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  • #31
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von No_Kitty:
Schon wieder eine Gratwanderung zwischen offen sein und flexibel, aber auch die eigenen Bedürfnisse kennen - oder erkennen - und danach leben, bei diesen Grundbedürfnissen auch für sich achtsam sein und nicht davon lassen.
In der Tat. Die Kunst ist für sich zu erkennen wo die notwendige und gesunde Anpassung an sich ändernde Lebensumstände --- Partnschaft, andere berufliche Rolle, etc. --- endet und wo unsgesundes "Sich-für-andere-verbiegen" anfängt. Was macht mich als Menschen aus? Welche Dinge könnte ich auch ändern ohne wirklich "mich", meinen Kern, zu ändern? Und die noch viel größere Kunst ist dann, das anderen auch so zu vermitteln, klarwerden zu lassen, dass es Dinge gibt, für Außenstehende nicht selten kleine und als eher unbedeutend eingestufte Details, die schlicht nicht verhandelbar sind, weil sie, warum auch immer, Kernbestandteile der eigenen Selbstidentifikation sind. Und dass es mitunter andere, nach außen hin viel "größer" und wichtiger wirkende Dinge gibt, bei denen man sich im Zweifel ohne Probleme auf einen Kompromiss einlassen kann.

Der Witz ist, dass mangelnde Kompromissbereitschaft nicht selten darauf zurückzuführen ist, dass sich Menschen selbst nicht wirklich kennen. Wer nicht weiß, was ihn selbst ausmacht und was ggf. nur liebgewonnenes aber im Grunde auch verzichtbares Beiwerk ist, die oder der muss, um sich selbst nicht zu verlieren, schon fast zwangsweise jede Veränderung und jeden Kompromiss ablehnen, es könnte ja im Zweifel der eigene Kern betroffen sein. Kompromissbereitschaft setzt Selbstbewusstsein voraus, und das beinhaltet immer auch "Sich-seiner-selbst-bewusst-sein".


Eine Position zu haben, bedeutet ja nicht, dass man die Position des anderen nicht wertschätzen kann, dass beide Bestand haben können, das eine neue, gemeinsame Position auch gefunden werden kann..
Auch das ist ein wichtiger Punkt. Neben der Notwendigkeit zu Gemeinsamkeiten, zu gemeinsamen Wertevorstellungen oder gemeinsamen Lebenszielen, ist für eine Partnerschaft ganz sicher auch der Umgang mit den Unterschieden ähnlich wichtig. Ich muss mit meiner Partnerin nicht immer in allen Dingen einer Meinung sein, im Gegenteil, das wäre ja schon fast todlangweilig. Aber ich erwarte einen gewissen Respekt und eine gewisse Achtung für die jeweils andere Position. Und wenn das gegeben ist, dann finden sich für viele vermeintlich unüberwindbare Probleme ganz schnell Kompromisse mit denen beide gut leben können.
 
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  • #32
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von SineNomine:
..
Kompromissbereitschaft setzt Selbstbewusstsein voraus, und das beinhaltet immer auch "Sich-seiner-selbst-bewusst-sein".
....
Ich muss mit meiner Partnerin nicht immer in allen Dingen einer Meinung sein, im Gegenteil, das wäre ja schon fast todlangweilig. Aber ich erwarte einen gewissen Respekt und eine gewisse Achtung für die jeweils andere Position. Und wenn das gegeben ist, dann finden sich für viele vermeintlich unüberwindbare Probleme ganz schnell Kompromisse mit denen beide gut leben können.
Zu beiden Feststellungen von mir: Amen.

Introspektion und Gedankenakrobatik gehören wahrscheinlich zu den seltenen Sportarten, die hier so als Zeitvertreib angegeben werden...
 
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  • #33
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von SineNomine:
Der Witz ist, dass mangelnde Kompromissbereitschaft nicht selten darauf zurückzuführen ist, dass sich Menschen selbst nicht wirklich kennen. Wer nicht weiß, was ihn selbst ausmacht und was ggf. nur liebgewonnenes aber im Grunde auch verzichtbares Beiwerk ist, die oder der muss, um sich selbst nicht zu verlieren, schon fast zwangsweise jede Veränderung und jeden Kompromiss ablehnen, es könnte ja im Zweifel der eigene Kern betroffen sein.
Finde ich einen sehr guten und wichtigen Gedanken!

Zitat von SineNomine:
Aber ich erwarte einen gewissen Respekt und eine gewisse Achtung für die jeweils andere Position. Und wenn das gegeben ist, dann finden sich für viele vermeintlich unüberwindbare Probleme ganz schnell Kompromisse mit denen beide gut leben können.
Hm, worin könnte dieser Respekt und die Achtung bestehen? Also nicht nur die gegenüber der anderen Person, sondern die gerade gegenüber solchen ihrer Meinungen, die den eigenen widersprechen?
 
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  • #34
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von Heike:
Hm, worin könnte dieser Respekt und die Achtung bestehen?
Beispielsweise darin, dass ich mich ernsthaft mit solchen Meinugen auseinandersetze, Argumente wider meine oder für die Gegenposition ernsthaft prüfe und sie ggf. nochmals zusammen mit meiner Argumentation abwäge. Darin, dass diese Gegenposition und vor allem die Argumentation auf der sie beruht Teil meiner eigenen Meinungsbildung wird.

Es geht in Diskussionen oft gar nicht so sehr darum, welche Entscheidung am Ende getroffen wird, sondern auch und vor allem darum, dass sich alle Beteiligten mit ihrer jeweiligen Position und den zugehörigen Argumenten ernstgenommen fühlen.
 
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  • #35
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von Heike:
Hm, worin könnte dieser Respekt und die Achtung bestehen? Also nicht nur die gegenüber der anderen Person, sondern die gerade gegenüber solchen ihrer Meinungen, die den eigenen widersprechen?
Respekt kann schon darin bestehen, dass man sagt, dass, auch wenn man die Position nicht teilt, doch verstehen möchte, wie das Gegenüber dazu gekommen ist, Nachvollziehen als echten Wunsch, nicht als Ironie, verstehen wollen.
Ich kenne schon einige Menschen, die in ihrer Art schon sehr streitbar sind, und auch schon gerne mal in der Hitze der Diskussion über die Stränge schlagen, das geht mir auch so.

Aber, wenn ich nicht davon ausgehe, dass mein Gegenüber mich bewusst verletzen will, dann ist das schon was. Und bei den Positionen, die trotz beiderseitigem Versuch zu persönlich verletzend werden, ziehe ich mich zurück. Ich habe nichts davon recht zu behalten, Recht zu erstreiten, mich im Recht zu fühlen, wenn es so verletzend ist, muss dann aber auch nicht diese Diskussion fortführen. Und ich kann den Menschen, mit dem ich diese Auseinandersetzung habe, so lassen, wie er/sie ist. Ich muss diesen Menschen dann nicht schlecht machen, um mich besser zu fühlen.

Das ist mein Verständnis von Respekt und Achtung auch in der Auseinandersetzung....

Und manchmal sage ich auch: das ist doch alles bullshit, wenn ich nur mit dem Herzen diskutiere, und den Menschen so gut kenne (und er/sie mich auch), dass es Auslöser gibt, die alte Muster ablaufen lassen, ist aber nicht so oft.
 
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  • #36
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Respekt für den Partner und die Fähigkeit, das auch auszudrücken finde ich sehr wichtig. Ich hoffe, ich schweife jetzt nicht zu weit vom Originalthema ab, aber ich glaube, dass das Problem oft auch darin liegt, dass zwei Menschen nicht - oder zu wenig - miteinander reden. Ich habe das bei meinen Eltern erlebt, da gab es so gut wie nie Streit und laut wurde es schon gar nicht. Als Kind dachte ich natürlich, meine Eltern verstehen sich eben gut. Erst später habe ich gemerkt, dass es einfach um Vermeidung ging und die Probleme keineswegs gelöst sondern unterschwellig immer noch da waren. So habe ich auch nie eine gute Streitkultur gelernt und Auseinandersetzungen, vor allem wenn sie heftig sind, jagen mir Angst ein. Das hat auch mit einem Mangel an Selbstbewußtsein zu tun.

Hier kommt der Bogen zurück zu SineNomines klugen Beiträgen - ich finde auch, dass ein gesundes Selbstbewußtsein (kein übersteigertes Ego) und die Fähigkeit, miteinander über alles zu reden und auch mal zu streiten, für eine gute Partnerschaft immens wichtig sind.
 
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  • #37
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Das ist wirklich oft die Frage. Ich selbst bin durch meinen Beruf örtlich gebunden, und müsste einem Partner zumuten, sich nach mir richten, wenn denn das gemeinsame Wohnen verwirklicht werden sollte. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob es für mich darauf ankommt. Ich kann mir verschiedene Beziehungsmodelle vorstellen, mit gutem Willen von beiden Seiten sollte es möglich sein, für eine für beide passende Form zu finden, die Partnerschaft zu leben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, von einem potentiellen Partner zu verlangen/zu fordern, dass er zu mir zieht und sein bisheriges Umfeld (Beruf, Familie, Freunde...) quasi aufgibt. Wenn er es ermöglichen kann, schön, wenn nicht auch gut. (s.o.)
Viel wichtiger als die Frage nach dem Wohnen (darum ging es ja in der Ausgangsfrage) ist für mich der zweite Teil der Frage: "auf das Leben warten". Auch wenn ich es nicht gemerkt habe, war es in meiner letzten Partnerschaft doch wohl so, dass mir die Partnerschaft wichtiger war als ich mir selbst. Darum habe ich nicht m e i n Leben gelebt, sondern seins. Ich habe mich also unmerklich für mich im Vollzug verbogen und von mir und dem Leben entfernt. Ich fühle mich erst nach der Trennung wieder lebendig und schließe mich darum sine nomines Beitrag an. Ich bin aber überzeugt, dass es möglich ist, in einer Partnerschaft ein gemeinsames Leben zu finden und zu leben. Sonst wäre ich nicht hier ;-).

Else
 
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Wasserfee

  • #38
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von Heike:
Hm, worin könnte dieser Respekt und die Achtung bestehen? Also nicht nur die gegenüber der anderen Person, sondern die gerade gegenüber solchen ihrer Meinungen, die den eigenen widersprechen?
SineNomine hat es schon auf den Punkt gebracht. Ich bin - zugegeben - erstaunt, denn ich treffe im RL selten Männer meines Alters, die verstanden haben, worum es geht.

Ich lerne gerade, den anderen zu sehen. Ihm zu verstehen zu geben, dass ich ihn mit seinen Handlungen/seinen Bedürfnissen/seinen Gefühlen wahrnehme. Ihm - wenn notwendig - auch zu vermitteln, welches meine Bedürfnisse sind. Das ist für mich die Basis. Und dabei ist eines ganz wichtig: PRÄSENZ. Die übrigens nicht vorhanden ist, wenn jemand beim Date anderen Frauen/Herren hinterherschaut (das noch als kleiner Einwurf zu einem anderen Thread und der darin erwähnten Augengymnastik).

Also, darin besteht m. E. der Respekt und die Achtung: Präsent sein, den anderen wahrnehmen, sich selbst wahrnehmen, all das zum Ausdruck bringen - auch wenn man mal gerade keine Ahnung hat, wie man mit widersprüchlichen Meinungen umzugehen soll. Man sagt's, wie's ist!

Übrigens merke ich gerade, wie ich immer offener werde für "das Leben leben" mit allen Konsequenzen - nicht nur im Traum, sondern auch im RL! Fühlt sich gut an.
 
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  • #39
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von Wasserfee:
Übrigens merke ich gerade, wie ich immer offener werde für "das
Leben leben" mit allen Konsequenzen - nicht nur im Traum, sondern auch im RL! Fühlt sich gut an.
Und hört sich gut an. :)
Wie auch die Kommentare. Ja, Präsenz, Miteinanderreden, wirklich verstehen wollen, eine Rolle spielen lassen für die eigene Meinungsbildung, Dynamik. Statt die Unterschiede im "Dienste des lieben Friedens" einfach totzuschweigen.
Je nachdem, um welche Art von Meinungen es sich handelt, wird sich auch unterscheiden, wieweit die Meinungsverschiedenheit immer neu auf den Tisch soll oder wieweit man sie auch doch etwas mehr ruhen lassen kann und man das aushalten können sollte.
Auf jeden Fall sich nicht mit Phrasen a la "jeder hat seine eigene Wahrheit" gemeinsam scheinberuhigen. Auch wenn das manchmal als der leichtere Weg erscheint.
 
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  • #40
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von Wasserfee:
Ich bin - zugegeben - erstaunt, denn ich treffe im RL selten Männer meines Alters, die verstanden haben, worum es geht.
Danke für die Blumen, aber glaube mir, auch bei mir existiert bisweilen ein merklicher Unterschied zwischen "auf der analytischen Ebene verstanden" und "im realen Alltag konsequent umgesetzt". Aber immerhin kann ich für mich in Anspruch nehmen diese Diskrepanz zumindest gelegentlich zu erkennen und an ihr zu arbeiten. ;-)


Übrigens merke ich gerade, wie ich immer offener werde für "das Leben leben" mit allen Konsequenzen - nicht nur im Traum, sondern auch im RL! Fühlt sich gut an.
Sehr schön, freut mich für Dich.
 
W

Wasserfee

  • #41
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von SineNomine:
Danke für die Blumen, aber glaube mir, auch bei mir existiert bisweilen ein merklicher Unterschied zwischen "auf der analytischen Ebene verstanden" und "im realen Alltag konsequent umgesetzt". Aber immerhin kann ich für mich in Anspruch nehmen diese Diskrepanz zumindest gelegentlich zu erkennen und an ihr zu arbeiten. ;-)

Ha! Ich musste gerade herzlich lachen, als ich das las ... ;-))) Ja, diese Aussage kann ich auch für mich unterschreiben! Aber hey, immerhin: Es in der Theorie zu verstehen, ist doch schon mal ein guter Anfang, nicht wahr?
 
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  • #43
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Ja, ähnliche Überlegungen gehen mir auch durch den Kopf! Da ich allerdings so viel zu tun habe, komme ich bislang kaum dazu, das eine oder andere aktiv in Angriff zu nehmen. Und käme ich dazu und entschiede mich fürs Leben statt Warten, dann müsste ich auch noch entscheiden: nehme ich nur ein besseres Mietobjekt als das bisherige Provisorium oder mache ich gleich Nägel mit Köpfen. Und wenn letzteres, binde ich mir dann nicht etwas ans Bein, was hinterher ein Hindernis sein könnte. Fragen über Fragen, am Besten man denkt nicht so viel nach, aber der Kasten lässt sich ja so schlecht ausschalten.
 
W

Wasserfee

  • #44
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

Zitat von SineNomine:
Nun ja, das alleine reicht noch nicht so ganz um meinem Selbstanspruch gerecht zu werden. ;-)
Na, da hilft wohl nur "auf den Partner warten" ... ;-) (dickes Zwinkern)

Kannst ja so lange mit deinen Mitmenschen üben und immer besser werden ;-) Was dann bei mir wieder die nächste Frage aufwirft: Was ist, wenn die potenzielle/nächste Partnerin oder der Partner sich diesbezüglich auf einer ganz anderen Ebene bewegt? Quasi (noch) niemals so tief in die "analytische Ebene" eingetaucht ist?
 
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  • #45
AW: Auf den Partner warten oder das Leben leben?

bei manchen frage ich mich ob sie sich im echten leben auch so merkwürdig anhören.