemacht, die Zeitung und frisches Gebäck vom Bäcker gebholt habe, und dann zärtlich meine Frau wachgeküsst habe und als sie dann auch raus aus dem Bett kam und mich beim Tisch (am Fuß sitzend) sah, kam als Begrüßung "kannst du dich nicht einmal normal hinsetzen", dann war bei allem Verständnis für "Beziehungsführung" kein Verständnis für sie da, und ich nahm mit der Zeit solche Aussagen als tiefe Kritik an meinem Ich.

Vielleicht auch deshalb, weil ich so überhaupt nicht nachvollziehen konnte, warum solche oder ähnliche "Charakterhandicaps" von einer anderen Person persönlich genommen werden können.

Als dann im Rahmen unserer Paartheraphie herauskam, dass nicht ich ein "Handicap" habe, sondern meine liebe Frau, war aber selbst ich überrascht, denn bei allem Selbstbewusstsein, irgendwo, wenn dir das ununterbrochen eingehämmert wird, kommt trotzdem schlechtes Gewissen dafür auf ...

Ach herrjehh... da hätte sie doch allen Grund gehabt zu sagen "Schatz, ich liebe dich. Danke." Ein Busserl und gemeinsam fröhlich in den Tag starten :)
Ich habe mal gelesen, jeden Tag als leeres Gefäß beginnen und sich füllen lassen. Abends klar Schiff machen und leicht dem nächsten Morgen entgegenschlafen.

Das klingt ziemlich angespannt. Hat sie ein Problem, 'Geschenke' annehmen zu können?
So eine Endlosschleife hat auch was davon, andere schlecht zu machen, um selber besser dazustehen. Vielleicht versteht sie sich auch selber nicht.
Schade, dass du es nicht bei ihr lassen konntest und es immer persönlicher genommen hast. Was auf so engem Raum natürlich eine Herausforderung darstellt. Mit Abstand ergibt das eine andere Sicht, so direkt mittendrin wachsen dann die Fragezeichenbäume.
 

iceage

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  • #25
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Polly:
Ach herrjehh... da hätte sie doch allen Grund gehabt zu sagen "Schatz, ich liebe dich. Danke." Ein Busserl und gemeinsam fröhlich in den Tag starten :)
Ich habe mal gelesen, jeden Tag als leeres Gefäß beginnen und sich füllen lassen. Abends klar Schiff machen und leicht dem nächsten Morgen entgegenschlafen.

Das klingt ziemlich angespannt. Hat sie ein Problem, 'Geschenke' annehmen zu können?
So eine Endlosschleife hat auch was davon, andere schlecht zu machen, um selber besser dazustehen. Vielleicht versteht sie sich auch selber nicht.
Schade, dass du es nicht bei ihr lassen konntest und es immer persönlicher genommen hast. Was auf so engem Raum natürlich eine Herausforderung darstellt. Mit Abstand ergibt das eine andere Sicht, so direkt mittendrin wachsen dann die Fragezeichenbäume.

Naja, das erzählt jetzt natürlich nur die Episode(n) aus meiner Geschichte - natürlich kommt das nicht aus natürlicher Bosartigkeit, sondern aus jahrelanger Enttäuschung, die zu Recht auf meinem Mist gewachsen war ...

Ich glaube auch, sollte meine Ex-Frau hier ihre Geschichte schreiben, würden ich ihr auch zustimmen - was aber wiederum widerspiegelt, wie aussichtslos diese Beziehungskonflikte sind, weil jeder im Recht und gleichzeitig im Unrecht ist ...
 

Laou

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  • #26
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von iceage:

Okra :) Hier zum zum Glück nicht sehr verbreitet. (Ich komme ursprünglich aus Südosteuropa...)

Zitat von anaj:
Ich habe Eintraeg von anka und weltenbummler gar nicht so aufgefasst wie Du. Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass sie kulinarische Abneigungen nicht tolerieren koennten und damit nicht ruecksichtvoll umgehen koennten. Anka hat von ihrer Efahrung berichtet und das ist doch voellig ok.

Mir schien, als hätten beide die ganz persönliche Essensentscheidung eines Mannes als "fanatisch" bezeichnet, obwohl sie diese Entscheidung gar nicht betrifft und der Mann auch nicht missioniert hat. anka schien das Essensverhalten des Mannes auch pathologisch zu sehen.

Ich bin zwar kein Vegetarier, aber ich esse seit fast 20 Jahren kein Fleisch. Auch ich möchte mich dafür nicht rechtfertigen müssen, genauso wenig wie dass ich Okra nicht esse oder dass mir Bier nicht schmeckt. Ich missioniere auch nicht, weil mir ziemlich egal ist, was andere Leute essen.
Falls jemand meine ganz persönliche Entscheidung, irgendetwas zu essen oder nicht zu essen bereits als Affront sieht (und mir scheint, du siehst es bereits als Anklage gegen dich, wenn jemand Vegetarier ist), tut mir das leid. (Das meine ich nicht sarkastisch.) Ich möchte aber nicht anfangen, Fleisch zu essen, nur damit sich andere Leute besser fühlen.
 
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  • #27
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von anaj:
Ich habe Eintraeg von anka und weltenbummler gar nicht so aufgefasst wie Du. Ich habe nicht den Eindruck gewonnen, dass sie kulinarische Abneigungen nicht tolerieren koennten und damit nicht ruecksichtvoll umgehen koennten. Anka hat von ihrer Efahrung berichtet und das ist doch voellig ok.

Danke, liebe anaj, für Deinen freundlichen Beistand. Das enthebt mich der Notwendigkeit, eine lange Mail zur Klarstellung zu verfassen, denn ich lerne aus Deinem Beitrag, dass man anka und mich durchaus so verstehen kann, wie ich es gemeint hatte.

Ich bin mir jedoch der Tatsache bewusst, dass es zum Wesen der von mir angesprochenen "fanatischen Züge" gehört, Andersdenkende gar nicht verstehen zu wollen. Jeder Versuch zu differenzieren wird als Relativismus verschrieen. In diesen Fällen erübrigt sich für mich die Diskussion. Zum Glück sind sie selten, und ich bin optimistisch, dass es sich hier in diesem Thread wirklich nur um ein Missverständnis handelte.

Wenn ich nämlich davon spreche, dass meine Geduld auf eine "harte Probe" gestellt wird, verbinde ich ja damit die Aussage, Geduld durchaus aufbringen zu wollen. Dies ist aber halt nicht so einfach, und es wird umso schwieriger, je mehr jemandes Eifer missionarische Züge annimmt.

Verzeih die anekdotische Betrachtungsweise, aber am Beispiel meiner eigenen Abneigung gegen Fisch kann ich mich vielleicht besser verständlich machen: Im Restaurant oder in der Kantine, wo Fisch vorzugsweise als Filet oder im Salat serviert wird, würde der Inhalt Deines Tellers von mir kaum zur Kenntnis genommen. Auf Deine Frage, ob ich denn mal probieren möchte, bekämst Du entweder die Standardantwort, ich sei gegen die Überfischung der Weltmeere (was natürlich ebenso vorgeschoben ist wie die Alternativantwort: "Ich mag keinen Fisch, nicht mal im Aquarium") oder eine längere Geschichte, die davon handelt, dass ich einmal im Jahr eine Fischmarkthalle an der Atlantikküste besuche, um meine Toleranzgrenzen gegenüber den dort auftretenden olfaktorischen, visuellen und akustischen Reizen auszuloten (das ist für mich tatsächlich wie Geisterbahn zu fahren). Einmal im Jahr probiere ich's dann sogar, ein kleines Stückchen (von den harmlosen Varianten) zu essen. Im Flugzeug, wo die Geschmacksnerven im Schongang arbeiten, klappt es mit dem Probieren sogar häufiger (ich erwähne dies zum Beleg dafür, dass ich zum Glück nicht allergisch reagiere).

Wo ich Deine Geduld jedoch meinerseits auf eine harte Probe stellen würde, wäre mein Esszimmer oder mein Büro, wo ich selbst bei Minusgraden die Fenster aufreißen würde und unmissverständlich mit der Hand wedeln würde, wenn Du Dir in aller Unschuld oder in voller Kenntnis meiner Geruchsempfindlichkeit eine Fischdose öffnen würdest. Dann fühlte ich mich wie faraway in der Milchbar, dann würde ich gern die Flucht ergreifen und dann kann ich es auch nicht unterlassen, Dich - nicht immer subtil - auf meine Abneigung hinzuweisen.
 

Polly

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  • #28
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von iceage:
Naja, das erzählt jetzt natürlich nur die Episode(n) aus meiner Geschichte - natürlich kommt das nicht aus natürlicher Bosartigkeit, sondern aus jahrelanger Enttäuschung, die zu Recht auf meinem Mist gewachsen war ...

Ich glaube auch, sollte meine Ex-Frau hier ihre Geschichte schreiben, würden ich ihr auch zustimmen - was aber wiederum widerspiegelt, wie aussichtslos diese Beziehungskonflikte sind, weil jeder im Recht und gleichzeitig im Unrecht ist ...

Recht haben wollen ist auch ordentliche Hausnummer. Jeder kann aber erst mal nur so wie er kann. Sich selber mal zuzuhören, kann erkenntnisreich sein.
Meinst du, Ihr hättet also schon viel früher mit einem Profi reden sollen? Ich habe da im Hinterkopf noch die Duftgeschichte....

Das hat dich, glaube ich, alles ganz schön aus den Angeln gehoben. Ich hoffe, du kannst damit Frieden schließen. Und ich kann verstehen, dass du zur Zeit eher dem Spatz in der Hand als wie die Taube auf dem Dach was abgewinnen kannst. Wobei der Spatz nicht schlechter sein muss als wie die Taube. Du bist aber für kleine Glücksdosen schon dankbar und genießt :)
 
W

winzling_geloescht

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  • #29
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von Laou:
Ich habe eine extreme Abneigung gegen ein bestimmtes Gemüse, ich finde den Geruch bereits widerlich.

Ich esse eigentlich nur nach Geruch, darum kann ich dich da besonders gut verstehen. Ganz schlimm finde ich den Geruch von altem Fett, wenn man an so Pommesbuden oder auch Küchenlüftungen vorbeiläuft. Wahrscheinlich essen da nur die ganz Harten was.

Aus der deutschen Küche ess ich alles, wenn es frisch zubereitet ist. Rosenkohl ist nicht der Hit, aber da ist kein Ekel oder so. Würde der Mann meines Herzens also mich damit überraschen, wär der Rosenkohl total lecker, zumindest für diesen Augenblick.

Schwerer tu ich mich mit Augen, Hoden, Insekten/Larven, wobei gerade Letzteres zunehmend ja auch in Deutschland Verbreitung findet. Vielleicht schwenken die Rinderzüchter irgendwann auf Insekten um, wer weiß. Ich geh davon aus, dass es ähnlich wie mit Sushi laufen wird und Sushi ess ich - wie viele andere auch - sehr gern mal.

Also Schafsaugen, das bring ich nicht :-D
 

anka

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  • #30
AW: Bei aller Liebe...

Zitat von weltenbummler:
Was ist eigentlich schwerer zu ertragen: Gedankenlosigkeit, zum Beispiel im Hinblick auf Ernährungs- oder Umweltfragen oder übertrieber Fanatismus?

Beides schreckt mich ab, wenn es ins Extreme geht. Was mich allerdings noch mehr stört, ist die Doppelmoral, die sich bei manchem so findet.

Dazu fällt mir gleich wieder ein Bsp. ein: Ein Mann empörte sich, als wir erstmalig gemeinsam bei mir kochten, darüber, dass ich meinen Müll lediglich nach Glas - Papier - Grünem Punkt und Restmüll trennte. Ich hatte gar keinen separaten Biomüll. Das ging ja gar nicht!

Einige Zeit später mein erster Besuch bei ihm, ein gemeinsames Frühstück. Er hatte für alles insgesamt nur einen großen Müllsack. Darauf angesprochen kam die Antwort, er würde als Einzelperson ja nicht so viel Müll erzeugen...

Wir führen beide einen 1-Personen-Haushalt.

Zitat von weltenbummler:
Womit habt Ihr eher ein Problem: mit Interesselosigkeit und stumpfem Abhängen vor der Glotze oder mit bedingungsloser Hingabe an ein Hobby, sei es nun Ausdruckstanz, Flugmodellbau oder exzessives Ultraman-Training?

Auch hier gilt für mich: Wenn`s ins Extreme geht, kommt beides nicht in Frage.

Ich habe mir angewöhnt, Männer mit diversen/ breitgestreuten Interessen zu bevorzugen. So bin ich auch "gestrickt" und seit ich darauf achte konnte ich die beiden obigen Extreme bislang sicher umgehen.