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  • #121
Vielleicht schon, wenn man dem "zuerst" keine zeitliche sondern eine kausale Bedeutung gibt.

Ja, ein gutes Gefühl. Und im Sinne der Enttarnung der blinden Flecken ist es auch schön, dass es immer wieder kluge Köpfe gibt, die uns anders verstehen. :)
Noch mal eine kleine Anmerkung zu den 'blinden Flecken'.
Es gibt Defizite, auf die wir nur sehr partiell oder gar keinen Einfluss nehmen können.
Das sind die, die im Allgemeinen unter "Attraktivität" subsummiert werden und hier im Forum schon mehr als hinreichend "durchgekaut" wurden.
Ja, und da gibt es noch die Defizite, auf die wir selbst, und NUR wir selbst, Einfluss nehmen können und MÜSSEN, wenn wir eine Partnerschaft anstreben, in der die Liebe ' der Boss ' ist.
Wenn man sich nur mit sich selbst wohlfühlen will, und nur durch sein eigens Universum namens Narzissmus kreisen will, kann man mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten so bleiben wie man ist, aber auch dann läuft man Gefahr, sich irgendwann selbst im Wege zu stehen.
Ich habe in meinem langen (Berufs-) Leben sehr viele Menschen kennengelernt.
Attraktive, weniger Attraktive (im klassischen Sinn), Nette und weniger Nette und natürlich auch ausgemachte "Kotzbrocken". (Letzteren bin ich immer besonders freundlich ausgewichen.)
Sehr oft ( nicht immer ) waren die besonders Attraktiven auch die besonders Langweiligen.
Sehr viele der "weniger Attraktiven" hingegen verfügten über ein solches
Charisma, dass ich neugierig wurde, sie näher kennenlernen zu wollen.
Männer, die über eine souveräne, zurückhaltende Gelassenheit verfügen, Empathie besitzen, nicht den 'Macho' raushängen lassen und dennoch, oder gerade deshalb, 'ganze Kerle' sind.
 
A

*Andrea*

  • #122
Hallo Datinglusche! Schön, dass du dich hier mit einer bisher unbekannten Seite einbringst! :) Und auch ein freudiges Hallo an die Person dahinter, die ja irgendwie auch spürbar wird in dieser Figur und wie sie so tickt. ;)
Liebe hat im wesentlichen schon etwas esoterisches an sich. Die Empfindung der Liebe findet im seelisch/übersinnlichen statt, sofern man über ausreichende seelische Antennen (noch) verfügt. Leider werden die Menschen in unserem technisch/materialistischen Zeitalter so erzogen und sozialisiert, dass so etwas wie Seele negiert wird und dafür das kalte, rationalistische und analytische Denken in den Vordergrund tritt, das sich mittlerweile auch auf die Partnersuche auswirkt.
Ich weiss jetzt nicht, ob Liebe "im Wesentlichen" etwas Esoterisches an sich hat. Es gibt wohl die Möglichkeit eines spirituellen Aspektes davon, und manchen Menschen ist dies wichtiger, anderen weniger, die einen kümmern sich darum, die andern nicht, und sie müssen es vielleicht auch nicht. Für mich persönlich hat Liebe zu anderen Menschen und zu mir selbst schon auch etwas damit zu tun, dass ich daran glaube, dass eine umfassende Liebe, die man vielleicht göttlich nennen könnte, wenn man das möchte, irgendwo in meinem Herzen vorhanden ist, und mir damit einen Zugang dazu ermöglicht. Gleichzeitig hilft mir das Gefühl, in etwas Grösserem aufgehoben zu sein, dabei, mich selbst und meine manchmal egozentrischen Bedürfnisse nicht (immer ;)) übertrieben wichtig zu nehmen und grundsätzlich ein stärkeres Vetrauen ins Leben allgemein zu spüren und weiter zu stärken. Aber das ist nur ein Teil dessen, was in meinem Leben mit Liebe zu tun hat. Liebe ist ebenso ein Gefühl, das vielleicht irgendwo auch in unserem Körper sitzt und mit diesem zu tun hat, und ein liebevolles, zugewandtes Handeln (von mir gegenüber den Menschen, die ich liebe, wie auch das Sehen und Anerkennen des liebevollen Handelns anderer mir gegenüber), ein gegenseitiges Interesse, Wohlwollen, Wertschätzung etc. Ich würde die Liebe also nicht so stark wie du es hier tust im Spirituellen oder "Übersinnlichen", wie du es sogar nennst, verorten. Für mich persönlich ist es gerade wichtig, dass es etwas Ganzheitliches, Umfassendes hat. Aber ich finde es durchaus möglich und auch legitim, dass diese Gewichtung bei jedem anders ist.

Und ich nehme natürlich auch wahr, dass bei vielen Menschen eine seelische Erstarrung eingezogen ist, dass sie einem anderen Menschen gar keine Liebe mehr schenken können.
Das sehe ich nicht so oft, eigentlich gar nicht. Ich denke, manche Menschen brauchen, vermutlich wegen verletzenden Erfahrungen und wenig Erfahrung von Liebevollem gegenüber ihnen, etwas länger, um aufzutauen und Vertrauen aufzubauen. Aber das ist verständlich und in Ordnung, und ausserdem hängt es auch davon ab, wie du auf diese Menschen zugehst!

So ist es kein Wunder, dass Esoterik den Geruch von Manipulation und eiskalter Geschäftemacherei mit seelisch notleidenden Menschen hat. Esoterik und Spiritualität ist für mich ein individueller Erkenntnisweg, der keinen selbsternannten lauttönenden Gurumeister erfordert, sondern in individueller Stille stattfindet.
Esoterik hat (für mich auch!) auch den Geruch von vagem Wischiwaschi und so tun als ob, von sich Verlieren in Dingen, die irgendwo in der Ferne zu liegen scheinen, während man nicht merkt, was da gerade um einen ist, und es verpasst, darauf eine ebensolche (liebevolle) Antwort zu geben, wie man sie gerne predigt... Einen Geruch auch nach Räucherstäbchen, sodass es einem schwindlig wird und man denkt, die Leute, die das lieben, würden eigentlich aus dieser Welt flüchten (wollen).

Für mich jedenfalls ist die Liebe aber nichts Entrücktes, sondern genau im Hier und Jetzt in dieser Situation, wo ich mich gerade befinde, in dieser ganz realen Welt.
 
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  • #123
Psychologisch gesehen musst du dich zuerst lieben und erst dann kannst andere lieben. Natürlich liebe ich mich selbst. Ich nehm deinen Beitrag als Kompliment. Danke.
Naja, wenn ich so was lese, dann winke ich ab.

Schon mal drüber nachgedacht, dass diese Selbstbeweihräucherung kein bisschen besser ist als Selbstbstzweifel/-verdammung? Es erzeugt beides vergleichbare Verwerfungen, nur mit unterschiedlichen Vorzeichen. Die lösung kann man sich denken und erkennen wie nah oder weit man davon ist.

Grüße Cale
 
D

Deleted member 22756

  • #124
Ja, das stimmt. Vor allem ist es nicht einfach, seine blinden Flecken aufzudecken.
Das ist eine sehr spannende Richtung, die die Diskussion nimmt.
Auch, weil ich finde, dass das ebensoviel mit @Fraunettes Strang über das Verzeihen zu tun hat.
Ich glaube wirklich, dass der (oder ein ) Schlüssel zu beidem darin liegt, die eigenen Unzulänglichkeiten, das Hässliche, die Blinden Flecken und die zwangsläufig immer subjektive Handlungsweise und Sichtweise zu akzeptieren und im besten Fall etwas zu durchschauen.
Wenn ich das für mich akzeptieren kann, fällt es mir unendlich leichter, diese Fehler auch dem Anderen zu verzeihen und zuzugestehen. Sei es in oder nach der Beziehung.
Ich bin nie betrogen worden und ich habe meist verlassen; trotzdem hatte ich immer das Gefühl, ICH sei schwer verletz worden und müsse dem anderen etwas verzeihen. Dass ich natürlich meine Partner ebenso verletzt habe und auch sie mir verzeihen mussten habe ich erst seit meiner letzten Trennung verstanden.
Und ich denke, dass das auch damit zu tun hat, dass ich keine Erwartungen an meine neue Liebe haben möchte (was kaum ganz möglich ist.. ich versuche es). Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ganz viele dieser Verletzungen auf beiden Seiten durch unerfüllte und oft unausgesprochene (manchmal unbewusste) Erwartungen entstanden sind.
Es ist nicht einfach, diese Enttäuschungen bei sich zu lassen und nicht dem anderen die Schuld für ide eigene Frustration zu geben.
Kling vielleicht alles etwas kopflastig; ist es aber nicht... ist harte Arbeit.
 
A

*Andrea*

  • #125
@Luzi99: Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, diese Erwartungen auszusprechen, nicht um Druck zu machen, sondern im Gegenteil um einander besser zu verstehen und vielleicht auch zu sehen, weshalb welche dieser Erwartungen vielleicht gar nicht erfüllt werden können - oder auf andere Weise? Und andere Erwartungen könnten sich, wenn sie ausgesprochen werden, vielleicht leichter erfüllen. Denn wenn ich weiss, was ein geliebter Mensch sich wünscht, tue ich es doch eher, als wenn ich davon keine Ahnung habe. Ist es nicht ein Teil des Problems, dass wir oft von anderen erwarten, dass sie uns unsere Wünsche von den Augen ablesen können? Und wenn sie das nicht können, denken wir, sie seien die Falschen. Ich finde das irgendwie schade und eine verpasste Chance.
Was meinst du?
Was sind das denn für Erwartungen, die du hast?
 
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D

Deleted member 22756

  • #126
@*Andrea*
Da hast Du schon recht. Realistische Erwartungen kann ich aussprechen. Dann muss ich zwar damit leben, dass sie vielleicht nicht erfüllt werden, aber ich habe klar gesagt, was ich mir wünsche.
Aber erstens gibt es dann natürlich auch Enttäuschungen: ein Nein z.B.; das kann man akzeptieren oder eben nicht (also gehen). Dann gibt es aber eben noch die Erwartungen, die einem gar nicht bewusst sind. Das merke ich erst, wenn ich traurig bin oder enttäuscht, und ich dem Gefühl sozusagen hinterher gehe. Dann komme ich eben oft doch bei "Ich hätte aber so gerne gehabt, dass er..." an. Oder ganz runtergebrochen auf das Elementare: "Ich will aber, dass er alles gut macht und alles wieder heile ist!"
Es ist eben oft das schwerste an dem ganzen, sich selbst und seinen Wünschen auf die Schliche zu kommen.
 
D

Deleted member 21128

  • #127
@Luzi99 und @*Andrea*
Ich finde diese Fragestellung zum Thema Erwartungen sehr spannend! Wir wissen ja, dass Erwartungen zwangsweise zu Enttäuschungen bei einem selbst und zu Druck beim anderen führen können, daher ist es schöner, keine zu haben. Andererseits haben wir aber Bedürfnisse, und nicht alle kann der Partner erahnen.
In diesem Spannungsfeld bin ich zum Schluss gekommen, dass es schön ist, ein Bedürfnis zu äußern, aber ohne die Erwartung zu haben, dass es vom anderen befriedigt werden muss. Umgekehrt empfinde ich es als Kompliment, wenn meine Partnerin mir gegenüber ein Bedürfnis äußert.
Natürlich wird es auch dann zu Enttäuschungen führen, wenn diese Bedürfnisse zu wenig erfüllt werden.
Es ist nicht einfach, diese Enttäuschungen bei sich zu lassen und nicht dem anderen die Schuld für ide eigene Frustration zu geben.
Oh ja, alles andere als einfach. Und mitunter ist es auch einfach nicht (mehr) richtig, denn wo ist die Grenze, ab der man zum Ergebnis kommt, dass der andere tatsächlich nicht zu einem passt? (Love it or leave it.)
Realistische Erwartungen kann ich aussprechen. Dann muss ich zwar damit leben, dass sie vielleicht nicht erfüllt werden, aber ich habe klar gesagt, was ich mir wünsche.
Das könnte sogar bei unrealistischen Wünschen funktionieren, aber eben nicht, wenn sie als Erwartungen daherkommen oder aufgefasst werden.
Dann gibt es aber eben noch die Erwartungen, die einem gar nicht bewusst sind.
Du meinst, die einem erst danach bewusst werden, also eigentlich, wenn es zu spät ist? Die dienen ja dann aber dem anderen gegenüber nur noch zum Vorwurf, oder?
Es ist eben oft das schwerste an dem ganzen, sich selbst und seinen Wünschen auf die Schliche zu kommen.
Warum ist das für dich so? (Musst du natürlich hier nicht beantworten.)
 
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  • #128
D

Deleted member 22756

  • #129
Ich stimme dir weitestgehend zu @WolkeVier
Warum ist das für dich so? (Musst du natürlich hier nicht beantworten.)
Naja, es ist eben eine Sache, das ganze intelektuell verstanden zu haben; das Problem liegt dann doch wie so oft im Detail: der Psyche oder dem Unterbewussten (wie auch immer man diese schwer fassbare, umso weniger kontrollierbare Macht nennen will..).
Ich sehe es als nie endende Aufgabe im Leben, diese Blinden Flecken aufzuspüren und nich in die alten Fallen zu tappen.
 
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Deleted member 21128

  • #130
Ich sehe es als nie endende Aufgabe im Leben, diese Blinden Flecken aufzuspüren und nich in die alten Fallen zu tappen.
Das sehe ich genauso. Es werden immer blinde Flecken bleiben. Vielleicht sogar welche, bei denen es ganz gut ist, wenn wir sie nie aufdecken.
Ich hatte deine Aussage ursprünglich so verstanden, dass es dir (auch) sehr schwer fällt, deine eigenen Wünsche (Bedürfnisse?) zu erkennen, darauf bezog sich meine rhetorische Frage. Und klar, mich würd's auch interessieren, weil ich es bei mir nicht kenne.
 
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  • #131
Bei mir spielt es überhaupt keine Rolle, wann "Ich liebe dich." gesagt wird.
In meinem Leben habe ich "Ich liebe dich." noch kein einziges Mal gesagt. Dass ich mich verliebt habe, habe ich bisher ein Mal gesagt.
Mir fällt es gar nicht auf, wenn es nicht gesagt wird. Es spielt für mich also in diesem Sinne de facto überhaupt gar keine Rolle.

Was mir jedoch auffällt ist, wenn es gesagt wird. Und da fangen meine Probleme an... Denn meine Probleme mit dem Satz liegen in den Erwartungen meines Umfelds, die ich z.T. sicher nur vermute.
Kann ich gut nachvollziehen, denn ich wünschte du könntest dein Herz mehr öffnen und mehr intuitiv handeln. Was dein lebhafter Kopf dir sagt habe ich hingegen mehr als reichlich wahrgenommen.
Schon mal drüber nachgedacht, dass diese Selbstbeweihräucherung kein bisschen besser ist als Selbstbstzweifel/-verdammung?
Ein Extrem ist allgemein nie förderlich, ganz egal in welche Richtung es geht, es braucht stets Harmonie und Besinnung aufs Wesentliche.
Esoterik hat (für mich auch!) auch den Geruch von vagem Wischiwaschi und so tun als ob, von sich Verlieren in Dingen, die irgendwo in der Ferne zu liegen scheinen, während man nicht merkt, was da gerade um einen ist, und es verpasst, darauf eine ebensolche (liebevolle) Antwort zu geben, wie man sie gerne predigt...

Für mich jedenfalls ist die Liebe aber nichts Entrücktes, sondern genau im Hier und Jetzt in dieser Situation, wo ich mich gerade befinde, in dieser ganz realen Welt.
Die typische Esoterik ist ein beschränktes Denkmuster welche sich einer primitiven Schönwettermentalität mit darauf massgeschneiderten materialistischen Lösungen fokussiert, es ist schon lange nicht mehr seriös noch glaubwürdig. Ich habe deswegen in der Neoterik neue Ansätze gefunden welche das beschränkte Sichtfeld wieder erweitern. Die alternativen spirituellen Bereiche beschäftigen sich stark mit Achtsamkeit, somit wird auch auf das unmittelbare Umfeld reflektiert und nicht nur auf etwas "entrücktes".

Die Liebe ist für mich multidimensional, sie ist genau so im Hier und Jetzt wie auch als phantastisch einzustufen; so wie auch der Körper ohne immaterielle Bereiche nicht existieren kann, so drückt er das Unsichtbare jedoch katalytisch aus.
 
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  • #132
Ich denke die Fragestellung ist nicht stimmig.
Wenn es Liebe ist, ist es beidseitig und Du wirst es fühlen.
 
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*Andrea*

  • #133
Ich denke die Fragestellung ist nicht stimmig.
Wenn es Liebe ist, ist es beidseitig und Du wirst es fühlen.
Liebe ist doch sicher keine Sache von schwarz-weiss-Denken! Vielleicht ist sie sogar das beste Beispiel von etwas, dem schwarz-weiss-Denken schadet.

Liebe ist nicht entweder voll und ganz da oder überhaupt nicht, sondern man kann immer (manchmal leichter und manchmal schwerer) Liebe spüren und leben. Das mag auch etwas mit dem Verhalten des Gegenübers zu tun haben, aber grundsätzlich liegt die eigene Liebesfähigkeit in der eigenen Kompetenz. Wenn man diese aktiv lebt und versucht zu verstärken, dann hat das aber natürlich auch Auswirkungen auf die Handlungen der anderen einem selbst gegenüber.