Er82

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  • #1

Abgründe

Guten Tag

Ich denke darüber nach meine Freundin zu betrügen. Es gab vor ihr eine Frau, mit der mich eine jahrelange Affäre und geradezu knisternde Chemie verband, bis sie aus meinem Leben verschwand. Jetzt ist sie wieder da. Bisher habe ich nichts getan, aber es wäre so einfach und sie würde es nie erfahren.

Meine Gedanken erschrecken mich und deshalb kann ich mit niemandem darüber sprechen. Ich bin nicht die Art Mann, die betrügt - sage ich mir, während ich an die andere Frau denke. Ich bin glücklich mit meiner Freundin und wir könnten eine grossartige Zukunft teilen - denke ich, während mich die andere Frau wieder fasziniert.

Diese andere Frau, wir werden nie zusammen sein. Unsere gemeinsame Zeit war geprägt von Sinnlichkeit, Abenteuer und Schmerz, aber nicht von Glücklichkeit. Mit meiner Freundin bin ich glücklich, sie ist ein grossartiger Mensch und mit ihr sehe ich die Zukunft.

Ich bin ein schrecklicher Mensch und ich bin auf diese Art von Kommentaren vorbereitet. Menschliche Abgründe und totale Ehrlichkeit sind nunmal kein Zuckerschlecken. Aber vielleicht gibt es auch den ein oder anderen User, der etwas hilfreiches zu sagen hat, denn ich weiss nicht weiter.
 

Chillwoman

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  • #2
AW: Abgründe

Lieber Er82,

du bis sicher kein schrecklicher Mensch. Nicht einmal dein Verhalten ist als negativ zu bewerten, im Gegenteil. Es sind lediglich deine Gedanken, die dich gerade umtreiben. Die gehören zwar zu dir, aber du bist nicht deine Gedanken. Das mal vorweg ;-)

So, wie du es beschreibst, hast du eine gute Beziehung zu deiner aktuellen Partnerin. Ich würde es mal mit "zufrieden" umschreiben. Ich glaube, dies ist eine wichtige Voraussetzung, dass etwas von Dauer sein kann. Zufriedenheit.

Meine Empfehlung an dich: Schau genauer hin, was es ist, was dir fehlt - und was du glaubst, bei dieser "alten" Frau zu finden. Was ist es? Lebensfreude? Spannung? Faszination? Was auch immer. Diese Sachen kannst du auch auf andere Art in dein Leben holen. Das zu tun, wäre ein Weg, um eine Affäre zu umgehen. Einfach dargestellt jedenfalls. Vielleicht fragst du dich auch, welcher Teil von dir das braucht, was die Begehrenswerte zu geben verspricht. Und fragst weiter, warum dieser Teil gerade das braucht. Ist ein bisschen mit Arbeit verbunden, gleichzeitig bist du in einem Stadium, in dem real noch nichts passiert ist.

Ich habe eine Freundin, die in einer vergleichbaren Situation steckt und sich vorher schon Gedanken darüber gemacht hat. Sie sagt: "Wenn ich auch mit ihm Sex gehabt hätte, würde ich von dem, was mich mit ihm verbindet, überhaupt nicht mehr loskommen."

Grüße von Chillwoman
 

t.b.d.

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  • #3
AW: Abgründe

Wer ist der bessere Mensch? Der welcher nie in Versuchung kommt oder der welcher der Versuchung widersteht?
Ist völlig wurscht, wenn du der Versuchung erst mal erlegen bist.

Du sagst, du bist nicht der Typ der fremd geht. Ich denke, dabei solltest du es einfach belassen. Du lieferst ja die Gründe dagegen selbst mit.
Was du bekämst, wenn du der Versuchung erliegst weißt du bereits: Sinnlichkeit, Abenteuer, Unverbindlichkeit und Schmerz.

Hinzu käme nach meiner Erfahrung dann ein schlechtes Gewissen, schreckliche Selbstvorwürfe, ein angeknackstes Selbstwertgefühl, die Angst das doch noch alles raus kommt, womöglich Schlafstörungen oder wer weiß was sonst noch und last but not least eine wacklige Verhandlungsposition bei künftigen Meinungsverschiedenheiten oder bei der Trennung.

Kann es mit der anderen so viel schöner als mit deiner Freundin werden, dass sich dieser Preis rentiert?

Ich dachte auch einst, sie würde es nie erfahren. Hätte sie auch nicht, wenn ich es ihr nicht dann doch gesagt hätte. Sie hätte mir sogar verziehen. Ich selber konnte es nicht. Seitdem weiß ich für mich, dass ich das nie nie nie mehr wieder tue, egal wie groß die "Not" und die Versuchung wäre.

Manche können das, aber die wenden sich nicht an ein Forum, sondern tun es einfach. Du bist nicht der Typ für´s fremd gehen. Deshalb rate ich dir dringend davon ab. Lass es sein. Wenn du daran denkst, wie es mit ihr wäre, dann lass es dabei und strebe nicht weiter danach diese Vorstellung wahr werden zu lassen. Denk an den Preis, den du unweigerlich dafür zahlen würdest.
 
D

Deleted member 4363

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  • #4
AW: Abgründe

Ich kann mich t.b.d. nur anschliessen und finde, seine Antwort hat einige wichtige Aspekte.

Außerdem möchte ich Dich dazu einladen mal darüber nachzudenken, was passieren müsste, damit zwischen Dir und Deiner Partnerin die Luft brennt oder knistert, wie Du es beschrieben hast.
Wenn ich darüber nachdenken würde, mit einem anderen Mann zu schlafen, würde mir wahrscheinlich in meiner Partnerschaft was fehlen. Ein bischen Abwechslung oder mal was neues ausprobieren...................................

Alles Gute
 

ChrisÖsi

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  • #5
AW: Abgründe

Zitat von Chillwoman:
So, wie du es beschreibst, hast du eine gute Beziehung zu deiner aktuellen Partnerin. Ich würde es mal mit "zufrieden" umschreiben. Ich glaube, dies ist eine wichtige Voraussetzung, dass etwas von Dauer sein kann. Zufriedenheit.

Sorry, doch wenn man solche Gedanken hat, dann glaube ich weniger, dass man entweder mit sich selber, oder mit der eigentlichen Partnerschaft zufrieden ist ... ;-)
Treue beginnt meiner Meinung nach bei sich selber, und wenn diese von Dir erläuternden Gedanken vehement sind, dann ziehe für alle Beteiligten auch die entsprechenden Konsequenzen.
 
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  • #6
AW: Abgründe

Es muss in einer Partnerschaft nichts fehlen, nur weil mit einem anderen Menschen die Luft brennt. Es gibt einfach diese sensationelle körperliche Anziehung ohne Liebe. Frage: Wie ginge es Dir, würde Deine Freundin mit ihrem Ex-Lover in die Kiste springen? Ich hatte die Versuchung auch bereits einmal und bin froh, ihm nicht (wieder) erlegen zu sein. Das Exklusive und die Liebe zwischen zwei Menschen verträgt wenigstens nach meinem Empfinden keinen weiteren Sexpartner. Es sei denn, das Paar will das so. Aber den anderen hintergehen? Ist doch feige.
 

Chillwoman

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  • #7
AW: Abgründe

Zitat von delfin 1988:
Es muss in einer Partnerschaft nichts fehlen, nur weil mit einem anderen Menschen die Luft brennt.

So wollte ich das in meinem Post auch nicht ausgedrückt haben. In der Partnerschaft muss nichts fehlen. Aber dem Menschen fehlt möglicherweise etwas. Wenn er keinen Mangel empfinden würde, würde er sich nicht so angezogen fühlen. Das kann aber etwas Eigenes sein, das nichts mit der Freundin oder der Partnerschaft zu tun hat.

Bei meiner Freundin ist es z. B. eine Lebendigkeit, die sie spürt, sobald sie mit der Fast-Affäre zusammen ist. Nach dieser Lebendigkeit sehnt sie sich so sehr, dass es ihr schwerfällt, diesen Mann loszulassen.
 
D

Deleted member 4363

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  • #8
AW: Abgründe

Zitat von delfin 1988:
Es muss in einer Partnerschaft nichts fehlen, nur weil mit einem anderen Menschen die Luft brennt. Es gibt einfach diese sensationelle körperliche Anziehung ohne Liebe.

Da bin ich ganz bei dir! Allerdings überlege ich dann nicht ernsthaft fremd zu schlafen!
 

orkus

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  • #9
AW: Abgründe

Hallo,

seit Monaten lese ich hier mit, und jetzt musste ich mich dann doch mal anmelden, um zu antworten. Über solche Themen habe ich in letzter Zeit nämlich auch nachgedacht.

Meine Ehe ging letztes Jahr nach gut 9 Jahren in die Brüche. Es war nicht spektakulär. Meine Frau war auf Grund von Depressionen 5 Wochen auf Kur und hat dort unter psychologischer Betreuung herausgearbeitet, dass sie ihr Leben grundsätzlich ändern muss. Und dazu gehörte auch die Trennung von mir. Wir haben ein Haus und einen kleinen Sohn. Es lief bis dahin langweilig, aber wir haben uns nie gestritten. Ich war daher der Meinung, mit dieser Frau würde ich alt.

Als sie mich aber mit ihrem Entschluss konfrontierte, brach für mich meine Welt zusammen, ich verlor den Boden unter den Füßen, mein gesamter Lebensentwurf stand in Frage und ich litt. Ganze drei Tage lang. Dann war mir klar: Sie hat recht! Wir passen überhaupt nicht zusammen. Wir gingen uns auf die Nerven, auch wenn wir uns gegenseitig toleriert haben. Aber wozu das alles? Wirklich zufrieden oder glücklich war ich eigentlich auch nicht.

Warum erzähle ich das jetzt? Nun, auch für mich gibt es diese Frau von früher. Der absolute Wahnsinn, meine Traumfrau! Und ich war ihr Traummann. Ich kenne sie seit fast 15 Jahren. Es wurde aber nie was draus, aus verschiedenen Gründen. Zuletzt wurde unser Kontakt aber seltener, bis ich ihn vor 4 Jahren ganz abbrach. Ich merkte nämlich, dass ich sie noch immer liebte, lieber mit ihr zusammen sein wollte, als mit meiner Frau. Und das machte mir Angst!

Und jetzt, meine Frau war längst ausgezogen, habe ich vor 2 Monaten den Kontakt wieder aufgenommen, und alles ist noch viel heftiger als früher! Diesmal werde ich aber nicht wieder kneifen. Warum auch, habe ja nichts mehr zu verlieren. Sie ist allerdings nicht frei, das verkompliziert die Sache.

Was habe ich oder einer der anderen Beteiligten nun davon gehabt, dass ich mich damals für die Ehe entschieden habe? Haben wir nicht nur Zeit verschwendet? Hätte ich nicht viel früher versuchen sollen, all die angeblichen Hinderungsgründe aus dem Weg zu räumen? Einen nach dem anderen? Für eine Chance mit meinen Traumpartner?

Tja, das ist alles nicht einfach. Du sagst, Du siehst mit der einen eine Zukunft, mit der anderen nicht. So ging es mir auch. Es hat sich aber bei mir herausgestellt, dass ich mich irrte. Es ist vielleicht genau anders herum, wenn auch schwierig und problematisch. Denke also noch einmal drüber nach. Warum fühlst Du Dich zu der anderen so sehr hingezogen? Warum gibt es keine Zukunft? Basiert es auf Gegenseitigkeit? Ob es wirklich eine langfristige Chance mit der Freundin gibt, ist oft fast unmöglich vorher zu sagen. Versuche es trotzdem. Und wenn Du bei der Einschätzung bleibst, dann bleib verdammt nochmal bei Ihr und schlage Dir die andere aus dem Kopf! Aber wenn nicht, tja...

Ich wünsche Euch allen in jedem Fall viel Glück!
 
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  • #10
AW: Abgründe

@Chillwoman

Das ist auch äußerst reizvoll, letztlich aber eine Frage der eigenen Entscheidung und der Gefühle für den Partner. Es kann ja auch tatsächlich der "Falsche" sein, aber der TE schreibt ja von seinem Glück. Er scheint sich dessen aber nicht richtig bewusst zu sein.
Oder extreme Gefühle wie Schmerz erfüllen ihn mehr als Zufriedenheit und "Glück".
 
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Chillwoman

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  • #11
AW: Abgründe

Gut, dann fassen wir es mal so zusammen: Es gibt unzählige, verschiedene Gründe, um mit einer dritten Person Sex zu haben - ich reduziere es jetzt einfach mal darauf, weil es in diesem Fall wohl darum geht. Worauf ich hinweisen wollte ist, dass sich der TE in seiner Situation die Gründe bewusst machen kann. Eine Erkenntnis in diese Richtung - egal, wie sie auch ausfällt, kann ihm helfen, damit umzugehen.

Zitat von t.b.d.:
Ich dachte auch einst, sie würde es nie erfahren. Hätte sie auch nicht, wenn ich es ihr nicht dann doch gesagt hätte. Sie hätte mir sogar verziehen. Ich selber konnte es nicht. Seitdem weiß ich für mich, dass ich das nie nie nie mehr wieder tue, egal wie groß die "Not" und die Versuchung wäre.

Das ist ein wichtiger Punkt, der gerne verkannt wird: Kann ich später damit umgehen, dass ich mit jemand anderem im Bett war? Kann ich es mir jemals verzeihen oder werde ich mich immer schuldig fühlen? Für den Betrogenen ist so etwas kein Zuckerschlecken. Das zu sehen und zu erleben, kann den, der betrogen hat, ganz schön in die Tiefe ziehen.
 
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  • #12
AW: Abgründe

@ Er82 Den Kopf sauber zu halten, durch Verzicht auf das Fremdgehen, ist ein nicht zu unterschätzender Punkt. "Nicht sauber im Kopf" ist ein viel höherer Preis für eine offensichtlich flüchtige Geschichte, als du derzeit wohl auch mit deinem verharmlosenden "merkt Sie nicht" annimmst, t.b.d. hat es eindrucksvoll beschrieben.

Ich würde mir zum Einen nicht das "schlechte Gewissen" antun wollen, was sicher bei dem einen oder anderen mehr oder weniger Wirkung hat, aber mit der ständigen, latenten Belastung der Beziehung/Angst um die Beziehung käme ich gar nicht gut klar. Deshalb, ich und Fremdgehen, wie Teufel und Weihwasser.

Versuche mal (abstrakt) Deiner gegenüber dein Fremdgehen zu verargumentieren. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass genau das dir irgendwann passiert.
 

vhe

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  • #13
AW: Abgründe

Zitat von Er82:
Ich denke darüber nach meine Freundin zu betrügen.
Das das (also das Betrügen, nicht das Denken) keine gute Idee ist, ist Dir offensichtlich selbst klar.

Zitat von Er82:
Es gab vor ihr eine Frau, mit der mich eine jahrelange Affäre und geradezu knisternde Chemie verband, bis sie aus meinem Leben verschwand. Jetzt ist sie wieder da.
Geh davon aus, dass Du (UND DEINE FREUNDIN) mit dem "da sein" der anderen Frau, je nach Alter durchaus noch ein paar Jahrzehnte klarkommen müsst.

Zitat von Er82:
Das ist schonmal ein guter Anfang.

Zitat von Er82:
aber es wäre so einfach und sie würde es nie erfahren.
Ja, klar. Wer denkt das nicht.
Geh davon aus, dass sie es erfahren WIRD. Solange Du sie liebst, wirst Du mir ihr nicht mehr unbeschwert zusammensein können und es ihr früher oder später erzählen.

Und das ist der Gutfall. Was alles schiefgehen kann, würde mehr Platz füllen, als ich hier hab.

Zitat von Er82:
Diese andere Frau, wir werden nie zusammen sein. Unsere gemeinsame Zeit war geprägt von Sinnlichkeit, Abenteuer und Schmerz, aber nicht von Glücklichkeit. Mit meiner Freundin bin ich glücklich, sie ist ein grossartiger Mensch und mit ihr sehe ich die Zukunft.
Kurz - Du hast ein emotionales Problem, das zu einem Beziehungsproblem eskalieren kann.
Gut ist, dass Du offensichtlich
a) weißt, dass Du ein Problem hast, (schließlich hast Du ja gepostet)
b) es lösen willst (dito) und
c) Du die Traute hast, total "unmännlich" um Rat zu bitten d.h., im Gegensatz zu Kolumbus, auf Deiner persönlichen Indienfahrt mal nach dem Weg zu fragen. :)

Hab noch nicht die anderen Antworten gelesen, hier mein Ratschlag:
- Erzähle es Deiner Freundin. Durch Dein bisheriges Nichtstun kannst Du das ohne schlechtes Gewissen tun. Wenn es raus ist, wirst Du Dich schonmal besser fühlen. Außerden sollten sich die Partner in einer Beziehung gegenseitig helfen, wenn der oder die andere ein Problem hat und ein Problem hast Du definitiv.
- Mach ihr klar, dass Du Sie liebst und behalten willst und keine Dreierbeziehung willst und alles und das es fantastisch wäre, wenn ihr (also Du und Deine Freundin) gemeinsam eine Lösung findet.
- Sei DIR darüber im Klaren, dass Du den Hauptteil der Arbeit wirst leisten müssen. Das kann im schlimmsten Fall darauf hinauslaufen, dass Du dieses Päckchen für den Rest Deines Lebens tragen musst.

Und dann taucht ihr beiden schnellstmöglich bei einem Paartherapeuten auf und erzählt im die ganze Geschichte. Auf die Art weiss Deine Freundin, dass Du es ernst meinst und, siehe oben, am Ende muss eine Lösung herauskommen, bei der Du, Deine Freundin und die dritte Frau in derselben Stadt leben können, ohne dass Deine und Deiner Freundin Beziehung darunter leidet. Professionelle Hilfe kann da nie schaden.

Hoffen, dass nix rauskommt, bringt, wie gesagt, gar nichts, weil schon Dein schlechtes Gewissen dafür sorgt, dass du Dich unwohl fühlen wirst. Dagegen ist ein gemeinsam (mit Deiner Freundin) gelöstes Problem eine Sache, die der Liebe und Freundschaft nur gut tun kann.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Heike

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  • #14
AW: Abgründe

Ja, ich denke auch, der Mensch ist schrecklich.
Die Frage scheint mir zu sein, Er82, wieweit du das, was du als deine Abgründe wahrnimmst, versteckt bleiben muß oder das Tageslicht erblicken darf oder soll.
Es gibt da eine Fassade, die besteht und die aufrechterhalten werden soll, weil sie die vorgesehene ist und die, die du, wen wunderts, in vielerlei Hinsicht selbst willst, insbesondere auch von deinem moralischen Selbstverständnis her.
Zugleich nimmst du etwas anderes an oder in dir wahr. Und die Frage ist, wieweit du das integrieren kannst, ausleben mußt, verstecken solltest. Irgendwas scheint ja auf jeden Fall versteckt oder weggesteckt werden zu müssen. Entweder ein erfolgtes Fremdgehen, oder eben deine Abgründe. Interessant wäre, wieweit, wie von vhe vorgeschlagen, maximale Transparenz ohne Handlung zu erreichen wäre. Nicht nur Handlungen, auch Wünsche können belasten, nicht nur dich, sondern auch deine Partnerin. Und dein Konflikt verschwände durch das Mitteilen ja auch nicht.

Ich habe, auch aufgrund der Informationslage, keine klare Empfehlung.
Aber ich kann dir ein paar Eindrücke mitteilen. In meinen Ohren klingt es nicht so, als würde dich sozusagen in der Tiefe etwas davon abhalten, mit der Frau etwas anzufangen. Es widerspricht einem eben nur partiellen Selbstbild von dir als jemandem, der so etwas auf keinen Fall tut. Mehr Sollen als Sein, was dich hindert. Du formulierst das eher wie eine Fremdperspektive ("nicht die Art Mann, die betrügt"), auch sehr distanziert ("könnten eine großartige Zukunft haben").
Ich habe nicht den Eindruck, als würde es dir aus tiefster Überzeugung einleuchten, daß du deinem Begehren nicht nachgehen solltest, als würde das dein Wille sein.
Ich find t.b.d.s Hinweis darauf, daß du nicht der Typ bist, ders einfach tut und für den es deswegen angemessener sein könnte, schon bedenkenswert. Gleichwohl. Vielleicht fragst du deshalb das Forum: weil du merkst, daß du nicht wirklich fest bist in der Überzeugung, die Gelegenheit an dir vorbeigehen zu lassen, sie gewissermaßen nicht von innen kommt, und hoffst, man werde hier diese Überzeugung stärken. Dann ist die Frage: wenn sie schwach ist und nicht so von innen kommt, soll man sie äußerlich stärken, oder doch feststellen, daß sie eben nicht so stark ist und nicht so von innen kommt?
Beim Lesen vom mehrmaligen "glücklich" oder sogar "Glücklichkeit" lag mir auf der Zunge: na, vielleicht bist du eben nicht für (diese Art von) Glücklichkeit gemacht! - Das ist ja krass, wenn man nihct nur glücklich sein will, sondern auch glücklich sein soll. Da könnte es schon befreiend sein, den Gedanken zuzulassen: wieso eigentlich?
 

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  • #15
AW: Abgründe

Folgende Fragen wären für dich zu klären:
- Was ist es, was dich an der anderen Frau fasziniert?
- Fehlt dir etwas bei deiner jetzigen Partnerin?
- Falls ja, was ist es?
- Falls ja, kann sie es dir nicht geben?

Körperliche Anziehungskraft ist zwar äußerst stark, könnte jedoch nicht von Dauer sein, wenn "die Basis" nicht stimmig ist.

Und die allesentscheidende, wirklich nicht einfach zu beantwortende Frage ist wohl:
- Liebst du dein jetzige Partnerin vom Grunde deines Herzens über alle Maßen, ohne Einschränkung?

Und noch ein weiser Spruch am Ende:
"Wenn Treue Spaß macht, dann ist es Liebe".

Denk' mal drüber nach.....................
 

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  • #17
AW: Abgründe

Zitat von Heike:
Inwiefern bezieht sich deiner Meinung nach dieser Spruch auf Ers Situation?

Na, ich habe mir gedacht, dass wenn der TE auf den Kontakt mit der anderen Dame verzichtet und dies auch noch gerne tut, dann scheint er ja doch tiefere Gefühle zu seiner aktuellen Freundin zu empfinden.

Aber ich befürchte, dass diese banale Meinung wohl deiner strengen psychologischen Betrachtung nicht standhalten wird.....
 

Heike

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  • #18
AW: Abgründe

Zitat von Benutzer:
Na, ich habe mir gedacht, dass wenn der TE auf den Kontakt mit der anderen Dame verzichtet und dies auch noch gerne tut, dann scheint er ja doch tiefere Gefühle zu seiner aktuellen Freundin zu empfinden.

Wir wissen nicht, ob er verzichtet, und schon gar nicht haben wir ANhaltspunkte dafür anzunehmen, daß er es "gerne" tut. Es scheint im Gegenteil eher so, als würde er nicht einfach selbstverständlich gerne verzichten, sonst hätte er wohl das Thema nicht aufgebracht, mit dem er sich herumschlägt, und würde sich nicht als schrecklich bezeichnen.
Vielleicht hättest du es gerne, daß er gerne verzichtet, weil du ihm dann sagen könntest: hey, du liebst ja deine Freundin! Mit der Realität hat das erstmal nichts zu tun.
Und streng logisch sagt der Spruch nicht, daß jemand, der nicht gerne seinem Partner treu ist, diesen nicht liebt. Aber da er kaum logisch gemeint sein dürfte, legt er genau diesen Schluß nahe. Und das ist Käse.
 

Er82

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  • #19
AW: Abgründe

Vielen Dank für eure Anregungen, ich konnte einiges für mich herausnehmen und bin momentan dabei, intensiv über vieles nachzudenken.

Nach einem schweren emotionalen Verlust war ich lange nicht fähig, Gefühle zuzulassen und wenn sie dann doch kamen, war ich Meister der Verdrängung oder ich habe mich wie ein totales A*** aufgeführt, die Klassiker. Meine Freundin war sehr geduldig und hat mich nie aufgegeben, aus irgendeinem Grund war ich es ihr wert.
Nun ist es so, dass ich im Kopf um ihre tollen Qualitäten als Mensch weiss und darum, dass sie für mich sehr wichtig ist, aber ich fühle mich als würde ich uns aus der Ferne betrachten, so als würde es mich nicht betreffen. Ich bin emotional abgekoppelt, während ich andererseits genau weiss, dass es schlimm für mich wäre, sie zu verlieren.

Die andere Frau hat mich damals auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt. Es war brennendes Verlangen und doch die totale Freiheit. Sie hat mich völlig verrückt gemacht. Ich fühle mich wohl mit meiner Freundin, aber der blosse Gedanke daran, dass ich sie wieder haben könnte, bringt mich dazu, mich von meiner Freundin zu entfernen.

Nun kann ich nicht mit meiner Freundin darüber sprechen, da sie die andere Frau schon immer (und mit gutem Grund) als Bedrohung wahrnahm. Ihr meine Gefühle mitzuteilen würde unsere Beziehung in eine tiefe Kriese stürzen. Gerade jetzt kann ich aber nicht mit einer vorwurfsvollen Freundin umgehen. Weil ihre Gekränktheit berechtigt wäre, aber mir gleichzeitig einen Grund liefern würde, das Handtuch zu werfen. Aus Angst, aus Zweifel, aus "ich kann das einfach nicht" - und dann gäbe es keinen Weg mehr zurück.

Eine Userin hat geschrieben "Liebe ist, wenn Treue Spass macht". Wenn die Welt doch nur so zweidimensional wäre...
 

maxine195

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  • #20
AW: Abgründe

Sehr komplex. Jedenfalls : Nein, du kannst das so nicht deiner Freundin erzählen und sie damit in deinen Konflikt zu ziehen, sie mit deinen Schuldgefühlen belasten, als Rettungsanker benutzen, um nicht diesen "Fehltritt" zu begehen. .

Du mußt das lösen. Und ich würde insbesondere das, was Heike geschrieben hat, mal sacken lassen, dem nachspüren.

Ratschläge, das mal schön sein zu lassen sind einfach und vorhersehbar, das was dahinter stehen könnte, ist eben wirklich komplexer und viel bedeutsamer für das weitere Leben.
 

t.b.d.

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  • #21
AW: Abgründe

@maxine
Strategisch gesehen bin ich deiner und Heikes Meinung. Er bzw. jeder sollte sich mit seinen dunklen Seiten beschäftigen. Sie kennen und verstehen lernen. Lernen mit ihnen umzugehen und sie im Zaum zu halten. Der große Versucher steckt in uns allen und man kriegt ihn auch nicht raus. Wer das behauptet, lügt sich selber in die Tasche und wird sich eines Tage schwer wundern. Man sollte seine versteckten Begierden daher besser im Auge behalten anstatt ihnen zu erlauben sich unbeobachtet zu entfalten.
Operativ betrachtet sollte Er82 zunächst einmal aus dem aktuellen Dilemma raus. Dann sollte er den Anlass nutzen und darüber nachdenken, welchen Begierden er künftig nachgehen will und ob bzw. wie das in seiner Beziehung ermöglicht werden könnte.

@Er82, das mit der inneren Distanz aus der heraus du dich und deine Gefühlswelt inzwischen betrachtet ist, wie ich glaube, eine Folge deiner Erfahrungen mit emotionalen Ausnahmezuständen und kein Anzeichen für mangelnde emotionale Verbundenheit. Es ist eher so, dass die totale emotionale Verbundenheit, diese Abhängigkeit, die dazu führt, dass jemand einen gegen seinen Willen auf eine emotionale Achterbahnfahrt schicken kann, ohne dass man selbst eingreifen kann, ein Zeichen dafür ist, dass etwas nicht stimmt.
Es ist die Art totaler Verbundenheit bzw. emotionaler Abhängigkeit, die ein Kind zu seiner Mutter hat und die im Zuge des Erwachsenwerdens durch eine selbstbestimmtere Art der Verbundenheit ersetzt werden sollte.
Das heißt ja nicht, dass nie mehr Achterbahn gefahren wird, sondern dass du inzwischen gelernt hast wie man das Ding notfalls anhält.
Vlt. lohnt es sich herauszufinden, wie man das Ding bei Bedarf in Gang setzt.
 
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  • #22
AW: Abgründe

Zitat von t.b.d.:
....Er bzw. jeder sollte sich mit seinen dunklen Seiten beschäftigen. Sie kennen und verstehen lernen. Lernen mit ihnen umzugehen und sie im Zaum zu halten. Der große Versucher steckt in uns allen und man kriegt ihn auch nicht raus.

Warum so bedrohlich negativ ? Vielleicht ist die Sehnsucht nach der anderen Frau nur ein Zeichen, dass der TE noch nicht den Einklang darin gefunden hat, wo seine Position hinsichtlich Nähe und Distanz steckt. Vielleicht fühlt er sich schon so festgebunden in der Art, wie er seine jetzige Beziehung lebt, dass der Reiz der anderen nur darauf hindeutet, dass er etwas mehr Raum für sich braucht.
Aber ich stimme dir in der Hinsicht zu, dass es sinnvoll ist herauszufinden, wer man ist und wer man sein will. Es kann sehr entlastend und befreiend sein, sich einzugestehen und zu entdecken, dass man nicht der ist, der lebenslang in einer engen Beziehung stecken möchte. Ohne sich dann "schlecht" zu fühlen.
 

Heike

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  • #23
AW: Abgründe

Zuviel oder zuwenig, das ist so die Frage. Die Begierde nach der anderen Frau scheint ja etwas mit dem Wunsch zu tun zu haben, emotional stark involviert zu sein. Was in deiner Partnerschaft nihct so stark gegeben zu sein scheint.
Natürlich kann es auch umgekehrt sein: daß du, Er, in deiner Partnerschaft gewissermaßen eigentlich emotional sehr involviert, sogar gefangen bist, und du daraus resultierend einerseits innere Distanz suchst, andererseits gewissermaßen ein Pseudoinvolviertsein im Rausch mit der anderen Frau, also so ein Sichverlierenwollen.
Welches von beiden eher der Fall ist, kannst du das rauskriegen, Er? Du hast ja darauf hingewiesen, daß du deiner Freundin dankbar bist, daß sie dich in der Phase, wo du Gefühle nicht zulassen konntest, nicht hat fallen lassen. Dankbarkeit ist eine feine Sache. Aber natürlich zwiespältig, wenn sie in so einem Zusammenhang angeführt wird. Wichtig ist aber vielleicht auch der weitere Verlauf: also wieweit deine jetzige Distanz noch der Ausläufer der früheren Distanzierung ist, oder ob du zwischenzeitlich weniger distanziert warst und du jetzt wieder eine Zunahme dieser inneren Distanz bemerkst?
 

t.b.d.

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  • #24
AW: Abgründe

Zitat von Schreiberin:

Wieso bedrohlich negativ? Ich meinte das eigentlich ganz wertungsfrei im Sinne von Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung, nach dem Motto "Schwächen schwächen und Stärken stärken".

Da wäre es doch interessant, wenn man über sich wüsste, warum man bestimmte Impulse empfindet, wodurch diese ausgelöst werden und wie man die Fähigkeit zur Selbstregulierung nutzt, damit man nicht der Sklave oder das Opfer seiner Impulse ist, sondern selbst ein Stück weit steuert, ob und wie weit man ihnen nachgibt.

Zitat von Schreiberin:
Vielleicht ist die Sehnsucht nach der anderen Frau nur ein Zeichen,...

Ein Zeichen ist es ganz sicher. Wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass er mit irgendwas nicht so zufrieden ist, wie er glaubt. Meiner Meinung nach ein Zeichen, dass es mal wieder Zeit ist, in der persönlichen Entwicklung und/oder in der Entwicklung ihrer Beziehung einen Schritt voran zu kommen.
Natürlich besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, dass er zu der Erkenntnis kommt, eine feste Beziehung allgemein oder aber eine feste Beziehung mit seiner Freundin sei für ihn auf Dauer nicht zu machen. Ich denke aber, dass diese Frage erst dann objektiv zu beantworten ist, wenn die akute Situation entschärft ist, also die Sehnsucht nach der anderen Frau wieder abgeklungen und der emotionale Ausnahmezustand vorüber ist. Für grundsätzliche Beziehungsfragen ist wohl ein klarer Kopf besser geeignet als einer der gerade voller Flausen steckt, weil die Hormone Achterbahn fahren.
 

orkus

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  • #25
AW: Abgründe

Zitat von t.b.d.:
Ich denke aber, dass diese Frage erst dann objektiv zu beantworten ist, wenn die akute Situation entschärft ist, also die Sehnsucht nach der anderen Frau wieder abgeklungen und der emotionale Ausnahmezustand vorüber ist. Für grundsätzliche Beziehungsfragen ist wohl ein klarer Kopf besser geeignet als einer der gerade voller Flausen steckt, weil die Hormone Achterbahn fahren.

Das ist sicherlich richtig, aber wie führt man diese Situation herbei? 3 Jahre warten oder der Versuchung nachgeben? Letzteres geht womöglich nach hinten los, und statt dass Spannung abgebaut wird, wird alles noch viel schlimmer. Ersteres hilft in der jetzigen Situation nicht, zumindest nicht JETZT.
 

t.b.d.

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  • #26
AW: Abgründe

Was würdest du beispielsweise einem Ex-Junkie raten, der seit Jahren vom Stoff runter ist und nun die Gelegenheit bekommt, kostenlos eine große Portion Stoff zu bekommen? Er weiß, dass es sehr schlecht für ihn ausgehen kann, er weiß aber auch, wie gut er sich fühlen würde, wenn er das Zeug nehmen würde.
 

orkus

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  • #27
AW: Abgründe

Er86 hat selbst gesagt, dass es nicht so eindimensional ist (gut, er hat strenggenommen "zweidimensional" gesagt). Ich bin vielleicht auch der Falsche, diese Frage zu beantworten, denn ich habe mich unlängst für die Riesenportion Drogen entschieden. Höchstwahrscheinlich sind unsere Fälle nicht vergleichbar, das kann er aber selber besser beurteilen.

Ich habe allerdings Drogen gefunden, mit denen es theoretisch gut ausgehen kann. Sogar supergut. Insofern hinkt der Vergleich...
 

Elli

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  • #28
AW: Abgründe

Zitat von orkus:
Das ist sicherlich richtig, aber wie führt man diese Situation herbei? 3 Jahre warten oder der Versuchung nachgeben? Letzteres geht womöglich nach hinten los, und statt dass Spannung abgebaut wird, wird alles noch viel schlimmer. Ersteres hilft in der jetzigen Situation nicht, zumindest nicht JETZT.

Erste Maßnahme: Die Ebene, auf der es jetzt gerade anscheinend nicht weitergeht, verlassen, d.h.: aus dem Kopf – in der Körper.

Praktische Umsetzung: Raus an die Luft. Laufen, gehen, wandern, ins kalte Wasser springen, sich dem Wind entgegenstemmen – irgendwas, Hauptsache im Grünen, Lunge lüften, Kopf lüften.

Zweite Maßnahme: Wenn die Kräfte leidlich zurückgekehrt sind, eine ehrliche Bestandsaufnahme machen.

Praktische Umsetzung: Ich stelle mir z.B.vor, mein Problem ist ein großer runder Kuchen. Wieviele Stücke davon sind ...Drama, Selbstüberschätzung, Selbstmitleid.....vielleicht fünf, oder sechs... ;-)
(wäre ich ein Flüchtling in Syrien oder im Kongo – was wäre dann von diesem Problem noch übrig?) (z.B.)

Die restlichen vier Stücke schau ich mit genauer an:
Kann es sein, daß das Leben mir durch diese Situation etwas mitteilen möchte? Soll ich etwas lernen, verstehen? Will ich das (jetzt) hören?

Was bin ich bereit einzusetzen zur Lösung? Will ich mich an dem Brocken, der mir da im Weg liegt, elegant vorbeischlängeln...oder will ich ihn auszubuddeln?

„Vorbeischlängeln“ hieße für mich, die Vor-und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen – und mich zu entscheiden: da geh ich lang, so mach ich es, die Konsequenzen bin ich bereit zu tragen.

„Ausbuddeln“ hieße für mich, soweit es mir möglich ist, den Dingen in mir auf den Grund zu gehen – wenn ich da nicht weiterkomme, Hilfe zu suchen – und solange zu graben, bis ich das Gefühl einer Lösung habe.

Und bei allem: Mit mir gut und freundlich umgehen. Verständnis, Geduld, Liebe und Großzügigkeit für mich selbst aufbringen – so wie ich sie für einen guten Freund (selbstverständlich) aufbrächte.

Wäre ich in der Situation von Er82, würde ich mit beiden Frauen so ehrlich wie möglich reden – und meine Gefühlsmisere offenlegen.

Missliebige Konsequenzen werden sich in jedem Fall ergeben – aber den Schaden kann man, denke ich, durch Ehrlichkeit begrenzen. Der eventl. spätere Vorwurf, man sei unaufrichtig gewesen, ist in meinen Augen ein weitaus größerer, nicht wiedergutzumachender Schaden.
 
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Zitat von t.b.d.:
Wieso bedrohlich negativ? Ich meinte das eigentlich ganz wertungsfrei im Sinne von Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung, nach dem Motto "Schwächen schwächen und Stärken stärken".

Da wäre es doch interessant, wenn man über sich wüsste, warum man bestimmte Impulse empfindet, wodurch diese ausgelöst werden und wie man die Fähigkeit zur Selbstregulierung nutzt, damit man nicht der Sklave oder das Opfer seiner Impulse ist, sondern selbst ein Stück weit steuert, ob und wie weit man ihnen nachgibt.

Deiner Erläuterung stimme ich zu, aber das die andere Umschreibung wertfrei sein soll, wundert mich - dunkle Seite und so klingt für mich eher nicht so erstrebenswert und gar nicht neutral. Auch dein Drogenvergleich weiter unten : das finde ich gewagt, ein sexuelles Bedürfnis / ein Seitensprung gleichgesetzt mit einer lebenszerstörenden Droge ?????
Wenn jemand aus einer Beziehung ausbricht, ist das traurig für den , der zurückbleibt und die Art WIE man sich verabschiedet kann mehr oder weniger fair sein (offen oder mit Lügen beispielsweise) - aber per se sehe ich da nichts Böses drin, wenn ich ehrlich bin. Shit happens....
 

maxine195

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AW: Abgründe

"@Er82, das mit der inneren Distanz aus der heraus du dich und deine Gefühlswelt inzwischen betrachtet ist, wie ich glaube, eine Folge deiner Erfahrungen mit emotionalen Ausnahmezuständen und kein Anzeichen für mangelnde emotionale Verbundenheit. Es ist eher so, dass die totale emotionale Verbundenheit, diese Abhängigkeit, die dazu führt, dass jemand einen gegen seinen Willen auf eine emotionale Achterbahnfahrt schicken kann, ohne dass man selbst eingreifen kann, ein Zeichen dafür ist, dass etwas nicht stimmt.
Es ist die Art totaler Verbundenheit bzw. emotionaler Abhängigkeit, die ein Kind zu seiner Mutter hat und die im Zuge des Erwachsenwerdens durch eine selbstbestimmtere Art der Verbundenheit ersetzt werden sollte.
Das heißt ja nicht, dass nie mehr Achterbahn gefahren wird, sondern dass du inzwischen gelernt hast wie man das Ding notfalls anhält.
Vlt. lohnt es sich herauszufinden, wie man das Ding bei Bedarf in Gang setzt. "


@t.b.d
Das finde ich noch einen wichtigen Hinweis zum nachdenken.

Emotionale Achterbahnfahrten sind auf Dauer gefährlich für das Selbst, das sich hierin verlieren kann. Aber man fühlt sich total lebendig, kann süchtig werden nach den Hochs. "Gesunde" Menschen steigen dann irgendwann - dauerhaft - aus.