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  • #1

Bedürfnisse, Druck und Ehrlichkeit

Ich treffe mich seit Anfang des Jahres mit einem Mann - vermutlich eher eine "Affäre" als das, was man gemeinhin Beziehung nennt. Wir verstehen uns gut, aber er hat ausreichend berufliche und private Baustellen und häufig äußert er, es sei ihm alles "zu viel". Rund um Treffen hatten wir letzte Woche eine größere Auseinandersetzung, weil ich eine Verabredung alle zwei/drei Wochen eher wenig finde - es geht da um einen Abend und eine Nacht, nicht um einen Kurzurlaub -, ihn aber mein Wunsch unter Druck setzte, er könne die Rahmenbedingungen ja nicht ändern. Nun gut. Ich nehme das hin, aber der Gedanke, dass ich "zu viel" bin, gefällt mir nicht (wobei er das für eine falsche Selbstwahrnehmung meinerseits hält).
Nun stelle ich fest, dass mir auch die Kommunikation "zu wenig" ist. Das liegt ganz eindeutig an mir - wir unterhalten uns eigentlich jeden Abend mindestens eine halbe Stunde, also objektiv gesehen ist das vermutlich sehr viel. Ich liebe es aber, wenn mich interessante, liebevolle, persönliche Botschaften durch den Tag begleiten. Und ich habe alte und neue Kontakte, die das gerne tun. Ich kann das also alles so laufen lassen und mit anderen Männern "flirten". Oder ich kann meine Bedürfnisse offen aussprechen, er wird sie kaum erfüllen können (weil er so ist, wie er ist) und damit noch "mehr Druck" machen.

Das Dilemma ist klar und lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: Wo spricht man seine Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen aus und formuliert auch deutlich ihre Dringlichkeit, um dem anderen die Chance zu geben, sie zu erfüllen. Und wo lässt man es besser bleiben - mit der immensen Gefahr, dass man sich innerlich verabschiedet und dann doch unbewusst auf die Suche nach etwas "Besserem" macht".

Geheimrezept???
 
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  • #2
Wo spricht man seine Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen aus und formuliert auch deutlich ihre Dringlichkeit, um dem anderen die Chance zu geben, sie zu erfüllen. Und wo lässt man es besser bleiben - mit der immensen Gefahr, dass man sich innerlich verabschiedet und dann doch unbewusst auf die Suche nach etwas "Besserem" macht".
Du gibst dir die Antwort quasi eh selber.
Ich finde gerade in einer Partnerschaft dürften Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen nicht hinten an stehen.
Es ist doch die einzige Möglichkeit sich seinem Gegenüber auszudrücken und ihm/ihr die Chance zu geben auch darauf zu reagieren.
Dies sollte natürlich in einem angemessenen Ton ohne Vorwürfe von statten gehen.

Wie du selbst auch schon geschrieben hast... "Und wo lässt man es besser bleiben - mit der immensen Gefahr, dass man sich innerlich verabschiedet und dann doch unbewusst auf die Suche nach etwas "Besserem" macht" ... in einer Partnerschaft, sofern man es auch ernst meint, gibt es kein ... wie sagt man ... Tabu für den richtigen Zeitpunkt.
Dann wenn es einen am Herzen liegt darüber zu sprechen, dann sollte das auch angesprochen werden. Das selbe gilt dann natürlich auch für den "Gegenpart".

Meine subjektive Meinung zu ihm ist eher so, dass es dich auf Distanz halten will.
Welche Gründe er hierfür auch immer hat, das solltet ihr beide unter 4 Augen klären, denke, bei diesem Gespräch wird sich auch einiges offenbaren für dich und deine weitere Zukunft mit diesem Mann.

lg
SeTi
 
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  • #4
Meine subjektive Meinung zu ihm ist eher so, dass es dich auf Distanz halten will.
Welche Gründe er hierfür auch immer hat, das solltet ihr beide unter 4 Augen klären, denke, bei diesem Gespräch wird sich auch einiges offenbaren für dich und deine weitere Zukunft mit diesem Mann.
Meine subjektive Meinung ist auch, dass er mich auf Distanz halten will - aber er bestreitet das sehr vehement. Und ich kenne ihn zu wenig, um das zu beurteilen. An eine "gemeinsame Zukunft" glaube ich eh nicht. Vielleicht bin ich deswegen so unsicher, ob ich wieder etwas sagen soll - oder es halt hinnehmen.
 
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  • #6
Nun stelle ich fest, dass mir auch die Kommunikation "zu wenig" ist. Das liegt ganz eindeutig an mir - wir unterhalten uns eigentlich jeden Abend mindestens eine halbe Stunde, also objektiv gesehen ist das vermutlich sehr viel. Ich liebe es aber, wenn mich interessante, liebevolle, persönliche Botschaften durch den Tag begleiten.
Kann da nicht für alle Männer sprechen, aber die, die ich kenne - mich eingeschlossen - finden tägliche Telefonate, die eine halbe Stunde dauern, ziemlich anstrengend. Dann soll man auch noch permanent whatsappen. Mir wäre das echt zu viel. Schickst Du ihm denn auch diese Botschaften, oder soll das alles von ihm kommen?
 
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  • #7
Ich finde, es gibt in Gefühlsdingen gar keine Klarheit. Keine Regeln.
Ich hänge zB an diesem Nähe-Distanz-Thema.
Wahrscheinlich könnte ich mich nie in eine permanent verfügbare Person verlieben.
Also: entweder Single bleiben oder an mir arbeiten und zusehen, was will ich aushandeln und was kann ich akzeptieren und was muss ich vielleicht sogar so akzeptieren, weil der Andere eben nicht die Marionette meiner Kontrollbedürfnisse ist? Und kann ich dabei ich bleiben und glücklich sein? Wenn es gelingt: heaven.
Wenn nicht: war für mich zumindest noch einen Versuch wert.
Vielleicht auch für dich?
 
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  • #9
Bei deinem Thread musste ich an eine Aussage, eher Spruch denken, den ich mit Freundinnen immer wieder gegenseitig ausgetauscht haben. "Beim MC Donald gibt es keine Spaghetti" (vielleicht ist das ja heute anderes :) ).
Egal, was du sagst oder machst, ob du argumentierst, deine Wünsch und Bedürfnisse artikulierst und begründest, schreist oder bettelst, du bekommst keine Spaghetti beim MC Donald.
Ich bin ganz bei @*Andrea* , geniesse was zur Auswahl steht ;)
 
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  • #10
@Rakkaus
Für mich klingt das nach dem Muster Bindungsangst und eigentliche Unfreiheit (Baustellen, die er hat!):
deine Wünsche nach mehr Nähe werden nicht viel bringen, sondern ihn eher noch mehr die Distanz suchen lassen.
Das ist leider meine Erfahrung.
 
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  • #11
@Rakkaus
Für mich klingt das nach dem Muster Bindungsangst und eigentliche Unfreiheit (Baustellen, die er hat!):
deine Wünsche nach mehr Nähe werden nicht viel bringen, sondern ihn eher noch mehr die Distanz suchen lassen.
Das ist leider meine Erfahrung.
Dass dieser Mensch nicht frei ist, habe ich verstanden. Aber ich bin auch nicht "frei", insofern schreckt mich das weniger. Ich teile aber deine Meinung, dass Ehrlichkeit an dieser stelle zu mehr Distanz führt. Mir tut das nur so leid - ich war bislang hemmungslos ehrlich mit ihm, und mir ging es damit gut. Ich glaube, ihm auch...
 
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  • #12
Dann versuch es mal mit Geduld, ich weiß, das ist auch nicht meine Stärke. Im Moment versuch ich mich auch darin zu üben, vielleicht lohnt es sich ja
 
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  • #13
Ich treffe mich seit Anfang des Jahres mit einem Mann...
Baustellen hat jeder. Wie sie verabeitet sind, ist wichtig. Wenn der Mann von sich aus dich nur alle zwei/drei Wochen sehen möchte, unter der Woche wegen Beruf/Privates keine Zeit für dich hat, die Entfernung nicht allzu groß ist ... ist in meinen Augen etwas faul! Zumal ihr ja fast täglich bis zu 30 Minuten telefoniert. Da kann Mann auch kurz mal auf einen Kaffee vorbei kommen.

Für mehrmals tägliche Kurz-Whatsapps habe ich auch keine Zeit. Diesen Punkt kann ich verstehen ...

Ich würde immer Offenheit und Ehrlichkeit zeigen. Alles macht imho wenig Sinn. Dein Text erweckt bei mir den Eindruck, dass ihr Beide über Eure Vorstellungen zur Beziehung recht wenig gesprochen habt. Eine Affäre möchtest Du nicht. Wenn Du sein Verhalten tolerierst, stimmst Du einer Affäre zu. Wohlgemerkt, wenn die Entfernung kurz ist und der erweckte Eindruck von mir stimmt.
 
M

MaryCandice

  • #15
Wenn der Mann von sich aus dich nur alle zwei/drei Wochen sehen möchte, unter der Woche wegen Beruf/Privates keine Zeit für dich hat, die Entfernung nicht allzu groß ist ... ist in meinen Augen etwas faul!
Es ist ja alles sooooo einfach, wie? Uns trennen nur 200m, sind fix zusammen und ja, ich weiß, wie sehr er mich liebt, aber manchmal geht ein, zwei Wochen nicht mal 30 Minuten Kaffee... außerdem, 30 Minuten Kaffee, wie fühlt sie sich wohl damit???? o_O